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„Schon seit Wochen greifen bischöfliche ‚Mitbrüder‘ Kardinal Woelki öffentlich an“

23. Juni 2021 in Aktuelles, 24 Lesermeinungen
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Sie agieren auch deshalb so „gegen ihn, weil sie meinen, sie könnten sich so am leichtesten aus Schusslinie nehmen bezüglich ihres eigenen fehlerhaften Verhaltens in sexuellen Missbrauchsfällen.“ Gastbeitrag von Ministerpräsident a.D. Werner Münch


Freiburg-Köln (kath.net) Das Bild, das z. Zt. einige Bischöfe bei uns in ihrem Verhalten untereinander abgeben, ist beschämend. Schon seit Wochen greifen bischöfliche „Mitbrüder” Kardinal Woelki öffentlich an. Sie verbreiten Misstrauen gegen ihn, fördern Absetzbewegungen von Priestern und Gläubigen im Bistum Köln von ihrem Bischof und geben als Ziel seinen Amtsverzicht aus. Sie agieren nicht zuletzt deshalb in dieser Weise gegen ihn, weil sie meinen, sie könnten sich so am leichtesten aus der Schusslinie nehmen bezüglich ihres eigenen fehlerhaften Verhaltens in sexuellen Missbrauchsfällen in ihren Bistümern. Der Rückzug von Kardinal Woelki aus dem „Synodalen Weg” ist ein von ihnen gewünschter Zusatzaspekt.
 
Einen besonders peinlichen „Höhepunkt” liefert in diesem Zusammenhang der Fuldaer Bischof Michael Gerber. In seinem Interview vor wenigen Tagen in der „Fuldaer Zeitung” wies er auf eine von ihm wahrgenommene „Entfremdung” zwischen Woelki und den Gläubigen hin, um dann seine „Weisheit” zu verkünden, dass man, wenn man an einem bestimmten Punkt angekommen sei, sich die Frage stellen müsste: „Bin ich noch richtig an meinem Platz?” Diese Frage hatte er nicht an sich selbst, sondern an Kardinal Woelki gerichtet. Die von Gerber wahrgenommene „Entfremdung zwischen Woelki und den Gläubigen” könne er leider nicht begründen, bekannte er öffentlich, denn er habe in letzter Zeit nicht mit Woelki gesprochen, sein Kontakt mit ihm sei nicht eng, und er kenne „die Situation im Erzbistum Köln nicht so genau.” Und warum äußert er sich dann in der Öffentlichkeit negativ über ihn, wenn er keinen Kontakt zu ihm hat und die Kölner Situation nicht kennt? Als Bischof ruft man seinen Mitbruder, der in Bedrängnis ist, nicht einmal an, sondern weist ihn stattdessen öffentlich darauf hin, sich die Frage zu stellen, ob er noch richtig an seinem Platz ist? Ja, geht´s noch? Ist das nicht blamabel und erschütternd für jeden Gläubigen, der das liest?
 
Gerber ist übrigens der Bischof, der in einer Priester – und Diakon – Weihe im Fuldaer Dom vor kurzem eine evangelische Bischöfin, die er eingeladen hatte, ein Grußwort sprechen ließ, in dem diese u. a. erklärte, dass sie „gerne mitgesegnet und mitkommuniziert” hätte und bedauerte, dass „neben den Männern keine Frauen zu Priesterinnen geweiht” worden seien. Hiervon gab es keine Distanzierung von Bischof Gerber, sondern er dankte ihr ausdrücklich für ihr „starkes ökumenisches Zeichen”.


Über einen solchen Bischof kann man nur den Kopf schütteln und gleichzeitig wütend und traurig sein.
 
Prof. Dr. Werner Münch (Foto) war von 1973 bis 1978 Rektor der Katholischen Fachhochschule Norddeutschland. Als CDU-Politiker gehörte er von 1984 bis 1990 dem Europäischen Parlament an. 1990 bis 1991 war er Finanzminister des Landes Sachsen-Anhalt, von 1991 bis 1993 ebenda Ministerpräsident. 2009 trat er aus der CDU aus. Der Politikwissenschaftler ist Kuratoriumsmitglied und Schirmherr des Forums Deutscher Katholiken.

Foto Prof. Münch (c) Werner Münch


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