Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. "'Potestas sacra' für Laien: worum es letztlich geht"
  2. SWR-Skandalchristmette - Zuständig ist die Diözese Rottenburg-Stuttgart!
  3. THESE: "Die Theologie der letzten Jahrzehnte hat versagt!"
  4. Kard. Woelki: „Bin überzeugt, dass ‚Evangelisierung‘ das zentrale Thema von Leos Pontifikats wird“
  5. Rechtsanwalt Steinhöfel: Maduro war ohne legales Amt, hatte keine völkerrechtliche Immunität mehr
  6. Unter den kroatischen Katholiken wächst Grundsatzkritik
  7. Santo Subito: Historiker Hesemann plädiert für schnelle Seligsprechung Benedikts XVI.
  8. „Nicht nur Israels Kampf… es ist der Kampf unserer gemeinsamen jüdisch-christlichen Zivilisation“
  9. 2025 wurden 46 römisch-katholische Kirchen und Kapellen in Deutschland profaniert
  10. Direkt nach dem Jahreswechsel brannte die Amsterdamer Vondelkirche lichterloh
  11. „In seinem Pontifikat war Benedikt XVI. einer der größten Theologen auf der Cathedra Petri“
  12. Streit um Papstkreuz im Wiener Donaupark
  13. Eine Nonne, die Vampirbücher schreibt
  14. Schweiz: Bischöfe beten für Opfer der Brandkatastrophe in Skiort
  15. Zeitliche und ewige Zukunft

Kardinal Woelki: „Gott jedenfalls will dieses Wunder immer und überall wirken“

21. Februar 2024 in Spirituelles, 4 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Kölner Kardinal in Predigt bei DBK-Vollversammlung: „Darum geht es eigentlich immer – damals in Ninive und heute bei uns: Um dieses Wunder der Umkehr und den Sieg des Guten über das Böse.“


Augsburg-Bonn (kath.net/DBK) kath.net dokumentiert die Predigt von Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) in der Eucharistiefeier zur Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 21. Februar 2024 in Augsburg in voller Länge. Es gilt das gesprochene Wort – Lesung: Jona 3,1–10; Evangelium: Lk 11,29–32

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
wir haben heute in der Lesung gehört, wie Gott dem Jona einen wichtigen Auftrag anvertraut. Er soll das Wort Gottes in der großen Stadt Ninive verkünden. Keine leichte Aufgabe. Denn seine Predigt, die ihm von Gott aufgegeben ist, ist deutlich und schrecklich zugleich: „Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört!“ (Jona 3,4) Und dann das Unglaubliche: Die Leute glauben Gott. Sie rufen ein Fasten aus. Groß und Klein bekehrt sich. Und Gott? Er lässt sich davon bewegen und führt seine Drohung nicht aus. Wahrhaftig: Das Wort Gottes kann wirklich zu allen Zeiten und an allen Orten das Wunder der Umkehr und den Sieg des Guten über das Böse bewirken. Jona und die Leute von Ninive stehen dafür.

Wir befinden uns am Beginn der österlichen Bußzeit. 40 Tage umfasst sie. 40 Tage die Chance und die Gelegenheit, unser Leben, unsere Beziehungen, unsere Abhängigkeiten, unser Verhältnis zu Gott anzuschauen. Es neu zu ordnen, uns – ähnlich wie die Menschen in Ninive – auch unserem Umgang mit Schuld, Sünde und Versagen zu stellen. Das fällt keinem leicht. Wir neigen eher manchmal dazu, den Umgang damit zu verniedlichen. Wenn wir uns etwa mit einem Augenzwinkern eingestehen, dass wir am vergangenen Wochenende mal wieder gesündigt haben, weil wir an einem viel zu üppigen Essen teilgenommen haben. Und selbst wenn einer beim Übertreten der Geschwindigkeit oder beim Falschparken erwischt wird, erntet er zumeist eher Mitleid angesichts des Bußgeldes als Schimpf und Schande.


Machen wir uns nichts vor: Keiner hat sich zu 100 Prozent im Griff. Kein Mensch ist perfekt. Und doch bleibt mitunter ein schaler Nachgeschmack, weil im Grunde klar ist: Was ich da getan habe, war nicht in Ordnung. Im Klartext: Schuld betrifft jeden. Mitunter schwer. Die gegenwärtigen Tage der österlichen Bußzeit laden uns ein, uns neu zu orientieren, Balast abzuwerfen, wieder neu zu uns selbst zu finden, uns zu versöhnen – mit uns selbst, mit dem Nächsten, mit Gott. Denn im christlichen Sinn ist – wie auch schon Ninive zeigt – von Sünde und Schuld niemals ohne Barmherzigkeit zu sprechen. Deshalb ist in diesen Tagen mehr drin als nur eine reine Gewichtsreduzierung. Denn diese Tage auf Ostern zu rühren an meine Schattenseiten und an das Dunkle, das mich belastet – und davon hat, da bin ich mir sicher, jeder von uns eine Ahnung.

Die Frage ist: Wie damit umgehen? Alles aushalten? Alles weiter mit sich herumschleppen? Oder gar alles verdrängen? Ich denke, das kostet letztlich viel mehr Kraft, als mich diesem Schweren und Dunklen in meinem Leben zu stellen. Genau dabei wollen die vor uns liegenden Tage helfen, da sie doch aufs Engste mit Gottes Barmherzigkeit verbunden sind. Denn sie laden uns ein, das Verdrängte endlich heraus und das Dunkle in uns endlich ans Licht kommen zu lassen. Diese Tage der Fastenzeit wollen mich als eine Zeit der Barmherzigkeit Gottes nicht niederdrücken, sondern aufrichten. Sie wollen mich nicht einfach drei gerade sein lassen, sondern mich gerade sein lassen, auf dass ich aufrecht und aufrichtig durchs Leben zu gehen vermag. Ninive zeigt: Gott lässt niemanden fallen! Mehr noch: Gott kommt mir mit weit geöffneten Armen entgegen. Denn dieser Gott ist Barmherzigkeit pur. So vor diesem barmherzigen Gott mit seinen weitgeöffneten Armen stehend, kann ich endlich voll und ganz zu mir stehen – eben auch zu meinen Fehlern. Ja, ich kann sie sogar beim Namen nennen: Ich habe das falsch gemacht. Ich habe Mist gebaut. Ich bin schuldig geworden. Ich habe gesündigt.

Und das heißt: Ich habe mich abgewendet, abgesondert von dem, was eigentlich an Grundgutem in mir ist. Ich habe mich abgewendet von dem Guten schlechthin, der mir immer zugewandt ist, der mich leben lässt und mich liebt – von Gott. In seiner Zuwendung kann ich umdrehen, umkehren. Darin liegen die Chance und die Einladung dieser Tage. Darum geht es eigentlich immer – damals in Ninive und heute bei uns: Um dieses Wunder der Umkehr und den Sieg des Guten über das Böse. Gott jedenfalls will dieses Wunder immer und überall wirken.
Amen.

Foto: Kardinal Rainer Maria Woelki in der Hl. Messe bei der DBK-Vollversammlung in Augsburg © DBK/Marko Orlovic


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 modernchrist 21. Februar 2024 
 

Sehr schöne Predigt, kurze prägnante Sätze!

Für jeden Gläubigen, auch die Bischöfe verständlich.
Herr, lass sie überall, auch bei uns selbst, bei mir, auf fruchtbaren Boden fallen!


3
 
 rts 21. Februar 2024 
 

Gute Predigt, aber

was mir auffällt, daß das Wort „Beichte“ auch hier nicht genannt wird. Schade.


2
 
 gebsy 21. Februar 2024 

Vergelt's Gott Eminenz!

Dem Geheimnis der Barmherzigkeit nachzuspüren, aber auch die List des Widersachers aufzudecken, ist und bleibt christliche Selbsterkenntnis und Sendung ...


2
 
 SpatzInDerHand 21. Februar 2024 

ja - Gott kann sogar auf einer DBK-Vollversammlung

Wunder wirken... sofern die mehrheitlich häretisch angehauchten Bischöfe sich von der "Welt" abwenden und ihre Herzen für IHN öffnen .... - Die Predigt von Woelki (der ja selbst zu den wenigen Glaubwürdigen unter den Bischöfen zählt) entwickelt im Umfeld der DBK eine angenehme Doppelbödigkeit. Ninive/DBK - KEHR UM!


4
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. Weihnachtsspende für kath.net - Wir brauchen JETZT Ihre HILFE!
  2. ISLAND-REISE - SOMMER 2026 - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  3. "'Potestas sacra' für Laien: worum es letztlich geht"
  4. SWR-Skandalchristmette - Zuständig ist die Diözese Rottenburg-Stuttgart!
  5. Kard. Woelki: „Bin überzeugt, dass ‚Evangelisierung‘ das zentrale Thema von Leos Pontifikats wird“
  6. Wie Johannes vom Kreuz mit nervigen Menschen umging
  7. „In seinem Pontifikat war Benedikt XVI. einer der größten Theologen auf der Cathedra Petri“
  8. Ermittlungen im Fall Orlandi offenbar an einem Wendepunkt
  9. „Die Ursache der Kirchenkrise und ihre Überwindung“
  10. Unter den kroatischen Katholiken wächst Grundsatzkritik
  11. Die Lügen der österreichischen SPÖ-Frauen-Ministerin
  12. Eine Nonne, die Vampirbücher schreibt
  13. Ein Frühstück für den Verleugner
  14. Überlebende der Brandkatastrophe in Crans-Montana: „Möchte Gott danken, dass er mich gerettet hat“
  15. Santo Subito: Historiker Hesemann plädiert für schnelle Seligsprechung Benedikts XVI.

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz