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2. Juni 2013 in Kommentar, 34 Lesermeinungen
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BRIEFE aus SIENA: Kath.net-Mitarbeiterin Victoria schreibt an Persönlichkeiten der katholischen Kirche


Wien (kath.net)
Ich bin Publizistikstudentin und die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen sind ganz kirchenentfremdet. Oft diskutieren wir über kirchliche Themen, die meine Freunde so gar nicht packen. Am Pfingstsonntag lasen wir in der Presse ein Interview mit dem neu ernannten Bischof der Diözese Feldkirch. Der Journalist stellte teilweise sehr konkrete und auch vorhersehbare Fragen. Auf das Thema Frauenpriestertum bezogen erkundigte er sich beim Bischof: „Gilt das Diskussionsverbot noch, das Johannes Paul II. in dieser Frage verhängt hat?“. Hierauf verwies der Bischof auf die Kultur des offenen Wortes und betonte, dass man über alle Themen diskutieren müsse.

Das besagte Interview kam bei meinen KollegInnen so an: Der böse, alte, konservative Papst aus Polen wollte uns das Denken verbieten und der junge, fortschrittliche, weltoffene Bischof will nun endlich die Frauendiskriminierung beenden. Plötzlich argumentierten meine Kollegen gegen mich mit Aussagen eines Bischofs. Wow! Für die Kirche zu stehen, das habe ich inzwischen schon recht gut drauf – aber jedes bischöfliche Wort auslegen zu können, das übersteigt meine Fähigkeiten.

Solch eine Antwort eines kirchlichen Würdenträgers bringt mich als junge Katholikin also in echte Argumentationsnot. Denn Papst Johannes Paul II. verhängte nach meinem Wissensstand kein „Diskussionsverbot“, sondern fällte in diesem Kontext die lehramtliche Entscheidung, dass das Frauenpriestertum in der katholischen Kirche keinen Platz findet. Meines Wissens dürfen wir die Kirche Christi gar nicht so ändern, dass sie stromlinienförmig zeitgeistig wird. Bin ich falsch informiert? Ist der Bischof falsch zitiert worden? Oder hat er schlechte Medienberater? Was ist hier kommunikationstechnisch falsch gelaufen?


Auch bei konkreten Fragen nach Pille und vorehelichem Geschlechtsverkehr verweist der neue Bischof auf die Kultur des offenen Wortes: „Mit jungen Menschen spreche ich gern und am liebsten unverkrampft über das Leben, die Freude, die Liebe, das Vertrauen, die Treue, das Scheitern, den Neubeginn.“ Diese Antwort ist für mich nicht unbedingt erschöpfend. Und vielleicht auch nicht extrem wagemutig. Heißt das, die Kirche hält Moral seit neuestem für diskutabel? Abhängig von Gesprächen, von Verhandlungen? Der Katechismus gibt auf diese Fragen ganz klare und schöne Antworten mit einleuchtenden Erklärungen. Sind die nicht mehr aktuell?

Ich spreche hier als einfache junge Frau, die zu ihrem Glauben stehen will. Ich bin eine praktizierende Katholikin von der Basis und kann in Glaubensfragen keinesfalls einem Theologen, geschweige denn einem Bischof, das Wasser reichen. Dennoch möchte ich mit großem Respekt eine Bitte äußern: eine Bitte um Väterlichkeit im Priesteramt. Unsere Zeit hat nichts so nötig wie richtige Väter.

Ich wünsche mir väterliche Priester, die ganz eins sind mit der Kirche und mutig ihre Lehre ohne Abstriche predigen und erklären. Nur dann ist sie stimmig und wird auch von Kirchenfernen verstanden. Was macht zum Beispiel das Reden vom Himmel für einen Sinn, wenn die Hölle verschwiegen wird? Und damit meine ich nicht die Hölle auf Erden.

Priester sollen nach meinen Vorstellungen keine Kumpeltypen ohne Ecken und Kanten sein, sondern Väter, die unbeeindruckt vom Zeitgeist das Lehramt der Kirche verkünden. Dieser langfristige Blick auf Gott hin ist ein wohltuender Kontrast und gerade in der heutigen beliebigen Zeit ein wichtiges Korrektiv zur Findung der eigenen Identität – und der Wahrheit.

Wie sollen wir Kleinen den richtigen Weg finden und gehen, wenn uns die Großen diesen nicht zeigen? Dazu brauchen wir „Schäfchen“ manchmal starke väterliche Worte, die uns wieder zurück auf den rechten Weg bringen. Ein Priester muss und kann nicht „Everybody’s Darling“ sein, er hat eine viel größere Aufgabe. Er darf nicht kurzsichtig wie ein Politiker auf die nächste Wahl äugen und versuchen, soviel Sympathie wie möglich zu gewinnen und den Medien um jeden Preis zu gefallen. Dadurch rückt er sich selbst vielleicht scheinbar in ein besseres Licht, doch vernachlässigt er gleichzeitig die, für die er Verantwortung trägt.

Priestertum bedeutet doch auch, ein Prophetenamt inne zu haben – und damit die Wahrheit zu verkünden, ob sie nun gehört werden will oder nicht. Unsere kirchlichen Würdenträger sollten wie unbestechliche Väter handeln, nur zum Besten für ihre Kinder, so, dass man sich an ihnen orientieren kann.

Papst Franziskus predigte im Petersdom vor der italienischen Bischofskonferenz: „Der Mangel an Wachsamkeit, das wissen wir, macht den Hirten lauwarm. Er wird abgelenkt, vergesslich und sogar ungeduldig. Der Mangel verführt ihn durch Aussicht auf Karriere, durch die Verlockung des Geldes und den Kompromissen mit dem Geist der Welt.“ Ich wünsche mir keine lauwarmen Hirten. Ich wünsche mir Priester, die für ihren Glauben brennen. Ich wünsche mir im Bischofskollegium keine eingeschüchterten alten Männer, sondern mutige starke Väter.

Liebe Bischöfe, liebe Priester, ich bin Euch von Herzen dankbar für Euren selbstlosen Dienst. Aber bitte bewahrt uns weniger vor Medienschelte als vor Verwirrung und Sünde.

Briefe aus Siena erscheinen regelmäßig auf kath.net. In einer Anlehnung an die berühmten Schriften der Hl. Katharina von Siena schreibt kath.net-Mitarbeiterin Victoria Fender hier an ausgewählte Persönlichkeiten der Kirche. Die Briefe erscheinen exklusiv auf kath.net und werden auch auf dem Postweg an die Adressaten übermittelt. Copyright der Texte by kath.net!




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