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Der Kreuzweg mit Papst Leo

vor 7 Stunden in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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Die Texte in deutscher Übersetzung - Via Crucis Colosseo Rom - Karfreitag 2026


Rom (kath.net)

Einleitung

Die Via Dolorosa verläuft durch die Gassen der Altstadt von Jerusalem und lässt uns den Weg Jesu nachgehen: von der Stätte seiner Verurteilung bis zum Ort seiner Kreuzigung und seiner Grablegung, der auch der Ort seiner Auferstehung ist.

Der Weg ist nicht gesäumt von frommen und stillen Menschen. Wie zu Jesu Zeiten befinden wir uns in einer chaotischen, unruhigen und lauten Umgebung, inmitten von Menschen, die den Glauben an ihn teilen, aber auch von anderen, die ihn verspotten und beleidigen. So ist das Alltagsleben.

Der Kreuzweg ist nicht der Weg derer, die in einer steril frommen Welt und in abstrakter Andacht leben. Er wird vielmehr von denen praktiziert, die wissen, dass Glaube, Hoffnung und Liebe in der realen Welt konkrete Gestalt annehmen müssen, wo der Gläubige ständig herausgefordert ist und sich fortwährend die Vorgehensweise Jesu zu eigen machen muss.

Der heilige Franz von Assisi, dessen 800. Todestag wir dieses Jahr begehen, beschreibt unser christliches Leben mit den Worten des Apostels Petrus: Er erinnert uns daran, dass wir berufen sind, »den Fußspuren Christi zu folgen, der seinen Verräter Freund genannt und sich freiwillig seinen Kreuzigern überliefert hat« (vgl. NbR XXII, 2; vgl. 1 Pt 2,21). Der Poverello ermutigt uns, unseren Blick auf Jesus zu richten: »Geben wir Acht, wir Brüder alle, auf den guten Hirten, der, um seine Schafe zu retten, die Marter des Kreuzes erlitten hat« (Erm VI).

Lasst uns daher auf diesem Kreuzweg die Einladung des heiligen Franziskus annehmen und den Spuren Jesu zu folgen, und zwar nicht nur rituell oder intellektuell, sondern mit unserem ganzen Wesen und unserem ganzen Leben: »Bringt euch selber leibhaftig dar und tragt sein heiliges Kreuz und folgt bis zum Ende seinen heiligsten Geboten« (Off XV 13).

1. Station

Jesus wird zum Tode verurteilt

Aus dem Evangelium nach Johannes (19,9-11)

[Pilatus] ging wieder in das Prätorium hinein und fragte Jesus: Woher bist du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. Da sagte Pilatus zu ihm: Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen? Jesus antwortete ihm: Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat auch der eine größere Sünde, der mich dir ausgeliefert hat.

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (2Gl 28-29)

Die aber die Vollmacht erhalten haben, andere zu richten, sollen das Richteramt mit Erbarmen ausüben, wie sie selbst vom Herrn Erbarmen zu erhalten wünschen. Denn ein Gericht ohne Erbarmen wird über jene ergehen, die kein Erbarmen geübt haben.

In deinem Gespräch mit Pilatus, Jesus, entlarvst du jede menschliche Anmaßung. Auch heute gibt es Menschen, die glauben, absolute Macht zu haben, und meinen, diese nach Belieben gebrauchen und missbrauchen zu können. Deine Worte an den römischen Statthalter lassen keinen Raum für Zweideutigkeit: »Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre« (Joh 19,11).

Franz von Assisi, der einfach versucht hat, deinen Spuren zu folgen, erinnert uns daran, dass jede Obrigkeit vor Gott über die Art und Weise, wie sie die ihr übertragene Macht ausübt, Rechenschaft ablegen muss: die Macht zu richten, aber auch die Macht, einen Krieg zu beginnen oder zu beenden; die Macht, zur Gewalt oder zum Frieden zu erziehen; die Macht, das Verlangen nach Rache oder nach Versöhnung zu nähren; die Macht, die Wirtschaft zu nutzen, um Völker zu unterdrücken oder sie aus dem Elend zu befreien; die Macht, die Menschenwürde mit Füßen zu treten oder sie zu schützen; die Macht, das Leben zu fördern und zu verteidigen oder es abzulehnen und zu ersticken.

Auch ein jeder von uns ist aufgerufen, Rechenschaft über die Macht abzulegen, die er im Alltag ausübt. Du, Jesus, sagst zu jedem: Nutze die dir gegebene Macht gut und bedenke, dass du alles, was du einem Menschen antust, besonders wenn er klein und schwach ist, mir antust. Und mir wirst du eines Tages Rechenschaft dafür ablegen müssen.

Lasst uns beten: Erinnere mich, Jesus.

Dass du dich in jedem verurteilten Menschen wiedererkennst: Erinnere mich, Jesus.

Dass ich mich nicht von Vorurteilen leiten lassen darf: Erinnere mich, Jesus.

Dass die wahre Kraft die Kraft der Liebe ist: Erinnere mich, Jesus.

Dass Erbarmen über das Gericht triumphiert: Erinnere mich, Jesus.

Dass man sich für das Gute entscheiden muss, auch wenn es kostet: Erinnere mich, Jesus.

2. Station

Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

Aus dem Evangelium nach Johannes (19,14-17)

Es war Rüsttag des Paschafestes, ungefähr die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: Seht, euer König! Sie aber schrien: Hinweg, hinweg, kreuzige ihn! Pilatus sagte zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohepriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser. Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde. Sie übernahmen Jesus. Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt.

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (Erm V, 7-8)

Auch wenn du schöner und reicher wärest als alle und sogar Wunderwerke vollbrächtest, so dass du böse Geister vertriebest, dies alles ist nicht deinem Wesen entsprechend, und nichts gehört zu dir, und du kannst dich dessen in keiner Weise rühmen. Aber in dem Folgenden können wir uns rühmen: in unseren Schwachheiten, und indem wir täglich das heilige Kreuz unseres Herrn Jesus Christus tragen.

Das Wort „Kreuz” löst in uns eher Ablehnung als Verlangen aus. Wir geraten wohl eher in die Versuchung es zu meiden, als dass wir den Wunsch verspüren, es anzunehmen.

Jesus, ich bin gewiss, dass es auch so war, als man dir das Kreuz auf die Schultern legte. Denn in Getsemani hast du den Vater gebeten, diesen Kelch von dir zu nehmen, auch wenn du von ganzem Herzen seinen Willen erfüllen wolltest. Das Kreuz war die schrecklichste und schmerzhafteste Strafe, die Sklaven, unverbesserlichen Verbrechern und den von Gott Verfluchten vorbehalten war.

Und doch hast du es umarmt und auf deine Schultern genommen, und dann hast du dich von ihm tragen lassen. Nicht weil es schön oder begehrenswert gewesen wäre, sondern aus Liebe zu uns. Als du seine schwere Last auf dich genommen hast, wusstest du, dass du uns von der Last des Bösen befreist, das uns erdrückt, und dass du die Sünde auf dich nimmst, die unser Leben zerstört. Indem du das Kreuz umarmt und auf deine Schultern genommen hast, hast du unsere Schwachheit umarmt und die Last unseres Menschseins auf dich genommen. Du hast unsere Knechtschaft, unsere Verbrechen und auch unsere Verdammnis auf dich genommen.

Jesus, befreie uns, von der Angst vor dem Kreuz. Gib uns die Gnade, dir auf deinem Weg zu folgen und keinen anderen Ruhm zu haben als den deines Kreuzes.

Lasst uns beten: Herr, befreie uns.

Vom Verlangen nach menschlichem Ruhm: Herr, befreie uns.

Von der Versuchung, die Leidenden zu ignorieren: Herr, befreie uns.

Von der Sorge nur um uns selbst: Herr, befreie uns.

Von der Angst, uns in der Treue zu engagieren: Herr, befreie uns.

Von der Furcht und Ablehnung des Kreuzes: Herr, befreie uns.

3. Station

Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

Aus dem Evangelium nach Johannes (12,24-25)

Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (Erm XXII, 3)

Selig der Knecht, der nicht schnell bei der Hand ist, sich zu entschuldigen, und für ein Vergehen, an dem er keine Schuld hat, demütig Schmach und Tadel erträgt.

Dein Leben, Jesus, war ein ständiges Sich-Erniedrigen und Hinabsteigen. Obwohl du Gott bist, hast du dich entäußert, um Mensch zu werden. Du warst reich und bist arm geworden. Und am Ende deiner Sendung, als du die Last der gesamten Menschheit auf deinen Schultern trugst, bist du auf die harten Steine der Via Dolorosa gefallen, des Weges, den die zum Tode Verurteilten vor den Augen der Menschen von Jerusalem zurücklegten, die wie zu einem Spektakel herbeieilten.

Es ist die Vorwegnahme eines noch tieferen Abstiegs: des Abstiegs in das Reich der Unterwelt, des Hinabstürzens in das Geheimnis des Todes, in das wir alle am Ende dieses irdischen Lebens fallen. Du jedoch fällst wie das Weizenkorns in die Erde, das bereit ist zu sterben, um Frucht zu bringen.

Hilf auch uns, uns dafür zu entscheiden, unten zu bleiben, zu Füßen der anderen, statt zu versuchen, oben zu stehen und sie zu beherrschen. Hilf uns, den Weg der Demut auch aus der Erfahrung unseres Hinfallens und unserer Demütigungen zu lernen und die Beleidigungen und erlittenen Ungerechtigkeiten in Frieden zu ertragen.

Lass uns deine Nähe spüren, gerade und vor allem dann, wenn wir fallen; sei uns so nah, dass wir merken, dass du es bist, der uns wiederaufrichtet und uns weitergehen lässt. Und lass auch uns lernen, wie das Weizenkorn der Erde zu vertrauen, in dem Wissen, dass der Tod dank dir der Schoß des ewigen Lebens ist.

Lasst uns beten: Richte uns wieder auf, Jesus.

Wenn wir aufgrund unserer Schwachheit fallen: Richte uns wieder auf, Jesus.

Wenn wir stürzen, weil uns jemand zu Fall bringt: Richte uns wieder auf, Jesus.

Wenn wir aufgrund falscher Entscheidungen fallen: Richte uns wieder auf, Jesus.

Wenn wir in Verzweiflung fallen: Richte uns wieder auf, Jesus.

Wenn wir hinabsinken in das Geheimnis des Todes: Richte uns wieder auf, Jesus.

4. Station

Jesus begegnet seiner Mutter

Aus dem Evangelium nach Johannes (19,25-27)

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.


Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (BR VI, 8)

Und zuversichtlich soll einer dem anderen seine Not offenbaren; denn wenn schon eine Mutter ihren leiblichen Sohn nährt und liebt, um wie viel sorgfältiger muss einer seinen geistlichen Bruder lieben und nähren?

Es ist für gewöhnlich so, dass die Mutter am Anfang unseres Lebens da ist. Es ist nicht gewöhnlich, dass die Mutter an unserer Seite ist, wenn die Zeit zu sterben gekommen ist, denn das bedeutet, dass uns das Leben entrissen wurde: durch eine Krankheit, einen Unfall, Gewalt, Verzweiflung. Maria, die Frau, die dich, Jesus, geboren hat, begleitet dich auch auf deinem Weg nach Golgota und steht mit dir unter dem Kreuz.

Du bittest sie, weiterhin Frucht zu bringen und Mutter des geliebten Jüngers, eines jeden von uns, der Kirche und dieser neuen Menschheit zu sein, die gerade in der Stunde geboren wird, in der du das Leben hingibst und stirbst. In der feierlichsten Stunde deiner Sendung und bevor du alles vollendest, bittest du zuerst sie, jeden von uns anzunehmen; und erst danach bittest du uns, sie aufzunehmen. Denn die Mutter kommt immer zuvor. Bei der Hochzeit zu Kana ist sie sogar dir zuvorgekommen.

Maria, sieh mit zärtlichem Blick auf einen jeden von uns, aber vor allem auf die vielen, zu vielen Mütter, die auch heute, wie du, mitansehen müssen, dass ihre Kinder verhaftet, gefoltert, verurteilt und getötet werden. Sieh voll Liebe auf die Mütter, die mitten in der Nacht durch eine schreckliche Nachricht geweckt werden, und auf jene, die im Krankenhaus an der Seite ihres sterbenden Kindes wachen. Und schenke uns ein mütterliches Herz, damit wir das Leid anderer verstehen und mittragen können und auch auf diese Weise lernen, was es bedeutet, zu lieben.

Lasst uns beten: Tröste sie, o Mutter.

Die Mütter, die ihre Kinder verloren haben: Tröste sie, o Mutter.

Die Waisen, insbesondere die Kriegswaisen: Tröste sie, o Mutter.

Die Migranten, Vertriebenen und Flüchtlinge: Tröste sie, o Mutter.

Diejenigen, die Folter und ungerechte Strafen erleiden: Tröste sie, o Mutter.

Die Verzweifelten, die den Sinn des Lebens verloren haben: Tröste sie, o Mutter.

Jene, die allein sterben: Tröste sie, o Mutter.

5. Station

Simon von Kyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

Aus dem Evangelium nach Markus (15,21)

Einen Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Kyrene, den Vater des Alexander und des Rufus, zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (Erm XVIII, 1)

Selig der Mensch, der seinen Nächsten in dessen Gebrechlichkeit genauso unterstützt, wie er von ihm gestützt werden möchte, wenn er in ganz ähnlicher Lage wäre.

Simon von Kyrene war kein Freiwilliger. Er hat sich nicht freiwillig deiner angenommen, Jesus, um dir beim Tragen des Kreuzes zu helfen. Wahrscheinlich wusste er kaum, wer du warst. Doch als er dir beim Tragen des Kreuzes half, veränderte sich etwas in ihm, sodass er seinen Söhnen Alexander und Rufus die tiefe Bedeutung dieses gemeinsamen Weges mit dir vermittelte und sie zu Zeugen deiner Auferstehung in der ersten christlichen Gemeinschaft wurden.

Auch heute gibt es überall auf der Welt viele Menschen, die sich dafür entscheiden, anderen etwas Gutes zu tun. Es gibt Tausende von Freiwilligen, die in Extremsituationen ihr Leben riskieren, um denen zu helfen, die Nahrung, Bildung, medizinische Versorgung und Gerechtigkeit brauchen. Viele von ihnen glauben nicht einmal an dich, und doch helfen sie dir weiterhin, wenn auch unbewusst, das Kreuz zu tragen, und während sie sich um andere Menschen aus Fleisch und Blut kümmern, kümmern sie sich in Wirklichkeit – noch einmal – um dich.

Herr, lass auch uns lernen, unseren Mitmenschen jene Unterstützung zu geben, die wir uns selbst wünschen würden, wenn wir in derselben Situation wären. Hilf uns, einfühlsame und mitfühlende Menschen zu sein, nicht mit Worten, sondern in Tat und Wahrheit.

Lasst uns beten: Herr, lass uns aufmerksam sein.

Für die Menschen, denen wir begegnen: Herr, lass uns aufmerksam sein.

Für die Armen, die Leidenden und die Ausgegrenzten: Herr, lass uns aufmerksam sein.

Für jene, die allein sind und ohne Fürsorge: Herr, lass uns aufmerksam sein.

Für jene, die zurückbleiben und fallen: Herr, lass uns aufmerksam sein.

Für jene, die kein Gehör finden: Herr, lass uns aufmerksam sein.

6. Station

Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Aus dem Evangelium nach Johannes (12,20-21)

Unter den Pilgern, die beim Fest Gott anbeten wollten, gab es auch einige Griechen. Diese traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und baten ihn: Herr, wir möchten Jesus sehen.

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (Vat 4)

Dein Reich komme: damit du in uns durch die Gnade herrschst und uns in dein Reich kommen lässt, wo ist die unverhüllte Anschauung deiner selbst, die vollkommene Liebe zu dir, die selige Gemeinschaft mit dir, das ewige Genießen deiner selbst.

Derjenige, den die Psalmen als den »Schönsten von allen Menschen« (Ps 45,3) besungen hatten, trägt nun die Züge des von Jesaja verheißenen leidenden Gottesknechts: Er hatte »keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm« (Jes 53,2).

Veronika ist die Hüterin deines Bildes, Jesus. Sie hat es dank jener Geste der Nächstenliebe erhalten – als sie dein mit Blut und Staub bedecktes Gesicht getrocknet hat. Veronika hinterlässt uns als Erinnerung nicht ein gestelltes Bild, sondern das Bild des Schmerzensmannes, der uns durch seine Wunden geheilt hat.

Hilf uns, Jesus, dass wir den Wunsch hegen, dein Antlitz zu schauen. Schenke uns die Gnade, die du den Aposteln gewährt hast, dich strahlend und verklärt zu sehen. Schenke uns aber vor allem den aufmerksamen Blick der Veronika, der dich auch in deiner entstellten Schönheit zu erkennen vermag. Und mache uns fähig, heute dein Gesicht zu trocknen, das noch immer mit Staub und Blut bedeckt ist, und durch jede Handlung, die die Würde eines Menschen mit Füßen tritt, entstellt wird.

Lasst uns beten: Hilf uns, dich zu erkennen, Jesus.

Wenn dein Antlitz entstellt ist: Hilf uns, dich zu erkennen, Jesus.

In jedem vorverurteilten Menschen: Hilf uns, dich zu erkennen, Jesus.

Im Armen, dem seine Würde genommen wurde: Hilf uns, dich zu erkennen, Jesus.

In den Frauen, die Opfer von Menschenhandel sind

und versklavt werden: Hilf uns, dich zu erkennen, Jesus.

In den Kindern, denen die Kindheit geraubt wurde

und deren Zukunft schon beschädigt ist: Hilf uns, dich zu erkennen, Jesus.

7. Station

Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Aus dem Evangelium nach Johannes (13,3-5)

Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (NbR V, 13-14)

Und kein Bruder soll einem anderen Böses tun oder Böses sagen. Ja, vielmehr sollen sie durch die Liebe des Geistes einander freiwillig dienen und gehorchen.

Dein ganzes Leben, Jesus, war ein beständiges Sich-Herabbeugen und Sich-Erniedrigen. Als du den Jüngern beim letzten Abendmahl die Füße gewaschen hast, hast du ein Beispiel, eine Lehre und eine Prophezeiung hinterlassen: das Beispiel des Dienens, die Lehre der geschwisterlichen Liebe und die Prophezeiung der Lebenshingabe. Franz von Assisi war von deiner Demut so tief beeindruckt, dass er uns empfohlen hat, einander die Füße zu waschen, also stets bereit zu sein, unseren Brüdern und Schwestern zu dienen. Und er wollte, dass ihm dieses Evangelium am Abend des 3. Oktober vor achthundert Jahren, kurz vor seinem Tod, vorgelesen wurde.

In deiner Liebe bis zur Vollendung, bis hin zur Hingabe deines Lebens für uns, ist bereits die Prophezeiung deiner Auferstehung enthalten, weil eine so große Liebe stärker ist als der Tod. Eine so große Liebe offenbart den letzten Sinn des Liebens: uns in das Leben Gottes zu führen.

Wenn du fällst, Jesus, tust du es, um uns aufzuhelfen, wo wir fallen. Wenn du fällst, tust du es, um diejenigen wiederaufzurichten, die zu Boden gedrückt werden durch Ungerechtigkeit, Lügen, jede Form von Ausbeutung und jede Art von Gewalt, durch das Elend, das eine Wirtschaft verursacht, die statt auf das Gemeinwohl bloß auf den individuellen Profit ausgerichtet ist. Wenn du fällst, tust du es, um auch mich wiederaufzurichten.

Lasst uns beten: Herr, richte uns wieder auf.

Wenn uns unsere Fehler erdrücken: Herr, richte uns wieder auf.

Wenn uns die Last der Verantwortung bedrückt: Herr, richte uns wieder auf.

Wenn wir in Depressionen verfallen: Herr, richte uns wieder auf.

Wenn wir unsere Entscheidungen nicht durchhalten: Herr, richte uns wieder auf.

Wenn wir in den Sog einer Sucht geraten: Herr, richte uns wieder auf.

8. Station

Jesus begegnet den weinenden Frauen

Aus dem Evangelium nach Lukas (23,27-31)

Es folgte ihm eine große Menge des Volkes, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Töchter Jerusalems, weint nicht über mich; weint vielmehr über euch und eure Kinder! Denn siehe, es kommen Tage, da wird man sagen: Selig die Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben. Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns! und zu den Hügeln: Deckt uns zu! Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (Vat 5)

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden: damit wir dich lieben aus ganzem Herzen, indem wir immer an dich denken; aus ganzer Seele, indem wir immer nach dir verlangen; aus ganzem Gemüte, indem wir all unser Streben zu dir hinlenken und deine Ehre in allem suchen; und aus allen unseren Kräften, indem wir alle unsere Kräfte und Empfindungen der Seele und des Leibes zum Gehorsam gegen deine Liebe und für nichts anderes aufbieten. Und damit wir unsere Nächsten wie uns selbst lieben, indem wir alle nach Kräften zu deiner Liebe hinziehen, uns über das Gute der anderen wie über das unsrige freuen und in Widerwärtigkeiten Mitleid mit ihnen haben und niemanden irgendwie beleidigen.

Jesus, die Frauen sind dir vom Beginn deiner Verkündigung an stets gefolgt und haben dir zur Seite gestanden. Auch jetzt sind sie da, auch unter dem Kreuz. Wo Leid oder Not herrscht, sind die Frauen zur Stelle: in Krankenhäusern und Altenheimen, in therapeutischen Gemeinschaften und Aufnahmeeinrichtungen, in Heimen mit besonders schutzbedürftigen Minderjährigen, in den entlegensten Außenposten der Mission, wo sie Schulen und Krankenstationen aufbauen, in Kriegs- und Konfliktgebieten, wo sie Verwundeten helfen und Überlebenden Trost spenden.

Die Frauen haben dich ernst genommen; sie haben auch diese harten Worte von dir ernst genommen: Seit Jahrhunderten weinen sie um sich selbst und um ihre Kinder, die etwa während einer Demonstration abgeführt und inhaftiert werden, die deportiert werden aufgrund einer Politik die kein Mitleid kennt, die auf verzweifelten Reisen der Hoffnung Schiffbruch erleiden, die in Kriegsgebieten niedergemetzelt werden, die in Vernichtungslagern ausgelöscht werden.

Die Frauen weinen immer noch. Schenk auch einem jeden von uns, Herr, ein mitfühlendes Herz, ein mütterliches Herz und die Fähigkeit, das Leiden anderer als unser eigenes zu empfinden. Schenk uns weiterhin Tränen, Herr, damit sich unser Gewissen nicht im Nebel der Gleichgültigkeit auflöst und damit wir weiterhin menschlich bleiben.

Lasst uns beten: Schenke uns Tränen, Herr.

Um über die Verwüstungen der Kriege zu weinen:

Schenke uns Tränen, Herr.

Um über die Massaker und Völkermorde zu weinen:

Schenke uns Tränen, Herr.

Um mit den Müttern und Ehefrauen zu weinen:

Schenke uns Tränen, Herr.

Um über den Zynismus herrischer Menschen zu weinen:

Schenke uns Tränen, Herr.

Um über unsere Gleichgültigkeit zu weinen:

Schenke uns Tränen, Herr.

9. Station

Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Aus dem Evangelium nach Johannes (14,6-7)

Jesus sagte zu [Thomas]: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (NbR XXIII, 3)

Und wir sagen dir Dank, weil du, gleichwie du uns durch deinen Sohn erschaffen hast, so durch deine wahre und heilige Liebe, mit der du uns geliebt hast, ihn selbst als wahren Gott und wahren Menschen aus der glorreichen, seligsten, immerwährenden Jungfrau, der heiligen Maria, hast geboren werden lassen, und weil du durch sein Kreuz und sein Blut und seinen Tod uns, die gefangen waren, hast erlösen wollen.

Du bist »geboren für uns am Weg« (Hl. Franziskus, Off XV, 7) und fällst nun zum dritten Mal auf deinem Leidensweg, der dich nach Golgota führt.

Dein dreimaliges Fallen erinnert uns daran, dass es für uns kein Fallen gibt, bei dem du nicht an unserer Seite bist. Ja, denn du bist bei all unserer Schwachheit an unserer Seite und du kannst und willst uns von jedem unserer Stürze wiederaufrichten, weil du möchtest, dass wir alle gemeinsam mit dir zum Vater gelangen und zum Leben finden, zum wahren, ewigen Leben, das uns niemand mehr wird nehmen können.

Auf dem Weg in deinen Spuren spielt es keine Rolle, wie oft wir fallen, es zählt nur, dass du an unserer Seite bleibst und bereit bist, uns noch ein Mal wiederaufzurichten, unzählige Male, weil deine Liebe, deine Vergebung und deine Barmherzigkeit unendlich größer sind als unsere Schwachheit.

Hilf uns in unserem Unglauben und schenk uns die Gnade, darauf vertrauen zu können, dass du uns wiederaufrichten kannst.

Lasst uns beten: Nimm uns in deinen Dienst, Jesus.

Um alle wieder aufzurichten, die fallen:

Nimm uns in deinen Dienst, Jesus.

Um jene wieder aufzurichten, die am Boden liegen bleiben:

Nimm uns in deinen Dienst, Jesus.

Um die Schwächsten wieder aufzurichten:

Nimm uns in deinen Dienst, Jesus.

Um jene wieder aufzurichten, von denen wir denken, dass sie „selber schuld sind ”:

Nimm uns in deinen Dienst, Jesus.

Um jene wieder aufzurichten, die scheinbar nicht mehr zu retten sind:

Nimm uns in deinen Dienst, Jesus.

10. Station

Jesus wird seiner Kleider beraubt

Aus dem Evangelium nach Johannes (19,23-24)

Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, und dazu das Untergewand. Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben. Da sagten sie zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies taten die Soldaten.

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (Ord, 28-29)

Seht, Brüder, die Demut Gottes und schüttet vor ihm eure Herzen aus! Erniedrigt auch ihr euch, damit ihr von ihm erhöht werdet! Behaltet darum nichts von euch für euch zurück, damit euch ganz aufnehme, der sich euch ganz hingibt!

Du selbst, Jesus, hast beschlossen, die göttliche Herrlichkeit abzulegen, um »das wirkliche Fleisch unserer Menschlichkeit und Gebrechlichkeit« (Hl. Franziskus, 2Gl 4) anzunehmen. Und nun werden dir die Kleider vom Leib gerissen, bei dem grausamen Versuch dich zu demütigen und dich auch deiner menschlichen Würde zu berauben.

Dieser Versuch wird auch in unseren Tagen ständig unternommen, etwa von autoritären Regimen, wenn sie Gefangene zwingen, halbnackt in einer kahlen Zelle oder auf einem Hof auszuharren. Folterer unternehmen ihn, die sich nicht darauf beschränken, die Kleidung wegzureißen, sondern auch Haut und Fleisch. Er wird von denen unternommen, die Formen der Leibesvisitation und Kontrolle anordnen und anwenden, die die Würde des Menschen nicht respektieren. Er wird von Vergewaltigern und Missbrauchstätern unternommen, die ihre Opfer wie Gegenstände behandeln. Er wird von der Unterhaltungsindustrie unternommen, wenn sie Nacktheit zur Schau stellt, um ein paar Zuschauer mehr zu gewinnen. Er wird unternommen im Bereich der Information, wenn Menschen vor der Öffentlichkeit bloßgestellt werden. Und manchmal machen auch wir das, mit unserer Neugier, die weder Scham oder Intimität noch die Privatsphäre anderer respektiert.

Erinnere uns daran, Herr, dass sich jedes Mal, wenn wir die Würde anderer nicht anerkennen, unsere eigene Würde trübt, und dass wir jedes Mal, wenn wir unmenschliches Verhalten gegenüber einem Menschen billigen oder praktizieren, selbst weniger menschlich werden.

Lasst uns beten: Bekleide uns, Jesus.

Mit deiner unendlichen Demut:

Bekleide uns, Jesus.

Mit Respekt für jeden Menschen:

Bekleide uns, Jesus.

Mit der Empfindung des Mitgefühls:

Bekleide uns, Jesus.

Mit einem neuen Gefühl für Scham:

Bekleide uns, Jesus.

Mit der Kraft, die Würde jedes Menschen zu verteidigen:

Bekleide uns, Jesus.

11. Station

Jesus wird ans Kreuz genagelt

Aus dem Evangelium nach Johannes (19,17-19)

Und [Jesus] selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte aber Jesus. Pilatus ließ auch eine Tafel anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden.

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (Sonn 8)

Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen und Krankheit ertragen und Drangsal. Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.

Indem du wie ein Verbrecher ans Kreuz genagelt wirst, aber mit einem Titel, der deine Königswürde offenbart, zeigst du uns, o Jesus, was wahre Macht ist. Nicht die Macht derer, die glauben, über das Leben anderer verfügen zu können, indem sie sie töten, sondern die Macht dessen, der den Tod tatsächlich besiegen kann, indem er Leben gibt, und der Leben auch geben kann, wenn er den Tod annimmt. Du zeigst, dass nicht diejenigen wahrhaft mächtig sind, die sich mit Stärke und Gewalt durchsetzen, sondern diejenigen, die fähig sind, das Böse im Menschen, unsere Bosheit, meine Bosheit auf sich zu nehmen; und die es mit der Kraft der Liebe, die sich in der Vergebung offenbart, zunichtemachen. Du bist König und herrscht vom Kreuz aus: Du bedienst dich nicht der scheinbaren Macht von Armeen, sondern der scheinbaren Ohnmacht der Liebe, die sich ans Kreuz nageln lässt. Du bist König, und dein Kreuz wird zur Achse, um die sich die Geschichte und das ganze Universum drehen, sodass sie nicht abstürzen in die Hölle der Unfähigkeit zu lieben.

Du, der gekreuzigte König, erinnerst uns daran, dass auch wir lernen müssen, um deiner Liebe willen zu vergeben und die Schwierigkeiten des Lebens friedlich zu ertragen, wenn wir an deinem Königtum teilhaben wollen, denn es ist nicht die Liebe zur Macht, die siegt, sondern die Macht der Liebe.

Lasst uns beten: Lehre uns zu lieben.

Wenn wir Ungerechtigkeit erleiden:

Lehre uns zu lieben.

Wenn wir nach Rache dürsten:

Lehre uns zu lieben.

Wenn wir von der Gewalt versucht werden:

Lehre uns zu lieben.

Wenn wir Vergebung für unmöglich halten:

Lehre uns zu lieben.

Wenn wir uns gekreuzigt fühlen:

Lehre uns zu lieben.

12. Station

Jesus stirbt am Kreuz

Aus dem Evangelium nach Johannes (19,28-30)

Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. Ein Gefäß voll Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (2Gl 11-13)

Dieses Vaters Willen war der, dass sein gebenedeiter und glorreicher Sohn, den er uns geschenkt hat und der für uns geboren wurde, sich selbst durch sein eigenes Blut als Opfer und Gabe auf dem Altar des Kreuzes darbringen sollte; nicht seinetwegen, durch den alles geschaffen ist, sondern für unsere Sünden, indem er uns ein Beispiel hinterließ, damit wir seinen Fußspuren folgen.

„Es ist vollbracht.“ Das bedeutet nicht, dass alles vorbei ist, sondern dass deine Sendung der Menschwerdung, o Jesus, an ihr Ziel gelangt ist. Du hast den Auftrag erfüllt, den dir der Vater anvertraut hat, und nun kannst du zu ihm zurückkehren und uns mitnehmen.

Von nun an wissen wir, dass wir, wenn wir uns zu dir hinziehen lassen und unseren Blick zu dir erheben, vor demjenigen stehen, der uns versöhnt, der unsere „Schuld” tilgt, der uns in das Heiligtum führt, das das Leben Gottes ist. Wir stehen vor dem, der uns durch die Verwirklichung des Ziels der Menschwerdung die Möglichkeit gibt, den tiefen Sinn unseres eigenen Lebens zu verwirklichen: nämlich Kinder Gottes zu werden, Gottes Meisterwerk zu sein.

Hilf uns, Herr, das Geschenk des Heiligen Geistes anzunehmen, den du bereits in der Stunde deines Todes am Kreuz über uns ausgegossen hast, und lass auch uns zusammen mit dir aus dieser Welt zum Vater hinübergehen.

Lasst uns beten: Schenke uns deinen Geist, Herr.

Damit wir neue Geschöpfe werden und in Gott leben:

Schenke uns deinen Geist, Herr.

Damit wir erfahren, dass unsere Schuld getilgt ist:

Schenke uns deinen Geist, Herr.

Damit wir „Abba, Vater” sagen können:

Schenke uns deinen Geist, Herr.

Damit wir jeden Menschen als Bruder und Schwester annehmen:

Schenke uns deinen Geist, Herr.

Damit wir den letzten Sinn des Lebens erkennen:

Schenke uns deinen Geist, Herr.

13. Station

Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt

Aus dem Evangelium nach Johannes (19,38-39)

Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund.

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (Sonn 9)

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod; ihm kann kein Mensch lebend entrinnen. Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben. Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Jesus ist soeben gestorben, und schon beginnt sein Tod erste Früchte zu tragen. Josef von Arimathäa und Nikodemus, die nur heimlich Jünger Jesu waren, weil sie Angst hatten sich einer Gefahr auszusetzen, finden jetzt den Mut, zu Pilatus zu gehen und um Jesu Leichnam zu bitten. Damit vollbringen sie eine Geste menschlichen Erbarmens, nämlich einen Verurteilten vom Kreuz abzunehmen und ihn mit Würde und Anstand zu bestatten.

Es sollte niemals Leichname geben, die nicht herausgegeben und nicht beerdigt werden: Die Mütter, Verwandten und Freunde von Verurteilten sollten niemals gezwungen sein, sich vor der Obrigkeit zu demütigen, um die geschundenen Überreste eines Angehörigen zurückzuerhalten. Auch der Leichnam eines Verstorbenen behält seine Menschenwürde und darf nicht verhöhnt, versteckt, vernichtet, nicht zurückgegeben werden oder ohne reguläre Bestattung verbleiben. Nicht nur der Leib eines ehrbaren Menschen, sondern auch der eines Verbrechers verdient Achtung.

Jesus, du wurdest zu Unrecht gefangen genommen, gefoltert, gerichtet, für schuldig befunden und getötet, aber dein Leib wurde herausgegeben und geehrt; lass unsere Zeit, die den Respekt für die Lebenden verloren hat, zumindest die Achtung vor den Toten bewahren.

Lasst uns beten: Lehre uns Mitleid.

Um das Leid von Gefangenen zu spüren:

Lehre uns Mitleid.

Um mit politischen Gefangenen solidarisch zu sein:

Lehre uns Mitleid.

Um Familienangehörige von Geiseln zu verstehen:

Lehre uns Mitleid.

Um die Toten unter den Trümmern zu beklagen:

Lehre uns Mitleid.

Um Achtung vor allen Verstorbenen zu haben:

Lehre uns Mitleid.

14. Station

Der heilige Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt

Aus dem Evangelium nach Johannes (19,40-42)

[Josef aus Arimathäa und Nikodemus] nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.

Aus den Schriften des heiligen Franz von Assisi (2Gl 61-62)

Um seinetwillen aber, der so Schweres für uns erduldet und uns so viel Gutes erwiesen hat und in Zukunft erweisen wird, soll jegliche Kreatur, die im Himmel, auf der Erde, im Meer und in den Tiefen ist, Gott Lob, Herrlichkeit, Ehre und Preis erweisen, weil er unsere Kraft und Stärke ist, er, der allein gut ist, allein der Höchste, allein allmächtig, bewundernswert, herrlich und allein heilig, lobwürdig und gepriesen durch die unendlichen Ewigkeiten der Ewigkeiten. Amen.

Alles begann in einem Garten, im Garten Eden, den die Stammeltern als Geschenk erhalten hatten und den sie bewahren sollten und aus dem sie verbannt wurden, weil sie Gott nicht vertrauten. Alles beginnt erneut in einem Garten, in dem Jesus begraben und wieder auferweckt wurde: an einem Ort, an dem sich die alte, geschwächte und sterbliche Schöpfung in eine neue Schöpfung verwandelt, die am Leben Gottes selbst teilhat. Dieser Ort ist das Tor, durch das Jesus in die Unterwelt hinabgestiegen ist, und er ist der Eingang zum Paradies, das nicht mehr irdisch und vergänglich, sondern himmlisch und endgültig ist. Dies ist der Ort der letzten Geste des Erbarmens und der letzten Tränen, die über dem Leichnam Christi vergossen wurden. Es ist der Ort der ersten Begegnung mit ihm, dem Auferstandenem, der nun für immer lebt und nur erkennbar ist, wenn er uns beim Namen ruft oder uns die Augen öffnet, und den man nicht festhalten kann. Es ist der Ort, an dem Maria von Magdala den Auftrag erhält, zu verkünden, dass der Tod besiegt ist, weil Jesus von Nazaret nun auferstanden ist, dass er der Herr ist, der Lebendige, der nicht mehr sterben kann.

Seitdem werden auch wir – dank der Taufe – zusammen mit Jesus in eben jenem Garten begraben, in der sicheren Hoffnung, dass derjenige, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch unseren sterblichen Leibern Leben schenken wird durch seinen Geist, der in uns wohnt (vgl. Röm 8,11). Wir danken dir, Herr, weil du unserer Hoffnung auf das ewige Leben einen sicheren Grund gegeben hast.

Lasst uns beten: Komm, Herr Jesus.

Um wieder mit uns im Garten zu wandeln:

Komm, Herr Jesus.

Um die Tränen von unseren Augen abzutrocknen:

Komm, Herr Jesus.

Um uns eine sichere Hoffnung zu schenken:

Komm, Herr Jesus.

Um den Stein wegzurollen, der unser Herz bedrückt:

Komm, Herr Jesus.

Um uns das Paradies erahnen zu lassen:

Komm, Herr Jesus.

HEILIGER VATER:

Schlussgebet und Segen

Machen wir uns am Ende dieses Kreuzwegs das Gebet zu eigen, mit dem der heilige Franziskus uns einlädt, uns in unserem Leben immer tiefer in jene Liebesbeziehung mithineinnehmen zu lassen, die den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist vereint.

Allmächtiger, ewiger, gerechter und barmherziger Gott, verleihe uns Elenden, um deiner selbst willen das zu tun, von dem wir wissen, dass du es willst, und immer zu wollen, was dir gefällt, damit wir, innerlich geläutert, innerlich erleuchtet und vom Feuer des Heiligen Geistes entflammt, den Fußstapfen deines geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, folgen können und allein durch deine Gnade zu dir, Allerhöchster, zu gelangen vermögen, der du in vollkommener Dreifaltigkeit und einfacher Einheit lebst und herrschst und verherrlicht wirst als allmächtiger Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen (Ord 50-52).

Schließen wir mit jenem alten biblischen Segen (vgl. Num 6,24-26), mit dem der heilige Franziskus gewöhnlich die Brüder und alle Menschen segnete, sodass er zu „seinem” Segen wurde (vgl. SegLeo).

Der Herr sei mit euch.

℟. Und mit deinem Geiste.

Der Herr segne euch und behüte euch.

℟. Amen.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten und sei euch gnädig.

℟. Amen.

Er wende euch sein Antlitz zu und schenke euch seinen Frieden.

℟. Amen.

Das gewähre euch der dreieinige Gott,

der ✠ Vater und der ✠ Sohn und der ✠ Heilige Geist.

℟. Amen.


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Lesermeinungen

 Versusdeum vor 6 Stunden 
 

Das wunderbare Miserere von Allegri

wurde über 200 Jahre lang in der Sixtinischen Kapelle in der Karwoche gesungen:

www.youtube.com/watch?v=IA88AS6Wy_4


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