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Slowakische Bischöfe verhindern Totalverbot öffentlicher Messen

1. Oktober 2020 in Weltkirche, 5 Lesermeinungen
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Stattdessen in neuem Corona-Staatsnotstand nur Beschränkung der Teilnehmerzahl auf 50 Personen - Massive Kritik an Vorgehen von Regierungschef Matovic


Bratislava  (kath.net/KAP) Trotz der steigenden Corona-Fallzahlen bleiben öffentliche Gottesdienste in der Slowakei möglich, es dürfen aber ab sofort nicht mehr als 50 Gläubige teilnehmen. Diese Regelung, die im Zuge des am Donnerstag in Kraft getretenen Staatsnotstands auch für Veranstaltungen im Sport- und Kulturbereich gilt, haben die Kirchen Premierminister Igor Matovic abgerungen. Noch am Montagabend hatte der slowakische Regierungschef in einer Pressekonferenz nach Beratungen des nationalen Corona-Krisenstabs überraschend ein Verbot jeglicher Massenversammlungen und damit auch aller öffentlichen Gottesdienste angekündigt. In der Folge hagelte es Proteste von Sportvereinen und Kirchenvertretern, woraufhin Matovic zurückrudern musste.

Erste massive Kritik äußerte noch am Montagabend der Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz, Anton Ziolkovsky. Er verwies darauf, dass "Bars bis zehn Uhr abends offen bleiben dürfen, Einkaufszentren faktisch rund um die Uhr besucht werden und Kinder sich in Schulen in einem Gebäude zusammendrängen". Ein Verbot öffentlicher heiliger Messen wäre angesichts dessen "nicht nur unverständlich", sondern könne "ruhig als unangemessenen Eingriff in die Religionsfreiheit" aufgefasst werden, so Ziolkovsky. Der evangelisch-reformierte Bischof Laszlo Fazekas bezeichnete die Regierungsankündigung explizit als "kirchenfeindlich".


Ins gleiche Horn blies Bischofskonferenz-Sprecher Martin Kramara. Man sei von Matovic' Ankündigung einer landesweiten Aufhebung der Gottesdienste insofern überrascht worden, als man den Kirchen versprochen habe, dass "für sie bei Einhaltung der verschärften Anordnungen die von den Fachleuten vorgeschlagene Ampel" gelten werde. Kramara bezog sich damit auf ein von der Bischofskonferenz erst Mitte September nach Rücksprache mit den Behörden eingeführtes Ampelsystem zu Covid-19-Schutzmaßnahmen bei Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen. Über einer Aufhebung der Gottesdienste hingegen habe mit den Kirchen niemand gesprochen, und den Priestern vorzuschreiben, nicht öffentlich zu feiern, liege ausschließlich in der Kompetenz der Bischöfe, wurde Kramara deutlich. So etwas könne "der Staat nicht ohne ihre Zustimmung" verfügen.

Hintergrund dieser Feststellung war, dass beim ersten Lockdown im Frühjahr der damals noch amtierende Ministerpräsident Peter Pellegrini selbst zum Hörer gegriffen und die Bischöfe gebeten hatte, die Anordnungen der Regierung mitzutragen. Diesmal erfuhren die Bischöfe die Absichten des Regierungschefs aus der Pressekonferenz.

Noch am Dienstag fand in der Folge eine eilig einberufene Videokonferenz der Bischöfe mit dem Premier statt. In dem "längeren Meinungsaustausch" versicherte Matovic, der Staat beabsichtige "keinesfalls eine Diskriminierung oder Verfolgung der Gläubigen". Die Bischöfe deklarierten ein weiteres Mal ihre Bereitschaft, "dem Staat bei der Bewältigung der zweiten Welle der Pandemie zu helfen und die Verschärfung der Maßnahmen zu respektieren". Im derzeitigen Augenblick hielten sie jedoch "ein flächendeckendes Verbot öffentlicher Gottesdienste für nicht angemessen", hieß es im Anschluss.

Tags darauf erklärte der Regierungschef nach Rücksprache mit dem staatlichen Chefhygieniker Jan Mikas, es seien ab dem 1. Oktober Massenveranstaltungen mit maximal 50 Teilnehmern erlaubt. Um wechselseitigen Vorwürfen von Kultur, Sport und Kirchen vorzubeugen, würden die Bedingungen für alle Bereiche gelten, führte Matovic aus. Die 50-Personen-Regel gilt demnach für alle Anwesenden zusammen und umfasst im Fall der Kirchen daher auch Priester und Ministranten.

Die Verordnungen für den Notstand gelten 45 Tage. Möglich wären laut slowakischer Verfassung 90. Die nun ausgegebene Frist umfasst auch Allerheiligen und Allerseelen. Und zwar bewusst, wie der Premier darlegte. Man habe nach dem traditionellen Gräbergang noch zwei Wochen Zeit, um die Entwicklung der Infektionszahlen zu studieren, und dann die weitere Vorgangsweise bestimmen.

Die auch innerhalb der katholischen Kirche immer wieder immer wegen ihres Lavierens kritisierte Bischofskonferenz hat nach Meinung von Beobachtern mit ihrem entschlossenen Widerstand gegen ein Totalverbot öffentlicher Gottesdienste jedenfalls gepunktet. Es sei "an der Zeit, dass die Bischöfe auf den Tisch hauen und zeigen, dass sie nicht nur verlässliche Partner, sondern auch unangenehme Widersacher" sein können, meinte Bischofskonferenz-Generalsekretär Ziolkovsky noch vor dem Rückzieher von Matovic. Die Bischöfe hätten "dem Premier eine Lektion erteilt, aus der auch seine Nachfolger lernen könnten", so der Kirchenexperte Imrich Gazda im konservativen Internetportal "postoj.sk".

Copyright 2020 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich


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Lesermeinungen

 Robensl 2. Oktober 2020 
 

...während Hr. Schönborn Dankeslieder auf die Regierung anstimmen möchte...

Ja, gerade auch Politiker haben es nicht leicht. Und es sind ja auch Menschen (glaub ich :), denen man als Person Wertschätzung entgegenbringen soll.
Aber es ist immer besser, wenn die Kirche den Mächtigen kritisch auf die Finger schaut (und der König ruhig auch umgekehrt auf die Bischöfe).


0
 
 elisabetta 1. Oktober 2020 
 

Rigoros nur 50 Personen erlaubt...

das finde ich eine ziemlich willkürliche Bestimmung. Es müsste doch auch auf die Größe der Räumlichkeiten Rücksicht genommen werden. Da besteht noch ein weiterer Kritikpunkt für die Bischöfe, der auszuhandeln wäre. Man darf sich nicht gleich abservieren lassen mit einem kleinen Entgegenkommen.Die anderen Vorkehrungsmaßnahmen sind oben nicht näher beschrieben wie MNS, Abstandhalten etc.


4
 
 Chris2 1. Oktober 2020 
 

Die Losangekesifizierung Europas

beginnt...


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 Fischlein 1. Oktober 2020 
 

@Zsupan

Den Politiker kenne ich nicht, aber wir haben genug Politiker, die sich als Christen bekennen, jedoch das Christliche vergessen. Die andauernde Diskussion um das "C" bei 2 Parteien in Deutschland ist ja bekannt.


4
 
 Zsupan 1. Oktober 2020 
 

Gut so!

Bemerkenswert: Igor Matovič ist Vorsitzender einer politischen Partei ("Gewöhnliche Leute und unabhängige Personen"), die laute Wikipedia Konservatismus und Christdemokratie zu ihren Prinzipien zählt...


5
 

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