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Die Versuchungen des Pelagianismus und des Gnostizismus

12. November 2015 in Aktuelles, 7 Lesermeinungen
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Franziskus zeichnet in Florenz den Weg der Kirche vor, mahnt dazu, die Gesinnung Christi anzunehmen und warnt vor zwei Versuchungen. Der einzig mögliche ‚christliche Humanismus’. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) In diesen Tagen ist die Kirche von Italien in Florenz zu ihrem 5. Kongress zusammengetreten. Die Kongresse dienen dazu, Weichen für das künftige Handeln und die Gegenwart der Kirche in der Gesellschaft zu stellen. Gleichzeitig repräsentieren diese synodalen Zusammenkünfte einen Ort, an dem die Kirche in Italien über ihre Art und Weise nachdenkt, das Evangelium zu verkünden und es im Konkreten zu leben. Die diesjährigen Auseinandersetzungen stehen unter dem Leitmotiv der Reflexion über einen „neuen Humanismus in Jesus Christus“.

Der Pastoralbesuch von Papst Franziskus in Florenz am 10. November stand im Zeichen dieses Kongresses. Mit Spannung erwarteten die rund 2.500 Teilnehmer (Laien, Verbände, Bewegungen zusammen mit fast allen Bischöfen), was Franziskus der italienischen Kirche ins Stammbuch schreiben würde. Ein Spannung, die umso größer war, da dies nach den anfänglichen „Umstrukturierungen“ und Neuausrichtungen durch den Papst und Primas von Italien, der mehr als seine Vorgänger direkt in das Leben der Kirche des Landes eingreift, die erste an alle gerichtete Wortmeldung vor einer Kirche „im neuen Aufbruch“ war.

Die lange Ansprache des Papstes lässt sich in drei Fragen zusammenfassen: Was ist der Kern eines Humanismus in Jesus Christus? Was sind die Versuchungen, die von einer authentischen Verwirklichung des Christseins wegführen? Was ist der Weg, auf dem eine Kirche „im Aufbruch“ voranschreiten soll, was sind dessen Wegmarken?

Der dritten Frage war der zweite Teil der Ansprache des Papstes gewidmet: „Was sollen wir tun, Vater? – werdet ihr fragen? Was fordert der Papst von uns? – Die Entscheidung liegt bei euch: dem Volk und den Hirten zusammen“. Wie es jedoch seinem durchaus autoritären und direkt eingreifenden Leitungsstil entspricht, hielt diese Aussage Franziskus nicht davon ab, präzise Anweisungen zu geben, was – ausgehend vom „Ecce homo“ Jesu Christi – zu tun sei. Das ganze Volk Gottes müsse die Botschaft Jesu leben und verkünden. Unmissverständlich brachte der Papst seinen Wunsch für die kommenden Jahre zum Ausdruck (ein „Wunsch“, der einem konkreten Auftrag des obersten Hirten entspricht):

„Versucht, in jeder Gemeinde, in jeder Pfarrei und Institution, in jedem Bistum und Kirchenbezirk, in jeder Region auf synodale Weise eine Vertiefung von ‚Evangelii gaudium’ in Gang zu bringen, um dieser apostolischen Exhortation die praktischen Kriterien zu entnehmen und ihre Bestimmungen zu verwirklichen“.

Der „Boss“ ist unmissverständlich. Der Papst äußert seinen Willen und fordert klar, entschlossen und in Ausübung seiner Vollmacht als Bischof von Rom, dass diesem in Gehorsam gefolgt wird.

Einleitend hatte Franziskus erläutert, worin er den Kern des an sich schwierigen Begriffs eines „Humanismus“ in Jesus Christus sieht:

„Ich will hier nicht im Abstrakten einen ‚neuen Humanismus’ abzeichnen“, so der Papst, „eine gewisse Idee des Menschen, sondern in aller Einfachheit einige Züge des christlichen Humanismus vorlegen, der jener der ‚Gesinnungen Jesu’ ist (vgl. Phil. 2,5). Diese sind keine abstrakten und provisorischen Seelenbewegungen, sondern stellen die warme innere Kraft dar, die uns befähigt, zu leben und Entscheidungen zu treffen“.

Was sind das für Gesinnungen? Franziskus stellte als Grundlage drei dieser Gesinnungen vor: Demut, Uneigennützigkeit und Seligkeit.

Dann erläuterte er kurz „Versuchungen“, denen die Christen ausgesetzt seien und derer es viele gebe. Leser der Santa-Marta-Predigten, vor allem der Jahre 2013 und 2014, werden diese Grundversuchungen leicht wiedererkennen, da sie einer der Refrains der päpstlichen Katechese darstellen.

Mit einem ironischen Lächeln meinte der Papst: „Ich stelle euch wenigsten zwei vor. Nein, erschreckt nicht, das hier wird kein ‚Verzeichnis von Versuchungen’ werden! Wie jene fünfzehn, die ich der Kurie gesagt habe...“.

Die erste Versuchung ist für Franziskus die Versuchung des Pelagianismus. Eine Reform der Kirche erschöpfe sich nicht im soundsovielten Plan zur Veränderung von Strukturen. Wahre Reform bedeute, sich in Christus einzupflanzen und zu verwurzeln und sich dabei vom Geist leiten zu lassen:

„Die Versuchung des Pelagianismus bringt die Kirche dazu, nicht demütig, uneigennützig und selig zu sein. Und sie tut dies unter dem Anschein von etwas Gutem. Der Pelagianismus bringt uns dazu, unser Vertrauen auf Strukturen, Organisationen, vollkommene, weil abstrakte Planungen zu setzen. Oft bringt er uns dazu, einen Stil der Kontrolle, der Härte, der Normativität anzunehmen. Die Norm gibt dem Pelagianer die Sicherheit, sich überlegen zu fühlen, eine präzise Ausrichtung zu haben. Darin findet er seine Kraft, nicht in der Leichtigkeit des Hauchs des Geistes. Angesichts der Übel und der Probleme der Kirche nützt es nichts, Lösungen in Konservatismen und Fundamentalismen zu suchen, in der Restauration von überwundenem Verhalten und überwundenen Formen, die nicht einmal auf einer kulturellen Ebene die Fähigkeit besitzen, bedeutsam zu sein.

Die christliche Lehre ist kein geschlossenes System, das unfähig ist, Fragen, Zweifel, Problemstellungen zu erzeugen, sondern sie ist lebendig, sie versteht es, in Unruhe zu versetzen, sie versteht es, zu beleben. Sie hat kein starres Antlitz, sie hat einen Leib, der sich bewegt und entwickelt, sie hat ein zartes Fleisch: die christliche Lehre heißt Jesus Christus.

Dann: der Reform der Kirche – Ecclesia semper reformanda – ist der Pelagianismus fremd. Sie erschöpft sich nicht im soundsovielten Plan zur Veränderung von Strukturen. Reform bedeutet dagegen, sich in Christus einzupflanzen und zu verwurzeln und sich dabei vom Geist leiten zu lassen. Dann wird alles mit Genialität und Kreativität möglich sein“.

Eine zweite Versuchung, die es niederzuringen gelte, sei die des Gnostizismus:

„Sie führt dazu, sein Vertrauen auf das logische und klare Denken zu setzen, das jedoch die Zärtlichkeit für das Fleisch des Bruders verliert. Die Faszination des Gnostizismus ist jene ‚eines im Subjektivismus eingeschlossenen Glaubens, bei dem einzig eine bestimmte Erfahrung oder eine Reihe von Argumentationen und Kenntnissen interessiert, von denen man meint, sie könnten Trost und Licht bringen, wo aber das Subjekt letztlich in der Immanenz seiner eigenen Vernunft oder seiner Gefühle eingeschlossen bleibt’ (Evangelii gaudium, 94). Der Gnostizismus ist transzendenzunfähig.

Der Unterschied zwischen der christlichen Transzendenz und irgendeiner Form des gnostischen Spiritualismus besteht im Geheimnis der Fleischwerdung. Das Wort nicht in der Praxis umzusetzen, es nicht zur Wirklichkeit zu führen bedeutet, auf Sand zu bauen, in der reinen Idee zu verbleiben und in Intimismen zu verkümmern, die nichts fruchten, die seine Dynamik steril machen“.

Papst Franziskus ist klar: Jesus Christus und sein Evangelium sind der absolute Mittelpunkt. Alles andere kommt nachher und muss an der Treue und am Gehorsam gegenüber dem Herrn gemessen werden. Nur der Blick auf Christus und sein Kreuz machen den Weg frei für die wahre Sicht auf den Menschen. Wenn überhaupt von „christlichem Humanismus“ die Rede sein kann, so erfüllt sich dieser im Geheimnis Gottes, das im Antlitz Christi eingeprägt ist.

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Lesermeinungen

 Diasporakatholik 15. November 2015 
 

@Ehrmann,@Fink,@wandersmann

VOLLE ZUSTIMMUNG ZU IHRER KRITIK AN DIESE ÄUßERUNGEN VON FRANZISKUS I!!!!


1
 
 Wiederkunft 13. November 2015 
 

Vertiefung

Liebe Glaubens Geschwister, wir haben es hier mit einem Papst zu tun, der uns ermahnt endlich in die Mitte des Evangeliums vor zu dringen. Dogmen sind wichtig um Orientierung zu haben, aber mit Dogmen kann man keine Menschen für Jesus gewinnen. Nur wer sich auch vor den Ungläubigen oder den im Egoismus gefangenen demütigt, ihm dient und ihm aufrichtig seine liebe erweist, bewegt sein Herz hin zu Jesus. Das meint der Papst hier, und ich kann das aus meiner eigenen Lebenserfahrung nur bestätigen.


2
 
 wandersmann 12. November 2015 
 

Ich kann immer weniger damit anfangen - Beichte

Auch mein Verständnis von der heiligen Beichte müsste ich ändern, wenn ich den Papst ernst nehme. Er sagt nämlich:

"Und wenn wir zum Beispiel zu Beichte gehen, dann ist es nicht so, dass wir unsere Sünden gestehen und Gott vergibt uns. Nein, das ist es nicht!"
http://de.radiovaticana.va/storico/2013/06/15/papstpredigt_%E2%80%9Echristlicher_friede_ist_unruhig%E2%80%9C/ted-701796

Doch. Das ist es, aber.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Wie funktioniert diese Vergebung der Sünden denn sonst?


5
 
 wandersmann 12. November 2015 
 

Ich kann immer weniger damit anfangen,

"Lösungen in Konservatismen und Fundamentalismen zu suchen, in der Restauration von überwundenem Verhalten und überwundenen Formen, die nicht einmal auf einer kulturellen Ebene die Fähigkeit besitzen, bedeutsam zu sein."

Inwiefern die kulturelle Bedeutung eines Verhaltens für dessen Beurteilung aus christlicher Sicht irgendwie relevant sein kann, das verstehe ich auch nicht.

Welche kulturell prägende Relevanz hat denn der Rosenkranz außerhalb einer kleinen konservativen Gruppe?
Es gibt aber allerheiligste Personen, die meinen, dass von solchen Fundamentalismen das Wohl und Wehe dieser Welt abhängt.

Oder welche kulturelle Relevanz hatten denn die Sühneleiden viele großer Heiliger?


6
 
 Fink 12. November 2015 
 

"Kein geschlossenes System" ?

Keine verbindliche Glaubenslehre ?
Leider sehe ich auch bei Papst Franziskus die Tendenz, das "Dogma" abzuwerten. Ich habe von ihm noch kein positives Wort zum "Katechismus" gehört. Oder täusche ich mich? Ich lasse mich gern korrigieren.


10
 
 Ehrmann 12. November 2015 

Logisches und klares Denken gegen Zärtlichkeit für das Fleisch des Bruders???

Wenn eine Beziehung auf die"Zärtlichkeit für das Fleisch des Bruders" ausgerichtet wird und ohne logisches und klares Denken auszukommen meint, wird sie nicht lange Bestand haben. Wie soll es dann möglich sein, sich bei Problemen in die Situation des anderen versetzen und ihn verstehen zu können? Das gegenseitige Verstehen ist immer noch die größere Notwendigekeit für die Liebe als die Zärtlichkeit - mit Zärtlichkeit hätte der barmherzige Samariter dem Mann nicht helfen können, der unter die Räuber gefallen war. Mit Hilfestellung für das Verständnis des Anderen konnte ich hingegen schon manche Ehe retten, die in Brüche zu gehen drohte.


8
 
 Stefan Fleischer 12. November 2015 

"Wenn wir nicht mit dem Kreuz Christi zu den Menschen kommen

sind wir keine Jünger des Herrn" Was Papst Franziskus kurz nach seiner Wahl gesagt hat, das gilt auch heute noch. In keinem anderen Zeichen, oder besser gesagt in keiner anderen Realität oder Lebenswirklichkeit ist Heil!


7
 

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