
Nuntius in Kiew: Bevölkerung "verwundet und schwer traumatisiert"vor 22 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Erzbischof Kulbokas: Aktuelle Krise erinnert an Holodomor, die von Stalin verursachte Hungerkatastrophe der 1930er Jahre - Bevölkerung nach massiven russischen Luftangriffen traumatisiert.
Kiew (kath.net/ KAP)
Angesichts massiver russischer Luftangriffe, extremer Kälte und anhaltender Versorgungsengpässe hat der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, ein düsteres Bild der Lage gezeichnet. "Heute ist die gesamte ukrainische Bevölkerung verwundet und schwer traumatisiert", sagte Kulbokas am Freitag im Gespräch mit vatikanischen Medien. Neben Temperaturen von bis zu minus 20 Grad drohe zunehmend auch eine Lebensmittelkrise, die bereits Erinnerungen an die Hungernot der 1930er Jahre wachruft.
Besonders kritisch sei die Situation in der Hauptstadt Kiew. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko waren am 9. Jänner rund 6.000 Gebäude ohne Heizung, auch zuletzt seien noch etwa 100 Wohnblöcke von der Wärmeversorgung abgeschnitten gewesen. Gleichzeitig verschärft ein massives Stromdefizit die Lage: Bei einem Bedarf von rund 18 Gigawatt stünden landesweit nur etwa 11 Gigawatt zur Verfügung, berichtete Kulbokas.
Die Krise betreffe aber nicht nur das Thema Heizen, so der Nuntius. "In Städten wie Lwiw oder Charkiw haben die Menschen oft nur drei Stunden am Tag Strom. Das bedeutet, dass die Bäcker kein Brot backen können", wird er vom Online-Portal Vatican News zitiert. Die Kombination aus Kälte und Nahrungsmittelknappheit erinnere ihn an den Holodomor, die von Stalin verursachte Hungerkatastrophe der 1930er Jahre. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, schloss Kulbokas selbst eine Evakuierung der Hauptstadt nicht aus. Ein Szenario, das auch von der Stadtverwaltung bereits thematisiert worden sei. 
Ein Jahr des Gebets inmitten der Trümmer
Trotz Krieg und Not kamen am Freitag die Bischöfe des lateinischen Ritus im Marienheiligtum von Berdytschiw zusammen. Anlass war der 35. Jahrestag der Wiedererrichtung der kirchlichen Hierarchie in der Ukraine im Jahr 1991. Zugleich riefen die Bischöfe das Jahr 2026 zum "Jahr des Heiligsten Herzens Jesu" aus. "Wir haben darum gebetet, dass die Güte Gottes über Sünde und Krieg siegt", sagte Kulbokas, der der Messe vorstand. Die Feier habe in geistlicher Verbundenheit mit Papst Leo XIV. stattgefunden, so die Bischöfe.
Wunden der Seele
Neben der materiellen Not sorgt sich das Kirchenoberhaupt vor allem um die psychische Gesundheit der Ukrainer. Im Gespräch mit Mitbrüdern aus den besonders hart umkämpften Regionen Charkiw, Saporischschja und Odessa sei deutlich geworden, wie tief die Traumata sitzen. Er hoffe daher auf das Gebet der Weltkirche für Frieden, sowie die psychische Heilung der leidenden Bevölkerung.
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