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Prager Kardinal würdigt verstorbenen christlichen Philosophen Sokol

21. Februar 2021 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Duka erinnert an Mut, den der frühere Bürgerrechtler Sokol in den 1960er Jahren und nach der Entstehung der "Charta 77" an den Tag legte


Prag (kath.net/KAP) Der tschechische Kardinal Dominik Duka hat die Verdienste des in dieser Woche im 85. Lebensjahr verstorbenen christlichen Philosophen und früheren Bürgerrechtlers Jan Sokol (Archivfoto) gewürdigt. Er schätze den Mut, den Sokol in den 1960er Jahren und nach der Entstehung der "Charta 77" an den Tag gelegt habe, so der Prager Erzbischof in einem Kondolenzschreiben. Er werde sich immer gern an die Treffen mit Sokol und den Brüdern Vaclav und Ivan Havel erinnern, schrieb der heutige böhmische Primas, der zu KP-Zeiten selbst zeitweise inhaftiert war und damals auch eine Zelle mit dem späteren Staatspräsidenten Havel teilte.


Der Kardinal dankte Sokol auch für dessen Beteiligung an einer ökumenischen Übersetzung der Bibel sowie beim Buch "Bibel und antike Tradition" von Claude Tresmontant (1925-1997), für die Auswahl der Evangelientexte für die Jugend "Die Botschaft Jesu" sowie für seine Hilfe bei der Neugestaltung des Presbyteriums im Prager Veitsdom.

Jan Sokol - nicht zu verwechseln mit dem Altbischof von Trnava gleichen Namens - war einer der hervorragendsten christlichen Intellektuellen Tschechiens. Geboren am 18. April 1936 in Prag, arbeitete er zunächst als Juwelier, Mechaniker und Programmierer. Legendär sind seine "Wohnungsseminare" im Untergrund, etwa über Nietzsche. Er war einer der Unterzeichner der Charta 77, die vom kommunistischen Regime in der damaligen Tschechoslowakei die Einhaltung der Menschen- und Bürgerrechte forderte.

Nach der Samtenen Revolution von 1989 lehrte Sokol an der Prager Karlsuniversität Philosophie, Anthropologie und Religionswissenschaft. 2008/09 führten ihn Vorlesungen über Ethik und Menschenrechte an die Harvard University in Cambridge/USA. Seine politische Karriere begann im Rahmen der Sammelbewegung "Bürgerforum" (OF), später kandidierte er für die Bürgerbewegung (OH) sowie die Christdemokratische Union-Volkspartei (KDU-LS). Im Jahr 1998 war er Unterrichtsminister.

2003 kandidierte Sokol für das Amt des damals noch vom Parlament gewählten Präsidenten, unterlag jedoch knapp als letzter Gegenkandidat Vaclav Klaus. Seine Kritik an der Vertreibung der Sudetendeutschen trug ihm heftige Kritik des Verbands der Widerstandskämpfer ein. Sokol unterzeichnete auch als einer der Ersten eine Grundsatzerklärung der Liga gegen den Antisemitismus.

Copyright 2021 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
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