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Papst Franziskus: ‚Wenn ich das Evangelium rein soziologisch betrachte, bin ich ein Kommunist’

29. Dezember 2022 in Weltkirche, 60 Lesermeinungen
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In einem Interview mit dem Jesuitenmagazin ‚America’ lehnte Franziskus Polarisierungen als ‚nicht katholisch’ ab.


Rom (kath.net/jg)

„Wenn ich das Evangelium rein soziologisch betracht, dann ja, dann bin ich ein Kommunist, und auch Jesus ist einer.“ Mit diesen Worten antwortete Papst Franziskus auf eine Frage zu den Hintergründen seiner Kapitalismuskritik in einem Interview mit dem US-Jesuitenmagazin America.

Der Papst gab dem Magazin am 22. November ein ausführliches Interview. Der scheidende Chefredakteur Matt Malone SJ konfrontierte ihn mit Kritik aus den USA. Die Ansichten des Papstes zur Marktwirtschaft würden von manchen so verstanden, dass Franziskus ein Sozialist oder Kommunist sei.

Papst Franziskus stellte zunächst fest, dass das Problem dieser – wie er wörtlich sagte – „Etikettierung“ eine soziopolitische Reduktion der Botschaft des Evangeliums sei. Würde er das Evangelium nur aus dieser Perspektive betrachten, sei er ein Kommunist. Das Gleiche gelte für Jesus. Er bezog sich konkret auf die Seligpreisungen und das 25. Kapitel des Matthäusevangeliums („Ich war durstig, und ihr hab mir zu trinken gegeben; ... ich war im Gefängnis und ihre seid zu mir gekommen.“ Mt 25,35 f.) Wer das befolge, sei ein Christ. „Die Kommunisten haben einige unserer christlichen Werte gestohlen“, fügte Franziskus hinzu.


In einer früheren Passage des Interviews lehnte der Papst Polarisierungen ab. „Polarisierung ist nicht katholisch“, sagte er wörtlich auf die Frage zu seiner Ansicht zur Polarisierung in der Gesellschaft und in der Kirche.

Ein Katholik könne nicht „entweder –oder“ denken und alles auf eine Polarisierung reduzieren. Das Wesen des Katholischen sei das „sowohl – als auch“ („et – et“). Der Katholik vereine „das Gute und das nicht so Gute“, fuhr Franziskus fort. Eine Polarisierung lasse eine spaltende Haltung entstehen, die manche privilegiere und andere zurücklasse. „Der Katholik harmonisiert Differenzen“, sagte Franziskus wörtlich.

Je mehr Harmonie es zwischen Differenzen und Gegensätzen gebe, desto katholischer sei eine Sache. Je mehr Polarisierung es gebe, des mehr gehe der katholische Geist verloren und man gerate in einen „sektiererischen Geist“.

Wörtlich sagte er: „Und so verstehen wir den katholischen Weg des Umgangs mit der Sünde, der nicht puritanisch ist: Heilige und Sünder, beide gemeinsam.“

 


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