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Ein italienischer ‚Papabile‘: Angelo Kardinal Scola

6. März 2013 in Aktuelles, 3 Lesermeinungen
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Der Sohn eines lombardischen Lastwagenfahrers ist ein Kirchenfürst ohne Berührungsängste - Von Paul Badde (Die Welt)


Vatikan (kath.net/Die Welt) Im Wappen Angelo Kardinal Scolas (72), des Erzbischofs von Mailand, meinen manche Beobachter schon das Schiff Petri auf den Wellen schaukeln zu sehen. Doch das muss bei dem ehemaligen Bischof Grossetos und Patriarchen von Venedig nicht viel heißen. Italienische Bischöfe und Kardinäle sind bei der 7.600 km langen Küste des Landes irgendwie alle geborene Kapitäne - oder fühlen sich zumindest so. Oder sie haben Anhänger, die diesen Ruf gern verbreiten. Solche Getreuen kommen bei Angelo Scola zum Beispiel aus der politisch ebenso aktiven wie starken Laienbewegung „Communione e Liberazione“, der sich der gebildete Kirchenfürst seit langem eng verbunden wusste. Dass er sich von der Bewegung im letzten Jahr unter mysteriösen Umständen angeblich distanziert haben soll, wird an dieser Treue im Grundsatz nichts ändern.

So wundert nicht, dass er von interessierten Anhängern und großen Teilen der Presse im Konklave von 2005 schon als möglicher Nachfolger Johannes Paul II. gehandelt wurde - und so gilt er auch jetzt wieder als einer der prominentesten „papabile“ für die Nachfolge Benedikt XVI. im internationalen Papst-Toto. Unter den Römern hingegen gilt weiterhin das Sprichwort, dass gewöhnlich alle, die das Konklave als „papabile“ betreten würden, es ebenso wieder verlassen würden, also in Purpur und nicht in Weiß. Ausnahmen bestätigen die Regel – wie beim letzten Mal, als Joseph Ratzinger von Anfang an ein hoher Favorit war, als 265. Nachfolger des Apostel Petrus in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten, und sich dann auch tatsächlich im Konklave in Benedikt XVI. verwandelte.


Als verlässlich darf aber auch das Interesse von einer Mehrzahl der im Konklave noch immer überproportional vertretenen italienischen Kardinäle gelten, nach dem polnischen und bayrischen Papst diesmal wieder einen Kandidaten aus ihren Reihen auf den Heiligen Stuhl zu wählen. Für viele von ihnen bietet sich Angelo Scola deshalb als idealer Kandidat an. Drei ehemalige Patriarchen Venedigs sind im letzten Jahrhundert schon Papst geworden: Pius X. (1903 – 1914), Johannes XXIII. (1958 – 1963) und Johannes Paul I. (1978). Ähnlich wie diese drei gilt auch Scola trotz all seiner Bildung als volkstümlich und bauernschlau. In Venedig konnte man den Sohn eines lombardischen Lastwagenfahrers aus dem Städtchen Malgrate nördlich von Mailand bis zum Schluss auf seinem Weg von und zum Markusdom auch immer wieder ohne Berührungsängste auf den vollgestopften „Vaporetti“ antreffen, den Booten des öffentlichen Linienverkehrs, die in der Lagunenstadt allerdings auch das denkbar beste Fortbewegungsmittel darstellen. Das lässt sich von den Bussen Mailands in diesem Sinn nicht behaupten, wohin er im Sommer 2011 von Benedikt XVI. als Leiter der modernsten größten Diözese Italiens und Europas berufen wurde. Zum Kardinal wurde er schon im Oktober 2003 von Johannes Paul II. erhoben.

Scola hat in der Schweiz, in München und in Paris studiert, war von 1995 bis 2002 Rektor der päpstlichen Lateran-Universität in Rom und sowohl Joseph Ratzinger wie Benedikt XVI. theologisch und freundschaftlich verbunden. Zuletzt erregte er aus Anlass des 1700-Jahr-Jubiläums des Mailänder Edikts Aufsehen mit einer scharfen Kritik an jener „strikten Laizität“, die nach dem Vorbild Frankreichs und einer inzwischen weltweit verbreiteten liberalen Auffassung die totale Trennung von Staat und Religion propagiert. Mit dem berühmten „Toleranz-Edikt“ hat Kaiser Konstantin (272-337) im Jahr 313 den Bürgern des römischen Weltreiches erstmals vollkommene Religionsfreiheit gewährt. 1700 später beklagte nun Angelo Scola die Vorstellung eines weltanschaulich „neutralen Staates“ als „sehr problematisch“, weil solch eine vorgebliche Neutralität in ethischen Fragen de facto unmöglich sei. Eine wirkliche Neutralität des Staates in religiösen Dingen könne es allein deshalb nicht geben, weil diese „auf ein Neutralisieren“ jener Visionen hinauslaufe, die das Funktionieren der Gesellschaft sicherstellten. Die erste Vision Europas sei aber immer noch in dem Traum zusammen gefasst, in dem Kaiser Konstantin am Vorabend der Schlacht an der Milvischen Brücke ein Christusmonogramm erschienen sei, wozu er die Stimme gehört habe: „In diesem Zeichen wirst du siegen“. Angelo Scolas Alarmruf verdichtete dazu nun in einem späten Kommentar den Satz Ernst-Wolfgang Böckenfördes, dass „der freiheitliche, säkularisierte Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann“ mit der Erkenntnis Chestertons, nach dem der, der „nicht an Gott glaubt, nicht an nichts, sondern an alles glaubt“.

kathTube-Kurzvideo: Angelo Kardinal Scola begrüßt Papst Benedikt XVI. zum Weltfamilientreffen in Mailand 2012 (engl., Rome Reports)


Foto Angelo Kardinal Scola: © http://www.chiesadimilano.it


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