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Ärztin, Ordensfrau, Heilige: Leben und Wirken von Sr. Mary Glowrey JMJ

vor 5 Stunden in Chronik, keine Lesermeinung
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Mit einem Dekret hat Papst Leo XIV. den heroischen Tugendgrad der Ordensschwester Maria vom Heiligsten Herzen Jesu (1887-1957), im November 2015 bestätigt - Die Australierin wirkte vorwiegend in Indien - Von Elmar Lübbers-Paal


Melbourne (kath.net) Mit einem Dekret hat Papst Leo XIV. den heroischen Tugendgrad der Ordensschwester Maria vom Heiligsten Herzen Jesu (1887-1957), die als Mary Glowrey auf die Welt kam, bestätigt. Seit dem 22.11.2025 darf sie fortan als „Ehrwürdige Dienerin Gottes“ verehrt werden. Der erste von zwei großen Schritten zur Heiligsprechung ist damit gegangen. Wer ist diese engagierte Frau, die weltweit die erste katholische Ordensfrau war, die mit päpstlicher Sondererlaubnis ab 1920 als Ärztin wirken durfte?

Am 23. Juni 1887 erblickt die kleine Mary, als drittes von neun Geschwistern im australischen Birregurra (Bundesstaat Victoria) das Licht der Welt. Ihre Eltern entstammen katholischer Einwanderer aus Irland. Marys Vater ist der Gemischtwarenhändler Edward Glowrey, der später Hoteleigentümer in den Städten Garvoc und Watchem werden sollte. Mary ist auch die Nichte des westaustralischen Parlamentariers John Glowrey, der zu dieser Zeit auch als Bürgermeister von Coolgardie amtiert. Bildung, Fleiß, Bescheidenheit und Gottvertrauen sind die gelebten Werte in der Familie. Der Fleiß zeigt sich bei Mary auch in der Schul- und Studienzeit. Unter 700 Teilnehmern einer Stipendienprüfung belegt sie 1901 den vierten Platz. So besucht sie von 1901 bis 1904 das South Melbourne College in der Bank Street. Während dieser Zeit lebt sie im Internat des Good Shepherd Convent in Albert Park. Bereits nach einem Jahr legt sie die Hochschulreife ab. Sie studiert weitere 3 Jahre dort, da sie für ein Universitätsstudium noch zu jung ist. 1905 schließt sie den Bachelorstudiengang der Geisteswissenschaften an der Universität von Melbourne ab. 


Mit einem weiteren Stipendium wechselt sie 1906, auf Bitten ihres Vaters und eigenen Prüfungen durch Gebet, zum Fachbereich Medizin. 1910 erlangt Mary den Bachelor der Medizin und den Bachelor der Chirugie. Weitere Medizinstudien absolviert sie an der Universität von Melbourne. 

1911 wird Mary die erste Ärztin am Christchurch Hospital. Außerdem ist sie eine der ersten beiden Frauen, die in Neuseeland eine Stelle als Assistenzarzt erhalten. 

1912 ist sie wieder in Melbourne und arbeitet in den Folgejahren an den Kliniken Queen Victoria Memorial, am Royal Victorian Eye an Ear Hospital und am St. Vincent`s Hospital. 

In der Zeit des Ersten Weltkriegs übernimmt sie auch die ärztlichen Aufgaben, die sonst Männer ausführen, denn diese befinden sich im Kriegsdienst. Als im Oktober 1916 der Katholische Frauen-Sozialverband gegründet wird, kommt ihr die Ehre der ersten Präsidentschaft zu. Als Verbandspräsidentin macht sie in Artikeln und Vorträgen auf die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Frauen aufmerksam. 

Bereits im Herbst 1915 ist ihr eine Broschüre der Missionsärztin Agnes McLaren, die in Indien wirkt, in die Hände gefallen. Tief bewegt Mary die dramatischen Schilderungen der hohen Kindersterblichkeitsrate. Sie fühlt sich, durch dieses Heft, direkt von Gott zur Bekämpfung dieses traurigen Zustands bestimmt. In Vorbereitung dessen will sie sich Fortbilden. 

1919 erlangt sie, nach weiteren Studien, den Doktortitel und hat nun auch Abschlüsse in den Fachbereichen Geburtshilfe, Gynäkologie und Augenheilkunde erworben. In diesen Jahren führt sie auch eine Privatpraxis in der Melbourner Collins Street. Außerdem lässt sie sich auch als HNO-Arzt ausbilden. 

Mary betrachtet ihre zukünftige Aufgabe in Indien nicht nur von sozialen, sondern auch von religiösen Gesichtspunkten ausgehend. Ihr geistlicher Begleiter in dieser Zeit ist der Jesuitenpater William Lockington. Am 21. Januar 1920, mit 33 Jahren, beantwortet sie den Anruft Gottes mit ihrem „Fiat“. Mary schifft nach Indien, wohl bewusst, dass sie ihren Heimatkontinent nie wiedersehen wird. 

Es ist der 12. Februar, als sie im indischen Guntur ankommt und der Kongregation Jesus, Maria, Joseph beitritt. Fortan trägt sie den Ordensnamen Schwester Maria vom Heiligsten Herzen Jesu. 

In Folge ihres Noviziats beginnt sie 1922 in Indien als Ärztin zu wirken. Ihr Einsatz ist unerschütterlich. Mit Einfallsreichtum und Herzblut trotzt die Dienerin Gottes Dürre, Hungersnot und Seuchen. Aus einer schlichten Notfall-Ambulanz erwächst das St. Josephs Hospital, in dem segensreich hunderttausende von Patienten behandelt werden. Ihr Wissen gibt die selbstlose Schwester gern weiter und bildet dadurch einheimische Frauen zu Apothekerinnen, Hebammen und Krankenschwestern aus. 

Das Werk der tätigen Nächstenliebe wächst rasant. Um einen Dachverband für das wohltätige Werk zu haben, gründet die gütige Schwester 1943 die Catholic Health Association of India (damals Catholic Hospitals' Association genannt). Heute noch betreuen die mehr als 3.500 Mitstreiter jährlich über 21 Millionen Patienten. 

Schwester Maria schont ihre angeschlagene Gesundheit nicht. Sie behandelt auch die Zusammengekauerten, in deren erbärmlichen Hütten. Schwester Maria sind 37 Wirkungsjahre in Indien vergönnt. Mit 69 Jahren erliegt sie am 5. Mai 1957 in Bangalore einem Krebsleiden. Ihre letzten Worte auf dem Sterbebett lauten: „Jesus, Maria und Josef“ und „Mein Jesus, ich liebe Dich“.

Mary Glowreys Name wurde 2015 in die Victorian Honour Roll of Women aufgenommen. Mehrere Stiftungspreise tragen ihren Namen und das Mary Glowrey Museum in Melbourne verbreitet auch weiterhin die Botschaft der vorbildlichen Ärztin, Ordensfrau und zukünftigen Heiligen der katholischen Kirche.

Schwester Dr. Mary Glowreys – bitte für uns!

Foto Sr. Mary Glowreys (c) gemeinfrei


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