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Eine Kirche, die nicht missioniert, stirbt

19. März 2011 in Deutschland, 11 Lesermeinungen
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Südtiroler Theologe Peter Egger begeistert mit fulminantem Vortrag bei "Treffpunkt Weltkirche" in Würzburg: "Wir haben eine aufgeklärte Theologie, die heute mit Hilfe der Vernunft dem lieben Gott vorschreibt, was richtig und falsch ist"


Würzburg (kath.net)
„Europa – quo vadis?” Zu diesem Thema hat der bekannte Theologe aus Südtirol, DDDr. Peter Egger, am Samstagnachmittag einen fulminanten Vortrag beim Kongress von „Kirche in Not” gehalten. Egger forderte am Beginn seines Vortrags in Erinnerung an den Hl. Augustinus, dass wir einen Gottesstaat (im Gegensatz zu einem Erdenstaat) aufbauen müssen. „So wie Augustinus müssen wir heute aufrufen: Wir brauchen einen Gottesstaat für den wir arbeiten”.

Peter Egger hat anschließend die „Krise der Kirche” analysiert und festgestellt, dass die erste „Krise der Kirche die ‚Krise der Theologie‘ ist“. „Wir haben eine aufgeklärte Theologie, die heute mit Hilfe der Vernunft dem lieben Gott vorschreibt, was richtig und falsch ist.”

Dabei ist Jesus nur mehr ein Auserwählter, und Wunder sind nicht mehr Tatsachen, sondern nur mehr Mythen und Legenden. Die Auferstehung von Jesus Christus werde außerdem nicht mehr als leibhafte Auferstehung der Toten verstanden.

Die Krise der Theologie hat sich auch in der Eucharistie ausgewirkt. Es gebe keinen Glauben an die Realpräsenz mehr. Das Christentum hat sich laut Egger außerdem zu einer Psychotherapie degradiert. Es ist ein reiner Humanismus. „So ein Christentum ist schwach und lahm”, stellte der Theologe fest.

Als weitere Krise in der Kirche ortet Egger eine „Krise der Moral”. Wörtlich sagte Egger: „Es gibt nicht mehr eine Moral, die sich an den 10 Geboten und an der Lehre der Kirche orientiert. Das eigene Gewissen wird zum obersten Maßstab. Im Grunde steht das eigene Ich über den göttlichen Geboten und über dem Lehramt der Kirche.”

Dann beklagte der Theologe, dass sich die Christen selbst oft nicht mehr an den 10 Geboten orientieren. „Das moralische Verhalten vieler Christen unterscheidet sich kaum mehr von den anderen. Die Christen werden dadurch mitschuldig an der Dekadenz Europas. Früher war es so, dass die Christen anders gelebt hatten.”


Egger kritisierte auch, dass einige in der Kirche einen „Modernekomplex” haben. „Wir glauben, dass wir uns an der Moderne orientieren müssen. Ja, wir leben in der Moderne, aber wir müssen auch die Zeichen der Zeit erkennen.”

Eine Absage erteilte Egger einer „demokratischen Kirche”: Es gehe nicht, dass die Kirche über Moral oder Glauben abstimme. „Glaube und Moral kommen von Gott und sind deswegen demokratisch nicht verfügbar.”

Heute gebe es laut Egger auch die „ideologische Kirche”. Man passe sich an die jeweilige Ideologie an. Diese werde zum Maßstab für das, was die Kirche zu tun hat. „Wir müssen die Welt evangelisieren und dürfen nicht zulassen, dass das Evangelium eine Ideologie wird. Es besteht heute die große Gefahr, dass wir nicht die Welt evangelisieren, sondern dass wir das Evangelium verwässern.“ Laut Egger fehle heute die Auseinandersetzung, deswegen seien wir blind.

Egger warnte auch vor einer „esoterischen Kirche” und vor einer „esoterischen Spiritualität” in der Kirche. Sogar in Kirchen biete man esoterische Praxis an. Es könne nicht sein, dass wir ständig als Katholiken bei anderen Religionen Anleihen nehmen. Es könne nicht sein, dass man als spirituellen Hintergrund östliche Gottheiten übernehme. Das gehe nicht.

Egger kritisierte außerdem, dass in der Kirche mehr und mehr eine globale Religion befürwortet werde und im Grunde alles eines sei. Die Kirche müsse missionieren. „Eine Kirche, die nicht mehr missioniert, stirbt. Nur wer hinausgeht und verkündet, lebt auch selbst”, betonte der Theologe.

Egger appellierte dann an das Publikum, dass wir wieder neue Kirchenväter brauchen. „Da brauchen wir dieselben Geister wie am Beginn des Christentums. Da waren die Kirchenväter, die haben sich mit der Philosophie damals auseinandergesetzt. Was wir heute brauchen, sind neue Kirchenväter.”

Der Südtiroler Theologe verwies dabei auch auf den Papst, der sich ein Leben lang mit den Kirchenvätern und insbesondere mit dem Heiligen Augustinus auseinandersetzte. „Diesen Mann müssen wir neu in die heutige Zeit übersetzen. Die Frage ist, was müssen wir tun, dass wir heute Europa wieder für das Christentum gewinnen können. Es braucht eine Klärung der theologischen Grundwahrheiten”, betont Egger.

Der Theologe appellierte weiters an die Zuhörer, dass wir eine klare Theologie und Menschen mit einer festen Glaubensüberzeugung benötigen. „Die Verkündigung ist etwas, was uns drängt. Das kommt aus der Liebe zu Gott und wo die verloren geht, gibt es keine Verkündigung. Wir brauchen das Streben nach Heiligkeit. Wir haben die Möglichkeit, nach Heiligkeit zu streben, weil Gott uns seine Gnade schenkt. Wo wir am Ende sind, fängt Gott erst an. Viele Heilige sind nicht als Heilige gestartet, aber sie sind zu Heiligen geworden.”

Egger warnte dann auch, dass sich in Zukunft immer mehr Ortskirchen von der Weltkirche verabschieden könnten. Die einzige Möglichkeit, das zu verhindern, bestehe im Anhängen an Petrus. „Es ist nicht umsonst, dass Jesus Christus einen Felsen als Fundament gegeben hat. Wo ist der Schlüssel, wo ist der Fels? In Zukunft werden wir als Christen nach Rom schauen müssen und wir haben dort einen Mann, der uns führen kann, einen überragenden Mann, um den uns andere Nationen beneiden, und wir machen ihm das Leben schwer.”

Laut Egger suchen die Menschen „heute das Heilige, das Sakrale, das Göttliche. Die Menschen spüren heute, dass die Gottesdienste jene Orte sind, an denen man das Sakrale, das Göttliche erfahren kann. Es braucht in erster Linie eine Liturgie, die diese Gotteserfahrung wieder ermöglicht”, erklärt der Theologe, der auch für viele Heilungsgottesdienste plädierte, da die Menschen verwundet sind und erlösungsbedürftiger denn je seien.

Auch zum Thema Verkündigung sprach Egger klar. Man brauche heute „lebensnahe Predigten” und es muss möglich sein, dass heute das Evangelium erklärt und angewendet werde.

Auch brauche man einen Religionsunterricht mit solidem Grundwissen. „Wir brauchen einen Religionsunterricht mit einem soliden Grundwissen. Die Theologie ist überfrachtet und der Großteil der Menschen sind Analphabeten”. Die junge Generation sei aber wieder ansprechbar. Es gäbe heute keine Protestgeneration, da bereits alles kaputtprotestiert sei. Dies sei eine Chance.

Notwendig seien auch Glaubenskurse, aber diese müssen katholisch sein und sollten keine Wischi-Waschi-Angelegenheiten sein. Man brauche klare Aussagen, dann kommen die Menschen.

Außerdem brauche man Wallfahrten zu den Stätten des Glaubens, Jugendtage und eine personale Seelsorge. Nicht eine flächendeckende Seelsorge sei wichtig, sondern eine „personale Seelsorge”. „Jesus hat sich immer um den Einzelnen gekümmert”, betonte Egger.

Man brauche auch Katechisten und Gruppen und Bewegungen mit gleichgesinnten Freunden sowie charismatische Gruppen und junge Familien, die als Hauskirche tätig seien und welche die Bibel und die Heilige Schrift lesen und den Katechismus studieren. „Das war schon das Geheimrezept in der Urkirche”, so Egger.

Außerdem brauche es katholische Medien: Egger erwähnte hier Radio Maria, Radio Horeb, K-TV, EWTN und BIBEL-TV. „Vor 10-15 Jahren hatten wir die Chance noch nicht”, so der Theologe.

Am Schluss würdigte Peter Egger auch kath.net: “Wir haben da Leute im Internet. Wenn ich da an kath.net denke: Das ist die Zukunft!”

Video demnächst auf kathTube!

Foto: (c) kath.net


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