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Eine kleine Mitra für den Pfarrer

20. Juli 2020 in Kommentar, 3 Lesermeinungen
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Die Pfarreien werden über Kurz oder Lang räumliche Ausdehnungen annehmen, die nur noch der Verwaltung, nicht aber der Seelsorge zuträglich sind - Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)

Der Titel dieses Montagskicks geht auf einen alten Witz zurück, der einen wahren Kern hat. Ob man denn nicht, wenn ein Domkapitular - statt eines Weihbischofs - zur Firmung käme, diesem nicht wenigstens eine kleine Mitra geben könne, fragte eine Dame aus dem Pfarrgemeinderat bei der Visitation den anwesenden Bischof. Die Antwort des Bischofs ist nicht überliefert.

 

Der Grund dafür diesen Titel zu wählen, ist kein Witz. Erneut kommt mit Freiburg derzeit ein Bistum in die katholischen Schlagzeilen, die ihre Pfarreien zu sogenannten XXL – Pfarreien zusammenlegen will. XXL ist eine Kleidergröße für recht großzügig gebaute Menschen. In logischer Konsequenz wäre die XXL- Pfarrei eine Pfarrei die einen großzügig gebauten, anders gesagt, sehr lebendigen Glauben hat. Weit gefehlt! Die XXL- Pfarrei ist in Wirklichkeit eher eine XXXS- Pfarrei. Seelsorge und Sakramentenspendung sind in der Fläche längst massiv ausgedünnt. Im Schnitt geht in Deutschland nicht einmal jeder zehnte Katholik regelmäßig in die Sonntagsmesse. Das hat Folgen.


 

Die Größe XXL für Pfarreien bezieht sich daher ausschließlich auf die xxl-große Anzahl der getauften und (noch) nicht aus der KdöR kath. Kirche ausgetretenen Personen. Dabei haben diese Verwaltungseinheiten schon mal locker eine Größe von 20.000 und mehr Mitgliedern. Nach der gescheiterten Pfarreideformation im Bistum Trier dürfte nun klar sein, dass man die Laien nicht dadurch stärkt, indem man ihnen die Aufgaben ihrer Priester aufbürdet. Die Leitung einer Pfarrei gehört in die Hände eines Pfarrers und der hat gefälligst ein geweihter Priester zu sein. So weit Rom. Warten wir ab, welche kirchenrechtlichen Winkelzüge man sich in deutschen Ordinariaten ausdenkt, um das erneut zu umgehen.

 

Nachvollziehbarer ist da eine Aussage aus dem Bistum Freiburg, dass die Zahl der mittel- und langfristig zur Verfügung stehenden Pfarrer die Anzahl der Pfarreien festlegt. In Freiburg ist von 40 die Rede. Andere Bistümer werden folgen. Eine zweistellige Zahl von Pfarreien scheint das Maß für deutsche Diözesen zu sein. Nun sind, stellt man Vergleiche mit dem Rest der katholischen Welt an, deutsche Diözesen geradezu riesig, man könnte von XXL- Bistümern reden. Ist es angemessen, dass XXL- Bistümer aus XXL- Pfarreien bestehen? Scheinbar ist das so.

 

In Wirklichkeit ist dieses Plattmachen über die Fläche natürlich tödlich für die ohnehin schon kranken Strukturen. Besser wäre es, starke Strukturen weiter zu stärken, auf dass sie den Glauben vertiefen und dadurch verbreiten. Kranke und sterbende kirchliche Strukturen sollte man nicht noch stärken. Ungleichzeitigkeiten sollte man nicht einebnen sondern ausnutzen. Die Menschen seelsorglich und mit Sakramenten zu betreuen ist eine Sache. Die Strukturen auf Krampf zu erhalten ist eine andere. Letzteres hat an den grünen Tischen deutscher Kirchenverwaltungen klar Vorrang.

 

So wird es kommen, wie es kommen muss. Die Pfarreien werden über Kurz oder Lang räumliche Ausdehnungen annehmen, die nur noch der Verwaltung nicht aber der Seelsorge zuträglich sind. Mit Blick auf diese Entwicklung ist damit zu rechnen, dass eine große Zahl deutscher Pfarreien künftig mehr Katholiken umfasst als das Bistum Görlitz. Und da wird die Frage nun wirklich virulent: Kann man dem Pfarrer einer XXL- Pfarrei nicht wenigstens eine kleine Mitra geben?


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