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Benedikt XVI. bei der Madonna ‚Maria Advocata’

22. Juni 2020 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Benedikt XVI. – Licht des Glaubens: die heilige Sehnsucht. ‚Ipsum desiderium tuum, oratio tua est. Et si continuum desiderium, continua oratio’. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) 24. Juni 2010: Benedikt XVI. besucht das Dominikanerinnenkloster „Santa Maria del Rosario“ auf dem Monte Mario, wo einem die Stadt zu Füßen liegt. Das Kloster beherbergt einen der großen verborgenen Schätze Roms: die Ikone der „Maria Advocata“, eine Ikone der Gottesmutter, die der Überlieferung nach vom heiligen Evangelisten Lukas gefertigt wurde. Und wie aktuell doch ihre Geschichte ist in dieser Zeit der wütenden Raserei, in der die Verbrecher nicht einmal vor Statuen von Heiligen einhalten und die Zerstörung unter satanischem Grinsen und Schreien fortgesetzt wird.

 

Aber wie es so schön heißt: nil novi sub sole – nix Neues gibt’s nicht. Denn schon vor 1300 Jahren hatte der byzantinische Kaiser Leo III. heiligen Bildern den Krieg erklärt. Unzählige Ikonen wurden in jenem Kulturkampf zerhackt und verbrannt, ihre leidenschaftlichsten Verehrer verbannt, gefoltert, ermordet. Beinahe die ganze frühchristliche Kunst des Ostens wurde dadurch zerstört. Wie gesagt: nil novi sub sole. Das Elend des beschränkten menschlichen Geistes wiederholt sich immer, Zeichen des Wirkens Satans und der Ursünde.

 

Wenige Ikonen gelangten dann nach Rom und wurden so gerettet, und von vielen dieser Ikonen und ihrer Reisen könnte man Romane schreiben, bzw. eine Geschichte, die dann einem Roman ähneln könnte. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür dürfte wohl das „Volto Santo“ von Manoppello sein, das Papst Benedikt XVI. im Jahr 2006 besucht hatte: das wunderbare Antlitz Christi auf unbemalbarer Muschelseide.

 

Hier in Rom haben wir ein besonderes Beispiel: die „Madonna Maria Advocata“. Sie gehört zu den ältesten Ikonen überhaupt. Sie befand sich seit dem Jahr 1221 im Kloster der ersten Dominikanerinnen und begleitete diese dann durch die Jahrhunderte. Domenico de Guzman, der Gründer des Dominikanerordens, hatte sie persönlich am 28. Februar aus der nahen Kirche Santa Maria in Tempulo ins Kloster getragen. Auf welchen Wegen sie dort hin gelangt war, ist ungewiss. Nach Rom kam sie wohl schon Jahrhunderte vorher.

 

Und dann besuchte sie vor zehn Jahren Benedikt XVI. Der Papst vor dem Bild der Gottesmutter, gemalt von jenem Autor, dessen Werk sein letztes Jesus-Buch inspirierte. Nicht umsonst wurde Lukas im Mittelalter zum Schutzpatron der Maler. Ein inniger Abschluss eines Tages, ein betender Abschluss an jenem 24. Juni 2010, eingefügt in eine Intimität des Lobes, der Gegenwart, der Anerkenntnis.


 

Vor der Madonna Advocata auf dem Berg – in Stille die Messe, dann der Rosenkranz, während SIE einen anblickt. Und den Weg weist, zwei Hände, die nach rechts weisen, als die „Hodegetria“, an und für sich die Urikone der Gottesgebärerin: der Beginn eines Tages, der unvergesslich wird... Dann: Benedikt XVI. und die Advocata – der Abschlusse eines Tages, der in die Geschichte eingegangen ist.

 

 

Benedikt XVI., gemeinsames Gebet der Sext und Begegnung mit den Klausurschwestern des Dominikanerinnenklosters „Santa Maria del Rosario“, 24. Juni 2010:

 

Liebe Schwestern!

 

An eine jede von euch wende ich mich mit den Worten aus Psalm 125, den wir soeben gebetet haben: »Herr, tu Gutes den Guten, den Menschen mit redlichem Herzen« (V. 4). Ich möchte euch vor allem mit diesem guten Wunsch begrüßen: Der Herr gewähre euch seine Güte. Mein besonderer Gruß gilt eurer Mutter Priorin, der ich von Herzen für die freundlichen Worte danke, die sie im Namen der Gemeinschaft an mich gerichtet hat. Mit großer Freude habe ich die Einladung zum Besuch dieses Klosters angenommen, um gemeinsam mit euch zu Füßen des Acheropita-Bildes der Gottesmutter von »San Sisto« zu verweilen, der früheren Schutzfrau der römischen Klöster »Santa Maria in Tempulo« und »San Sisto«.

 

Wir haben zusammen die Sext gebetet, einen kleinen Teil jener liturgischen Gebete, die euren Tagesablauf als Klausurschwestern bestimmen und euch zu Sprecherinnen der bräutlichen Kirche machen, die in besonderer Weise mit ihrem Herrn vereint ist.

 

Durch dieses gemeinsame Beten, das seinen Höhepunkt in der täglichen Teilnahme am eucharistischen Opfer findet, wird eure Weihe an den Herrn im Schweigen und in der Abgeschiedenheit reich und fruchtbringend, und dies nicht nur im Hinblick auf den Weg eurer persönlichen Heiligung und Läuterung, sondern auch bezüglich des Apostolats der Fürbitte, das ihr für die ganze Kirche ausübt, damit sie rein und heilig vor das Antlitz des Herrn treten kann. Ihr, die ihr die Wirksamkeit des Gebets nur allzu gut kennt, spürt jeden Tag, wie viele Gnaden der Heiligung es für die Kirche erwirken kann.

 

Liebe Schwestern, eure Gemeinschaft ist ein Ort, an dem ihr beim Herrn wohnen könnt; sie ist für euch das neue Jerusalem, zu dem die Stämme des Herrn hinaufziehen, um den Namen des Herrn zu preisen (vgl. Ps 121,4). Seid der göttlichen Vorsehung dankbar für die erhabene und ungeschuldete Gabe der monastischen Berufung, zu der euch der Herr völlig unverdient gerufen hat. Mit Jesaja könnt ihr von euch behaupten: »…der Herr hat mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht gemacht« (Jes 49,5). Noch bevor ihr geboren wurdet, hat der Herr euer Herz für sich bewahrt, um es mit seiner Liebe erfüllen zu können. Durch das Sakrament der Taufe habt ihr die göttliche Gnade empfangen und seid, eingetaucht in seinen Tod und seine Auferstehung, Jesus geweiht worden, um ihm allein anzugehören. Die Art des kontemplativen Lebens, die ihr aus den Händen des hl. Dominikus in Form der Klausur empfangen habt, stellt euch als lebendige und lebensnotwendige Glieder mitten ins Herz des mystischen Leibes des Herrn, der die Kirche ist; und ebenso wie das Herz das Blut zum Zirkulieren bringt und den ganzen Leib am Leben hält, so trägt auch euer verborgenes Leben mit Christus, das von Arbeit und Gebet geprägt ist, zum Erhalt der Kirche bei, die Werkzeug des Heils für jeden Menschen ist, den der Herr mit seinem Blut erlöst hat.

 

Aus dieser unversiegbaren Quelle schöpft ihr mit eurem Gebet, indem ihr vor den Allerhöchsten die geistlichen und materiellen Bedürfnisse so vieler Brüder und Schwestern in Not und das orientierungslose Leben all jener bringt, die sich vom Herrn entfernt haben. Wie könnte man nicht Mitleid empfinden für diejenigen, die ziellos umherzuirren scheinen? Wie könnte man sich nicht wünschen, daß es in ihrem Leben zur Begegnung mit Jesus komme, der allein dem Leben einen Sinn verleihen kann? Die heilige Sehnsucht, daß das Reich Gottes im Herzen eines jeden Menschen Raum finde, ist mit dem Gebet selbst gleichzusetzen, wie es uns der hl. Augustinus lehrt: »Ipsum desiderium tuum, oratio tua est; et si continuum desiderium, continua oratio« (vgl. Ep. 130,18–20); wie das Feuer, das brennt und nie verlöscht, so bleibt auch das Herz immer wach und voller Sehnsucht, und unablässig erhebt es sein Loblied zu Gott.

 

Liebe Schwestern, achtet daher darauf, daß über die jeweiligen Momente des Gebets hinaus euer Herz in allem, was ihr tut, stets von der Sehnsucht geleitet wird, Gott zu lieben. Mit dem Bischof von Hippo möget ihr erkennen, daß der Herr selbst seine Liebe in eure Herzen gelegt hat, eine Sehnsucht, die eurem Herzen Weite schenkt und es befähigt, Gott selbst aufzunehmen (vgl. In Io. Ev. tr. 40,10). Dies ist der Horizont eures irdischen Pilgerweges! Dies ist euer Ziel! Aus diesem Grund habt ihr euch dafür entschieden, im Verborgenen und im Verzicht auf irdische Güter zu leben: damit ihr vor allem jenes eine, unvergleichliche Gut erstreben könnt, jene wertvolle Perle, für die es sich lohnt, auf jedes andere Gut zu verzichten, um in ihren Besitz zu kommen.

 

Möget ihr jeden Tag euer »Ja« zu den Plänen Gottes sprechen können, mit derselben Demut, mit der auch die selige Jungfrau ihr »Ja« gesprochen hat. Sie, die das Wort Gottes in Stille aufgenommen hat, führe euch Tag für Tag in eurer jungfräulichen Lebenshingabe, damit ihr im Verborgenen jene tiefe Innerlichkeit verspüren könnt, die sie selbst mit Jesus erlebt hat. Während ich um ihre mütterliche Fürsprache bitte – zusammen mit der Fürsprache des hl. Dominikus, der hl. Katharina von Siena und der vielen heiligen Männer und Frauen des Dominikanerordens –, erteile ich euch allen meinen besonderen Apostolischen Segen, den ich gern auf all jene ausweite, die sich eurem Gebet anvertrauen.


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Lesermeinungen

 lesa 22. Juni 2020 

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