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Winnetou, Old Shatterhand und der Liebe Gott

28. August 2022 in Kultur, 8 Lesermeinungen
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Warum in Karl Mays Wildwest-Erzählungen Religion eine so große Rolle spielt, zugleich aber so wenig darüber bekannt ist - Von Georg Pulling


Wien (kath.net/KAP) Karl May war ein durch und durch religiöser Mensch, der mit seinem Glauben nicht hinter dem Berg hielt und diesen auch prominent in seinen Werken und durch seine Romanfiguren wie Old Shatterhand zur Sprache brachte. Dass so wenig über Karl Mays Religiosität bekannt ist, liegt für den deutschen May-Experten und Theologen Oliver Gross vor allem an den Verfilmungen der 1960er-Jahre, in denen so gut wie jedes religiöse Element fehlt. Da gerade diese Filme für die Popularität und Bekanntheit Karl Mays ausschlaggebend waren und sind, bleibt Mays Rolle als Hobby-Theologe und gläubiger Christ weitgehend unbekannt.

Karl Mays Werke rückten zuletzt wieder ins Licht einer breiten Öffentlichkeit, nachdem der Ravensburger Verlag den Verkauf der an May angelehnten Kinderbücher "Der junge Häuptling Winnetou" nach heftiger Kritik an "kultureller Aneignung" stoppte.
"Es ist ja geradezu undenkbar, dass Lex Barker, also Old Shatterhand, in einem Film plötzlich den Heiligen Augustin zitiert", kam Oliver Gross auf die theologischen Aspekte der West-Romane zurück. Dort tue Old Shatterhand - das Alter Ego Mays - das aber sehr wohl. Gross verfasste mit seinem Werk "Old Shatterhands Glaube" ein Standardwerk über den einst viel gelesenen Volksschriftsteller. Aus Anlass der Buchveröffentlichung 1999 war Gross damals auch zu Gast in einer Sendung auf "Radio Klassik Stephansdom", bei der er über Karl Mays Religiosität und deren Echo in seinen Büchern Auskunft gab.


In Mays Erzählungen flossen "viel Bibelwissenschaft, konfessionelle Kenntnisse aus dem Luthertum, aus pietistischen Liedern, aus der aufgeklärten Religiosität des Protestantismus, aus Predigten von Martin Luther, aber auch viel Erbauungsliteratur aus dem römisch-katholischen Bereich ein. Das hat er alles verwurstet, sozusagen."

Old Shatterhand "missionierte"

In einer Fülle von Glaubensgesprächen versucht demnach Old Shatterhand, seine Gefährten im Wilden Westen vom christlichen Glauben zu überzeugen. Dazu verfasste der Schriftsteller auch öfters Exkurse mit religiösen Überlegungen. Das kann, so Gross, auch einmal ein mehrseitiger Exkurs über Schutzengel sein, nachdem Old Shatterhand wieder einmal einem Anschlag entgangen ist.

May war bei alldem freilich auch ein Kind seiner Zeit. Für die Religion der Indianer habe er kaum Interesse gezeigt, räumte Gross ein: "In seiner Glaubensüberzeugung ist vollkommen klar, dass das Christentum ethisch überlegen ist, dass das Christentum, dass der eine Gott, der Gott aller ist. Eine ernsthafte Darstellung indianischer Religion kommt nicht vor."

Was angesichts der Fülle an Religionsanspielungen in den Erzählungen fast schon paradox anmutet: Ausgerechnet die Blutsbrüder Winnetou und Old Shatterhand führen lange Zeit keine Glaubensgespräche. "Winnetou verbietet es sich, von Old Shatterhand bekehrt zu werden. Das muss Old Shatterhand ihm versprechen. Außer Winnetou möchte von sich aus einmal das Gespräch beginnen", erläutert Gross: "Das ist eine Klammer, die alle Romane durchhält."

Taten statt Predigten

Old Shatterhand erfüllt Winnetou diese Bitte ohne Zögern. In der Erzählung Winnetou 1 reflektiert er selbst darüber: "Ich habe sie immer erfüllt und nie ein Wort über meinen Glauben gesagt. Aber muss man denn reden? Ist nicht die Tat eine viel gewaltigere, eine viel überzeugendere Predigt als das Wort? An ihren Werken sollt ihr sie erkennen, sagt die Heilige Schrift, und nicht in Worten, sondern durch mein Leben, durch mein Tun bin ich der Lehrer Winnetous gewesen, bis er einst nach Jahren, an einem mir unvergesslichen Abend, mich selbst aufforderte zu sprechen. Da saßen wir stundenlang beisammen, und in jener weihevollen Nacht ging all der im Stillen gesäte Samen plötzlich auf und brachte herrliche Frucht."

Kurz nach diesem Glaubensgespräch wird Winnetou im Kampf tödlich verwundet. In der Sterbestunde bewahrheitet sich die Vermutung Old Shatterhands, dass der Apache innerlich längst Christ geworden war. Der sterbende Häuptling bittet seine Freunde, ihm das Ave Maria zu singen, und bekennt mit seinen letzten Worten: "Winnetou war ein Christ."
In dieser Erzählung über die Todesstunde Winnetous wird laut Oliver Gross auch deutlich, dass Karl May in seiner Religiosität jede konfessionelle Grenze übersprang. Denn wer hätte schon von einem protestantischen Schriftsteller gerade an dieser dramatischen und wichtigen Stelle ein katholisches Kirchenlied erwartet? Doch für May war dies überhaupt kein Problem.
Großes Lob für Gefängnisseelsorger

Wie Gross weiter betonte, hat die Bekehrung Winnetous sehr viel Ähnlichkeit mit jener von Karl May selbst. In seinen Lebenserinnerungen schildert May, der zweimal im Gefängnis saß, die Art und Weise, in der einst der Gefängnisseelsorger Johannes Koch auf ihn einwirkte. Der katholische Gefängnisseelsorger war für den protestantischen May eine große Stütze in der Haft; ohne jemals zu versuchen, ihn zum Katholizismus zu bekehren. May schrieb einst über das Verhältnis zwischen den beiden: "Er hielt mich für einen Protestanten und machte nicht den geringsten Versuch, auf meine Glaubensanschauung einzuwirken. Und wie er sich zu mir, so verhielt ich mich zu ihm. Nie habe ich ihm eine Frage nach dem Katholizismus vorgelegt."

Das Resümee von Oliver Gross über Karl May und seine Religiosität: "Es ist einfach so, dass er in der Gebrochenheit seines Lebens den christlichen Glauben selber erlebt und gefahren hat. Er hat um seine eigenen Defizite gewusst, hat aber auch gewusst, dass ihn Gottes Liebe sehr stark trägt." Das sei ganz wesentlich auch in Mays Erzählungen eingeflossen.

Copyright 2022 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
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