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Die Kirche als sichtbares und geistliches Geheimnis

4. März 2026 in Aktuelles, 1 Lesermeinung
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Leo XIV. über das Wesen der Kirche im Licht von Lumen gentium. Die Einheit von menschlicher und göttlicher Dimension der Kirche. Ihre ‚komplexe Wirklichkeit‘. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Wir aber wollen, von der Liebe geleitet, die Wahrheit bezeugen und in allem auf ihn hin wachsen. Er, Christus, ist das Haupt. Von ihm her wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt durch jedes Gelenk. Jedes versorgt ihn mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und baut sich selbst in Liebe auf“ (Eph 4,15-16).

Im Rahmen der Katechesenreihe zu den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils bei der  Generalaudienz setzte Papst Leo XIV. die Auslegung der dogmatischen Konstitution Lumen gentium über die Kirche fort. Der Blick richtete sich auf das erste Kapitel, in dem das Konzil die Frage nach dem Wesen der Kirche behandelte und sie als „eine komplexe Wirklichkeit“ bezeichnete, die aus menschlichem und göttlichem Element zusammenwächst (vgl. Lumen gentium, 8). Von dort aus stellte sich die Frage, worin diese Komplexität bestehe.

Diese Komplexiztät liege nicht darin, dass die Kirche „kompliziert“, schwer erklärbar oder lediglich eine Institution mit zweitausendjähriger Geschichte sei. Der lateinische Begriff verweise vielmehr auf die geordnete Einheit verschiedener Dimensionen innerhalb ein und derselben Wirklichkeit. Deshalb könne das Konzil feststellen, dass die Kirche ein gegliederter Organismus sei, in dem die menschliche und die göttliche Dimension ohne Vermischung und ohne Trennung miteinander verbunden seien (vgl. Lumen gentium, 8): „Wie nämlich die angenommene Natur dem göttlichen Wort als lebendiges, ihm unlöslich geeintes Heilsorgan dient, so dient auf eine ganz ähnliche Weise das gesellschaftliche Gefüge der Kirche dem Geist Christi, der es belebt, zum Wachstum seines Leibes“.


Zunächst erscheine die menschliche Dimension deutlich erkennbar. Die Kirche sei eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die Freude und Mühe des Christseins teilten, mit ihren Gaben und Begrenzungen, indem sie das Evangelium verkündeten und zum Zeichen der Gegenwart Christi würden, der den Weg des Lebens begleite. Diese sichtbare und auch institutionelle Gestalt genüge jedoch nicht, um das wahre Wesen der Kirche zu erfassen. Neben der menschlichen Dimension bestehe eine göttliche Wirklichkeit, die nicht in einer idealen Vollkommenheit ihrer Glieder bestehe, sondern darin, dass die Kirche aus dem Liebesplan Gottes hervorgegangen sei, der in Christus verwirklicht worden sei. So sei die Kirche zugleich irdische Gemeinschaft und mystischer Leib Christi, sichtbare Versammlung und geistliches Geheimnis, geschichtliche Wirklichkeit und pilgerndes Gottesvolk auf dem Weg zum Himmel (vgl. Lumen gentium, 8; Katechismus der Katholischen Kirche, 771).

Beide Dimensionen stünden nicht nebeneinander, sondern bildeten eine Einheit. Die Kirche lebe in dieser paradoxen Spannung als Wirklichkeit, die menschlich und göttlich zugleich sei, die den sündigen Menschen aufnehme und ihn zu Gott führe. Zur Veranschaulichung verwies der Papst auf das Leben Jesu. Wer ihm auf den Straßen Palästinas begegnet sei, habe seine Menschlichkeit erfahren, seinen Blick, seine segnenden Hände, seine Stimme. Wer ihm folgte, sei von dieser konkreten Begegnung angezogen worden. Zugleich habe sich in diesem Menschen Gott selbst gezeigt, denn „die Menschheit Christi, sein Antlitz, seine Gesten und seine Worte machen den unsichtbaren Gott sichtbar“.

Von dieser Wirklichkeit Christi aus richtete Leo XIV. den Blick erneut auf die Kirche. Wer sie aus der Nähe betrachte, entdecke eine menschliche Dimension aus konkreten Personen, die das Evangelium lebten und zugleich ihre Grenzen trügen. Dennoch werde gerade durch diese Glieder und durch ihre geschichtliche Gestalt die Gegenwart Christi und sein Heilswirken offenbar. In diesem Zusammenhang verwies der Papst auf ein Wort von Benedikt XVI., wonach es keinen Gegensatz zwischen Evangelium und Institution gebe. Vielmehr dienten die Strukturen der Kirche der „Verwirklichung und die konkreten Umsetzung des Evangeliums in unserer Zeit“ (Ansprache an die Bischöfe der Schweiz, 9. November 2006). Eine ideale, reine und von der Geschichte getrennte Kirche gebe es nicht, sondern nur die eine Kirche Christi, die in der Geschichte Gestalt angenommen habe.

In dieser Wirklichkeit bestehe die Heiligkeit der Kirche: Christus wohne in ihr und schenke sich durch die Begrenztheit und Zerbrechlichkeit ihrer Glieder. Darin werde das Handeln und die „Methode“ Gottes sichtbar, der sich durch die Schwachheit der Geschöpfe zeige und wirke. In diesem Zusammenhang wurde an ein Wort von Papst Franziskus erinnert, das in Evangelii gaudium festgehalten ist: „Alle sollen stets lernen, vor dem heiligen Boden des anderen sich die Sandalen von den Füßen zu streifen (vgl. Ex 3,5)“ (Evangelii gaudium, 169).

Die Kirche werde daher nicht nur durch äußere Organisation aufgebaut, sondern durch die innere Gemeinschaft und die Liebe, das geistliche Haus, die den Leib Christi formten. Die Liebe bringe die Gegenwart des Auferstandenen hervor. In diesem Zusammenhang verwies Leo XIV. auf ein Wort des heiligen Augustinus von Hippo: „Der Himmel gebe, dass alle nur auf die Liebe achten; denn sie allein besiegt alles, und ohne sie gilt alles nichts; wo sie sich findet, zieht sie alles an sich“ (Sermo 354,6,6).

So erschien die Kirche als Wirklichkeit, in der sich die Einheit von göttlichem Handeln und menschlicher Geschichte vollzieht, als Leib Christi in der Zeit und als Zeichen der Gegenwart Gottes unter den Menschen.

Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum, begrüße der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Mit Freude heiße ich die Pilger deutscher Sprache willkommen. Wir wollen diese Fastenzeit im Geist der Buße und der Umkehr fortsetzen und Gottes Barmherzigkeit und Frieden für uns und für die ganze Welt erflehen.

Foto (c) Vatican Media

 


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