Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:








Top-15

meist-diskutiert

  1. Segnen geht anders
  2. Kardinal Müller: „Die sogenannte Interkommunion zementiert die Kirchenspaltung“
  3. Kfd ruft zum Predigerinnentag auf und beruft sich auf „Apostelin Junia“
  4. Vatikan für Zurückhaltung in US-Debatte um Kommunionempfang
  5. US-Berater Fauci meint: Geistliche sollen Gläubige von Covid-Impfung überzeugen
  6. Die Krise: ein Weckruf an die Menschheit
  7. Franziskus von "konservativen Kräften" gefangen?
  8. 1521 – 2021: zur Klärung der Begriffe. Schisma und Häresie
  9. "Bischof" darf nicht zum Schimpfwort werden!
  10. Die Glaubenskongregation ist Stellvertretungsorgan des Papstes
  11. Heiligenkreuz: Konflikt um Kirchenhistoriker Schachenmayr
  12. Was steckt eigentlich hinter dem ›Gender-Sternchen‹?
  13. Gewalt gegen Israel
  14. USA unter Biden steigen aus Lebens- und Familienschutzerklärung aus
  15. Frankreichs Bildungsminister verbietet Gendern an Schulen

Sexueller Missbrauch: Evangelische Lehrer und Pastoren mischten mit

28. November 2012 in Deutschland, 5 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Ein Haupttäter war der evangelische Theologe Gerold Becker (1936-2010), der von 1972 bis 1985 die „reformpädagogische“ Odenwaldschule leitete. Er war von der EKD in Sachen Konfirmandenarbeit herangezogen worden.


München (kath.net/idea) Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Lehrer und Geistliche ist keineswegs auf die katholische Kirche beschränkt. Auch evangelische Pädagogen und Theologen haben sich in den achtziger und neunziger Jahren schwerster Vergehen schuldig gemacht. Strafrechtlich sind diese verjährt, aber die Opfer leiden meist lebenslang. Ihr Schicksal kam erneut an das Licht der Öffentlichkeit, als einem ehemaligen Schüler der Odenwaldschule (Heppenheim-Oberhambach) am 26. November in München der Geschwister-Scholl-Preis verliehen wurde. In seinem unter dem Pseudonym „Jürgen Dehmers“ geschriebenen Buch „Wie laut soll ich denn noch schreien?“ schildert der heutige Lehrer Andreas Huckele (43) die Gefühle der Ohnmacht, Angst, Wut, Ekel und Suchtkrankheiten, die der hundertfache Missbrauch von Jungen und Mädchen sowie die Vertuschung hinterlassen hat. In der Laudatio des mit 10.000 Euro dotierten Preises wird Huckeles „seltenes Beispiel von Mut“ gewürdigt.

Evangelischer Theologe missbrauchte Schüler

Ein Haupttäter war der evangelische Theologe Gerold Becker (1936-2010), der von 1972 bis 1985 die „reformpädagogische“ Odenwaldschule leitete. Huckele wurde zuerst als 13-Jähriger und dann rund 400 Mal von Becker missbraucht. Insgesamt sind 132 Opfer bekannt; mehr als ein Dutzend Lehrer und Erzieher gehörten zu den Tätern. Becker, der bis zu seinem Tode mit dem auch in der evangelischen Kirche angesehenen Pädagogen Hartmut von Hentig (87) in Berlin zusammenlebte, räumte 2010 erstmals sexuelle Handlungen an Schülern ein. In einem Schreiben bat er um Entschuldigung, wenn er sie durch Annäherungsversuche oder Handlungen sexuell bedrängt oder verletzt habe.


Becker gehörte 1998 zur EKD-Bildungskammer

Der pädophile Becker gehörte 1998 zur Kammer der EKD für Bildung und Erziehung und ihrer Arbeitsgruppe „Konfirmandenarbeit“, die sich mit der Konfirmation im Wandel unter dem Titel „Glauben entdecken“ beschäftigte. 1998 waren bereits erste Vorwürfe gegen Becker wegen sexuellen Missbrauchs bekannt geworden, unter anderem durch einen Artikel in der Zeitung „Frankfurter Rundschau“. Staatsanwaltliche Ermittlungen wurden wegen Verjährung eingestellt.

Zu den prominenten Schülern des 1910 gegründeten Landerziehungsheims Odenwaldschule gehören die Porno-Händlerin Beate Uhse (1919-2001) und der Europa-Abgeordnete der Grünen, Daniel Cohn-Bendit (67).

Seelsorger vergehen sich an Jungen und Mädchen

Nicht nur evangelische Pädagogen, sondern auch Seelsorger haben sich des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig gemacht. Zu den schwerwiegendsten Fällen zählen die Vorgänge in der evangelischen Kirchengemeinde von Ahrensburg bei Hamburg in den achtziger und neunziger Jahren. Der heute 78-jährige ehemalige Pastor Gert-Dietrich Kohl verging sich an mindestens 13 Minderjährigen. Ende 2010 kam er einem Rauswurf aus der Kirche zuvor, indem er selbst seine Entlassung beantragte. Gedeckt wurden seine Vergehen von dem früheren Amtsbruder Friedrich Hasselmann (71). Er unterhielt selbst intime Beziehungen zu einer 17- und einer 18-Jährigen. Strafrechtlich sind die Vergehen verjährt. Hasselmann muss vorerst auch keine kirchlichen Konsequenzen fürchten, etwa den Verlust seiner Ruhestandsbezüge. Das Kirchengericht der „Nordkirche“ hat soeben ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingestellt. Zur Begründung wurden „Milderungsgründe“ angeführt. So habe sich Hasselmann in der langen Zeit seit den Amtspflichtverletzungen einwandfrei geführt. Außerdem seien er und seine Familie Ziel einer „Hetzkampagne“ geworden. Die „Nordkirche“ prüft, Rechtsmittel gegen den Richterspruch einzulegen. Die evangelischen Landeskirchen haben inzwischen strenge Richtlinien erlassen, um bereits beim ersten Verdacht gegen mögliche Täter vorzugehen und die Opfer zu schützen.

„Sexuelle Revolution“ und missbrauchte Kinder

Der theologisch konservative Theologe Dieter Müller (Kiel) – Vorstandsmitglied der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der „Nordkirche“ – sieht in den Fällen sexuellen Missbrauchs in den achtziger und neunziger Jahren auch eine Auswirkung der „sexuellen Revolution“ im Gefolge der 68er Bewegung. Sie habe Hemmschwellen abgebrochen, die vorher einen Schutzraum geboten hätten. Die propagierte „schamlose Vertrautheit“ habe ein Klima geschaffen, das Missbrauch leichter möglich gemacht habe. Großen Einfluss in der evangelischen Kirche hätten nicht nur Becker und von Hentig gehabt, sondern etwa auch der Sexualwissenschaftler Helmut Kentler (1928-2008). Dieser Vertreter einer „emanzipatorischen Sexualerziehung“ trat auch auf Deutschen Evangelischen Kirchentagen auf.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 elikai 29. November 2012 
 

Wie kann\'s denn sowas geben?!

.... wenn doch der böse Zölibat Schuld hat??!?!
(und die Abschaffung desselben ja das Allheilmittel gegen [kirchlichen] Mißbrauch angepriesen wird...)


1

0
 
 nobermarsch 28. November 2012 
 

Wer

Wer hat sexuellen Missbrauch als Programm der Schulzerziehung zugelassen? Zum Gesetz gemacht?


2

0
 
 Hörbuch 28. November 2012 
 

Ich bin gespannt, ob und welche Medien noch darauf reagieren,


1

0
 
 Aegidius 28. November 2012 
 

Daher fordere ich für die Reformpädagogik, die linken und hannoverschen Teile der evangelischen Kirche, den Staat, insbesondere da, wo die Sozialisten regieren oder regiert haben und besonders für die Grünen die unverzügliche Abschaffung des Pflichtzölibats, die Anpassung ihrer rigiden Sexualmoral an die gesellschaftlichen Gegebenheiten und die Einsetzung eines Dialogprozesses. Dazu fordere ich die Einrichtung von Entschuldigungsfonds. Die Bundeskanzlerin darf sich gleich einmal bei einem Diktator einladen (vielleicht bei Herrn Mursi, Putin oder Obama) und mit ihm Hand in Hand eine Klarstellung verlangen. Aus Opportunitätsgründen vieleicht direkt beim Papst.


2

0
 
 SpatzInDerHand 28. November 2012 

Dazu gibt es zweierlei zu sagen:

Erstens: Ich bin den praktizierenden evangelischen Christen meines Freundes- und Bekanntenkreises äußerst dankbar, wie sie mir in der schwierigen Zeit des Hochkochens der innerkatholischen Skandale Mut gemacht haben, trotzdem zu meiner Kirche zu stehen.

Zweitens spiegelt der Anfangssatz dieses Artikels gut die allgemeine Einschätzung wider, dass Missbrauch hauptsächlich ein katholisches Problem sei. Genau dies aber widerlegt der Artikel im Lauf seiner Ausführungen. Möge er gehört werden.


2

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Missbrauch

  1. Ehemaliger Bundesrichter Thomas Fischer kritisiert ‚Dämonisierung’ von Kardinal Woelki
  2. Je mehr man die Sünde verschweigt
  3. Viganò: "Für den McCarrick-Report hat mich der Vatikan nicht als Zeugen geladen"
  4. Drei Päpste und ein korrupter Kardinal
  5. „Standpunkt der US-Bischöfe zur Kommunion/Pro-Abtreibungs-Politiker kam von Ex-Kardinal McCarrick“
  6. "Was soll ein ‚gesunder Generalverdacht gegen Priester‘?"
  7. BDKJ richtet Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt ein
  8. USA: Gegen Ex-Kardinal McCarrick werden neue ungeheuerliche Vorwürfe erhoben
  9. Experte: Vatikan drängt stärker auf Anzeige von Missbrauch
  10. BILD berichtet über Viganòs schwere Vorwürfe gegen einen deutschen Prälaten








Top-15

meist-gelesen

  1. kath.net-Gewinnspiel 2021: Gewinnen Sie eine ROMREISE!
  2. Segnen geht anders
  3. „Alle Reformen der Kirche werden kein Heil bringen!“
  4. Osterspende für kath.net - Wir brauchen JETZT Ihre Hilfe!
  5. Heiligenkreuz: Konflikt um Kirchenhistoriker Schachenmayr
  6. Maria 1.0 ruft deutsche Bischöfe zur Einheit mit Rom auf
  7. "Kraft apostolischer Vollmacht errichte ich den laikalen Dienst des Katecheten"
  8. 1521 – 2021: zur Klärung der Begriffe. Schisma und Häresie
  9. Kfd ruft zum Predigerinnentag auf und beruft sich auf „Apostelin Junia“
  10. Priesterweihen mit Erzbischof Gänswein und Kardinal Koch
  11. Franziskus von "konservativen Kräften" gefangen?
  12. Was steckt eigentlich hinter dem ›Gender-Sternchen‹?
  13. "Biedern Sie sich nicht der Welt und ihren falschen Wegen an!"
  14. Kardinal Müller: „Die sogenannte Interkommunion zementiert die Kirchenspaltung“
  15. Erzbischof Gänswein weiht Priester in Altötting

© 2021 kath.net | Impressum | Datenschutz