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Der Dialog der Liebe - Einheit aus dem Geist

vor 3 Stunden in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Leo XIV. erinnert an die Zeugen des armenischen Glaubens und die Verantwortung der Kirchen, ganz offensichtlich miteinander zu gehen. Einsatz für die heilige Aufgabe der Einheit der Christen. Von Armin Schwibach


Istanbul (kath.net/as) Es ist ein Symbolort des Leidens und der Hoffnung, der Verwurzelung und der Auferstehung eines Volkes: die Armenisch-Apostolische Kathedrale in Istanbul. Hier sprach Papst Leo XIV. am 30. November 2025 Worte, die zugleich von Dankbarkeit und Entschlossenheit getragen waren. Die Begegnung mit der armenischen Gemeinschaft, eingebettet in die jahrhundertealte Geschichte ihrer Märtyrer und Zeugen, wurde für den Papst zu einem „Gebet der Geschwisterlichkeit“ und zu einem erneuerten Appell an alle Christen, die Einheit nicht als fernes Ideal, sondern als konkreten Auftrag zu begreifen.

Bereits zu Beginn seiner Ansprache richtete Leo XIV. eine herzliche und familiäre Anrede an den armenischen Patriarchen: „Lieber Bruder in Christus“. In dieser Anrede fasst sich das ganze Anliegen dieses Besuchs zusammen. Der Papst erinnerte an die Begegnungen seiner Vorgänger mit den armenischen Patriarchen Shenork I. und Mesrop II. sowie an den jüngsten Besuch des Katholikos Karekin II. in Rom. Diese persönliche Verbundenheit verweist für Leo XIV. auf eine tieferliegende geschichtliche Wahrheit: das „mutige christliche Zeugnis“, das das armenische Volk „oft unter tragischen Umständen“ gegeben hat.

Der Papst sprach diesen Dank in einer historischen Perspektive aus, die auf die entscheidenden Wendepunkte der ökumenischen Annäherung verweist. 1967 war Katholikos Choren I. der erste Primas einer orientalisch-orthodoxen Kirche, der dem Bischof von Rom die Hand des Friedens reichte. Und nur drei Jahre später unterzeichneten Papst Paul VI. und Katholikos Wasgen I. die erste gemeinsame Erklärung zwischen einem Papst und einem altorientalischen Patriarchen – ein Dokument, das die Gläubigen beider Kirchen aufrief, sich „als Brüder und Schwestern in Christus wiederzuentdecken“. Leo XIV. erinnerte daran als an eine Sternstunde des „Dialogs der Liebe“, der „durch Gottes Gnade gut gediehen“ sei.

Im Licht des 1700. Jahrestags des ersten ökumenischen Konzils von Nicäa verlieh Leo XIV. dieser Erinnerung eine besondere theologische Tiefe. Nicäa erscheint ihm nicht als fernes Monument, sondern als immerwährender Bezugspunkt der Glaubenseinheit. Aus dem nizänischen Glaubensbekenntnis, so der Papst, müsse „der gemeinsame apostolische Glaube“ neu aufleuchten, als Grundlage, um jene Einheit wiederherzustellen, „die in den ersten Jahrhunderten zwischen der Kirche von Rom und den altorientalischen Kirchen bestand“.


Dabei wies Leo XIV. eine falsche Vorstellung von Einheit entschieden zurück. Es gehe nicht um „Absorption oder Dominanz“, sondern um einen Austausch der Gaben, die „unsere Kirchen vom Heiligen Geist zur Ehre Gottes, des Vaters, und zum Aufbau des Leibes Christi empfangen haben“ (Eph 4,12). In deutlichem Bezug auf die ökumenische Vision Johannes Pauls II. erinnerte er daran, dass die Internationale Gemeinsame Kommission für den theologischen Dialog bald ihre Arbeit wieder aufnehmen möge, um „ganz offensichtlich miteinander“ ein Modell der vollen Gemeinschaft zu suchen.

Der Papst stellte diesen Weg unter den Schutz der „großen Wolke von Zeugen“ (Hebr 12,1), die beide Kirchen verbindet. Unter ihnen leuchtet für ihn besonders Nerses IV. Shnorhali, der große Dichter und Katholikos des 12. Jahrhunderts, dessen 850. Todestag in diesem Jahr begangen wurde. Leo XIV. würdigte Shnorhali als einen Mann, der unermüdlich für die Versöhnung der Kirchen kämpfte und dessen geistliche Weite nicht nur seine Zeit, sondern auch den Weg der heutigen Christen erhellt. In ihm sieht der Papst einen authentischen Zeugen des Gebets Jesu: „Alle sollen eins sein“ (Joh 17,21).

Zum Abschluss seiner Ansprache versicherte Leo XIV. dem armenischen Patriarchen seine persönliche Hingabe an die „heilige Aufgabe der Einheit der Christen“. Die Einheit sei letztlich „ein Geschenk von oben“, das die Kirche nur empfangen könne, wenn sie es mit offenem Herzen annehme. Und sie sei der Prüfstein für die Glaubwürdigkeit der christlichen Verkündigung: Nur als versöhntes, geschwisterliches Zeugnis könne die Kirche „immer besser der Sendung der einen Kirche Christi dienen“.

Damit verband der Papst seinen Besuch in Istanbul mit einem erneuten geistlichen Auftrag. Im Zeichen Nizäas, im Angesicht der armenischen Zeugen und im „Dialog der Liebe“ sieht Leo XIV. die gesamte Christenheit aufgerufen, den Weg zur vollen Gemeinschaft entschlossen weiterzugehen, dies nicht als strategisches Projekt, sondern als Antwort auf Christus selbst.

kath.net veröffentlicht die Worte von Papst Leo XIV. bei dem Gebetstreffen in der Armenisch-Apostolischen Kathedrale un Istanbul, 30. November 2025

Lieber Bruder in Christus!

Es ist mir eine große Freude, Eure Seligkeit zu besuchen, insbesondere an dem Ort, an dem die verstorbenen Patriarchen Shenork I. und Mesrop II., seligen Angedenkens, meine Vorgänger empfangen haben. In diesen Gruß an Sie möchte ich auch Seine Heiligkeit Karekin II., den Obersten Patriarchen und Katholikos aller Armenier, miteinschließen, der mir kürzlich mit einem Besuch die Ehre erwiesen hat, wie auch die Bischöfe, den Klerus und die gesamte armenisch-apostolische Gemeinde in Istanbul und in der Türkei.

Dieser Besuch bietet mir die Gelegenheit, Gott für das mutige christliche Zeugnis zu danken, das das armenische Volk im Laufe der Geschichte oft unter tragischen Umständen gegeben hat. Ich danke dem Herrn auch zutiefst für die immer enger werdenden geschwisterlichen Bande zwischen der Armenisch-Apostolischen Kirche und der Katholischen Kirche. Kurz nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, im Mai 1967, war Seine Heiligkeit Katholikos Choren I. der erste Primas einer orientalisch-orthodoxen Kirche, der den Bischof von Rom besuchte und mit ihm den Friedensgruß austauschte. Ich erinnere auch daran, dass Seine Heiligkeit Katholikos Wasgen I. im Mai 1970 mit Papst Paul VI. die erste gemeinsame Erklärung zwischen einem Papst und einem orientalisch- orthodoxen Patriarchen unterzeichnete, in der sie ihre Gläubigen aufforderten, sich als Brüder und Schwestern in Christus wiederzuentdecken, um die Einheit zu vertiefen. Seitdem ist der „Dialog der Liebe“ zwischen unseren Kirchen durch Gottes Gnade gut gediehen.

An diesem Jahrestag des ersten ökumenischen Konzils bietet mein Besuch eine Gelegenheit, das Nizänische Glaubensbekenntnis zu würdigen. Wir müssen aus diesem gemeinsamen apostolischen Glauben schöpfen, um jene Einheit wiederherzustellen, die in den ersten Jahrhunderten zwischen der Kirche von Rom und den altorientalischen Kirchen bestand. Wir müssen uns auch von der Erfahrung der frühen Kirche inspirieren lassen, um die volle Gemeinschaft wiederherzustellen, eine Gemeinschaft, die nicht Absorption oder Dominanz bedeutet, sondern vielmehr einen Austausch jener Gaben, die unsere Kirchen vom Heiligen Geist zur Ehre Gottes, des Vaters, und zum Aufbau des Leibes Christi empfangen haben (vgl. Eph 4,12). Ich hoffe, dass die Gemeinsame Internationale Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Katholischen Kirche und den Orientalisch- Orthodoxen Kirchen ihre fruchtbare Arbeit bald wiederaufnehmen kann, um »ganz offensichtlich miteinander« ein Modell der vollen Gemeinschaft zu suchen, wie es Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika Ut unum sint (Nr. 95) gewünscht hat.

Auf diesem zur Einheit werden wir von einer großen »Wolke von Zeugen« (Hebr 12,1) begleitet und umgeben. Unter den Heiligen der armenischen Tradition möchte ich an den großen Katholikos und Dichter Nerses IV. Shnorhali aus dem 12. Jahrhundert erinnern, dessen 850. Todestag wir kürzlich begangen haben und der sich unermüdlich für die Versöhnung der Kirchen einsetzte, um das Gebet Christi zu erfüllen: »Alle sollen eins sein« (Joh 17,21). Möge das Beispiel des Heiligen Nerses uns inspirieren und sein Gebet uns auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft stärken!

Ich bedanke mich bei Eurer Seligkeit für den herzlichen Empfang und versichere Ihnen, mich vorbehaltlos für die heilige Aufgabe der Einheit der Christen einzusetzen. Mögen wir dieses Geschenk von oben mit offenem Herzen empfangen, damit wir immer glaubwürdiger die Wahrheit des Evangeliums bezeugen und der Sendung der einen Kirche Christi immer besser dienen können.

 


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