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Vom Whisky-Priester und Dantes Pilgerreise

8. Mai 2026 in Kultur, keine Lesermeinung
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Heiligkeit in der Literatur – Graham Greene, Dante und Shakespeare – analysiert Joseph Pearce in einem Beitrag.


New York (kath.net / pk) Die Welt der Literatur ist voll von Schurken, während Heilige viel subtiler präsent sind. Das schreibt Joseph Pearce in einem Beitrag für das „National Catholic Register“. „Es ist viel einfacher, ein Sünder zu sein, als ein Heiliger zu werden.“  

Zunächst scheine dies einfach „die Grundeinstellung der menschlichen Psyche zu sein, zumindest in ihrem gefallenen, gebrochenen Zustand“, meint der Autor. „Wir können ohne fremde Hilfe sündigen, doch um tugendhaft zu sein, brauchen wir Hilfe. Genauer gesagt brauchen wir jene übernatürliche Hilfe, die Theologen Gnade nennen. Dies könnte erklären, warum es in der Literatur so viel einfacher ist, Boshaftigkeit darzustellen, als Heiligkeit.“

Manchen bekannten Schriftstellern, etwa Graham Greene, scheine es schwer zu fallen, Heiligkeit in ihren Figuren darzustellen. „Man nehme zum Beispiel den namenlosen und relativ schamlosen Whisky-Priester in ,Die Macht und die Herrlichkeit‘ oder die Art und Weise, wie Greene Kinder in dem Roman schildert, darunter insbesondere das uneheliche Kind des Whisky-Priesters.“

Als Romanautor scheine Greene „fast besessen davon zu sein, die dunklere Seite seiner Figuren zu ergründen, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass selbst ihre Güte verzerrt wird. Er hat offenbar keine Bereitschaft oder Fähigkeit, selbst den Kindern ihre Unschuld zuzugestehen.“ Niemand sei kindlich in Greenes Romanen, nicht einmal die Kinder selbst.


Blickt man auf die Liste literarischer Heiliger, so sei Dante mit seiner „Göttlichen Komödie“ der beste Ausgangspunkt. „Dante präsentiert uns eine Fülle von reuelosen Sündern in der Hölle, aber er präsentiert uns auch beide Arten von Heiligen: jene, von denen wir wissen, dass sie im Himmel sind, weil sie heiliggesprochen wurden, und jene unzähligen Heiligen, die die selige Schau erlangt haben, ohne formell als Heilige anerkannt worden zu sein.“

Dante präsentiere eine himmlische Schar berühmter Heiliger, von denen jeder gleichzeitig eine buchstäbliche „Tatsache“ und eine literarische „Fiktion“ sei. „Sie sind reale historische Figuren, die als solche dargestellt werden, aber auch Figuren in Dantes fiktionaler und allegorischer Erzählung, die sich in den Sphären des Himmels befinden, in die Dante sie versetzt, und die ihre Rollen gemäß den Worten sprechen, die Dante ihnen in den Mund legt.“

Dante selber trete als Verfasser des Werks als auch als eine Figur darin auf. „Ironischerweise – und auf reizvolle Weise – erhebt Dante sein fiktives Ich in den Kanon, insofern die gesamte Geschichte seinen spirituellen Fortschritt und seine Pilgerreise darstellt“, meint Pearce.

Wenden wir uns William Shakespeare zu. Er konfrontiert uns mit einer Reihe von bösartigen Schurken – etwa Richard III., Iago und Macbeth –  sowie einer Schar himmlischer Helden und Heldinnen, etwa Portia und Cordelia. Die Figur des Hamlet sei das literarische Pendant zur Figur des Dante in der Göttlichen Komödie.

Wie Dante beginne Hamlet „in einem dunklen Wald der Verzweiflung, versucht von Hoffnungslosigkeit und Selbstmord, wächst jedoch im Laufe des Stücks an Weisheit und Tugend, sinniert über die Sterblichkeit, zitiert aus dem Evangelium in einem Akt des Glaubens an Gottes vorsehende Gegenwart und opfert sein Leben für seine Freunde und Landsleute“.

Ein weiteres Beispiel für Heiligkeit ist die berühmte Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Neben den vorbildlichen Charakteren wie Bob Cratchit oder Tiny Tim sollte auch dem unfreundlichen, lieblosen Ebenezer Scrooge die Heiligkeit nicht abgesprochen werden, ist der Autor überzeugt. „Es besteht kein Zweifel, dass er zu Beginn der Geschichte ein elender Sünder ist, der scheinbar für die Hölle bestimmt wäre, wenn er sich weigert, die Warnungen der Geister zu beherzigen, die ihn besuchen“, schreibt Pearce.

Aber: „Der Kern der Geschichte ist, dass er ihre Warnungen sehr wohl beherzigt. Seine Bekehrung ist einer der kraftvollsten eukatastrophischen Momente in der gesamten Literatur; die plötzliche freudige Wende bei Scrooge bewirkt eine plötzliche freudige Wende in der Geschichte und eine plötzliche freudige Wende beim Leser. Als der verlorene Sohn, der durch die Verehrung des Sohnes zum Vater zurückkehrt, wird Scrooge zu einem ,zweiten Vater‘ für Tiny Tim und rettet den Jungen vor einem frühen Tod.“

Einer der berühmtesten fiktiven Heiligen sei schließlich der „verlorene Sohn“, schließt Pearce „Der verlorene Sohn ist weniger eine ,Everyman‘-Figur, denn nicht alle Verlorenen kehren zu ihrem Vater zurück; er ist vielmehr eine ,Everysaint‘-Figur, die uns zeigt, dass wir alle dazu berufen sind, unsere Sünden zu bekennen und unseren Glauben an den Einen zu bekennen, der die Sünden besiegt hat, die Er vergibt.“

 

Foto: (c) pixabay


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