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Die Armen vor Gott

29. Jänner 2023 in Aktuelles, 4 Lesermeinungen
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Franziskus: der Verzicht auf Verschwendung ermöglicht es uns, den Wert von uns selbst, von Menschen und Dingen zu schätzen. Drei Herausforderungen gegen die Mentalität der Verschwendung. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net) Angelus am vierten Sonntag im Jahreskreis mit Papst Franziskus auf dem Petersplatz: die Seligpreisungen (vgl. Mt 5,1-12).

Die erste und grundlegende laute: „Selig, die arm sind vor Gott; / denn ihnen gehört das Himmelreich“ (V. 3).

„Wer sind die ‚Armen vor Gott’?“, fragte sich der Papst. Es seien dies diejenigen, die wüssten, dass sie sich selbst nicht genügten, dass sie sich nicht selbst genügen könnten, und die als „Bettler Gottes“ lebten: „sie fühlen sich von ihm bedürftig und erkennen, dass das Gute von ihm kommt, als Geschenk, als Gnade. Diejenigen, die arm vor Gott sind, schätzen das, was sie erhalten. Deshalb wünschen sie, dass keine Gabe vergeudet wird. Heute möchte ich mich mit diesem typischen Aspekt der Armen vor Gott befassen: nicht zu verschwenden. Jesus zeigt uns, wie wichtig es ist, nicht zu verschwenden, zum Beispiel nach der Vermehrung der Brote und Fische, wenn er uns auffordert, die übrig gebliebenen Speisen einzusammeln, damit nichts verloren geht. Der Verzicht auf Verschwendung ermöglicht es uns, den Wert von uns selbst, von Menschen und Dingen zu schätzen. Leider wird dieser Grundsatz jedoch häufig missachtet, vor allem in wohlhabenderen Gesellschaften, in denen eine Kultur der Verschwendung und des Wegwerfens vorherrscht. Ich möchte daher drei Herausforderungen gegen die Mentalität der Verschwendung vorschlagen“.


Erste Herausforderung: das Geschenk nicht vergeuden, das wir sind. Jeder von uns sei ein Gewinn, unabhängig von seinen Gaben. Jede Frau, jeder Mann sei nicht nur reich an Talenten, sondern auch an Würde, werde von Gott geliebt, sei wertvoll. Jesus „erinnert uns daran, dass wir nicht wegen dem selig sind, was wir haben, sondern wegen dem, was wir sind“. Wahre Armut sei es also, wenn ein Mensch loslasse, sich weggebe und sich verausgabe. Wir kämpften mit Gottes Hilfe gegen die Versuchung an, uns für unzulänglich und falsch zu halten und uns selbst zu bemitleiden.

Zweite Herausforderung: „die Gaben, die wir haben, nicht zu verschwenden“. Es zeige sich, dass jedes Jahr etwa ein Drittel der gesamten Lebensmittelproduktion der Welt verschwendet werde. Und das, während so viele Menschen hungerten. Die Ressourcen der Schöpfung könnten nicht auf diese Weise genutzt werden. Die Güter müssten gehütet und geteilt werden, damit niemandem das Notwendige fehle: „lasst uns nicht verschwenden, was wir haben, sondern eine Ökologie der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe, des Teilens verbreiten!“.

Schließlich die dritte Herausforderung: die Menschen nicht fallen lassen und wegwerfen. Die Kultur des Wegwerfens besage: „ich benutze dich so lange, wie ich dich brauche. Wenn du mich nicht mehr interessierst oder mich behinderst, werfe ich dich weg“. So würden vor allem die Schwächsten behandelt: ungeborene Kinder, alte Menschen, Bedürftige und Benachteiligte. Aber Menschen dürften nicht weggeworfen werden, niemals. Jeder Mensch „ist ein heiliges und einzigartiges Geschenk, in jedem Alter und in jedem Zustand. Lasst uns das Leben immer achten und fördern!“.

„Wir sollten uns einige Fragen stellen“, so der Papst abschließend: „Zunächst einmal: wie lebe ich die Armut vor Gott? Schaffe ich Platz für Gott, glaube ich, dass er mein Gut, mein wahrer, großer Reichtum ist? Glaube ich, dass er mich liebt, oder werfe ich mich traurig weg und vergesse, dass ich ein Geschenk bin? Und dann: achte ich darauf, nicht zu verschwenden, gehe ich verantwortungsvoll mit den Dingen, den Gütern um? Und bin ich bereit, sie mit anderen zu teilen? Und schließlich: betrachte ich die zerbrechlichsten Menschen als kostbare Gaben, die Gott mir anvertraut? Erinnere ich mich an die Armen, an die, denen das Notwendige vorenthalten wird?“.

 


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Lesermeinungen

 Stefan Fleischer 30. Jänner 2023 

Die Armen vor Gott

Dieser Titel kann zwei ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Das kann heissen, dass der Mensch sich seiner ganzen Armut und Sündhaftigkeit vor Gottes ganzer Grösse und Herrlichkeit bewusst wird und sich entsprechend verhält. Das kann aber auch heissen, dass der Kampf gegen die materielle Armut in dieser Welt den Vorrang hat und Gott erst nachher kommt. Die moderne Verkündigung erweckt oft den Eindruck, die zweite Auslegung sei die christliche.


1
 
 ecclesiam 29. Jänner 2023 
 

@seppi, Diebstahl an den Armen

Es ist ein Märchen, dass wenn ich ein Brot weniger fortwerfe, dass dann ein Armer ein Brot mehr hat.

Das Problem ist nicht die Knappheit an Nahrungsmitteln, sondern dass korrupte und unfähige Politiker nicht die notwendigen Strukturen schaffen können/wollen, um ihre Bevölkerung zu ernähren.

Der Papst predigt hier in sozialistischer Manier, dass von den Reichen zu wenig geteilt wird. Dies geht am Kern des Problems vorbei und löst nichts.

Würdig wäre es, den Armen Strukturen zu schaffen, um sich selbst ernähren zu können, um nicht als Bittsteller auf die Brosamen angewiesen zu sein, die von unsern Tischen fallen.


2
 
 seppi 29. Jänner 2023 
 

Stefan Fleischer

Der Konsumismus hat uns an Verschwendung gewöhnt. Das Wegwerfen von Nahrung kommt aber einem Diebstahl an den Armen und Hungrigen gleich.


0
 
 Stefan Fleischer 29. Jänner 2023 

"denn ihnen gehört das Himmelreich“

Was in der modernen Verkündigung sehr oft vergessen geht, ist die Stelle in 1.Kor 15,19:

"Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen."


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