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Ungehorsam und Unglaube gehen Hand in Hand

22. März 2021 in Kommentar, 36 Lesermeinungen
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Folgt am Ende auf die Sakramentenspendung an Ungläubige wenige Jahrzehnte später die Sakramentenspendung durch Ungläubige? - Der Montagskick von Peter Winnemöller


Linz (kath.net)

In den vergangenen Tagen haben sich zweitausend Priester und hauptamtlich bei der Kirche beschäftigte Laien gegen eine Entscheidung aus Rom ausgesprochen und zu pastoralem Ungehorsam aufgerufen. Es ging um die römische Antwort auf ein Dubium zur Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Die Zahl mag auf den ersten Blick erschrecken, doch es ist im Kern eher populistisch, wenn nicht einmal die Initiatoren nach eigener Aussage in ihrer Berufszeit jemals eine solche Segnung vorgenommen haben. Natürlich gibt es diese Segnungsfeiern, denn gäbe es sie nicht, wäre die Frage anlasslos und sinnlos. Trotzdem stellt sich die Evidenzfrage. Wieviele solcher Fälle gibt es, in denen eine Segnung vorgenommen wurde? Wie viele abgelehnte oder nicht entschiedene Anfragen gibt es? Dazu gilt es zu betrachten, wie groß der Anteil homosexueller Menschen ist, wie groß darunter der Anteil der Katholiken, wie groß darunter der Anteil derer, die ein Interesse an einer solchen Segnungsfeier haben. Das wäre – auch in Rom – vor einer Entscheidung mit Blick auf die Folgen zu klären und zu belegen. Der Verdacht drängt sich auf, dass wir gerade gegen selbstgebaute Windmühlen kämpfen.

Während in der Praxis vor Ort jeder einzelne Mensch zählt und jeder einzelne Priester im Einzelfall nach seinem Gewissen entscheiden muss, ist eine Grundsatzentscheidung durchaus an die Frage der Evidenz gebunden. Selbstverständlich hat sich auch das Gewissen des Seelsorgers vor Ort an der Lehre der Kirche in Fragen des Glaubens und der Sitten zu orientieren. Was jedoch hinter verschlossenen Türen im Forum internum geschieht, wird im Zweifelsfall erst vor dem Richterstuhl Christi zu verhandeln sein. Darüber steht weder dem Kolumnisten noch dem kirchlichen Oberen ein Urteil zu. Unnötig zu erwähnen, dass natürlich kein öffentliches Ärgernis erregt werden darf.


Das Problem an sich geht allerdings viel tiefer. Wer in den vergangenen 40 Jahren mit Firmbewerbern zu tun hatte, weiß um ein Problem, dass in der Einzelfallbetrachtung vielleicht kein Drama sein mag, in der Summe jedoch den Schlüssel zu einem Grundproblem der Kirche in unserem Land in unserer Zeit aufzeigen kann: Es handelt sich bei den erdrückend meisten Firmspendungen um Sakramentenspendung an Ungläubige. Bei der Firmung fällt es so richtig auf, auch wenn niemand öffentlich darüber redet. Die Wurzel des Problems liegt noch tiefer. Schon die allermeisten Taufen, die ja in der Regel Kindern im Säuglingsalter gespendet wird, wird Kindern ungläubiger Eltern gespendet. Das bei der Taufe abgegebene Versprechen, das Kind im Glauben der Kirche zu erziehen, beabsichtigen die Eltern in der Mehrheit aller Fälle nicht einzuhalten. So kommen Grundschulkinder zur Erstkommunion, die in der Regel nicht nur bar jeder Kenntnis des Glaubens sind, vielmehr auch persönlich ungläubig.

Da die Erstkommunion nach Erlangung des Vernunftgebrauches gespendet werden soll, wenn die Kinder in der Lage sind die Kommunion von gewöhnlicher Speise zu unterscheiden, sollte man im Umkehrschluss den Selbstaussagen der Kinder bezüglich ihres Glaubens oder Unglaubens hinreichend viel Bedeutung beimessen. Also schon bei Taufe und Erstkommunion kann Sakramentenspendung an Ungläubige nur in einem sehr geringen einstelligen Prozentbereich ausgeschlossen werden. Dass oft genug schon die Ehen der Eltern der Täuflinge leichtfertig geschlossen sind, belegen dramatisch hohe Scheidungszahlen.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich diese Problemlage progressiv fortgesetzt, so dass wir heute in der Generation, die jünger als 30 Jahre ist, kaum noch Menschen finden, die den Glauben der Kirche teilen. Unter den wenigen Gläubigen ist nur eine Minderheit bereit und in Lage apologetisch zu argumentieren, wenn die erdrückende Mehrheit sie mit ihrem Unglauben und den zuweilen dramatisch antikirchlichen bis glaubensfeindlichen Einstellungen konfrontiert.

Die Volkskirche in Deutschland, so kann man es wohl sagen, hat in den letzten Jahrzehnten ihrer Existenz den Glauben getötet, der sie stark gemacht hat. Das Drama ist damit hinreichend umschrieben, lebt doch die gegenwärtig vor sich hin sterbende Restvolkskirche nur noch von ihrem guten Ruf auf Grund ihrer Werke (Caritas) und von ihrem irrsinnigen Reichtum. Damit beides erhalten bleibt, braucht die Kirche eine Mindestzahl zahlender Mitglieder, deren Glauben allerdings, da ohnehin längst abhanden gekommen, für die Oberen irrelevant geworden ist. Hauptsache sie zahlen. Um diese bei der Stange zu halten und in der rein politisch- populistischen Hoffnung, vielleicht neue Kreise für die Kirche zu begeistern, wird der Glaube in synodalen Foren verschiedenster Art dekonstruiert. Anders lässt sich nicht erklären, wieso schon vor Jahren der Bischof von Osnabrück die Lebenswirklichkeit der säkularisierten Menschen zur Gewinnung neuer Erkenntnisse über den Glauben nutzen wollte. Praktische Anwendung findet diese Idee in der aktuellen Anregung des Bischofs von Essen, Homosexualität neu zu bewerten. Und am Ende ist dies und nichts anderes der Kern des pastoralen Ungehorsams, zu dem nun im Falle der Segnungen homosexueller Partnerschaften aufgerufen wird. Wird also der Glaube der Kirche von den zur Lehre und Leitung berufenen und den zu Katechese und Unterweisung angestellten zum Zweck des reinen Selbsterhaltes vollends aufgegeben?

Schon vor über zwanzig Jahren regte sich ein Verdacht, der langsam zu einer schrecklichen Gewissheit werden könnte: Folgt am Ende auf die Sakramentenspendung an Ungläubige wenige Jahrzehnte später die Sakramentenspendung durch Ungläubige?

Cafe zu den 7 Posaunen 04 Lügen, die wir glauben? - Mit Karin Grill und P. Clemens Pilar


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