Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  2. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  3. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  4. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  5. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  6. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  7. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  8. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  9. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  10. Papst Leo: „Diese vier Tage waren buchstäblich erfüllt mit vielen Segnungen, fast schon Wundern“
  11. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  12. Anerkanntes Wunder von Fulton Sheen: Baby nach 61 Minuten Atemstillstand lebt, heute kerngesund
  13. „Das Ende von Maria 2.0“
  14. Abtreibungsbefürworter begehen Farbanschlag auf Malteserklinikum in Flensburg
  15. 'Kirche casht ab' - Immer weniger österreichische Katholiken, immer mehr Millionen!

Christsein in der pluralistischen Gesellschaft

14. Februar 2024 in Kommentar, 6 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Nur wenn es der Kirche gelingt, ihren Gläubigen eine Spiritualität zu vermitteln, die ihnen hilft, ihr Christsein mitten in der postchristlichen Gesellschaft zu leben, wird sie wieder blühen. Gastkommentar von Martin Grichting


Chur (kath.net)

Angesichts der rasanten Säkularisierung der westlichen Gesellschaften, die in eine postchristliche Ära zu münden droht, stellt sich für die Kirche immer dringender die Frage: Wie kann heute der christliche Glaube solche Gesellschaften durchdringen?

Die im deutschsprachigen Raum vorherrschende Antwort lautet, dass die Kirche sich dem gesellschaftlichen Glaubens- und Meinungspluralismus anpassen müsse. Dies deckt sich mit einer verbreiteten Erwartung an die Kirche: Um sich in der pluralistischen Gesellschaft bewegen zu können, müsse sie selbst pluralistisch werden. Das Eintrittsticket in die feine Gesellschaft bestehe also darin, dass die Kirche ihren Wahrheitsanspruch ablege. Auf synodalen Wegen ist man daran, sich diesem Diktat zu unterwerfen.

Das II. Vatikanische Konzil hat eine andere Antwort gegeben. Es hat kein Jota dessen preisgegeben, was die Kirche überliefert hat. Aber der Glaubensschatz der Kirche sollte neu in die Gegenwart hinein vermittelt werden. Das sollte jedoch nicht bedeuten, ihn zu verwässern, sondern, wie Joseph Ratzinger in „Salz der Erde“ (1996) betont hat, ihn wieder „in seiner ganzen Wucht anzubieten“. In erster Linie sollte dies, von der Theologie unterstützt, die Aufgabe der Hierarchie sein. Den Laien sollte es dann zukommen, dem, was christlich ist, in der zivilgesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit Nachachtung zu verschaffen. Ihre Mündigkeit sollte nicht darin bestehen, die Bischöfe in deren Sendung zu konkurrenzieren, sondern selbstverantwortlich, erwachsen, in der Gesellschaft Zeuginnen und Zeugen des Glaubens zu sein. Das IV. Kapitel der Dogmatischen Konstitution „Lumen Gentium“ ist diesbezüglich die Magna Charta.


Philosophen wie Alexis de Tocqueville (1805-1859) haben der Kirche schon hundert Jahre zuvor diesen Weg aufgezeigt. Nicht mehr die Hierarchie sollte durch Deals mit den Herrschenden über die Köpfe der Gläubigen hinweg den Staat und die Gesellschaft direkt christlich zu formen versuchen. So war es vor der Französischen Revolution üblich gewesen. Nunmehr sollte die Trennung von Staat und Kirche, verstanden als Institutionen, gelten. Denn die Staaten waren nun eben nicht mehr formell christlich bzw. katholisch. Deshalb sollte es jetzt der Auftrag der Christen als Bürger sein, die Aufgabe zu übernehmen, die einst ihre Bischöfe für sie weithin wahrgenommen hatten. Die Religion sehe, so stellte Tocqueville in seinem bahnbrechenden Werk „Über die Demokratie in Amerika“ (1835/1840) fest, „in der politischen Welt ein Arbeitsfeld, das Gott dem Geiste erschlossen hat“. In späteren Stellungnahmen betonte er, es gehe nun unter den Bedingungen der Demokratie von neuem darum, „den Geist des Christentums in die Politik einfliessen zu lassen“. Dies solle nun jedoch in neuartiger Weise geschehen: „Ich verlange von den Priestern, denen die Erziehung der Menschen aufgetragen ist oder die auf sie Einfluss haben, nicht, diesen Menschen die Gewissenspflicht aufzuerlegen, die Republik oder die Monarchie zu bevorzugen. Aber ich wünsche, sie möchten ihnen öfter sagen, dass sie gleichzeitig zur Tatsache, dass sie Christen sind, einer der grossen menschlichen Vereinigungen angehören, die Gott zweifellos eingerichtet hat, um die Bande sichtbarer und wahrnehmbarer zu machen, welche die Individuen aneinanderbinden. Es sind die Vereinigungen, die Völker heissen und deren Territorien man Heimatland nennt. Diesem Kollektiv gegenüber ist es nicht erlaubt, in Gleichgültigkeit zu verfallen. Denn alle sind verpflichtet, beständig für dessen Gedeihen zu arbeiten und darüber zu wachen, dass sie nur wohltätigen, respektablen und legitimen Autoritäten unterworfen sind“.

Tocqueville und das II. Vatikanische Konzil haben mit ihren Einsichten bewiesen, dass sie den Geist der Neuzeit verstanden haben. Diese lebt nicht mehr in Ständen, Sondergesellschaften und Korporationen. Vielmehr zählt in der Gesellschaft der Freien und Gleichen primär das Individuum, als Bürger und als Christ. Die Hauptaufgabe der Hierarchie wäre es deshalb, den Gläubigen eine Spiritualität zu vermitteln, die ihnen hilft, als mündige Christen selbstbewusst Staat und Zivilgesellschaft christlich zu prägen. Denn wenn sie diese Wirklichkeiten nicht prägen, werden sie von ihnen geprägt.

Martin Grichting war Generalvikar des Bistums Chur. Sein neues Buch vertieft die Thematik des obigen Beitrags: „Religion des Bürgers statt Zivilreligion. Zur Vereinbarkeit von Pluralismus und Glaube im Anschluss an Tocqueville (Schwabe Verlag, Basel 2024, 108 Seiten, EUR 23.00, ISBN 978-3-7965-5060-7).

 

 


Bestellmöglichkeiten bei unseren Partnern:


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Papst Leo: „Diese vier Tage waren buchstäblich erfüllt mit vielen Segnungen, fast schon Wundern“
  2. Fünf weibliche Opfer von Pater Marko Ivan Rupnik schreiben offenen Brief an Papst Leo XIV.
  3. 'Putin ist auf dem besten Weg, in diesem Jahr mehr Christen zu töten als der ISIS'
  4. Der evangelischen Theologischen Hochschule Basel soll die Akkreditierung entzogen werden
  5. Über das Dämonische
  6. 'Kirche casht ab' - Immer weniger österreichische Katholiken, immer mehr Millionen!
  7. Wissen Sie, wer die Idee zum fünffarbigen Missionsrosenkranz hatte?
  8. 'Ich habe mich geirrt'
  9. Der Mensch als Mitarbeiter Gottes - Fortschritt ist kein Gottesersatz
  10. Bei öffentlichen Anlässen: Kanadas Militärkapläne dürfen nicht über Gott sprechen
  11. Der Katholik Tolkien wird in der anglikanischen Westminster Abbey ein Denkmal erhalten
  12. Der Katholik Macron wird bei keiner der drei Papstmessen in Frankreich mitfeiern
  13. Salzburg: 1.000 Gläubige bei Adoratio-Kongress zu "Himmlischer Friede"
  14. Was ich als Priester von Fulton Sheen gelernt habe
  15. Papst an Klausurschwestern: „Der Herr ruft euch, seine Zeuginnen in Stille, Kontemplation zu sein“

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz