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| ![]() War der katholische Soldat Gus March-Phillipps (+1942) ein Vorbild für die Filmfigur James Bond?vor 35 Minuten in Chronik, keine Lesermeinung Major Gus March-Phillipps war britischer Eliteoffizier, gläubiger Katholik und Autor – Er führte einige der gewagtesten verdeckten Operationen des Zweiten Weltkriegs an, bevor er im Kampf fiel. London (kath.net/pl) In der Nacht vom 12. auf den 13. September 1942 fand das britische Kommandounternehmen „Operation Aquatint“ statt: In der Dunkelheit einer normannischen Nacht näherte sich eine kleine Einheit alliierter Kommandos der von deutschen Truppen besetzten französischen Küste bei Sainte-Honorine-des-Pertes. Doch nichts verlief wie geplant. Die kleine Gruppe landete am Strand, geriet jedoch sofort unter schweres deutsches Feuer. Gustavus Henry March-Phillipps, genannt „Gus“, setzte alles aufs Spiel, kam aber während der Kämpfe ums Leben. Er war 34 Jahre alt. Als außergewöhnlicher Offizier, Romanautor, Seemann, Reiter und gläubiger Katholik hinterließ er eine Elite-Kommandoeinheit sowie eine Reihe erfolgreicher verdeckter Operationen. Dennoch ist er bis heute in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Das schildert Cécile Séveirac in ihrem Beitrag im katholischen Portal „Aleteia“ und betont, dass March-Phillipps für seine Zeit eine unkonventionelle Persönlichkeit war – zugleich ein respektloser Dichter und ein draufgängerischer Soldat. Der Brite (geboren 1908) besuchte ab 1917 die von Benediktinern geleitete Klosterschule Ampleforth in Yorkshire. Der Schüler tat sich weder in seinen intellektuellen noch in seinen sportlichen Leistungen besonders hervor, fiel allerdings durch eine gewisse Waghalsigkeit auf. Nachdem er 1926 Ampleforth verlassen hatte, trat er in die Royal Military Academy in Woolwich ein und wurde als Second Lieutenant bei der Royal Artillery in den Dienst gestellt. Seine ersten Jahre in der regulären Armee verbrachte er in England, gefolgt von einem dreijährigen Aufenthalt in Indien. Er war offenbar ein „ziemlich wilder und unverantwortlicher junger Offizier“, so beschreibt ihn zumindest das „Ampleforth Journal“ im Nachruf. Der Nachruf schildert aber weiter, dass Gus March-Phillipps „ein bemerkenswerter junger Mann“ gewesen sei, und zwar „nicht nur aufgrund seiner Taten, sondern vor allem wegen seiner überaus anziehenden und edlen Wesenszüge. […] Jene seiner Freunde, die nichts von seinen Unternehmungen wussten, werden ihn dennoch für seine Eigenschaften in Erinnerung behalten: für seinen Mut, seine edle Gesinnung, seine Unabhängigkeit, seine Liebe zu England – insbesondere zur englischen Landschaft und zu englischen Traditionen –, seinen Tatendrang, seinen katholischen Glauben, seine Liebe zum Meer und zu Pferden; und vor allem für seine Fähigkeit, andere mitzureißen – sein angeborenes Führungstalent.“ „Am liebsten befand er sich in Situationen, in denen er wusste, dass er nur durch eigenes Geschick, Entschlossenheit und Führungsstärke ein Unglück für sich und seine Gefährten abwenden konnte. Kaum einer seiner Freunde – und erst recht keiner seiner Untergebenen – hätte sich geweigert, ihm bei noch so waghalsigen Abenteuern zu folgen, die er vorschlug.“ Letztlich habe er gewirkt „wie direkt aus einem Abenteuerroman entsprungen“, schildert die Autorin anhand des Nachrufs, „eine ‚sonderbare Mischung widersprüchlicher Impulse‘. Er war kein Intellektueller, der von Taten träumte, und auch kein Soldat, der aus Langeweile Verse niederschrieb – er war beides.“ Später hatte der junge Brite den aktiven Militärdienst zunächst quittiert, um sich dem Schreiben zu widmen, doch die Münchner Krise von 1938 holte ihn aus seinem literarischen Ruhestand zurück. Er beantragte seine Wiederaufnahme in die Armee und wurde im darauffolgenden Jahr einberufen. Dabei habe March-Phillipps hatte eine präzise Vorstellung davon gehabt, was er tun konnte und wollte, schreibt die „Aleteia“-Autorin. Im Vertrauen auf seine Fähigkeiten schloss er sich der British Expeditionary Force (BEF) als Nachrichtenoffizier an; er diente zunächst im Hauptquartier des II. Korps und ab September 1939 – bis zur Evakuierung von Dünkirchen – im Oberkommando. Wieder in England, weigerte er sich, untätig zu bleiben. Er bedrängte Freunde, Bekannte und Vorgesetzte so lange, bis er die Erlaubnis erhielt, seine eigenen Ideen zur Bekämpfung des Feindes in die Tat umzusetzen. Gemeinsam mit seinem Freund Lt. Geoffrey Appleyard stellte er eine geheime Einheit unter dem Dach der Special Operations Executive (SOE) auf. Diese Einheit erhielt offiziell die Bezeichnung „No. 62 Commando“ und wurde zudem als „Small Scale Raiding Force“ (SSRF) bekannt. Einige ihrer Mitglieder waren später am Aufbau des 2nd Special Air Service (SAS) beteiligt. Es bräuchte einen ganzen Roman, um alle Unternehmungen seiner Einheit zu schildern, erläutert Cécile Séveirac. Im Januar 1942 leitete er die „Operation Postmaster“. In tiefer Nacht brachten seine Männer auf der spanischen Insel Fernando Po drei feindliche Schiffe in ihren Besitz – ohne einen einzigen Schuss abzugeben – und überführten sie nach Nigeria. Dieser kühne Erfolg festigte den Ruf der SOE. Nach seiner Rückkehr nach England – inzwischen zum Major befördert – leitete er eine Reihe nächtlicher Überfälle entlang der von Deutschland besetzten Küste. Dazu gehörten die Gefangennahme deutscher Soldaten am Leuchtturm „Les Casquets“ (Operation Dryad) sowie Gefechte mit deutschen Truppen bei einem Angriff auf eine Radaranlage und Flugabwehrstellungen in Frankreich (Operation Barricade). Dann allerdings endete die Nacht vom 12. auf den 13. September 1942 „tragisch. Als sein elfköpfiger Trupp am Strand von Saint-Laurent-sur-Mer landete – fast 21 Monate vor der Landung am D-Day an genau diesem Küstenabschnitt –, hatte die Strömung ihr Boot mehrere Meilen westlich des geplanten Zielpunkts abgetrieben. Kaum an Land, gerieten die Kommandosoldaten unter deutsches Feuer. Da sie ihr Landungsboot nicht mehr erreichen konnten, saßen sie am Strand fest. Das Begleitboot versuchte zwar, sie zu bergen, musste sich jedoch zurückziehen, als deutsche Patrouillenboote das Feuer eröffneten. Major March-Phillipps fiel während der Kämpfe. Er starb gemeinsam mit dem 22-jährigen Sergeant Allen Michael Williams und dem 42-jährigen Private Richard Lehniger.“ Er wurde zusammen mit ihnen auf dem Kirchfriedhof von Saint-Laurent-sur-Mer beigesetzt – genau an jenem Küstenabschnitt in der Normandie, an dem er seinen letzten Atemzug tat. Sein Grabstein trägt ein berühmtes Zitat aus dem geistlichen Klassiker „Nachfolge Christi“ von Thomas von Kempen: „Er, der liebte, flog, rannte und sich freute, er ist frei.“ Der Grabstein spricht auch davon, dass der Brite ein Ehemann gewesen war, allerdings war dies der „Aleteia“-Autorin keine weiteren Informationen wert gewesen. Zwar ist dieser britische Major heutzutage kaum mehr bekannt – auch im englischen Sprachraum nicht – dennoch gilt March-Phillipps als eine der möglichen Inspirationen für die Figur des James Bond. Immerhin war Ian Fleming, der Schöpfer dieser berühmten Romanfigur, während des Krieges ebenfalls für den britischen Geheimdienst tätig gewesen. Im Jahr 2024 brachte Regisseur Guy Ritchie eine stark romantisierte Version dieser Geschichte unter dem Titel „The Ministry of Ungentlemanly Warfare“ auf die Kinoleinwand, mit Henry Cavill in der Rolle des Gus. „Wenn ich sterben muss“ Ein Jahr vor seinem Tod verfasste Major March-Phillipps ein Gebet in Form eines Gedichts, erinnert die Autorin. Anstatt Gott um Schutz zu bitten, betete er um die Gnade, dem Tod mit Einfachheit, unerschütterlichem Glauben, Mut und Freude zu begegnen.
Wenn ich in diesem großen Krieg sterben muss, Lass mich, o Herr, so sterben, wie ich zu leben gelernt habe, Lass mich noch einmal schlicht und gewiss sein, Lass mich noch einmal tapfer und heiter sein, G. March-Phillipps Archivfoto March-Phillipps (c) Wikiepdia/By British Army - British Army, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=36642734 Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zu | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Top-15meist-gelesen
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