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«Wir warnen nicht, wir bitten»

22. Jänner 2016 in Deutschland, 6 Lesermeinungen
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Debatte um «extreme» Karnevalskostüme erhitzt die Gemüter. Kölner Polizeisprecher: «Täuschend echte Waffen können zu Irritationen bei den Sicherheitskräften führen.» Von Romina Carolin Stork (KNA)


Bonn (kath.net/KNA) In den Sozialen Netzwerken lassen die Jecken ihrem Unmut über einen polizeilichen Appell zur Kostümierung freien Lauf: «Es ist unfassbar, dass man sowas in Deutschland überhaupt erst in Betracht zieht ... Das war nie ein Thema!», schreibt eine Frau auf Facebook. «Als nächstes kommt Bikini-Verbot am Badesee», prophezeit ein anderer Nutzer.

Was war geschehen? Vor einigen Tagen berichtete die «Bild»-Zeitung, dass die Kölner Polizei vor Verkleidungen als Pirat, Cowboy oder Jedi-Ritter warne - diese Kostüme könnten andere Menschen verunsichern. Ähnlich äußerte sich die Polizei in Mönchengladbach in der «Rheinischen Post»: Sie riet ausdrücklich davon ab, in einer solchen Kostümierung einen Karnevalsumzug zu besuchen.

Auf Nachfrage, was es mit der Aussage der Mönchengladbacher Polizei auf sich hat, betont Sprecher Jürgen Lützen: «Wir warnen nicht, wir bitten.» Lustige Kostüme sollten den Karneval begleiten, keine martialischen. Spielzeugwaffen beispielsweise könnten Irritationen auslösen - sowohl bei anderen Feiernden als auch bei der Polizei. «Wir bitten darum, in diesem Jahr an Karneval Fingerspitzengefühl zu zeigen», erklärt Lützen.


Die Polizei in Köln hält die Jecken dazu an, sich ihre Kostümwahl gut zu überlegen. Polizeisprecher Christoph Gilles erklärt: «Täuschend echte Waffen können zu Irritationen bei den Sicherheitskräften führen.» Die Bitte, auf bestimmte Kostüme zu verzichten, relativiert er jedoch. Ein Verbot sei «völlig realitätsfern», so Gilles. Die Verkleidung an Karneval sei «altes Brauchtum, das zum Wesen des Karnevals dazugehört».

Auch die Polizei in Braunschweig spricht kein Kostümverbot aus. Allerdings appelliert Polizeisprecher Joachim Grande an alle Karnevalisten, «auf bestimmte Dinge zu verzichten beziehungsweise nicht durchzuführen». So solle beispielsweise keine Pyrotechnik gezündet, Taschen und Koffer nicht einfach stehen gelassen werden. Zudem rät er, Auffälligkeiten sofort der Polizei zu melden.

Es könne zu Kontrollen kommen, wenn Menschen unter ihrer Verkleidung nicht direkt erkennbar seien und zusätzlich weitere Anhaltspunkte Anlass zur Identitätsprüfung böten: Das könnten beispielsweise das Mitführen von Plastikpistolen oder Patronen sein.

Der Sprecher der Düsseldorfer Polizei, Andre Hartwich, stellt klar: «Die Düsseldorfer Polizei spricht keine Kostümempfehlung aus.» Jeder Jeck sei für sich selbst verantwortlich. «Der Menschenverstand muss sagen, das ist okay und das ist nicht okay.» Die Polizei mache nicht an bestimmten Kostümen aus, wen sie kontrolliere und wen nicht.

Für die Karnevalisten scheint sich in dieser Session nichts an der Kostümwahl zu ändern - allen Unruhen zum Trotz. «Wir haben nicht gemerkt, dass die Kunden sagen: Ich kaufe keine Pistole oder ein Scheich-Kostüm», erklärt Antonia Guerrero, Abteilungsleiterin Information und Kassenbereich des Geschäftes Karnevalswierts in Köln. Auch zum Piraten-Outfit werde jegliches Zubehör gekauft – inklusive Säbel.

Bei «Cocolores Kostüme und Accessoires» in Mainz zeichnet sich ab, dass die Karnevalisten eher zu originellen Kostümen greifen. «Cowboy und Indianer sind dieses Jahr gar nicht gefragt», so eine Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Diesen Trend habe es allerdings bereits in den Vorjahren gegeben.

Beide Kostümläden haben ihr Sortiment nach den Diskussionen der vergangenen Tage nicht geändert. Das ginge gar nicht, erklärt die Mitarbeiterin. Die Verkleidungen würden schon Monate im Voraus bestellt; eine kurzfristige Stornierung oder Neubestellung sei nicht möglich.

Auch der Karnevalswierts-Laden in Köln hat keine Kostüme aus dem Sortiment genommen. Dazu gebe es bislang keine Veranlassung, so Guerrero. Würde die Polizei direkt in den Laden kommen und ein Verbot aussprechen, würde sie dies natürlich an die Geschäftsleitung weitergeben. Grundsätzlich dürften die momentanen Probleme aber nicht die Tradition des Karnevals kaputt machen: «Man sollte auch feiern können», meint Guerrero - und genau das möchte die Polizei auch nicht verbieten.

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