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Vom Karneval zum Aschermittwoch

9. Februar 2016 in Chronik, keine Lesermeinung
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Die Päpste, dem Karneval zumeist sehr wohlwollend gegenüber stehend, waren manchmal gezwungen, das lebhafte Fest mit Ermahnungen in die Fastenzeit hinüberzuführen. Von Ulrich Nersinger


Rom (kath.net) Der römische Volksdichter Gioacchino Belli schrieb in der Mitte des 19. Jahrhunderts im “Romanesco”, dem Dialekt der Ewigen Stadt: „Er Carnevale è mmorto e sseppellito, / Li moccoli hanno chiuso la funzione, / Nun se ne parla più: tutt’ è ffinito”. Die Verse Bellis lassen sich gut mit den Worten eines bekannten rheinischen Karnevalsliedes übersetzen: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“.
Die Päpste, dem Karneval zumeist sehr wohlwollend gegenüber stehend, waren manchmal gezwungen, das lebhafte Fest mit Ermahnungen in die Fastenzeit hinüberzuführen. 1748 klagte Benedikt XIV. (1740-1758), ein volkstümlicher und überaus nachsichtiger Papst: „Es widerspricht allzu sehr der Ehrfurcht vor der Kirche und ihren heiligen Riten, wenn man sich zwar das Aschenkreuz auflegen lässt, dazu aber die Kirche im Karnevalskostüm betritt, statt in normaler Bekleidung. Man tritt in unseriösem Gewand an den Altar, um aus den Händen des Priesters die geweihte Asche zu empfangen, wobei man doch an den eigenen Tod denken sollte“.

Mehr als hundert Jahre später musste der selige Pius IX. (1846-1878) eine Dame der französischen Hocharistokratie auf die innerliche Einstellung zum Beginn der Fastenzeit hinweisen. Er tat dies jedoch noch mit dem Humor des vorausgegangenen fröhlichen Treibens. Bei der Audienz, die der adeligen Besucherin gewährt worden war, fragte er sie, wann sie aus Rom abzureisen gedenke. Die Antwort lautete, sie werde bis zum Ende des Faschings bleiben, denn sie wolle sich am Aschermittwoch noch von Seiner Heiligkeit das Aschenkreuz geben lassen. „Madame“, sagte der Papst bestimmt, aber mit einem Lächeln, „wenn es Ihnen nur um die Asche geht, dann fahren sie am besten nach Neapel. Der Vesuv ist wieder in Tätigkeit, und der besorgt Ihnen Asche in jeder beliebigen Menge.“

Der Karneval wirkte und wirkt auf Menschen, die mit seiner Entstehung, seiner Geschichte und seinen vielen Ausprägungen nicht vertraut sind, oft befremdlich. Eine amüsante Episode hierzu ist aus dem Rom des 17. Jahrhunderts überliefert. Ein Gesandter des Osmanischen Reiches, der den Karneval in der Ewigen Stadt miterlebt hatte, berichtete seinem Herrscher Süleyman II. (1687-1691) in Konstantinopel, dass die Christen zu einer bestimmten Zeit des Jahres verrückt würden, aber durch die Heilkraft einer gewissen Art von Asche, die man ihnen in den Kirchen auf den Kopf streue, wieder gesundeten.

Impuls des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer zur Fastenzeit 2015



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