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'Der Herr sagte: Geh nach Rom.'

28. November 2009 in Buchtipp, 4 Lesermeinungen
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"Sie verließ sich ganz und gar auf ihre Eingebung." Leseprobe 4 aus dem neuen Buch über Mutter Angelica von Raymond Arroyo / Nachrichtendirektor von EWTN.


Wien (kath.net) Sie war auf der Jagd nach Inspirationen, wie Normalsterbliche Ruhm, Titeln und Reichtümern hinterherlaufen. Die Inspiration war Mutter Angelicas Lebensnerv, das flüchtige Elixier, das ihre Visionen nährte und ihre Taten beflügelte. Ihr rationaler Verstand wurde erst dann eingesetzt, sobald etwas in Schwung kam.

„Sie folgt sofort jeder Eingebung. Sie prüft sie nie“, sagte Bill Steltemeier und prahlte schon fast mit Mutter Angelicas spirituellem Wagemut. „Der Herr zeigt ihr scheinbar ein bestimmtes Bild, kein großes Bild, nur so ein kleines Etwas. Und sie will es dann sofort umsetzen; ob es für sie einen Sinn macht oder nicht.“

Die Kurzwellenradio-Inspiration ergab keinen Sinn – jedenfalls nicht für Mutter Angelica. Und auch für keinen ihrer Vertrauten. Daher betete sie über das Projekt und pflegte es wie einen Weinstock im Garten ihres Großvaters, um zu erkennen, was von ihr verlangt wurde.

Vielleicht würde es eine weitere totgeborene Inspiration sein ähnlich der nicht realisierten Eingebung eines „großen Bauernhofs mit Häusern für alleinerziehende Eltern und ledige Mütter“, den sie, der Zeitung USA Today zufolge, zu errichten gelobt hatte.


Im Sprechzimmer des Klosters berichtete Mutter Angelica, die jetzt spürte, wo ihre noch nebelverhüllte Eingebung sie hinführen würde, Bill Steltemeier: „Der Herr sagte: ‚Geh nach Rom.‘“
„Warum?“, fragte Steltemeier.
„Ich bin mir nicht sicher.“
„Nun, schließlich spricht Er mit Ihnen, nicht mit mir. Beten Sie einfach“, riet Steltemeier und beendete die Zusammenkunft.

Steltemeier konnte einer Inspiration zwar zum Gelingen verhelfen, Angelica musste sie jedoch erst einmal zur Welt bringen. So kehrte sie wieder zum Gebet zurück.

Am nächsten Tag ließ Mutter Angelica die leitenden Angestellten in den Konferenzraum des Senders zu einer Besprechung rufen. Es war ein feierlicher Moment, so wie damals, als Moses vom Sinai herabkam. „Letzte Nacht sprach der Herr zu mir, und ich sah die Welt“, begann Mutter zu erzählen. „Und Er sagte: ‚Angelica, ich habe dir kleine Dinge anvertraut; jetzt will ich, dass du etwas Großes ausführst.‘“

„Wenn wir von Demut, von kleinen Dinge sprechen, dann waren dies die größten Dinge, die ich je in meinem Leben gemacht habe“, sagte Matt Scalici und Tränen stiegen ihm in die Augen. „Dann verriet sie ihre Idee mit dem Radio. Die Vereinigten Staaten waren da nicht unser einziger Markt. Sie sagte, dass die katholische Welt auch in anderen Teilen der Erde in den Wehen liege und darauf warte, freigesetzt zu werden.“

„In blindem Gehorsam“, nahmen die leitenden Angestellten Mutter Angelicas Vision auf, obwohl keiner das Projekt wirklich verstand oder guthieß. Schlimmer noch, sie bezweifelten sogar seine Notwendigkeit. Doch Mutter Angelica hätte das nicht abgehalten. Wie unklar auch immer der Marschbefehl war, sie war verpflichtet, ihn zu erfüllen. Die Frage lautete also nicht, ob das Kurzwellenprojekt in Angriff genommen würde, sondern nur wann und wie.

„Sie verließ sich ganz und gar auf ihre Eingebung. Das war der Schlüssel zu ihrem Erfolg“, sagte Pater Benedict Groeschel, Franziskanermönch der Erneuerungsbewegung und Psychologe aus New York, der Angelica seit mehr als zwanzig Jahren kannte. „Mutter Teresa war auch so. Ich habe mit beiden eng zusammengearbeitet – sie waren intuitiv veranlagte Frauen. Der hl. Thomas (von Aquin) sagte, die Intuition sei die höchste Form der Intelligenz. Und Angelica hatte Erfolg durch die Eingebungen des Heiligen Geistes.“

Wochen später rief Mutter Angelica Bill Steltemeier zu sich in das Sprechzimmer des Klosters. Sie berichtete ihm aufgeregt von einem Durchbruch, den sie bei ihrer Meditation erlebt hatte. Sie war auf eine Passage in der Heiligen Schrift gestoßen: Offenbarung 14,6. Dort stand: „Ein anderer Engel flog hoch am Himmel. Er hatte den Bewohnern der Erde ein ewiges Evangelium zu verkünden, allen Nationen, Stämmen, Sprachen und Völkern.“

Mutter Angelica war durch diese Worte ermutigt und überzeugt, dass sie dazu berufen war, das Evangelium allen Nationen zu predigen, sagte Angelica zu Steltemeier: „Ich denke, das Beste ist, nach Italien zu fliegen.“
„Warum nach Italien?“, fragte Steltemeier.
„Dort sind alle Sprachen zu finden. Braucht man bei den Kurzwellen keine Sprachen?“
„Ich habe keine Ahnung von Kurzwellen, geschweige denn von Sprachen.“
„Wir müssen morgen nach Rom fliegen“, sagte Angelica mit ihrer neu gewonnenen Sicherheit.


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