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Patriarch Rai: "Libanon riskiert wirtschaftlichen Kollaps"

7. April 2019 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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"Strukturen der Sünde" bedrohen das Land - Kritik an mangelnder Bekämpfung der Korruption und fehlender Bereitschaft zu echter Sparpolitik


Beirut-Rom (kath.net/KAP) Der Libanon riskiert den wirtschaftlichen und finanziellen Kollaps, wenn der Kampf gegen die Korruption und die damit zusammenhängenden politischen Mechanismen erfolglos bleibt. Dies betonte der maronitische Patriarch, Kardinal Bechara Boutros Rai, wobei er laut dem vatikanischen Pressedienst "Fides" (Donnerstag) ausdrücklich von "Strukturen der Sünde" sprach. Dieser Begriff wurde im Rahmen der katholischen Soziallehre entwickelt, entsprechende Strukturen werden als Ergebnis einer Summe persönlicher und gesellschaftlicher Sünden gesehen. Diese Sünden richteten sich gegen das Gemeinwohl, die Gerechtigkeit und die Gleichheit der Menschen im Hinblick auf Rechte und Pflichten.


Der maronitische Kardinal-Patriarch kritisierte vor allem den Rückstand bei der Verwirklichung der von der internationalen Gemeinschaft verlangten Reformen, die internationale Gemeinschaft mache sich "offenbar mehr Sorgen um den Libanon als die libanesischen Politiker". Kein Minister wolle die notwendigen Einsparungsschritte im Rahmen der Austeritätspolitik auf sich nehmen. Nach wie vor stünden die Interessenkonflikte im Mittelpunkt des politischen Geschehens.

Es sei inakzeptabel, dass das Problem der Energieversorgung und der täglichen Verschwendung in diesem Sektor noch nicht angegangen wurde. Ebenso mangle es an "mutigen Entscheidungen" über die Aktivgehälter und Pensionen der Staatsbeamten und über alle anderen Ausgaben, die den Staat dem Konkurs nahebringen. Als "unannehmbar" bezeichnete der Patriarch die Tatsache, dass es kein verabschiedetes Budget für das laufende Jahr gibt. "Das sind Sünden gegen das libanesische Volk", so Rai wörtlich. Zugleich rief der Kardinal-Patriarch die libanesischen Politiker und das ganze libanesische Volk zu einem echten Sparprogramm auf, um den wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes zu verhindern.

Am Familieninstitut der "Universite La Sagesse" in Beirut tagte am Dienstag und Mittwoch eine Konferenz über die "aktuelle Krise und die akademischen Antworten der Wissenschaften", bei der der Großkanzler des Päpstlichen Familieninstituts, Erzbischof Vincenzo Paglia, und der Direktor des Instituts, Msgr. Pierangelo Sequeri, referierten. Die Verbindung des Familieninstituts der "Universite La Sagesse" mit dem Päpstlichen Familieninstitut an der römischen Gregoriana war ein ausdrücklicher Wunsch von Papst Johannes Paul II. in seinem postsynodalen Dokument zur Libanon-Synode. Im letzten akademischen Jahr waren 100 Studentinnen und Studenten für unterschiedliche familienwissenschaftliche Studien am Institut der "La Sagesse" inskribiert.

Copyright 2019 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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Lesermeinungen

  8. April 2019 
 

Der Libanon ein Spielball der Weltpolitik

Die besondere geographische Lage des Libanon inmitten einer weltpolitischen Spannungszone einerseits und der "Teilung" des Landes andererseits in Christen und Moslems (Schiiten und Sunniten) und Drusen erschwert es wohl den Politikern, zu einem Konsens in den verschiedenen Bereichen zu finden.
Da ist die sunnitische Türkei, da ist der schiitische Iran, da sind Syrien und Israel und nicht zuletzt die beiden Großmächte Rußland und die USA, aber auch die EU, die alle ein Interesse am Libanon haben und die libanesischen Politiker für sich einzuspannen versuchen.
Patriarch Rai spricht als Libanese und hoffentlich werden die Politiker auf ihn hören und die dringlichen Aufgaben kurzfristig auch angehen.

Ich würde meinen, daß der Libanon, wo ja eigentlich der Sage nach die vom hellenischen "Göttervater Zeus" verführte und verschleppte Jungfrau Europa herstammt, eine Beitrittsperpektive zur EU bekommen sollte, um damit möglicherweise auch zur inneren Ruhe und zum Frieden zu kommen.


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