Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. Hamburger Erzbischof Heße meint: 'Christus ist nicht Mann geworden'
  2. Vatikan gegen Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten
  3. Bätzing: „Es gibt keine Tendenzen in irgendeiner Weise, uns als Nationalkirche abzuspalten“
  4. Ein unheiliger Zorn von Bischof Bätzing
  5. "Haltet immer zum Papst, und ihr werdet Christus nie verlieren!"
  6. "Religion nicht instrumentalisieren"
  7. „Aus den Kirchen und ihren Amtsträgern waren bisher keine kritischen Stimmen zu hören“
  8. 'Synodaler Weg' braucht (fast) kein Mensch
  9. Diese Ablehnung aus Rom war deutlich genug
  10. "Aus dem Star, der Himmel und Erde gemacht hat, wird also ein Sternchen. Kyrie eleison!"
  11. Kardinal Koch: Papst hat seine Sorge über Deutschland geäußert
  12. Vatikanischer Kurienpräfekt Becciu verliert Kardinalsrechte
  13. Oster: „Irritierend, dass Sie nicht auf Problematik des ungeschützten jungen Lebens eingehen“!
  14. DBK: Flachsbarths „She decides“-Engagement geht auf ihre Verantwortung als Staatssekretärin zurück
  15. USA gegen ‚sexuelle und reproduktive Rechte’ in UNO-Resolution zu Covid-19

Franz Reinisch – ein prophetischer 'Aussteiger'?

14. August 2017 in Chronik, 3 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Der Pallotinerpater starb 1942, weil er feststellte, er könne den Eid auf einen, der Unschuldige ermorden lässt, Länder besetzt und dem Rassenwahn verfallen ist, nicht leisten. Gastbeitrag von Pater Heribert Niederschlag SAC


Vallendar (kath.net) Propheten sind berufen, Gottes Willen konkret in eine Gesellschaft hineinzusprechen, die sich von Gott abgewandt hat und der Verderben und Untergang drohen. Unverstanden in ihrer Zeit waren sie „Steine des Anstoßes“. Zu diesen prophetischen Gestalten dürfen wir aus unserer jüngeren Vergangenheit auch Franz Reinisch zählen. Er war Pallottiner und der einzige katholische Priester, der den Fahneneid auf Hitler verweigert hat und dafür am 21. August 1942 im Zuchthaus Brandenburg-Görden enthauptet wurde. Im Sommer 1942 hatte Hitler den Zenit der militärischen Erfolge erreicht. Schon bald nach der Machtergreifung Hitlers braute sich ein tödlicher Hass gegenüber allen zusammen, die nicht auf seiner Linie waren. In dem zunehmend totalitären Klima wuchs zwar der Widerwille gegen das menschenverachtende Regime, aber er wuchs bis zum Jahr 1942 nur in seltenen Fällen zum Widerstand aus. Freimütig und nüchtern konstatiert Franz Reinisch, dass sich christlicher Glaube und Nazi-Ideologie ausschließen. Ein Christ könne nicht zugleich Nazi sein.

Franz Reinisch will sich die Freiheit nicht nehmen lassen, sich zu Christus zu bekennen. Für ihn ist die Kirche ein Hort der Freiheit. Franz Reinisch weiß und er erfährt es am eigenen Leibe, wie Freiheit zu einer schweren und gefährlichen Last werden kann. Allmählich reift in ihm der Gedanke, dem verbrecherischen Regime nicht zu dienen und den Fahneneid zu verweigern. Seine Vorgesetzten drängen ihn, den Eid zu leisten. Sie fürchten um das Leben ihres Mitbruders und um Repressalien, die die ganze Gemeinschaft der Pallottiner treffen könnte. Franz Reinisch nimmt in Kauf, von seinen Vorgesetzten nicht verstanden zu werden und sich dem Vorwurf des Ungehorsams ihnen gegenüber auszusetzen. Er beruft sich auf sein Gewissen. Im Gewissen glaubt er, den Anruf Gottes zu vernehmen, den Eid zu verweigern. Er ist überzeugt, dass er im Gehorsam gegenüber Gott zum Wohl Deutschlands und auch zum Segen der Kirche diesen einmal eingeschlagenen Weg zu Ende gehen muss.


Als er den Einberufungsbefehl in die Sanitätskaserne von Bad Kissingen erhält, meldet er sich bewusst einen Tag später und äußert seinen festen Entschluss, nicht unter dem Nazi-Regime Soldat werden zu wollen. Daraufhin wird er verhaftet, nach Berlin überstellt und am 7. Juli zum Tode durch das Fallbeil verurteilt.

Wenn Treue zum einmal getroffenen Entscheid in die Isolation der Gefängniszelle führten, musste das Unverständnis der Welt, die von Verschrobenheit und Starrsinn reden mochte, eben ertragen werden. Nicht der Ruf, den man in seiner Umgebung hatte, sondern der eigene, innere galt. Ein Jahr später wird Franz Jägerstätter ebenfalls in Berlin vom Reichskriegsgericht verurteilt und hingerichtet. Auch er beruft sich auf das Gewissen.

Der Konflikt mit seinen zuständigen kirchlichen Vorgesetzten setzte Reinisch zu. Er hat sich mit dem Vorwurf des Ungehorsams intensiv auseinandergesetzt. „Ich betone: ich habe jeden Befehl, jede Versetzung, u. mag sie noch so unangenehm gewesen sein, ausgeführt, um diesem Entscheid zu entgehen.“ Mit allem Nachdruck betont Reinisch, dass der eingeschlagene Weg für ihn Gottes Wille sei. Was er an Schaden von der Gesellschaft habe abwenden können, habe er im Voraus zu beseitigen versucht. Im Spannungsfeld von Freiheit und kirchlicher Autorität tritt Franz Reinisch entschieden für den Vorrang der freien Gewissensentscheidung ein. Er hat ein Zeichen gesetzt, dass der Einzelne die Spur Gottes in seinem Leben auch dann entdecken und ihr folgen kann, wenn der Giftnebel des Zeitgeistes das Licht der Wahrheit kaum durchschimmern lässt, und wenn die kirchliche Autorität in eine andere Richtung drängt. P. Reinisch sieht seine Entscheidung zutiefst spirituell begründet. Er hat sich wiederholt intensiv geprüft und kann zu keinem anderen Ergebnis kommen, dass seine Entscheidung dem Willen Gottes entspricht.

Auf den Einwand, Hitler sei die rechtmäßige und sogar gottgewollte Autorität, reagiert Franz Reinisch mit dem Hinweis auf sein verbrecherisches Handeln. Er könne den Eid auf einen, der Unschuldige ermorden lässt, Länder besetzt und dem Rassenwahn verfallen ist, nicht ohne Bedenken und nicht ohne Vorbehalte leisten. Diese Halbherzigkeit lässt sich nicht mit den Anforderungen an einen Eid vereinbaren. Wenn er einen Eid leistet, soll es bedingungslos und ohne Vorbehalte geschehen.

Mit seiner Lebensentscheidung hat sich Reinisch außerhalb der damaligen naziverseuchten Gesellschaft gestellt. Er hat sie aus dem Glauben an Christus getroffen und er verstand sie als Samenkorn, das in die Erde fällt und aus dem ein Baum erwächst, dessen Früchte spätere Generationen stärken sollten. Franz Reinisch hat mit seiner Entscheidung ein Zeichen der Hoffnung gesetzt, das ermutigt, „gegen die Zeit ein richtiges Leben zu führen“ (Peter Handke).

Hintergrund:
In Vallendar-Schönstatt fand der Tiroler Pallottiner-Pater Franz Reinisch seine spirituelle Heimat. Sein Gewissen verbat es ihm, den Fahneneid auf Hitler zu leisten – eine einsame Entscheidung, die er in der Kapelle von Schönstatt fällte und die ihn am 21. August 1942 auf das Schafott brachte. Am 28. Mai 2013 wurde in Trier der Seligsprechungsprozess für P. Franz Reinisch offiziell eröffnet.

In wenigen Tagen werden Menschen in Vallendar-Schönstatt, Innsbruck, Bad Kissingen oder Kiel seiner anlässlich seines 75. Todestages gedenken. Alle bisher bekannten Termine finden Sie hier: www.franz-reinisch.org.

P. Dr. Heribert Niederschlag SAC ist der Postulator des Seligsprechungsprozesses von Pater Reinisch.

Pater Franz Reinisch


Foto (c) Franz Reinisch Forum


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Diasporakatholik 14. August 2017 
 

Vorbild und Trost für Franz Jägerstätter

Das Märtyrer-Zeugnis Pater Reinischs aus Gewissensgründen den Kriegsdienst für Hitler zu verweigern um den Preis des eigenen Lebens, gab dem Märtyrer Franz Jägerstätter endgültige Gewissheit und Trost, bei seiner eigenen ebenso folgenschweren Gewissensensentscheidung für sich selbst, seine Frau und seine 3 kleinen Töchter ebenfalls auf dem richtigen Weg zu sein und Gottes Willen zu erfüllen.

Ich hoffe auf baldige Kanonisierung Pater Reinischs und erhoffe mir auch noch Seligsprechung der ihren Mann vorbildlich stärkenden und unterstützenden lebenslang tiefgläubigen Franziska Jägerstätter.


5

0
 
 Archangelus 14. August 2017 

Augustinus

Das Gewissen ist die letze Instanz und
wird geprägt von Gott und der Kirche.
Es weiß im Innersten von der Richtig-
keit göttlicher Entscheidungen in sich.
Es kennt den Unterschied von Sünde und
Wahrheit,ja Reinheit
Es ist gut,es immer wieder zu schärfen
durch die Sacramente der Confession
und der HL. Eucharistie,der Begegnung
Mit dem Herrn , der Wahrheit eben.


1

0
 
 hortensius 14. August 2017 
 

Einer von vielen!

Pater Franz Reinisch gehört zur großen Gruppe derer , die während der Zeit des Nationalsozialismus lieber in den Tod gegangen sind als sich mit schlechtem Gewissen an Unrechtshandlungen zu beteiligen. Wie viele das waren, weiß Gott allein. Die Gerichte haben damals etwa 35 000 Todesurteile gefällt, von denen etwa 25 000 vollstreckt wurden. Die Gründe für diese Urteile waren sehr verschieden. Die bekanntesten Märtyrer dieser Rubrik sind Franz Jägerstätter, Alfred Heiß, Ernst Volkmann, Leo Andersag, Josef Mayr-Nusser und Franz Reinisch.


8

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Gewissen

  1. "Grüne und Linke opfern die Frauengesundheit der Ideologie"
  2. Kritik: „Gewissensfreiheit durch die Hintertür eines faktischen Teilberufsverbots aushebeln“
  3. Die Gewissensfreiheit muss geschützt werden!
  4. Deus Homo! – Gott ist Mensch geworden
  5. Wenn Fragen an das Gewissen klopfen - Wie reagieren wir?
  6. Papst: Umsicht bei Behandlungsverweigerung aus Gewissensgründen
  7. Optimierung zum Besseren und Minimierung des Schlechteren
  8. Kardinal Pell: Gewissen heißt nicht ‚Recht auf Eigensinn’
  9. Pfingsten: Geld macht nicht glücklich – aber Gott!








Top-15

meist-gelesen

  1. Hamburger Erzbischof Heße meint: 'Christus ist nicht Mann geworden'
  2. Ein unheiliger Zorn von Bischof Bätzing
  3. Vatikan gegen Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten
  4. Kardinal Koch: Papst hat seine Sorge über Deutschland geäußert
  5. Vatikanischer Kurienpräfekt Becciu verliert Kardinalsrechte
  6. Sizilien: Kirche der Heiligen Agatha verwüstet
  7. Bätzing: „Es gibt keine Tendenzen in irgendeiner Weise, uns als Nationalkirche abzuspalten“
  8. "Aus dem Star, der Himmel und Erde gemacht hat, wird also ein Sternchen. Kyrie eleison!"
  9. Weinendes Marienbildnis sorgt in Griechenland für Aufsehen
  10. Diese Ablehnung aus Rom war deutlich genug
  11. 'Synodaler Weg' braucht (fast) kein Mensch
  12. Franziskus und der Exorzismus
  13. „Aus den Kirchen und ihren Amtsträgern waren bisher keine kritischen Stimmen zu hören“
  14. Eine nie dagewesene Glaubenskrise – hin zu einem Schisma?
  15. Klare Antwort von Bischof Overbeck: „Nein, für die Wandlungsworte ist das nicht denkbar“

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz