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'Das Ziel der juristischen Tätigkeit in der Kirche ist das Seelenheil'

29. Jänner 2010 in Aktuelles, 16 Lesermeinungen
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Benedikt XVI. verteidigt beim Päpstlichen Gerichtshof zur Eröffnung des Gerichtsjahres das Kirchenrecht und betont, dass in Ehenichtigkeitsverfahren die Dimension der Liebe nicht von der Dimension der Gerechtigkeit getrennt werden darf


Rom (kath.net/Zenit.org)
In seiner traditionellen Ansprache an den Gerichtshof der „Sacra Rota Romana“ zur Eröffnung des Gerichtsjahres am heutigen Vormittag betonte Papst Benedikt XVI., dass in Ehenichtigkeitsverfahren die Dimension der Liebe nicht von der Dimension der Gerechtigkeit getrennt werden dürfe. Der Richter müsse sich vor der Gefahr eines falsch verstandenen Mitleids hüten, das in einen Sentimentalismus verfallen würde und nur dem Anschein nach „pastoral“ wäre.Das Gericht der Römischen Rota ist nach der Apostolischen Signatur das zweithöchste Gericht des Apostolischen Stuhls und übt für den Papst die ordentliche Gerichtsbarkeit aus. Die Richter der Römischen Rota sind die so genannten „Auditoren“, die vom Heiligen Vater ernannt und von einem Dekan als „primus inter pares“ geleitet werden. Der Dekan der Römischen Rota ist seit 2004 Bischof Antoni Stankiewicz.

Die Hauptarbeit der Römischen Rota besteht in den Ehenichtigkeitsverfahren. Das römische Gericht urteilt über die Gültigkeit kirchlicher Eheschließungen und ist dabei letzte Berufungsinstanz der einzelnen Diözesangerichte. Zur Römischen Rota gehört auch das „Studio Rotale", an dem die Anwälte und Prokuratoren ausgebildet werden.

Die Gerechtigkeit sei kein gegenüber der Liebe alternativer oder paralleler Weg: „Die Gerechtigkeit ist untrennbar von der Liebe und ihr innewohnend“. Im einleitenden Teil seiner Ansprache erklärte Benedikt XVI., dass es notwendig sei, die immer mehr verbreitete und verwurzelte Tendenz festzustellen, die dazu führe, die Gerechtigkeit der Liebe entgegenzusetzen, als schließe die eine die andere aus.

Einige würden die Ansicht vertreten, dass die seelsorgliche Liebe jeden Schritt rechtfertigen könne, der zur Nichtigkeitserklärung des Ehebandes führt, um den Menschen entgegenzukommen, die sich in einer irregulären ehelichen Situation befinden. Die Wahrheit selbst würde auf diese Weise in einer instrumentellen Optik gesehen werden, die sie von Mal zu Mal an die verschiedenen, sich präsentierenden Erfordernisse anpasse.

Das Kirchenrecht würde nach Ansicht des Papstes manchmal unterschätzt, als sei es ein rein technisches Mittel im Dienst eines jeden subjektiven, auch nicht auf der Wahrheit gegründeten Interesses. Es müsse dagegen festgehalten werden, „dass das Ziel der juristischen Tätigkeit in der Kirche das Seelenheil ist“.

Benedikt XVI. setzte sich dann mit einigen Aspekten der Ehenichtigkeitsverfahren auseinander. „Der Prozess und das Urteil sind von großer Wichtigkeit sowohl für die Parteien als auch für das gesamte Gefüge der Kirche“. Diese Tatsache nehme einen gänzlich einzigartigen Wert an, wenn es darum gehe, über die Nichtigkeit einer Ehe ein Urteil zu fällen. Dabei gehe es direkt um „das menschliche und übernatürliche Wohl der Ehegatten und um das öffentliche Wohl der Kirche“.

Nachdem der Papst einen angemessenen zeitlichen Ablauf einer jeden Prozessphase gefordert hatte, mahnte er zur „Achtung der Wahrheit der Beweise“ und lud dazu ein, nicht zu vergessen, „dass man immer vor Menschen steht, die durch Probleme und Leiden gezeichnet sind“.

Gleichzeitig sei es wichtig, so die Hoffnung auf einen guten Ausgang gegeben ist, sich dafür einzusetzen, die Eheleute zu veranlassen, eventuell die Ehe wiederaufzunehmen und das eheliche Zusammenleben wiederherzustellen.

Der Richter müsse sich stets vor der Gefahr eines falsch verstandenen Mitleids hüten, das in einen Sentimentalismus verfallen würde und nur dem Anschein nach pastoral wäre. Gleichzeitig warnte der Papst davor, „pseudopastoralen Aufrufen“ nachzugeben, die das Problem auf eine rein horizontale Ebene stellen würden, auf der das, was zählt, nur die Befriedigung subjektiver Anträge der Parteien sei, um zu jedem Preis zu einer Nichtigkeitserklärung zu gelangen.

„Das höchste Gut der Wiederzulassung zur eucharistischen Kommunion nach der sakramentalen Versöhnung erfordert dagegen, das echte Wohl der Personen in Betrachtung zu ziehen, das untrennbar von der Wahrheit ihrer kanonischen Situation ist“. Es wäre ein „fiktives Wohl“ und ein „schwerwiegendes Fehlen an Gerechtigkeit und Liebe“, würde diesen Menschen unter allen Umständen der Weg zum Empfang der Sakramente geebnet werden. Dies sei mit der Gefahr verbunden, sie in einem „objektiven Gegensatz“ zur Wahrheit ihrer persönlichen Situation leben zu lassen.

Im Schlussteil seiner Ansprache betonte Benedikt XVI. „die Notwendigkeit, zur Wahrheit des Wesens der Ehe vorzudringen“. Ohne Wahrheit würde die Liebe in einen Sentimentalismus abdriften: „Die Liebe wird zu einer leeren Hülle, die es willkürlich anzufüllen gilt. Dies ist die fatale Gefahr für die Liebe in einer Kultur ohne Wahrheit. Sie ist ein Opfer der Emotionen und der kontingenten Meinungen der Subjekte, ein missbrauchtes und verzerrtes Wort, bis dass es dazu kommt, dass es das Gegenteil bedeutet.“

Zu einer derartigen „Entleerung“ könne es nicht nur in der Praxis der Rechtssprechung kommen, sondern auch bei den theoretischen Grundeinstellungen, die dann ihren Einfluss auf die konkreten Urteile ausübten. „Das Problem stellt sich, wenn das Wesen der Ehe mehr oder minder verdunkelt wird“.

Die existentielle, personalistische und relationale Betrachtung der ehelichen Verbindung dürfe nie zum Schaden ihrer Unauflöslichkeit angestellt werden. Diese sei „eine wesentliche Eigenschaft, der in der christlichen Ehe zusammen mit der Einheit eine besondere Stabilität aufgrund des Sakraments folgt.“

„Es darf nicht vergessen werden, dass die Ehe die Gunst des Rechts genießt. Somit muss die Ehe im Zweifelsfall als gültig angesehen werden, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist. Andernfalls besteht die schwerwiegende Gefahr, ohne einen objektiven Bezugspunkt für die Erklärung der Nichtigkeit zu bleiben und so jedes eheliche Problem zu seinem Symptom für die fehlende Verwirklichung einer Verbindung zu verwandeln, deren wesentlicher Kern der Gerechtigkeit – die Unauflöslichkeit – de facto geleugnet wird.“



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Lesermeinungen

 diaconus 1. Februar 2010 

@ dominique

Zitat: Korrigiere mich, wenn ich Abwegiges sage, da ich keineswegs das Ziel verfolge, die Geheimnisse unseres Glaubens, die in den Sakramenten zum Ausdruck gebracht werden, in Abrede zu stellen oder zu untergraben. Zitat Ende

Das kommt bei Deinen Posts auch nicht zum Ausdruck.

Zitat. „Um die Verklammerung Sakrament-Gelübde in den vier erstgenannten Sakramenten geht es mir.“ Zitat Ende.

Du verwendest das Wort Gelübde falsch, denn im Gelübde bindet sich jemand (privat) zu einer überpflichtmäßigen Einzelleistung oder (öffentlich) zu einem religiös geprägtem Lebensstil (Orden, Priester. (siehe auch Brockhaus-Enzyklopädie).

Die Antworten, die der Täufling (bei Erwachsenentaufen, bei Säuglingstaufen stellvertretend durch Eltern/Paten) bei der Taufe und bei der Firmung der Firmling gibt sind keine Gelübde und keine Versprechen, sondern Fragebeantwortungen nach der Absage des Bösen/Teufel („ich widersage“) und nach dem Glauben („ich glaube“), nicht mehr. Es ist keine Formulierung enthalten, die einem Versprechen (Gelübde) gleicht. Wenn jemand vom Glauben abfällt, fällt er von Gott ab, dieser Mensch trennt sich von Gott, Gott aber hält seine Verbindung, das er im Sakrament gegeben hat, weiter.

Anders ist es bei Ehe und Weihe, hier sind die Formulierungen eindeutig: Bei der Ehe: „Ich verspreche Dir..... „ oder beim JA-Wort „versprechen Sie...“. Dieses Versprechen, es ist aber kein Gelübde, wird Gott gegenüber gegeben und der der Feier vorstehende Priester oder Diakon nimmt es ähnlich wie ein Notar entgegen.

Bei allen vorstehenden genannten Sakramenten geht es weder um eine überpflichtmäßige Einzelleistung noch um einem besonderen religiös geprägten Lebensstil, sondern einfach um die Zusage von der Gnade Gottes für das Leben eines Menschen bzw. bei der Ehe für die weitere gemeinsame Zeit bis „dass der Tod scheidet“.

Bei der Weihe wird der Weihekandidat schon bei der Diakonweihe mehrmals gefragt (verschiedene Fragen, eine davon bei Priesteramtkandidaten ist über den Zölibat): „Versprichst Du ....“ mit der Antwort: „Ja“ oder „ich verspreche“ (Achtung - vereinfachte Darstellung). Diese Versprechen, die auch Gelübde sind, werden faktisch Gott gegeben und dem weihenden Bischof gegenüber geäußert. Hier wird sehr wohl ein besonderer geprägter religiöser Lebensstil angenommen. Ebenso ist es bei einer Profess.

Zitat: Wir (die Kirche) tragen im Gelübde unser \"menschliches Scherflein\" (unser maximales Vermögen) ans Sakrament heran (wie eine Opfergabe). Und die Frage ist: ist dieses unser \"Opfer\" auch tatsächlich immer und in jedem Fall menschenwürdig und gottgefällig? Zitat Ende

Diese Formulierung entspricht weder theologisch noch dem üblichen Sprachgebrauch, denn ein Sakrament wird ja empfangen und ist kein Opfer, keine Aufopferung. Wer sowohl die Ehe oder auch die Weihe als „Opfer“ sieht, liegt falsch.

Dass ein Sakrament menschenwürdig und gottgefällig ist steht wohl außer Frage. Die Kirche spendet das Sakrament und geht dabei davon aus, dass der Mensch, der das Sakrament empfängt, den ehrlichen Willen und die tatsächliche Disposition hat, das freiwillig gegebene Eheversprechen bzw. die freiwilligen gegebenen Weiheversprechen (Gelübde) auch zu halten. In die Herzen der Menschen schauen kann aber nur Gott, ER weiß allein, ob diese Versprechen ehrlich gegeben werden.

Einen Frage sei mir noch an Dich gestattet: Warum formulierst Du so „geschwollen“, wenn es einfacher formuliert klarer wäre? Du wendest eine Terminologie an, die weder theologisch ist noch dem allgemeinen Sprachgebrauch entspricht.


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 diaconus 31. Jänner 2010 

@ dominque

Auf Deinen zweiten Post gebe ich Dir morgen gegen abend eine ausführliche Antwort. Ich muss mich jetzt abmelden, da ich meiner Breviergebeetsverpflcihtung nachkommen muss, sie ist ohnehni schon verzögert.


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 dominique 31. Jänner 2010 
 

@diaconus - ein sagenhaftes Thema

Verstehe ich dann richtig, dass wenn zwei Katholiken eine Zivilehe schließen und diese wieder auflösen und sich trennen und jeder sich einen neuen Partner sucht (ebenfalls Katholik) und die beiden eine sakramentale Ehe schließen wollen - dass die vorher geschiedene Zivliehe dann ein Hindernis für das Ehesakrament ist? Ein zivilrechtlich geschiedener Katholik (ohne sakramentale Eheschließung) könnte also keine sakramentale Ehe schließen?
Und wenn wir jetzt noch im Bereich des Naturrechts blieben: eine \"wilde Ehe\" ist zwar nirgendwo amtlich beglaubigt, aber allen Anschein nach vollzogen. Sie gilt aber nicht als Ehehindernis für eine sakramentale Ehe?


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 Leonard Euler 31. Jänner 2010 
 

@Dominique

Wenn Sie mit \"Zivilehe\" die Eheschließung vor dem Standesamt meinen, dann haben Sie recht. Das Zivilrecht spielt nur eine untergeordnete Rolle. Selbst wenn zwei Katholiken sich zivilrechtlich scheiden lassen, sind sie nach katholischem Recht immernoch verheiratet. Würden sie sich dann mit einem anderen Partner verheiraten, würde sie in schwerer Sünde leben. Man muss hier das göttliche Recht vom weltlichen Recht unterscheiden.

Die Eheschließung zwischen zwei Getauften kommt \"durch den Konsens der Partner zustande, der zwischen rechtlich dazu befähigten Personen in rechtmäßiger Weise kundgetan wird; \"
(Can. 1057 — § 1.)

Dabei bedeute der Konsens den \" Willensakt, durch den Mann und Frau sich in einem unwiderruflichen Bund gegenseitig schenken und annehmen, um eine Ehe zu gründen.\" (Can. 1057 § 2.)

www.vatican.va/archive/DEU0036/__P3V.HTM


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 diaconus 31. Jänner 2010 

@ providelis

Wo gehen meine Antworten am Kern und an Äußerungen von Dir vorbei, denn sowohl der Kern und die Äußerungen von Dir wurden sachlich von mir beantwortet, natürlich nicht so wie Du es gewünscht und erwartet hast. Natürlich wenn man Offenbarung und Lehre nicht akzeptieren will, dann argumentiert man so wie Du. Du meinst wohl man soll Deinen Äußerungen recht geben und Dich mit Deinen Ansichten freudig umarmen, dass wird aber nie jemand tun, der fest in der RKK und ihrer Lehre steht. Außerdem ist kath.net eine Plattform, die fest in der Offenbarung und Lehre der Kirche steht. Deine Erwartungen erfüllen eher Plattformen von WsK, Kvu, Laieninitiative usw. Dort wirst Du mit Deiner Meinung sicher freudig empfangen und umarmt. Wenn Du sagst, Du sprichst für alle Betroffenen ändert das auch nichts, denn es betrifft auch alle anderen Betroffenen. Und wenn Du schreibst von anderen Kommentatoren, es ist nur einer (@ dominique), der Dir beschränkt recht gibt. Alle anderen nicht.

Und Deine Äußerung zu Bonhoeffer zeigt deutlich, dass Du alles nur explizit auf diese Problematik beziehen willst, denn seine Aussage gilt für die gesamte Seelsorge. Außerdem würde seine Aussage total falsch verständlich werden wenn das Wort „kann“ durch ein anderes ersetzt würde. Eine rein theologische Aussage ist nicht mit dem Juristendeutsch zu betrachten, wo ein Unterschied zwischen kann oder muss wesentlich ist.

Zitat: „Wenn Du meine Gedanken als (menschlich legitime) \"Zweifel\" einstufen würdest, wären wir ein Stück weiter.“ Zitat Ende

Um Zweifel auszuräumen, dazu ist das Gebet und die Lehre der Kirche da bzw. hilft demjenigen dabei, - wenn er will - und genau das vertrete ich. Und das sage ich aus eigener Erfahrung wobei aber die Grundvoraussetzung ist, dass derjenige ein offenes Herz haben muss und bereit sein muss, die Lehre zu akzeptieren.

KKK Nr. 1792 lautet: „Unkenntnis über Christus und sein Evangelium, schlechte Beispiele anderer Leute, Verstrickung in Leidenschaften, Anspruch auf eine falsch verstandene Gewissensautonomie, Zurückweisung der Autorität der Kirche und ihrer Lehre, Mangel an Umkehrwillen und christlicher Liebe können der Grund für Fehlurteile im sittlichen Verhalten sein.“

Wobei christliche Liebe genauso wie Nächstenliebe auch die Verantwortung für den Bruder/die Schwester beinhaltet, siehe Mt 18,15-17, diesen aus der Sünde herauszuholen. Wahre Nächstenliebe ist genau dieser Weg den Sünder zur Umkehr zu bewegen und für sein Seelenheil zu sorgen, d.. h. auch, nichts zu tolerieren, was falsch ist. Dieses heutige oft falsche Verständnis von Nächstenliebe, alles zu akzeptieren und zu tolerieren, nur nicht dagegen aufzutreten, ist in Wirklichkeit d e r Mangel an christlicher Liebe. Das Seelenheil für das Ewige Leben ist wichtig, nicht dass es dem Menschen auf Erden so gut geht wie seinen Vorstellungen entspricht.


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 dominique 31. Jänner 2010 
 

@Leonard Euler - Bitte um genaue Informationen

§ 2. Deshalb kann es zwischen Getauften keinen gültigen Ehevertrag geben, ohne daß er zugleich Sakrament ist.\"

Wie ist dieser Satz zu verstehen? Hat er etwas mit irgendeiner Zivilehe zu tun? Soll das heißen, dass, wenn zwei getaufte Christen eine Zivilehe schließen, diese automatisch Sakrament ist. Das kann ich nicht glauben.


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 Leonard Euler 31. Jänner 2010 
 

@Providelis, dominique

Sie machen, wie es mir scheint, die Sünde zum Maßstab der Lehre. \"Erlaubt die Lehre die Sünde nicht, dann stimmte etwas mit der Lehre nicht\". Die Schlussfolgerung müsste doch eine ganz andere sein: entspricht das Leben des Menschen nicht der Lehre, dann stimmt etwas mit seinem Verständnis der Lehre nicht. Richtet sich der Mensch gegen die Wahrheit, dann hat er die Wahrheit nicht erfasst.

Die Erfahrung zeigt, das alle christlichen Glaubensgemeinschaften zerfallen, sobald sie die göttliche Lehre aufweichen. Schauen Sie sich die Entwicklung der anglikanischen Kirche an. Letztes Jahrhundert hat man die Scheidung erlaubt, erst ungern, später regelmäßig. Dann hat man die Verhütung erlaubt. Erst ungern, später sogar in bestimmten Fällen zur Pflicht erklärt. Und jetzt sind die Anglikaner dabei die Homosexualität zu legitimieren. Viele gläubige Anglikaner sehnen sich nach der authentischen christlichen Lehre und treten zur katholischen Kirche über. Nicht umsonst reicht der heilige Vater ihnen seine Hand, die von vielen angenommen wird.

Sobald der Mensch sich zum Richter über Gottes Gebote macht verfällt der Glaube. Das lehrt die Erfahrung. Mit der Vernunft kann man das auch leicht einsehen: wenn die jahrtausende alte Lehre von der Ehescheidung geändert werden kann, warum sollten alle anderen Lehren nicht auch geändert werden? (Mal abgesehen davon, dass unfehlbaren Lehren der Kirche, da sie der Wahrheit entsprechen, sowieso nicht abgeändert werden können.)

Was die protestantische Ehe anbelangt: Da die Protestanten von der Kirche als getaufte angesehen werden, haben auch ihre Eheschließungen sakramentalen Charakter (auch wenn die Protestanten das nicht anerkennen). Die Eheschließung geschieht ja nicht durch den Priester (dieser ist bloß Zeuge) sondern durch Eheleute selbst.

\"Can. 1055 — § 1. Der Ehebund, durch den Mann und Frau unter sich die Gemeinschaft des ganzen Lebens begründen, welche durch ihre natürliche Eigenart auf das Wohl der Ehegatten und auf die Zeugung und die Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet ist, wurde zwischen Getauften von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben.

§ 2. Deshalb kann es zwischen Getauften keinen gültigen Ehevertrag geben, ohne daß er zugleich Sakrament ist.\"

http://www.vatican.va/archive/DEU0036/_P3V.HTM#SL_4.1.0.7.0.0.1055


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 Providelis 31. Jänner 2010 

@ dominique\'s Betrachtungen

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Ergänzend zu den weiterführenden Überlegungen @ dominique:

Mit der wichtigen Differenzierung zwischen standesamtlicher und kirchlicher Eheschließung zeigst Du einen Widerspruch auf, den ich ähnlich sehe. Und einen Widerspruch zu sehen bzw. zu empfinden, verstösst noch (lange) nicht gegen meine Treue zum Lehramt der Kirche.

Nach kath. Verständnis ist ja eine rein protestantische Eheschließung vor Gott nicht gültig (ökumen. Trauung nur unter Beteiligung eines kath. Priesters). Somit dürfte ja ein durch anerkannte Eheannulierung wieder in den \"Urzustand\" versetzter Katholik eine (geschiedene) evangelische Christin kirchlich heiraten, da sie nach nicht katholischer Auffassung nicht gültig verheiratet war – was meines Wissens nach aber ebenso nicht zulässig ist. Wer das für häretische Grübeleien hält, hat mich nicht verstanden: Ich will als Katholik die plausible Logik dahinter verstehen...

Noch ein Blickwinkel (oder habe ich mein Limit schon überschritten):

Wir definieren die Ehe gern als Berufung – was zweifelsohne richtig ist. Man stelle sich den Dreißigjährigen oder die Vierzigjährige vor, welche nach langem redlichen Bemühen und dann einvernehmlich beschlossener (!) unausweichlicher Trennung danach bereits viele Jahre wieder allein lebt (also Hoffnung auf Wiederaufnahme der Ehe aufgegeben bzw. unmöglich). Oder ein vom Partner Verlassener, dem dieser keinen Raum einräumt, die Ehe in Ordnung zu bringen (beispielsweise durch Abbruch einer Paartherapie nach einem Jahr – und danach der Aufgabe der Ehe). Nach der \"Gerechtigkeitspriorität\" der Kirche null Chance auf ein neues Leben in partnerschaftlicher Liebe. Punkt. Fakt ist doch, dass das ganz viele nie werden leben können – zudem war es nie ihre Berufung, zölibatär zu leben.

All die Abertausende gläubiger Katholiken (um uns mal auf diese zu beschränken) sind demnach also zu zwischenmenschlicher Einsamkeit (ich stelle die seelische Komponente heraus) verdammt, denn machen wir uns doch nichts vor: Echte Entfaltung der Persönlichkeit und das Leben christlicher Werte (Vergebung, Liebe, Hingabe, Opferbereitschaft etc.) geschieht doch im wesentlichen – so lehren und betonen es doch auch zig jüngere Papstschreiben – innerhalb einer menschlich gelebten Beziehung. Für all diese Menschen also der (göttlich gewollte?) Zwang zu lebenslänglicher Einsiedelei nach dem Motto \"Ein Fehler war einer zu viel\"? Ist das wirklich vorstellbar als Jesu Absicht bzw. Gottes Wunsch?


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 Providelis 31. Jänner 2010 

Reflexe, die nicht weiterhelfen

.
Schade, dass diese Antwort am Kern meiner Fragen und Äusserungen vielfach vorbei geht. Sie ist gespickt von pauschalen Unterstellungen, vorschneller (falscher) Annahmen und tiefer Abwehr. Ich werde ich eine Schublade gepresst. Mir wird gar unterstellt, ich würde Jesu Wort negieren! Das braucht hier keiner. Völlig beiseite geschoben wird, dass ich nicht von mir, sondern über die Gesamtheit der Betroffenen spreche – und zudem Gedanken skizziert habe, denen sich andere Kommentatoren doch erstaunlich ruhig und gelassen genähert haben. Ich vermisse eine differenzierte Betrachtung.

Bonhoeffer hat mit seiner Aussage völlig recht! Nur blickt mich beim Lesen seines Satzes ein Wort an: KANN! Er stellt nicht die These auf, es sei grundsätzlich so. Nur Du überträgst diese Worte nun explizit auf Wiederverheiratungsproblematik im Speziellen an. Legitim, aber eben nicht Bonhoeffers Absicht.

Interessant und sehr traurig finde ich, dass Deine Worte sich um das ehrliche Bedürfnis, um das es hier geht, so gut wie nicht kümmern. So steht\'s im Katechismus, das genügt, fertig. Wenn Du meine Gedanken als (menschlich legitime) \"Zweifel\" einstufen würdest, wären wir ein Stück weiter. So wundert mich doch sehr der Umgang mit meinen Herzensgedanken und die Beschränkung, das wenige längst Bekannte in diesem forschen Stil.


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 dominique 31. Jänner 2010 
 

@diaconus - Die kleine Herde

Wer weiß, wie die reale kulturelle Situation dann sein wird.
Immer weniger Christen treten vor den Traualtar, und von denjenigen noch zahlreiche mit einem \"vorehelichen\" Vorleben als Paar.
Wie viele Ehen halten, \"bis dass der Tod euch scheidet\" - auch dort spricht die Realität eine deutliche Sprache: immer weniger.
Das Gebirge der realen gelebten Widersprüchlichkeiten zwischen Anspruch und Realität wird immer größer und bleibt stehen, wird zur gefährlichen Schattenrealität zwischen den Christen. Und niemand kann sagen, dass Leichtfertigkeit, Unreife oder gar Boshaftigkeit der Menschen Ursache dieser Entwicklung seien. Nur ihre reale Schwäche, ihre Verstrickungen, die sie überwältigen, ihre Niederlage.
Und welche Vorwürfe werden immer lauter angesichts des Desasters? Mangelnder Glaube? Die Piusbrüder werfen der Amtskirche \"mangelnden Glauben\" vor, die Amtskirche den \"lauen Abweichlern\". Der mangelnde Glaube läuft Gefahr zum Schwarzen Peter zu werden oder zur sterilen Polemik, die nichts verbessert, nichts heilt und voran bringt.


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 diaconus 31. Jänner 2010 

@ provedelis

Zitat: Trotzdem, und nehmen Sie es mir bitte nicht persönlich, finde ich beim Lesen Ihrer (nicht nur) Kommentierung den unverkennbaren Klang von abgrenzen und belehren statt einfühlen, das, wie ich meine, elementar erforderlich ist, um – auch, nein, gerade mit den Betroffenen – wahrhaft ins Gespräch zu treten. Zitat Ende

Meine Aufgabe ist vor allem die Lehre der katholischen Kirche zu vertreten und nichts anderes, denn die Aufgabe eines Diakons ist nach Art. 29 LG u.a. auch die Lehre der Menschen. Nicht mehr und nicht weniger.

Zu meiner Äußerung, dass Menschen zum Gebet und Segen, es war natürlich auch immer ein seelsorgliches Gespräch dabei, aus den genannten Gründen zu mir geschickt wurden, das negierst Du. Außerdem in einem Gespräch klingt manches anders als wenn es geschrieben wird.

Zitat: Wenn Seelsorge, so wie Jesu sie verstanden und zeitlebens vorgelebt hat, Vorbild und Auftrag der Kirche ist, dann kann der derzeitige Standpunkt und die Pastoral nicht die letzte Antwort für diese Menschen sein, sagt mir mein Glaube. Zitat Ende.

Diese einseitige Berufung auf den bsrmherzigen Jesus bei der Seelsorge ist immer nur eine Seite, nämlich jene in der Jesus auf den barmherzigen zurückgestutzt wird, weil es demjenigen so schön in seiner Sünde passt. Die radikalen Forderungen Jesu bei der Seelsorge werden beiseite geschoben, aber zBspl. zu Ehebruch und Ehescheidung hat sich Jesus sehr wohl hart geäußert, siehe auch die Antithesen zur Bergpredigt, die von den meisten negiert werden, aber auch an vielen anderen Stellen der Offenbarung. Und Jesus hat in seiner Barmherzigkeit aber auch immer wieder gesagt: „Geh hin und sündige nicht mehr!“ Auch dass negierst Du. Du bastelt Dir eben, wie so viele, einen Jesus zusammen, wie ER demjenigen angenehm ist. Vielleicht gibt es auch für mich Stellen, die nicht so einfach für mich persönlich sind, die ich aber akzeptiere und werde nie dagegen bewusst handeln.

Und Dietrich Bonhoeffer, evangelischer Theologe, der 1945 hingerichtet wurde, hat für die Seelsorge einen Spruch getan, der sehr fundiert ist, und der lautet:. „Nichts kann grausamer sein, als jene Milde, die den anderen seiner Sünde überlässt, und nichts kann barmherziger sein als die harte Zurechtweisung, die den Bruder vom Weg der Sünde zurückruft.“

Deine Aussage an @ Euler wegen der Auslegung der Schrift ist protestantisch und nicht katholisch. Es obliegt allein dem Lehramt der Kirche die Schrift auszulegen, nicht dem einzelnen, auch nicht Theologen, die gegen Lehre der Kirche auslegen.

Und weil heute die Menschen nicht mehr bereit sind, der Lehre zu folgen, soll diese angepasst werden, dass ist die Forderung von diesen Menschen. Nur damit würde sich die Kirche von den Grundlagen entfernen, die ER ihr gegeben hat. Genau dass machen die Protestanten und machen damit JENEN, auf den sie angeblich so viel halten, bzw. SEINE Lehre/Aussagen zum Spielball der Menscheninteressen. Und die Offenbarung zum Spielball der Menscheninteressen machen, wird SEINE Kirche nie tun und dass wird auch der Hl. Geist verhindern. Lieber eine kleine Herde, die fest in der Lehre steht, als eine Kirche, die zum Spielball der Menschen geworden ist. Papst Paul VI.. hat an seinen Freund Jean Guiton einige Monate vor seinem Tod gesagt: „Mir macht der Protestantismus im Katholizismus Sorge, aber eine kleine Herde wird immer der Lehre treu bleiben.“

Dein „Glaubenskosmos“ ist eben jener, den Du Dir selbst zurechtgezimmert hast, der Deine Eigeninteressen vertritt, nicht mehr. Aber er entspricht nicht der Offenbarung und der Lehre der Kirche, die im KKK zur Unterrichtung der Gläubigen festgelegt sind und diese verpflichten ihr zur folgen.


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 Leonard Euler 31. Jänner 2010 
 

@Providelis

\"Seit wann obliegt die Auslegung von Schriftstellen einzig der Kirche [...] \"

\"16. Wem steht es zu, das Glaubensgut verbindlich auszulegen?\"

\"Die verbindliche Auslegung des Glaubensgutes obliegt allein dem lebendigen Lehramt der Kirche, das heißt dem Nachfolger Petri, dem Bischof von Rom, und den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm. Dem Lehramt, das im Dienst des Wortes Gottes das sichere Charisma der Wahrheit besitzt, steht es auch zu, Dogmen zu definieren: Das sind Formulierungen von Wahrheiten, die in der göttlichen Offenbarung enthalten sind. Diese Autorität erstreckt sich auch auf Wahrheiten, die mit der Offenbarung in einem notwendigen Zusammenhang stehen.\"

http://www.vatican.va/archive/compendium_ccc/documents/archive_2005_compendium-ccc_ge.html

\"85 ,,Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes authentisch auszulegen, ist allein dem lebendigen Lehramt der Kirche\" - das heißt den Bischöfen in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri, dem Bischof von Rom - ,,anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird\" (DV 10).\"

http://www.vatican.va/archive/DEU0035/__PS.HTM

------

\"(dann müsste ich beim Lesen der Schriften ja mein Denken abschalten)?\"

\"19. Wie ist die Heilige Schrift zu lesen?

Die Heilige Schrift muss mit Hilfe des Heiligen Geistes und unter Anleitung des Lehramtes der Kirche gemäß den folgenden drei Kriterien gelesen und ausgelegt werden: 1) auf den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift achten; 2) die Schrift in der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche lesen; 3) auf die Analogie des Glaubens achten, das heißt auf den Zusammenhang der Glaubenswahrheiten untereinander.\"

http://www.vatican.va/archive/compendium_ccc/documents/archive_2005_compendium-ccc_ge.html

\"113 2. Die Schrift ,,in der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche\" lesen. Einem Sinnspruch der Väter zufolge ist ,,die Heilige Schrift eher ins Herz der Kirche als auf Pergament geschrieben\". Die Kirche bewahrt ja in ihrer Überlieferung das lebendige Gedächtnis des Gotteswortes, und der Heilige Geist gibt ihr die geistliche Auslegung der Schrift,,,... nach dem geistlichen Sinn, den der Geist der Kirche schenkt\" (Origenes, hom. in Lev. 5,5).\"
http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_PW.HTM
--------

\"Wäre dem so, gäbe es die katholischen Erkenntnisse aus der Schrift ja gar nicht – denn sie wurden durch Menschen ausgewählt und benannt.\"

Nein. So einfach ist das nicht. Wenn die Kirche aus ihrem Lehramt spricht, dann bewirkt der Heilige Geist die Unfehlbarkeit der Lehre.\"

---------

\"Ich habe die protestantischen Kirchen zwar erwähnt, jedoch nur, um die Frage aufzuwerfen, inwiefern die derzeitige Antwort der katholischen Kirche ALLES um- und erfasst. Es ist ja so: Bis vor wenigen Jahrzehnten hatte die Kirche ja tatsächlich keinen nennenswerten Grund, sich mit dem (im Umfang kaum existierenden) Thema intensiv auseinanderzusetzen. Und zur Erinnerung: Nicht alles, was wir in unserer Kirchentradition heute lehren, gab es so schon seit 2000 Jahren – also existieren kirchenhistorisch Veränderung(en) per se.\"

Das ist auch nicht ganz richtig. Wenn die Kirche etwas lehrt, dann erfindet sie nichts neues, dann drückt sie nur das klar aus, was bereits in der Heiligen Schrift und der Heiligen Tradition vorhanden war. Es gibt keine Erneuerungen in der Lehre, lediglich Präzesierungen. Die Aufgabe der Kirche ist u.a. das Glaubenserbe zu verwalten und nicht neu zu erfinden.

\"84 Das in der Heiligen Überlieferung und in der Heiligen Schrift enthaltene ,,heilige Erbe\" [Vgl. Tim 6,20; 2Timl‘12-14.] des Glaubens [depositum fidei] ist von den Aposteln der Kirche als ganzer anvertraut worden. ,,Ihr anhängend verharrt das ganze heilige Volk, mit seinen Hirten vereint, ständig in der Lehre und Gemeinschaft der Apostel, bei Brotbrechen und Gebeten, so daß im Festhalten am überlieferten Glauben, in seiner Verwirklichung und in seinem Bekenntnis ein einzigartiger Einklang zwischen Vorstehern und Gläubigen zustande kommt\" (DV 10).\"

http://www.vatican.va/archive/DEU0035/__PS.HTM


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 Providelis 31. Jänner 2010 

Zur Kategorisierung der verstockten Sünder

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@ dominique: Danke, Du hast präzise auf den Punkt gebracht, was ich auch \"theo-logisch\" in gewisser Weise als (ungelöstes) Dilemma betrachte: Die praktische Leben einer (vieler) vorbildlicher zweiten Verbindungen... alles \"Dauerzustandssünder\"?! Liegen die Dinge so einfach? Darüber laut nachzudenken und zu diskutieren darf – muss – erlaubt sein.

Oft fragte ich mich schon: Wenn man unter den Menschen kaum einen findet, dessen Herz dazu neigt, anderen Menschen einen Neubeginn im Leben, eben auch in Ehedingen, zu verweigern – wieso nehmen wir dann an, Gott sei so knochenhart? Mir passt das nicht in meinen Glaubenskosmoms. (Damit schrei ich nicht vor mir her: Alle einfach wieder heiraten lassen, ohne \"Vorbedingung\" und religiöse Auseinandersetzung usw.!)

@ L. Euler: Seit wann obliegt die Auslegung von Schriftstellen einzig der Kirche (dann müsste ich beim Lesen der Schriften ja mein Denken abschalten)? Wäre dem so, gäbe es die katholischen Erkenntnisse aus der Schrift ja gar nicht – denn sie wurden durch Menschen ausgewählt und benannt. Doch: Ich habe als Kind gelernt, dass ich auch Teil und Glied der Kirche bin.

Ich habe die protestantischen Kirchen zwar erwähnt, jedoch nur, um die Frage aufzuwerfen, inwiefern die derzeitige Antwort der katholischen Kirche ALLES um- und erfasst. Es ist ja so: Bis vor wenigen Jahrzehnten hatte die Kirche ja tatsächlich keinen nennenswerten Grund, sich mit dem (im Umfang kaum existierenden) Thema intensiv auseinanderzusetzen. Und zur Erinnerung: Nicht alles, was wir in unserer Kirchentradition heute lehren, gab es so schon seit 2000 Jahren – also existieren kirchenhistorisch Veränderung(en) per se.

@ diaconus. Danke sehr. Zur orthodoxen Praxis: Eben. Wenn man sich dort zu einer Segnung \"versteigt\", ist exakt dies eine völlig andere Haltung im Umgang mit den vielen Betroffenen. Sicherlich nicht, weil man sie naiv zu \"Dauersündern\" degradiert. Ein \"verstockter Sünder\" ist jemand, der sich von Gott abwendet bzw. lossagt und schon gar keiner, dem noch an religiöser Praxis, Gebet etc. gelegen ist. Das ist aber definitiv nicht die Realität jener, von denen ich hier rede (weiterhin praktizierenden katholischen Christen). Trotzdem, und nehmen Sie es mir bitte nicht persönlich, finde ich beim Lesen Ihrer (nicht nur) Kommentierung den unverkennbaren Klang von abgrenzen und belehren statt einfühlen, das, wie ich meine, elementar erforderlich ist, um – auch, nein, gerade mit den Betroffenen – wahrhaft ins Gespräch zu treten. Wenn Seelsorge, so wie Jesu sie verstanden und zeitlebens vorgelebt hat, Vorbild und Auftrag der Kirche ist, dann kann der derzeitige Standpunkt und die Pastoral nicht die letzte Antwort für diese Menschen sein, sagt mir mein Glaube.


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 Providelis 30. Jänner 2010 

Enger Blick – oder weiter/geweiteter Blick

Danke für die Reaktionen auf meinen Kommentar.

Das stupide Verharren auf der bekannten Schriftstelle ist mir zu einfach, um der Praxis und Ehe als solcher gerecht zu werden – und der von mir aufgeworfenen Betrachtung.

Die isolierte Auslegung der Schriftstelle Mt 19, 6b ist nun einmal einzig die katholische Sichtweise; die anderen Konfessionen, zudem die, die noch zentrierter aus den Worten der Schrift ihren Glauben leben und ableiten, sind da zu anderen Schlüssen gekommen – die ich nicht von vornherein abweisen kann. Wie dominique schreibt, hat gerade die orthodoxe Kirche mir ihrem gänzlich \"unreformierten Selbstverständnis\" (im Sinne von Anpassung an die gesellschaftlich-historische Entwicklung) hierbei eine abweichende Lehre, was zumindest bedenkenswert ist. Diese Kirchen stellen sich ja nicht gegen Jesus und seine Worte, sondern setzen sich intensiv damit auseinander und stellen Ehe und Familie ebenso ins Zentrum der menschlichen Berufung.

Die pauschale Unterstellung, \"der Mensch\" wolle Gottes Barmherzigkeit quasi einfordern und \"trotzdem in Sünde verharren\", ist hier so unpassend wie unzutreffend.

Erinnert mich ein wenig an eine sehr lapidar vorgetragene Äusserung Kardinal Meisners während eines TV-Auftritts bei Maischberger im vorigen Jahr bzgl. Kanzerlin Merkel (stellvertretend für die katholische Kirche als solche?): \"Nun, es ist schlimm für dieses Land, dass es von einer Frau regiert wird, auf der als Geschiedene nicht der Segen Gottes liegt.\" – Was für ein Urteil, was für eine verwegene \"alttestamentarische\" Geisteshaltung und Aussage. In diesem Moment hat er jedem einzelnen Christen mit einer zerbrochenen Ehe das Attest \"unwürdig\" und \"von Gott abgelehnt\" ausgestellt. Einem Menschen ist also der Segen Gottes genommen, wenn er geschieden wird? Ohne den Kardinal pauschal abzulehnen – das ist unwürdig und abseits Gottes Verheißung, und ließ mich damals schaudern. – Aber das lediglich als beiläufige Randnotiz


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 C.S.Lewis 30. Jänner 2010 

Beispiel

@Providelis: Ich kenne einen Fall, wo die Frau einen geschiedenen Mann geheiratet hat. Sie ist praktizierende Katholikin, er nicht. Sie war sich der Konsequenzen bewusst, hat vielleicht auch den Rat bekommen, es nicht zu tun. Sie kommuniziert geistig und geht zur eucharistischen Anbetung, beides leider nicht mehr sehr verbreitet. So kann sie auch dem Herrn ganz nahe sein.

Dieser Fall ist die Ausnahme von der Regel. Ich kenne sonst niemanden, der vorher regelmäßig den Gottesdienst besucht und kommuniziert hat, und nach einer Scheidung/Wiederverheiratung nicht mehr darf. Dafür kenne ich viele, die darüber jammern, dass sie nicht mehr dürfen, was sie gar nicht wollen.


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 Providelis 30. Jänner 2010 

Wirklich die liebende Seelsorge im Mittelpunkt?

Auch wenn es hier eine Ansprache an den Päpstl. Gerichtshof war: In der katholischen Pastoral ist die gewaltige seelische Not gescheiterter Eheleute in vielfacher Hinsicht nicht angekommen. Mutter Kirche nimmt diese Menschen nach wie vor nicht in ihren wachen Blick – sie existieren, mehr nicht. So finde ich es bedauerlich, dass der Hl. Vater einmal mehr etwas betont, was zwar in der Sache richtig und nicht neu ist, aber für die riesige Anzahl betroffener katholischer Christen – seinen Schäfchen! – nichts enthält, was deren komplexe Situation beleuchtet und \"erleichtert\". Alles, was ich bisher aus kirchlichen Quellen dazu gelesen habe, spricht – leider – eine nüchterne, menschenferne und abgehobene Sprache, die sich allermeist auf darauf beschränkt und zurück zieht, das aktuelle Kirchenrecht zu betonen.

In keiner Weise rede ich hier der heutigen plumpen Modernisierungsforderung an die Kirche das Wort! Jedoch ist es Fakt, dass sie diese mannigfaltige Sorgen und Nöte der Menschen – ihre vordringlichste Berufung und Aufgabe – nicht aufgreift und sich davon \"bewegen\" lässt. Im übrigen geht es nicht um die Abwägung zwischen Liebe und Gerechtigkeit, sondern Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

Es gehört zu den schwersten seelischen Leiden eines gläubigen Menschen überhaupt, eine zerbrochene Ehe hinter sich zu haben. Die Auffassung der Kirche \"zwingt\" ihn, dieses Leiden \"lebenslänglich\" auszuweiten und jeder Beziehung aus dem Weg zu gehen.

Ich frage mich in diesem Zusammenhang beispielsweise: Was ist größer in Gottes Herz: die Barmherzigkeit oder die pure Gerechtigkeit? Ist Gott kalt, oder doch eher warm? Und was davon in welchem Verhältnis? Ich bin mir somit nicht so sicher, ob im Fluss der Kirchengeschichte in diesem Punkt nicht noch ein Schritt ausstünde, den die Kirche zu gehen hätte, in allem \"vollkommen\" Jesu Idealen zu entsprechen – denn die \"Rangfolge\" unterliegt ja durchaus einer willkürlichen Deutung. Oder hat Jesus die Gerechtigkeit über die Barmherzigkeit gestellt?

Sie – die Kirche – hätte ja prinzipiell die Vollmacht, auch wieder etwas zu trennen – sofern sie das Kirchenrecht \"ausweiten\" würde (\"Was auf Erden gelöst wird...\").

Wäre das ein fiktives Wohl, also entgegen dem Seelenheil? Doch nur, wenn man annimmt, verweigere hierzu seine Vergebung! Man lehrt also, dass Gott Mördern, Vergewaltigern und Ehebrechern vergibt und sie ein neues Leben beginnen dürfen – ehelich Gescheiterten aber keine \"zweite Chance\" als Neubeginn offen steht?

Falsch verstandenes Mitleid? Ja was denn, wenn nicht Mitleid und Erbarmen mit Gebrochenen, Gescheiterten, Geschundenen!!!


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