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Kardinal Ouellet verteidigt "Amoris laetitia" in Vatikanzeitung

23. November 2017 in Weltkirche, 67 Lesermeinungen
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Präfekt der vatikanischen Bischofskongregation: Im Übergang von christlichen zu säkularen, multireligiösen und pluralen Milieus "reicht es nicht, nur die kirchliche Lehre und Disziplin zu betonen"


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Der Präfekt der vatikanischen Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet (Archivfoto), verteidigt das päpstliche Lehrschreiben "Amoris laetitia" über Ehe und Familie. "Für uns Bischöfe zeigt sich hier eine große offene Baustelle, wie die 'pastorale Bekehrung' aussieht, die Franziskus (...) vorantreibt", schreibt der Kanadier in einem Beitrag für die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" vom Mittwoch. Diese Bekehrung reiche "vom Papsttum bis in die Gemeinden im Geist der Mission, des Erbarmens und besonderer Aufmerksamkeit für die Armen".

Im heutigen Übergang von christlichen zu säkularen, multireligiösen und pluralen Milieus, so warnt Ouellet, "reicht es nicht, nur die kirchliche Lehre und Disziplin zu betonen". Damit riskiere man lediglich, "den Graben zu vertiefen zwischen der Gemeinschaft der Gläubigen und den zahlreichen Familien, die in Schwierigkeiten leben" und nicht katholischen Normen eines Ehe- und Familienlebens entsprechen.


Papst Franziskus habe "den Mut und die Bravour, viel diskutierte Fragen neu anzugehen" und einen Gesprächsprozess zu beginnen. Drei Begriffe markierten seine "pastorale Wende", und zwar "begleiten, unterscheiden, integrieren".

Das "grundsätzlich Neue" an "Amoris laetitia" sei die Feststellung: Nicht alle, die in sogenannten irregulären Verhältnissen leben, befänden sich im Zustand schwerster Sünde ohne die Möglichkeit heilender Gnade, erklärt Ouellet. Das Ausmaß der Schuld eines Einzelnen hänge von vielen Faktoren ab - etwa von etwaiger Unwissenheit oder tatsächlichen Wahlmöglichkeiten. All das sei in Einzelgesprächen sorgsam zu klären.

Um "Amoris laetitia" richtig zu verstehen, schreibt der Kurienkardinal, müsse man es als Anleitung zur Seelsorge im Sinne der geistlichen Übungen des heiligen Ignatius von Loyola (1491-1556) lesen. Es liege nahe, dass ein Jesuitenpapst für die Seelsorge seiner Kirche etwas anbietet, das vom Gründer seines Ordens entwickelt sei.

Der Kanadier Ouellet gilt im Vatikan als gemäßigt Konservativer und strammer "Ratzingerianer". Eine solch ausführliche Interpretation des viel diskutierten Papstschreibens aus seiner Feder in der halboffiziellen Vatikanzeitung ist bemerkenswert.

Copyright 2017 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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