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US-Erzbischof Cordileone: „Die Familie: Das Abbild Gottes“

vor 16 Minuten in Familie, keine Lesermeinung
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„Wir müssen uns bewusst machen, dass in unserem eigenen Land eine Verdrängung Gottes aus dem öffentlichen Leben stattfindet – teils auf sehr offene Weise, doch besonders besorgniserregend ist die Zerstörung der Ehe.“


San Francisco (kath.net) kath.net dokumentiert die Predigt des Erzbischofs von San Francisco, Salvatore J. Cordileone, bei der über 50 km weiten Fußwallfahrt „Wallfahrt der drei Herzen“ der Benediktinerabtei Clear Creek am Fest des heiligen Ignatius von Antiochien am 17. Oktober 2026 in voller Länge in eigener Übersetzung:

Einleitung

Es wird von einer jungen Frau aus dem frühen 20. Jahrhundert berichtet, die sehr begabt war und sich für die Gerechtigkeit zugunsten der Armen einsetzte. Sie war zwar katholisch getauft, doch ihre Familie hatte sich vom praktizierten Glauben abgewandt, als sie noch ein Mädchen war. Da sie eine umfassende Bildung genossen hatte, sah sie in der Kommunistischen Partei Amerikas eine Möglichkeit, die Ungerechtigkeiten zu beheben, denen die Arbeiter ihrer Zeit ausgesetzt waren. Sie stieg innerhalb der Partei auf, doch je tiefer sie in deren Strukturen eingebunden wurde, desto klarer erkannte sie, dass es dort nicht um Gerechtigkeit ging, sondern um Macht – und darum, jeden zu bestrafen oder auszuschalten, der diese Macht gefährden könnte.

Später fand sie durch lebendige Glaubensgemeinschaften – insbesondere unter jungen Menschen an den Universitäten – wieder zu ihrem katholischen Glauben zurück. Sie erhielt Unterweisung von niemand Geringerem als dem bedeutenden katholischen Redner und heutigen Seligen, Erzbischof Fulton Sheen. Sie durchschaute die Lügen, die innerhalb der Kommunistischen Partei über die Kirche verbreitet wurden, und kehrte zur vollständigen Ausübung ihres Glaubens zurück. Sie berichtete, dass sie dort, unter Katholiken, nicht Machtgier und Hass, sondern Liebe, Güte und eine aufrichtige Fürsorge für die Armen vorfand.

Der Christ in der Welt

Die Lebensgeschichte dieser Frau, Bella Dodd, unterscheidet sich gar nicht so sehr von der des Heiligen, den wir heute ehren – auch wenn er etwa 1800 Jahre vor ihr lebte. Der heilige Ignatius von Antiochien trat die Nachfolge des heiligen Petrus als Bischof jener Stadt an, nachdem Petrus nach Rom gegangen war, wo er den Märtyrertod erlitt. Ignatius ist bekannt für die sieben Briefe, die er an die christlichen Gemeinden seiner Zeit richtete; sie offenbaren grundlegende Elemente des kirchlichen Lebens, die bis heute bewahrt geblieben sind. Damals wie heute kursierten zahlreiche verleumderische Mythen über Christen – darunter der Vorwurf des Kannibalismus, da sie behaupteten, das Fleisch ihres Herrn zu essen und sein Blut zu trinken. Ignatius erläutert den Glauben der Kirche an die Realpräsenz – und wer daran teilhaben darf – in unmissverständlicher Weise. Doch der Hauptvorwurf gegen ihn bestand, wie bei allen christlichen Märtyrern seiner Zeit, in seiner Weigerung, den falschen Göttern des heidnischen Roms zu huldigen. Mit anderen Worten: Die staatlichen Machthaber zwangen die Christen dazu, gegen ihre religiöse Überzeugung zu handeln und die staatlich verordnete Auffassung davon, was als akzeptable Religion zu gelten habe, zu übernehmen. Er nahm den Tod für Christus bereitwillig, ja sogar freudig auf sich.

Dies erklärt, warum das Evangelium, das an seinem Gedenktag – wie übrigens an den Gedenktagen aller Märtyrer – gelesen wird, so passend ist: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Unser Herr spricht hier zunächst von sich selbst: Er fiel in die Erde, als er im Geheimnis der Menschwerdung vom Himmel zu uns herabstieg und im Schoß seiner seligsten Mutter einen menschlichen Leib annahm. Im übertragenen Sinne gilt dies jedoch auch für jene christlichen Helden, die seinem Tod nacheifern, indem sie für ihn ihr Blut vergießen – die Märtyrer unseres Glaubens. Er macht jedoch deutlich, dass dieses Prinzip in der einen oder anderen Weise für jeden Menschen gilt, wie aus seinen unmittelbar darauf folgenden Worten hervorgeht: „Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.“ „Wer“ – nicht nur einige, nicht eine kleine Auswahl, nicht eine bestimmte Personengruppe, sondern „wer“: das heißt jeder, ausnahmslos alle.


Genau darum sind wir heute hier. Wir können beobachten, wie sich diese Muster durch die gesamte Geschichte der Kirche hindurch in jeder Generation wiederholen. Das sollte uns nicht überraschen, denn es handelt sich um universelle Wahrheiten. Wer dem Herrn dienen will, muss jenes Weizenkorn sein, das in die Erde fällt. Auch wenn der Ruf, jenes Weizenkorn zu sein, das in die Erde fällt und stirbt, um reiche Frucht zu bringen, am eindrucksvollsten und heldenhaftesten im Zeugnis der Märtyrer zum Ausdruck kommt, so ist er doch – auf die eine oder andere Weise – an jeden Christen gerichtet. Es ist der Ruf zur aufopferungsvollen Liebe; diese wird zunächst in der Familie erlernt und vorgelebt, um dann in anderen menschlichen Lebensbereichen Gestalt anzunehmen: in der Pfarrei, in der Ortskirche – also der Diözese –, in Ordensgemeinschaften, im sozialen Umfeld, an Bildungs- und Arbeitsstätten, in den Nationen und in der gesamten Völkergemeinschaft. Es gibt keinen anderen Weg, ein wahrer Diener unseres Herrn Jesus Christus zu sein – vorausgesetzt, wir schenken dem Glauben, was er uns hier lehrt.

Das Vorbild der aufopfernden Liebe

„Wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein.“ Ein solcher Dienst ist der konkrete, alltägliche Ausdruck aufopfernder Liebe – und der Grund dafür, warum derjenige, der dient, den höchsten Platz im Reich Gottes einnimmt. Es ist das göttliche Paradoxon: Wer im Dienst an anderen den letzten Platz einnimmt, wird im Reich Gottes den ersten Platz haben. Und das nicht nur im Sinne eines Leidens im Hier und Jetzt, um im kommenden Leben glücklich zu sein; es ist Gottes Formel für menschliches Glück – sowohl für den Einzelnen als auch für die Gemeinschaft – und der einzige Weg zu einer gesunden, aufblühenden Gesellschaft. Ein weiser Bibelgelehrter formulierte es treffend: „Das einzige sichere Fundament für ein Reich ist aufopfernde Liebe.“

Damit wir nicht zögern, dies zu glauben, sorgt Gott – wie immer – für Abhilfe. Welch eine Freude ist es für uns, diese abschließende Wallfahrtsmesse zu Ehren des Heiligsten Herzens Jesu, des Unbefleckten Herzens Mariens und des Keuschesten Herzens des heiligen Josef zu feiern! Die vollkommene Einheit dieser drei Herzen veranschaulicht die volle Würde, die das Familienleben nach Gottes Plan besitzen soll: Das Heiligste Herz Jesu offenbart die göttliche Liebe, die in der Menschwerdung sichtbar wurde und am Kreuz ausgegossen wurde – jene Liebe, die Quelle und Mittelpunkt des christlichen Lebens ist. Das Unbefleckte Herz Mariens zeigt, was geschieht, wenn ein menschliches Herz voll und ganz auf Gottes Gnade antwortet: Es nimmt das Wort auf, begleitet den Sohn und bleibt selbst am Fuße des Kreuzes treu. Das Keuscheste Herz des heiligen Josef schließlich offenbart Liebe durch beständige Treue, schützende Vaterschaft, demütige Arbeit und Gehorsam. Es lehrt uns – wie die heilige Mutter Teresa von Kalkutta oft betonte –, dass Heiligkeit oft nicht darin besteht, außergewöhnliche Dinge zu tun, sondern gewöhnliche Dinge mit außergewöhnlicher Liebe zu verrichten.

Wir widmen uns daher diesen Werken der Buße und des Gebets, um Gott um die Gnade zu bitten, unsere Herzen den ihren gleich zu machen: keine Herzen aus Stein, sondern Herzen aus Fleisch – ein fruchtbarer Boden, um den Samen von Gottes Liebe und Vergebung aufzunehmen. So werden wir bereit, Seine Gnade zu empfangen und sie – jetzt und in der Ewigkeit – Frucht bringen zu lassen. Dies war von Anfang an Gottes Plan; es war tief in die Struktur und den Sinn der Familie eingeschrieben – und ganz besonders in ihr Fundament: den Liebesbund der Ehe zwischen Mann und Frau.

Die Familie: Das Abbild Gottes

Dies führt uns zurück an den Anfang, ganz an den Anfang: zur Erschaffung des Kosmos und zur Erschaffung des Menschen durch Gott – als Mann und Frau. Aus dem, was Gott uns über Sein inneres Leben offenbart hat, wissen wir, dass Gott eine Gemeinschaft von Personen ist: Alles, was der Vater ist und hat, gibt Er dem Sohn, und der Sohn gibt es dem Vater; ihre gegenseitige Liebe lässt den Heiligen Geist hervorgehen, der uns in diese Gemeinschaft ihrer Liebe hineinzieht. Damit der Mensch also Gottes Abbild sein konnte, musste Gott ihn als eine lebenspendende Gemeinschaft von Personen erschaffen. Deshalb nimmt Gott eine Rippe aus Adams Seite, um die Frau zu erschaffen. „Adam“ – hebräisch *a’dam* – steht hier für den „Menschen“ im umfassenden Sinne der gesamten Menschheit. Buchstäblich nimmt Gott dem *a’dam* eine Seite; Er teilt Sein menschliches Geschöpf in zwei Hälften, damit diese beiden Hälften in einer umfassenden, sich ergänzenden und lebenspendenden Einheit wieder zusammenfinden können.

Es ist also die „Ein-Fleisch-sein lebens-gebende Gemeinschaft [Kommunion] von Mann und Frau“ im Liebesbund der Ehe –, die das Abbild Gottes darstellt. Gott hat Seinem menschlichen Geschöpf ein wunderbares Geschenk gemacht: Der Mann fungiert in der Ehe als das „Christus-Prinzip“ – als Haupt und Priester der Familie; er ist derjenige, der die Beziehung der Kinder zu Gott vermittelt. Der Frau wiederum hat Gott das wunderbare Geschenk des „Kirche-Prinzips“ anvertraut: Sie fördert Gemeinschaft und Leben, empfängt neues menschliches Leben in ihrem eigenen Leib und bringt es zur Welt – ein Leben, das mit einem eigenen Körper und einer einzigartigen, unsterblichen Seele ausgestattet ist. Welches größere Geschenk hätte Gott den beiden Hälften Seiner Schöpfung machen können? Was für ein Segen! Und doch wagen wir es in unserer Anmaßung, dies für unsere eigenen egoistischen Zwecke zu zerstören. Und das nimmt niemals ein gutes Ende; denn wann immer eine Gesellschaft Gott aus ihrem öffentlichen Leben verbannt, führt dies zu ihrem Untergang.

Dies lässt sich durch die gesamte Geschichte hindurch beobachten, von der Antike bis in die Gegenwart. Man denke etwa an das antike Volk Israel: Trotz der Warnungen seiner Propheten hielt es daran fest, die falschen Götter seiner heidnischen Nachbarn zu verehren – aus Neid auf deren Reichtum sowie deren politische und militärische Macht. Die Folge war, dass ihr Königreich zerstört, ihre Hauptstadt (Jerusalem) erobert und geplündert und sie selbst in die Fremde verschleppt wurden. Ein jüngeres Beispiel sind die marxistischen Regime des 20. Jahrhunderts: Sie verschrieben sich einer explizit atheistischen Ideologie – und auch sie sind letztlich zerfallen.

Gottes Plan folgen

Wir müssen uns bewusst machen, dass in unserem eigenen Land eine Verdrängung Gottes aus dem öffentlichen Leben stattfindet – teils auf sehr offene Weise, doch besonders besorgniserregend ist die Zerstörung der Ehe. Indem das grundlegende Verständnis der Ehe – als lebenslange, lebensspendende Gemeinschaft von Mann und Frau, die in einem Bund miteinander verbunden sind – ausgelöscht wird, verschwindet auch das Ebenbild Gottes vom Antlitz der Erde.

Wenn wir versuchen, unseren eigenen Weg zu gehen und nur unseren egoistischen Zielen zu dienen, führt das unweigerlich ins Verderben. Doch Gottes Plan funktioniert. Ich habe dies selbst immer wieder erlebt – besonders bei Ehepaaren, die ein Leben lang, durch alle Höhen und Tiefen hindurch, an ihrer Ehe festhalten und sich so zu der besten Version ihrer selbst entwickeln. Umgekehrt gilt: Wenn wir versuchen, alles nach unserem eigenen Willen zu gestalten, um unseren egoistischen Zwecken zu dienen, nimmt es ein schlechtes Ende. Manchmal erfordert es großes Vertrauen, um zu glauben, dass dies tatsächlich Gottes Plan ist und dass Gott stets zu seinem Wort steht. Mangelndes Vertrauen führt zu Ungehorsam – der ursprünglichen Sünde.

Das Gegenmittel finden wir in der vollkommenen Einheit der „Drei Herzen“ in der Heiligen Familie. Sie alle sind in ihrer Hingabe an den Willen des Vaters vereint – in reinem Gehorsam. Der Gehorsam verbindet sie. Ja, dieser Weg führt durch die dunkle Nacht des Karfreitags, doch wer in Treue ausharrt, gelangt schließlich in den ewigen Tag des Ostersonntags. Eure Pilgerreise ist ein Sinnbild und eine Lektion dafür. Ihr seid nach vielen Opfern und großer Ausdauer hier angekommen: erschöpft, schmerzgeplagt, verschwitzt. Auf dem Weg gab es Mühsal, aber auch Freude – und das gerade deshalb, weil ihr gemeinsam unterwegs wart. Darin liegt die Weisheit der Gemeinschaft: so zu leben, wie Gott es für uns vorgesehen hat. Die Freude der Pilgerreise findet ihren Höhepunkt in ihrem Ziel – hier, bei Gottes größtem Geschenk: seinem Sohn, der uns im Allerheiligsten Altarsakrament gegenwärtig ist. Schlusswort

Dies ist der Sinn und das Ziel unseres gesamten Lebens in dieser Welt: gemeinsam in der Glaubensgemeinschaft auszuharren – angefangen beim Teilen von Leben und Liebe in der Familie –, einander die Lasten zu tragen und uns an der Freude des anderen zu erfreuen, damit wir schließlich zur vollkommenen und ewigen Freude des Himmels gelangen. Dies ist der Lohn der aufopferungsvollen Liebe, die uns von Jesus, Maria und Josef so vollkommen vorgelebt wurde: Das Weizenkorn stirbt, damit daraus etwas Großes entstehen kann. Möge Gott uns die Gnade schenken, bis ans Ende auszuharren – gehorsam gegenüber seinem Willen, bis dieser seine Erfüllung in der vollkommenen und ewigen Freude des Himmels findet. Ihm gebühren alle Ehre und Herrlichkeit, jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Archivfoto Erzbischof Cordileone (c) Erzbistum San Francisco


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