Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  2. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  3. Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg
  4. Für alle, die bis jetzt zweifelten: Nun gehen sie wieder ins Schisma!
  5. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  6. Papst Leo XIV. empfing Katholiken, die mit gleichgeschlechtlicher Neigung keusch leben möchten
  7. Die synodale Sackgasse der Anderskatholischen
  8. Bischof Oster: „In der Sache selbst war ich ja in mehrfacher Hinsicht kritisch“
  9. Die große Täuschung
  10. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  11. Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
  12. Medienkrise verschärft sich: Dramatische Auflagenverluste für Tageszeitungen in Deutschland
  13. Fatales Gerichtsurteil in Deutschland: Chefarzt siegt gegen katholisches Klinik-Verbot
  14. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  15. Hunderte Einsprüche gegen Pfarrauflösung in der Diözese Linz - Keine Antworten aus Rom

Christsein in der pluralistischen Gesellschaft

14. Februar 2024 in Kommentar, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Nur wenn es der Kirche gelingt, ihren Gläubigen eine Spiritualität zu vermitteln, die ihnen hilft, ihr Christsein mitten in der postchristlichen Gesellschaft zu leben, wird sie wieder blühen. Gastkommentar von Martin Grichting


Chur (kath.net)

Angesichts der rasanten Säkularisierung der westlichen Gesellschaften, die in eine postchristliche Ära zu münden droht, stellt sich für die Kirche immer dringender die Frage: Wie kann heute der christliche Glaube solche Gesellschaften durchdringen?

Die im deutschsprachigen Raum vorherrschende Antwort lautet, dass die Kirche sich dem gesellschaftlichen Glaubens- und Meinungspluralismus anpassen müsse. Dies deckt sich mit einer verbreiteten Erwartung an die Kirche: Um sich in der pluralistischen Gesellschaft bewegen zu können, müsse sie selbst pluralistisch werden. Das Eintrittsticket in die feine Gesellschaft bestehe also darin, dass die Kirche ihren Wahrheitsanspruch ablege. Auf synodalen Wegen ist man daran, sich diesem Diktat zu unterwerfen.

Das II. Vatikanische Konzil hat eine andere Antwort gegeben. Es hat kein Jota dessen preisgegeben, was die Kirche überliefert hat. Aber der Glaubensschatz der Kirche sollte neu in die Gegenwart hinein vermittelt werden. Das sollte jedoch nicht bedeuten, ihn zu verwässern, sondern, wie Joseph Ratzinger in „Salz der Erde“ (1996) betont hat, ihn wieder „in seiner ganzen Wucht anzubieten“. In erster Linie sollte dies, von der Theologie unterstützt, die Aufgabe der Hierarchie sein. Den Laien sollte es dann zukommen, dem, was christlich ist, in der zivilgesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit Nachachtung zu verschaffen. Ihre Mündigkeit sollte nicht darin bestehen, die Bischöfe in deren Sendung zu konkurrenzieren, sondern selbstverantwortlich, erwachsen, in der Gesellschaft Zeuginnen und Zeugen des Glaubens zu sein. Das IV. Kapitel der Dogmatischen Konstitution „Lumen Gentium“ ist diesbezüglich die Magna Charta.


Philosophen wie Alexis de Tocqueville (1805-1859) haben der Kirche schon hundert Jahre zuvor diesen Weg aufgezeigt. Nicht mehr die Hierarchie sollte durch Deals mit den Herrschenden über die Köpfe der Gläubigen hinweg den Staat und die Gesellschaft direkt christlich zu formen versuchen. So war es vor der Französischen Revolution üblich gewesen. Nunmehr sollte die Trennung von Staat und Kirche, verstanden als Institutionen, gelten. Denn die Staaten waren nun eben nicht mehr formell christlich bzw. katholisch. Deshalb sollte es jetzt der Auftrag der Christen als Bürger sein, die Aufgabe zu übernehmen, die einst ihre Bischöfe für sie weithin wahrgenommen hatten. Die Religion sehe, so stellte Tocqueville in seinem bahnbrechenden Werk „Über die Demokratie in Amerika“ (1835/1840) fest, „in der politischen Welt ein Arbeitsfeld, das Gott dem Geiste erschlossen hat“. In späteren Stellungnahmen betonte er, es gehe nun unter den Bedingungen der Demokratie von neuem darum, „den Geist des Christentums in die Politik einfliessen zu lassen“. Dies solle nun jedoch in neuartiger Weise geschehen: „Ich verlange von den Priestern, denen die Erziehung der Menschen aufgetragen ist oder die auf sie Einfluss haben, nicht, diesen Menschen die Gewissenspflicht aufzuerlegen, die Republik oder die Monarchie zu bevorzugen. Aber ich wünsche, sie möchten ihnen öfter sagen, dass sie gleichzeitig zur Tatsache, dass sie Christen sind, einer der grossen menschlichen Vereinigungen angehören, die Gott zweifellos eingerichtet hat, um die Bande sichtbarer und wahrnehmbarer zu machen, welche die Individuen aneinanderbinden. Es sind die Vereinigungen, die Völker heissen und deren Territorien man Heimatland nennt. Diesem Kollektiv gegenüber ist es nicht erlaubt, in Gleichgültigkeit zu verfallen. Denn alle sind verpflichtet, beständig für dessen Gedeihen zu arbeiten und darüber zu wachen, dass sie nur wohltätigen, respektablen und legitimen Autoritäten unterworfen sind“.

Tocqueville und das II. Vatikanische Konzil haben mit ihren Einsichten bewiesen, dass sie den Geist der Neuzeit verstanden haben. Diese lebt nicht mehr in Ständen, Sondergesellschaften und Korporationen. Vielmehr zählt in der Gesellschaft der Freien und Gleichen primär das Individuum, als Bürger und als Christ. Die Hauptaufgabe der Hierarchie wäre es deshalb, den Gläubigen eine Spiritualität zu vermitteln, die ihnen hilft, als mündige Christen selbstbewusst Staat und Zivilgesellschaft christlich zu prägen. Denn wenn sie diese Wirklichkeiten nicht prägen, werden sie von ihnen geprägt.

Martin Grichting war Generalvikar des Bistums Chur. Sein neues Buch vertieft die Thematik des obigen Beitrags: „Religion des Bürgers statt Zivilreligion. Zur Vereinbarkeit von Pluralismus und Glaube im Anschluss an Tocqueville (Schwabe Verlag, Basel 2024, 108 Seiten, EUR 23.00, ISBN 978-3-7965-5060-7).

 

 


Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. ISLAND-REISE - KOMMEN SIE MIT! - Eine Reise, die Sie nie vergessen werden!
  2. Endgültiger Bruch mit Rom droht: Priesterbruderschaft St. Pius X. kündigt Bischofsweihen an
  3. Oktober 2026 - Kommen Sie mit nach SIZILIEN mit Kaplan Johannes Maria Schwarz!
  4. Bischof Oster legt nach: Grundsatzkritik am (deutsch-)Synodalen Weg
  5. Große kath.net-Leserreise nach Rom - Ostern 2027 - Mit P. Johannes Maria Schwarz
  6. Kard. Müller nach Gespräch mit Papst Leo: „Atmosphäre ist von wechselseitigem Vertrauen bestimmt“
  7. Nach „Wort zum Sonntag“: Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Pastorin Behnken
  8. Der Vatikan ist in Kontakt mit der Bruderschaft St. Pius X., um eine Spaltung zu vermeiden
  9. Weihen ohne päpstliche Erlaubnis geplant: Papst Leo XIV. berät mit Vatikanbehörde
  10. Bischöfe und Funktionäre im Paralleluniversum
  11. Massive Medienvorwürfe gegen den Priester Wolfgang Rothe als Mitglied des Betroffenenbeirats
  12. Für alle, die bis jetzt zweifelten: Nun gehen sie wieder ins Schisma!
  13. Schwere Zensur-Vorwürfe aus den USA: EU unterdrückt die Meinungsfreiheit
  14. Wohltuende Überraschung: Papst beruft norwegischen Bischof Erik Varden OCSO zu seinem Fastenprediger
  15. Bischof Oster: „In der Sache selbst war ich ja in mehrfacher Hinsicht kritisch“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz