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Gottes Freude ist es, bei den Menschen zu wohnen

11. Februar 2018 in Spirituelles, keine Lesermeinung
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Hl. Thomas Morus: „Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.“ Sonntagspredigt von Prof. Josef Spindelböck


St. Pölten (kath.net/St. Josef) 6. Sonntag im Jahreskreis B (11.02.2018) L1: Lev 13,1-2.43ac.44ab.45-46; L2: 1 Kor 10,31-11,1; Ev: Mk 1,40-45

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Viel ist in diesen Tagen des Faschings von der Freude die Rede! Was auffällt, ist natürlich die ausgelassene Freude und das mitunter bis zum Exzess vorangetriebene Treiben dieser „unsinnigen“ Tage!

Andererseits: Gerade der Fasching kennt auch einen Ernst im Sinne der Tiefgründigkeit des Humors. Denn Humor ist nicht nur äußerliche Unterhaltung, sondern eine besondere Weise, über die Welt und das Leben nachzudenken und manche Dinge in der Weise der Überzeichnung wieder ins rechte Licht zu stellen. Als Christen brauchen wir uns vor dem Fasching nicht zu fürchten; erstens vergeht er schneller, als man meint 😉 – und zweitens ist guter Humor tatsächlich eine Gabe Gottes, wie es der hl. Thomas Morus in einem Gebet um die Gabe des Humors zum Ausdruck bringt. Es lautet:

„Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen.
Schenke mir Gesundheit des Leibes, mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten.
Schenke mir eine heilige Seele, Herr,
die das im Auge behält, was gut ist und rein,
damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke,
sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.
Schenke mir eine Seele, der die Langeweile nicht fremd ist,
die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen,
und lass nicht zu,
dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breitmachende Etwas,
das sich ‚Ich‘ nennt.


Herr, schenke mir Sinn für Humor,
gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen,
damit ich ein wenig Glück kenne im Leben
und anderen davon mitteile.“

Wer war Thomas Morus? Er lebte von 1478 – 1535 und war ein bedeutender englischer Humanist. Politisch war er als Lordkanzler König Heinrichs VIII. tätig, bis er von diesem vor eine folgenschwere Alternative gestellt wurde: Der König kündigte nämlich die kirchliche Einheit mit dem Papst in Rom auf, da dieser sich geweigert hatte, seine rechtmäßige erste Ehe für ungültig zu erklären. Nun aber erklärte König Heinrich VIII. sich selber zum Oberhaupt der anglikanischen Kirche, die bis heute von Rom getrennt ist. Thomas Morus legte daraufhin sein Amt als Lordkanzler zurück. In der Folge sollte Thomas Morus einen Eid auf den König leisten, den er aus Gewissensgründen verweigerte. Er wurde daraufhin wegen Hochverrat zum Tode verurteilt und starb als Märtyrer. Diesen letzten Akt der Hingabe seines Lebens vollzog er nicht aus Fanatismus oder Engstirnigkeit, sondern aus einer lebendigen Treue gegenüber Christus, der Katholischen Kirche und dem Papst sowie als Zeugnis für die Heiligkeit des Ehesakramentes und dessen Unauflöslichkeit. Er starb in christlicher Hoffnung – und nicht ohne Humor! „Laut einer Anekdote bat er den Henker bei seiner Hinrichtung, beim Zuschlagen mit dem Beil auf seinen Bart zu achten, da dieser nicht Hochverrat begangen habe.“

Noch etwas ist für die Kirche am 11. Februar wichtig: es ist der Gedenktag Unserer Lieben Frau von Lourdes und zugleich der Welttag der Kranken. Die Texte der ersten Lesung sowie des Evangeliums sprechen eine besonders heimtückische Krankheit an: den Aussatz. Diese Krankheit ist nicht nur mit massiven gesundheitlichen Problemen verbunden, die unbehandelt zum Tod führen, sondern auch mit einer sozialen Ausgrenzung, mit einer Stigmatisation. Denken wir daran, dass kranke Menschen nicht nur gute medizinische Betreuung brauchen, sondern auch unsere liebevolle Zuwendung, sodass sie spüren, sie sind angenommen und willkommen! Dies fördert auch den Genesungsprozess. Und auch dort, wo eine Heilung nicht möglich ist, soll die Krankheit als solche zum Heile dienen. Denn in Einheit mit Christus können kranke und leidende Menschen ihre Beschwerden Gott als Gabe der Liebe darbringen, was sich segensreich auswirkt für viele.

Schließen wir nochmals ab mit der Freude! Im Tagesgebet des 6. Sonntags im Jahreskreis B heißt es unter anderem, dass es Gottes Freude ist, bei den Menschen zu wohnen. Unser Gott liebt die Menschen, und damit wir diese Liebe in Fülle erfahren können, wollen wir die Fürbitte der seligen Jungfrau Maria anrufen. Gott schenke uns – wie es im Tagesgebet heißt – ein neues und reines Herz, das bereit ist, ihn aufzunehmen! Amen.


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