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Libanon: Ein interreligiöses Wunder am Stadtrand von Beirut

3. Oktober 2021 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Kloster ist Begegnungsort für christliche und muslimische Familien


München-Wien (kath.net/KIN)

Ein Karmelitenkloster mit einem französischen Ehepaar als Patronen, das Christen und Muslime im Libanon gleichermaßen anzieht: Dieses „interreligiöse Wunder“ geschieht im Beiruter Vorort Hazmiyeh. Das kleine christliche Heiligtum dort ist den heiligen Louis und Zélie Martin geweiht, den Eltern der heiligen Theresia von Lisieux. Das Ehepaar wurde 2015 im Rahmen der römischen Bischofssynode zur Ehe- und Familienpastoral heiliggesprochen.

Mit der Wertschätzung für Ehe- und Familienleben hat auch die interreligiöse Anziehung des kleinen Wallfahrtsorts zu tun, erklärt der Provinzial der Unbeschuhten Karmeliten im Libanon, Pater Raymond Abdo: „Der Ort weckt großes Interesse. Auch Muslime besuchen ihn. Viele Paare kommen zu uns, vor allem Paare aus religionsverschiedenen Ehen. Es gibt auch Bekehrungen zum Christentum.“


Erster Wallfahrtsort für heiliges Ehepaar Martin

Die Karmeliten betreiben ein geistliches Zentrum, in dem sie Menschen seelsorgerisch begleiten oder Gebetskreise anbieten. Im Gespräch mit dem päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ erklärt der Ordensmann, dass es sich beim Heiligtum am Stadtrand von Beirut um den ersten Wallfahrtsort weltweit handle, der Louis und Zélie Martin gewidmet ist.

Doch nicht nur die Gedenkstätte für das heilige Ehepaar wird den ganzen Tag über von Christen wie Muslimen besucht: „Ich weiß nicht genau warum, aber auch die Statue Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel zieht viele Menschen an. Mehrere Jahre lang war die Kirche zu klein. Wegen des Platzmangels mussten vor allem am Sonntag viele Menschen draußen stehen.“

Wirtschaftskrise im Libanon erschwerte Bauvorhaben

Der ursprüngliche Plan, eine neue Kirche zu bauen, musste als zu teuer verworfen werden. Stattdessen haben sich die Karmeliten für einen Anbau entscheiden. Doch auch hier gab es Schwierigkeiten, die die prekäre Lage im Libanon widerspiegeln: „Viele unserer Wohltäter vor Ort wurden schwer von der Krise getroffen. Seit fast zwei Jahren sind die Schecks im Libanon nahezu wertlos.“

Unterstützung kam von „Kirche in Not“, weiteren Hilfswerken sowie privaten Spendern aus dem Ausland. Mitte September konnte nun die neue Kirche geweiht werden ‒ auch wenn noch nicht alles fertig ist, erzählt Pater Raymond. „Die heilige Messe wird noch auf dem provisorischen Altar aus Holz gefeiert. Der neue Altar soll im kommenden Jahr fertig sein.“

Christen stellen heute im Libanon rund ein Drittel der Bevölkerung, der nach wie vor stärkste christliche Bevölkerungsanteil im Nahen Osten. Doch ihre Zahl ist im Sinkflug: Ursachen sind der libanesische Bürgerkrieg (1975-1990), die anhaltende Polit- und Wirtschaftskrise seit 2019 und vor allem die verheerende Explosion vom 4. August 2020, die weite Teile Beiruts verwüstete. Aufgrund der steigenden Armut und der fehlenden Perspektiven sind die Christen in Scharen ausgewandert. Die katholische Kirche des lateinischen Ritus macht weniger als ein Prozent der Christen im Libanon aus. Dennoch verfügen sie über eine Anziehungskraft – wie das kleine interreligiöse Wunder am Stadtrand von Beirut beweist.

Foto: Finale Arbeiten im Kirchen-Anbau. © Jacques Berset/Kirche in Not


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