Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Papst an Ministranten: Denkt über Priesterberuf nach
  2. Offensichtlich geht es heute auch ohne Religion
  3. Lebensschutz ist und bleibt ein Kernthema für Christen
  4. Ist der Begriff „Neger“ mit dem des „parasitären Zellhaufens“ verfassungsrechtlich vergleichbar?
  5. Papst Leo an Politiker: Man kann nicht katholisch sein und gleichzeitig für Abtreibung sein
  6. USA werden im Jahr 2100 ein katholisches Land sein
  7. Großbritannien: Junge Menschen kehren in die Kirchen zurück
  8. Papst Leo XIV. betet für die Opfer des Attentats auf eine katholische US-Schule
  9. Dokumentationsstelle: Islamistischer Einfluss in Österreich nimmt zu
  10. Den tradierten Glauben demütig anbieten
  11. Sozialethiker Rhonheimer: Jesus war kein Kapitalismuskritiker
  12. Weißes Haus: FBI untersucht auf „Inlandsterrorismus und Hasskriminalität gegen Katholiken“
  13. "Ohne ihr heldenhaftes Handeln hätte es deutlich schlimmer kommen können"
  14. Australien wirf Iran Steuerung von antisemitischen Terroranschlägen vor
  15. Wir sind hier, um der Welt zu erklären, dass auch Wladimir Putin für seine Verbrechen bezahlen muss"

Stellvertr. DBK-Vorsitzender Bode steht nach Missbrauchsbericht über sein Bistum vor Scherbenhaufen

21. September 2022 in Kommentar, 20 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Jetzt beschäftigt es mich sehr, … wie blind ich gewesen bin für das Leiden und die Perspektiven der Betroffenen“ – Osnabrücker Bischof ist auch Vizevorsitzender/Synodaler Weg, setzt sich engagiert für Frauenweihe ein. Kommentar von Petra Lorleberg


Osnabrück (kath.net) Vorwürfe gegen den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode: Dem Bistum Osnabrück und dem amtierenden Bischof Franz-Josef Bode werfen Historiker und Rechtswissenschaftler der Universität Osnabrück bis über das Jahr 2000 hinaus schwerwiegende Pflichtverletzungen in Fällen sexualisierter Gewalt vor. Nach Einschätzung des Rechtswissenschaftlers Prof. Hans Schulte-Nölke habe das Bistum weitere Minderjährige in Gefahr gebracht. „Die Bischöfe trifft bei der Entscheidung über den weiteren Einsatz Beschuldigter eine individuelle Verantwortung“, erläuterte Schulte-Nölke weiter. Diese Vorwürfe stehen im Pressebericht der Universität Osnabrück über den (offenbar unabhängigen) Zwischenbericht zur Sexualisierten Gewalt im Bistum. Auch bei der entsprechenden Pressekonferenz des Bistums wurde umfangreich über den Zwischenbericht informiert.

Projektleiterin und Historikerin Prof. Siegrid Westphal hat sich mit den Motiven der Bistumsleitungen für das Fehlverhalten befasst und stellte gemäß Uni-Pressebericht fest: „Geheimhaltung, die Verhinderung von Bekanntwerden, waren erkennbar handlungsleitende Motive. Wichtiger als das Leid der Betroffenen waren dem Bistum Osnabrück der Schutz des Ansehens der Kirche oder der Schutz des Ansehens der Beschuldigten.“ Das Projektteam kommt zu dem Schluss, dass in den untersuchten Fällen eine erhebliche Rollen- und Pflichtenkollision insbesondere von Bischöfen sichtbar werde, so Westphal: „Einerseits mussten Bischöfe als Richter und Vorgesetzte einschneidende Maßnahmen gegen die Beschuldigten treffen. Andererseits sahen sie sich zu besonderer priesterlicher Fürsorge für die ihnen anvertrauten Kleriker verpflichtet.“ Außerdem erhebt sie den schweren Vorwurf, dass die Aktenlage „nicht den Eindruck vermittelt“ habe, „dass das Bistum Osnabrück die Ansprüche der Betroffenen stets wohlwollend prüfte. Betroffene wurden bürokratisch und abweisend behandelt. Die generelle Linie ließe sich mit ‚Verzögern und Abwehren‘ beschreiben.“


Im Zwischenbericht der Universität findet sich beispielsweise folgende schwergewichtige Sätze:

- „Bischof Bode hat in den ersten Jahrzehnten seiner Amtszeit mehrfach Beschuldigte, auch solche, an deren Gefährlichkeit kaum Zweifel bestehen konnte, in ihren Ämtern belassen oder in Ämter eingesetzt, die weitere Tatgelegenheiten ermöglichten, z. B. als Subsidiar und Pfarradministrator oder sogar mit Leitungsaufgaben in der Jugendseelsorge betraut.“

- Bode hätte in Zusammenhang mit einem konkret geschilderten Fallbericht „darauf bestehen müssen, dass entschieden gegen den Beschuldigten vorgegangen wird, um dessen Handeln gegenüber Kindern und Jugendlichen sofort und sicher zu beenden. Dem Beschuldigten hätte insbesondere sofort verboten werden müssen, Kinder und Jugendliche in seiner Privatwohnung zu empfangen oder sich mit ihnen allein in einem geschlossenen Raum aufzuhalten; erst recht natürlich, ihnen Alkohol anzubieten. Die Einhaltung eines solchen Verbots hätte durch geeignete Maßnahmen überprüft werden müssen.“

- „Die unter den deutschen Bischöfen herausragende Geste Bischof Bodes, der sich 2010 auf den Boden legte und die Betroffenen um Entschuldigung bat, ging mit dem Versprechen einher, die Hilfen für die Opfer ganz auszuschöpfen“, so der Zwischenbericht. „Dies wurde in der Verwaltungspraxis seines Bistums gegenüber den Betroffenen jedoch nicht umgesetzt.“

In einer ersten Reaktion sagte Bischof Bode dazu: „Ich hatte diesen Zwischenbericht gewollt, damit die Wahrheit auch möglichst schnell ans Licht kommt. Jetzt beschäftigt es mich sehr, wie blind wir eigentlich gewesen sind und wie blind ich gewesen bin für das Leiden und die Perspektiven der Betroffenen. Ich trage die Verantwortung dafür, auch für das System im Bistum.“

Als prekär darf hierbei eingestuft werden, dass Bischof Bode keineswegs ein NoName-Bischof ist, sondern in der katholischen Kirche in Deutschland seit vielen Jahren in exponierten Funktionen unterwegs ist. Er wurde 1995 Bischof von Osnabrück und übernahm bereits im Folgejahr wichtige Aufgaben in der Deutschen katholischen Bischofskonferenz (DBK). Von 1996-2010 war er Vorsitzender der DBK-Jugendkommission, umgangssprachlich „Jugendbischof“ genannt. Danach wurde er Vorsitzender der DBK-Pastoralkommission und deren Unterkommission „Frauen in Kirche und Gesellschaft“. Seit geraumer Zeit (ab 2017 bis heute) ist er stellvertretender Vorsitzender der DBK, zunächst also Stellvertreter für den Münchner Kardinal Reinhard Marx, nun für den Limburger Bischof Georg Bätzing. Obendrein war er einer der DBK-Delegierten bei der Generalversammlung der Weltbischofssynode 2015 in Rom. Die DBK ernannte Bode 2019 zum verantwortlichen Leiter des Vorbereitungsforums für Fragen der Sexualmoral im Rahmen damals in Entstehung begriffenen „Synodalen Wegs“. Im Dialog mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sollte Bode außerdem den Themenbereich Sexualität und Sexualmoral vertiefen. Inzwischen ist Bode einer der beiden Vizepräsidenten des Synodalen Wegs.

Bode, der nun vor erheblichen Problemen steht, die seinen Rücktritt von seinen Verantwortungen bei der DBK und beim Synodalen Weg und sogar den Rücktritt von seinem Amt als Bischof von Osnabrück nach sich ziehen könnten, setzte sich im Lauf der letzten Jahre immer wieder medienwirksam für Grundsatzänderungen in der katholischen Lehre und Praxis ein. Ende 2021 sagte er beispielsweise gegenüber dem „Evangelischen Pressedienst“ (edp), dass er im Synodalen Weg immer wieder die Argumente etwa für die Weihe von Frauen und verheirateten Männern oder die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare einbringen wolle. Dabei setze er auf Beharrlichkeit. Er hoffe, dass bereits 2023 die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare möglich werde, außerdem sollten Frauen sowie insgesamt Laien häufiger predigen dürfen. Auch die Taufspendung und die Assistenz bei Eheschließungen durch Frauen/Laien stellte er als Nahziel seiner Hoffnungen dar. Bereits früher im Jahr hatte er bei einer Online-Veranstaltung seines Bistums vertreten, er halte es für falsch, wenn immer wieder nach theologischen Gründen gesucht werde, warum Frauen nicht Priesterinnen oder Diakoninnen werden könnten.

Fazit: Ausgerechnet einer der bischöflichen Motoren für die problematischen Forderungen der deutsch-katholischen Kirche steht nun vor einem persönlichen Scherbenhaufen hinsichtlich seiner Mitbeteiligung an Vertuschung von Vorwürfen zu sexualisierter Gewalt. Wir erlauben uns die Frage: Welches unermüdliche Kesseltreiben würde die Mainstreampresse veranstalten, wenn solche eklatanten Vorwürfe gegen einen der lehramtstreuen Bischöfe in Deutschland erhoben würden? Man darf gespannt sein zu beobachten, ob die Mainstreampresse in den kommenden Wochen ihre Vorwürfe gegen einen Bischof, der ja ihre eigene kirchenpolitische Agenda immer bereitwillig bedient hat, zügig „vergessen“ wird.

Archivfoto Bischof Bode (c) Bistum Osnabrück


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu







Top-15

meist-gelesen

  1. Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns jetzt JETZT!
  2. Oktober 2025 mit kath.net in MEDJUGORJE mit P. Leo MAASBURG
  3. Papst Leo an Politiker: Man kann nicht katholisch sein und gleichzeitig für Abtreibung sein
  4. Großbritannien: Junge Menschen kehren in die Kirchen zurück
  5. Papst Leo XIV. betet für die Opfer des Attentats auf eine katholische US-Schule
  6. USA: Dominican Sisters of St. Cecilia heißen dieses Jahr 21 Postulantinnen willkommen
  7. Papst an Ministranten: Denkt über Priesterberuf nach
  8. Ist der Begriff „Neger“ mit dem des „parasitären Zellhaufens“ verfassungsrechtlich vergleichbar?
  9. Lebensschutz ist und bleibt ein Kernthema für Christen
  10. Wie zwei Konvertiten spannend den Glauben vermitteln
  11. US-Erzdiözese Denver: Pfarreien nominieren 900 junge Männer für das Priestertum
  12. Offensichtlich geht es heute auch ohne Religion
  13. Ökumenische Begegnungen zwischen Rom und Konstantinopel
  14. Polen: Tschenstochau feiert "Schwarze Madonna" mit Friedensappell
  15. 'Alles, was künftig geschehen soll, ist für Gott bereits geschehen'

© 2025 kath.net | Impressum | Datenschutz