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Natascha Kampusch: "Don Bosco ist für mich ein Vorbild"

7. März 2023 in Österreich, keine Lesermeinung
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Wienerin spricht in Kärntner Kirchenzeitung "Sonntag" über ihre persönliche Definition von Gott, ihren Glauben, die individuelle Resilienz, persönliche Werte und inspirierende Lebensweisheiten


Klagenfurt  (kath.net/KAP) Der katholische Priester, Jugendseelsorger und Ordensgründer Giovanni Melchiorre Bosco ("Don Bosco", 1815-1888) ist für Natascha Kampusch eines ihrer frühesten Vorbilder. Bis heute fasziniert sie, dass er es sich zur Aufgabe gemacht habe, armen und benachteiligten Jugendlichen zu helfen, erzählte die Wienerin im Interview mit der Kärntner Kirchenzeitung "Sonntag" (aktuelle Ausgabe). In ihrem Leben habe sie sich immer wieder der Herausforderung gestellt, "die Werte Don Boscos über die Deutung zu stellen, dass mein Gegenüber von Grund auf schlicht und einfach nur böse ist. Ich habe versucht, zu verstehen, was ihm fehlte."

Am 2. März 1998 wurde Natascha Kampusch als Zehnjährige auf dem Schulweg in Wien entführt und eingesperrt. 3.096 Tage später, im Jahr 2006, gelang ihr die Flucht. Den Glauben an einen positiven Ausgang habe sie nie aufgegeben, so die heute 35-Jährige. "Die Vorstellung und die Möglichkeit, mein Leben dann wieder selbst positiv gestalten zu können, das hat mir am meisten Kraft gegeben. Wenn wir uns in Gedanken in Situationen begeben, die für uns mit bestimmten Gefühlen verknüpft sind, werden sie wieder lebendig", erzählte sie. Intuitive habe sie sich im Verlies in ihre Vorstellungswelt zurückgezogen, um sich zumindest im Geist nicht gefangen nehmen zu lassen.


"Die guten Erinnerungen gaben mir Kraft. Und meine Fantasien. Ich verbrachte Stunden damit, mir auszumalen, was ich da draußen alles machen würde." Ob es möglich sei, in so einer Situation und danach noch an Gott zu glauben, komme darauf an, "ob man seinen persönlichen Glauben je in Frage gestellt hat. Damit meine ich, ob man bereits davor in einem inneren Zwiespalt war", meinte Kampusch.

Sie habe stets die Möglichkeit gehabt, sich durch Trauma-Arbeit im Rahmen einer Gesprächstherapie nach und nach mit dem Erlebten zu beschäftigen und es Schritt für Schritt emotional einzuordnen und zu verarbeiten. Dennoch: "Ganz werde ich das Thema wohl nie aufarbeiten können, auch wenn ich es mir für mich wünschen würde."

Kraft spendende Meditation Resilienz, also Widerstandsfähigkeit, aufzubauen, sei für Kampusch trotzdem möglich: "Wobei ich auch denke, dass es zum Teil Veranlagung ist, wie stark Resilienz ausgeprägt ist, gelebt wird oder aufgrund von äußeren Umständen auch überhaupt nicht gelebt werden kann." Kraft finde sie zudem in der Meditation. Sie versuche, sich auch im stressigen Alltag Zeit dafür zu nehmen. "Auch die kleinen Momente stellen für mich ebenfalls eine Art der Meditation dar. Über das Innehalten und die bewusste Achtsamkeit gewinnt man ganz viel Ruhe, in ihr liegt schließlich die Kraft begründet."

Natascha Kampusch wurde am 17. Februar 1988 in Wien geboren. Ihre außergewöhnlichen Erfahrungen, Erkenntnisse und Erlebnisse verarbeitete sie in zwei Autobiografien. Erst kürzlich ist ihr neues Buch "Stärke zeigen" im Dachbuch Verlag erschienen. Darin zeigt Kampusch sehr persönliche Bewältigungsstrategien für ein kraftvolles Leben auf. 

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