Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:








Top-15

meist-diskutiert

  1. Bei der Piusbruderschaft knallen die Sektkorken
  2. Papstbesuch in der Slowakei nur für Geimpfte!
  3. Liturgie? Abholzen!
  4. Heftige Kritik eines französischen Atheisten an der Liturgieentscheidung von Papst Franziskus
  5. Theologe Kwasniewski: Lateinische Lesungen in außerordentlicher Form beibehalten
  6. "Statt den Geruch der Schafe anzunehmen, schlägt der Hirte hier mit seinem Stab kräftig auf sie ein"
  7. Kann defekte Gesetzgebung verbindlich sein?
  8. Bischöfe sollen Wächterfunktion gegenüber Missbräuchen bei Messfeier wahrnehmen!
  9. Bizarr, cool oder empörend?
  10. Kein Aprilscherz - Ab August Covid-Impfungen im Wiener Stephansdom
  11. Der 'Masken-Ball' in den Kirchen geht weiter
  12. Sternberg über die relativ wenigen Kirchenaustritte im Erzbistum Köln überrascht
  13. Die erste Frucht des Dokuments war Chaos!
  14. Kirche, die keiner mehr braucht
  15. Wie weiter nach «Traditionis custodes»?

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“

8. Dezember 2019 in Spirituelles, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


„Es kommt der Herr der Herrlichkeit“ - Eine kleine Kulturgeschichte zu einem der beliebtesten Adventslieder. Gastbeitrag von Juliana Bauer


Berlin (kath.net) Das bekannteste Adventslied, das auch eines der beliebtesten darstellt, ist „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Entstanden im Ostpreußen des 17.Jhs. gehört es sowohl in der evangelischen Kirche (EG 1), als auch in der römisch-katholischen (GL 218) sowie in vielen evangelischen Freikirchen zum bevorzugten adventlichen Liedrepertoire. Der Schöpfer des Textes war der Königsberger Pfarrer Georg Weissel (1590 – 1635), der den Text 1623 anlässlich der Einweihung der damals neu erbauten, heute nicht mehr vorhandenen Altroßgärter Kirche in Königsberg verfasste. Unsere bekannte, mit dem Text eng verbundene Melodie fand sich 1704 zum ersten Mal im so genannten Freylinghausen’schen Gesangbuch. Die feierliche Einweihung der Kirche, bei der auch das neue Lied erstmals gesungen wurde, fand am 2. Adventssonntag statt; eine Woche später wurde Weissel als erster Geistlicher dort eingeführt.

Das Lied beginnt mit dem Zitat aus Psalm 24/Vers 9, das Georg Weissel in Anlehnung an Martin Luthers Übersetzung schrieb „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe!“ Ursprünglich gehörte der Psalmtext – den der Alttestamentler Alfons Deissler wie folgt übersetzte: „Hebet, Tore, eure Häupter, hebt euch hoch, ihr ewigen Pforten, dass einziehe der König der Herrlichkeit“ (Ps 24, 9) – zu einer festlichen Liturgie des Alten Israel. Vermutlich wurde er beim Einzug des Volkes Israel in den Tempel, dem Heiligtum seines Gottes, angestimmt, hervorgehoben durch das hymnische Bekenntnis zu Jahwe als Schöpfer- und Weltengott. Die Vorstellung vom herrlichen Einzug Jahwes in den Tempel weist, verknüpft mit seiner Königstitulatur, auf sein endzeitliches Kommen, weist auf die durch ihn zu erwartende endzeitliche Erlösung. Die Aufforderung an die Tore, sich hochzurecken, drückt die Größe, die Erhabenheit und Herrlichkeit Gottes aus, die der Tempel nicht zu fassen vermag (Deissler).

Das Neue Testament übertrug die Aussage des Psalms auf Jesus, den Christus, als ihren Herrn. Er ist der „Herr der Herrlichkeit“ (1 Kor.2,8), er der „König der Könige“ und „Herr der Herren“ (Apk 19,16). In diesem Kontext nennt Deissler das Adventslied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Es kommt der Herr der Herrlichkeit“ und setzt es ebenso in einen eindeutigen Bezug zu Psalm 24, den er für die Christen insgesamt als adventlichen Hymnus auch „außerhalb des liturgischen Advents“ versteht.


Text
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
der halben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.

Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein‘ Königskron‘ ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zum End er bringt,
der halben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn‘,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn‘.
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
eu’r Herz zum Tempel zubereit’.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
so kommt der König auch zu euch,
ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heil‘ger Geist uns führ und leit
den Weg zur ew‘gen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.

Formal wie inhaltlich stellen die ersten vier Strophen des vorgestellten Liedes eine innere Einheit dar. In den Strophen 1 und 2 steht das Bild des einziehenden Königs im Zentrum des Geschehens. Er erhält die Attribute „Herr der Herrlichkeit, ein König aller Königreiche “ – Attribute eines Weltenherrschers, der jedoch nicht willkürlich Macht ausüben wird, sondern dessen Züge „Sanftmütigkeit und Heiligkeit, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit“ sind, der den Menschen Heil und Leben bringt, der ihnen ein Helfer und dessen Kommen ein Anlass zu großer Freude ist „Er ist gerecht, ein Helfer wert … der halben jauchzt, mit Freuden singt.“ Weissel bezieht sich mit diesen Worten auf den Propheten Sacharija, dessen Vers allgemein von den Kirchen auf Christus bezogen wird: „Aber du, Tochter Zion, freue dich, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer…“ (Sach 9,9).

In der dritten Strophe lässt der Dichter diese „Freud‘ und Wonne,“ die Christus als „Freudensonne“ den Menschen bringt, noch einmal anklingen – doch nicht nur als Herrscher des allumfassenden Weltalls, er verkündigt ihn auch jedem „Land“ und jeder „Stadt“ und mehr noch: jedem einzelnen Herzen, das zum Tempel für Gott werden soll (Strophe 4). Mit dem Bild der Freudensonn‘ greift Georg Weissel auf die Licht- und Sonnensymbolik für Christus zurück, wie sie u.a. beim Propheten Maleachi in dem Bild der „Sonne der Gerechtigkeit“ aufscheint (Mal 3,20), wie sie für viele weihnachtliche Gesänge typisch wird, so dreißig Jahre nach der Schaffung dieses Adventsliedes, bei Paul Gerhardt. Dieser widmet in seinem berühmten Choral „Ich steh an deiner Krippen hier“, der in Bachs Weihnachtsoratorium Eingang fand, der Sonnenmetaphorik, die in variantenreichen Bildern für Jesus Christus steht, einen ganzen Vers (Strophe 4, Ich steh an deiner Krippen hier).

Die ersten vier Strophen unseres Adventsliedes werden durch den Refrain: „Gelobet sei mein Gott,“ der als trinitarische Anrufung erscheint, verbunden: die erste Strophe preist Gott, den Schöpfer, die zweite Christus den Retter und Heiland, die dritte den Heiligen Geist, den Tröster. Die vierte fasst in ihrem Lobpreis den dreieinigen Gott als Ganzheit zusammen, ausgedrückt in den Attributen „voll Rat, voll Tat, voll Gnad.“

Strophe 5 ruft explizit Christus, den Heiland in einer fast flehenden Bitte an, zu dem der Mensch eine persönliche, innere Beziehung aufbaut: „Komm mein Heiland Jesus Christ, mein Herzens Tür dir offen ist, ach zieh mit deiner Gnade ein.“ Doch bleibt die Anrufung nicht beim Einzelnen, beim „Ich“ bzw. beim „Mein“ stehen, sondern wendet sich nun gleichermaßen an alle Menschen, an das „Wir“, das „Uns“, die Christus um den Heiligen Geist als ihren Helfer bitten. Die Strophe endet mit dem Lob des Namens Gottes.

Die eingängige Melodie des Liedes, die sich allgemeiner volkstümlicher Beliebtheit erfreut, verdrängte 1704 die ursprüngliche. Sie wurde von Johann Anastasius Freylinghausen, einem Theologen aus Halle komponiert, dessen Liedersammlungen zu den wichtigsten des Pietismus zählen und neben den Chorälen Paul Gerhardts einen nachhaltigen Einfluss auf das evangelische Kirchenlied nach Martin Luther hatte.

„Macht hoch die Tür“ löste in der Evangelischen Kirche gleichsam den Choral „Nun komm der Heiden Heiland“ als Hauptlied zum Ersten Advent ab. Zusammen mit den oben genannten biblischen Texten und deren gegenseitiger Zuordnung der Psalmverse 24,7-9, des Sacharija-Verses 9,9 (der im Weiteren das Bild des einziehenden Königs als Zeichen seiner Sanftmut auf einem jungen Eselsfüllen komplettiert) sowie dem Text des Matthäus-Evangeliums 21,1-9, das Jesu Einzug in Jerusalem thematisiert, bildet es heute in den Gottesdiensten des Ersten Advents den dortigen inhaltlichen Mittelpunkt.

Alfons Deissler (1914 – 2005) war einer der bedeutendsten katholischen Alttestamentler des 20.Jahrhunderts. Von 1951 – 82 war er Professor für Alttestamentliche Theologie und Exegese an der Universität Freiburg/Br. Zu einem seiner tiefgründigsten und anschaulichsten Werke zählt das Buch über die Psalmen: Die Psalmen, erläutert von Alfons Deissler, 1964/1993, 7.Aufl.

Paul Gerhardt (1607 – 76) war ein evangelisch-lutherischer Theologe und gilt als einer der großen deutschsprachigen Kirchenlieddichter nach Luther.

♫ Regensburger Domspatzen - ´Macht hoch die Tür, die Tor macht weit´




Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Advent

  1. Italiens Bischöfe mit Aufruf zum Advent: Zieht euch nicht zurück
  2. Rorate coeli
  3. Er ist gekommen, um uns aufzuwecken!
  4. O Emmanuel
  5. O Rex gentium
  6. O Oriens, lucis aeternae
  7. O clavis David
  8. O radix Jesse
  9. O Adonai, et Dux domus Israel
  10. O Sapientia, quae ex ore Altissimi prodiisti







Top-15

meist-gelesen

  1. Bei der Piusbruderschaft knallen die Sektkorken
  2. "Statt den Geruch der Schafe anzunehmen, schlägt der Hirte hier mit seinem Stab kräftig auf sie ein"
  3. Kirche, die keiner mehr braucht
  4. Liturgie? Abholzen!
  5. Bizarr, cool oder empörend?
  6. "Ein Motu Proprio und bischöfliche Tollwut"
  7. Kann defekte Gesetzgebung verbindlich sein?
  8. Bischöfe sollen Wächterfunktion gegenüber Missbräuchen bei Messfeier wahrnehmen!
  9. Heftige Kritik eines französischen Atheisten an der Liturgieentscheidung von Papst Franziskus
  10. Kein Aprilscherz - Ab August Covid-Impfungen im Wiener Stephansdom
  11. Wie weiter nach «Traditionis custodes»?
  12. Die erste Frucht des Dokuments war Chaos!
  13. Mit Verwunderung aufgenommen!
  14. Bitte helfen Sie kath.net - Die Stimme der Diaspora-Katholiken im deutschen Sprachraum!
  15. Ab Donnerstag: Keine Maskenpflicht mehr in Kirchen

© 2021 kath.net | Impressum | Datenschutz