02 September 2015, 09:00
Pater Wallner kritisiert Trinitätsvergessenheit
 
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Heiligenkreuzer Theologieprof. Wallner: Es sei keineswegs nebensächlich, wenn katholische Theologen wie Hans Küng u. a. die Gottheit Christi ablehnten. Gastbericht von Dekan Dr. Ignaz Steinwender

Aigen (kath.net) Im Rahmen der diesjährigen 27. Internationalen Theologischen Sommerakademie“ im oberösterreichischen Aigen im Mühlviertel vom 31. 8. bis 2. 9. referierte der Rektor der Hochschule Heiligenkreuz, Prof. Pater Karl Wallner über den Vater im trinitarischen Leben.

Der Rektor der Hochschule Heiligenkreuz, Prof. Pater Karl Wallner OCist, referierte als Dogmatiker zur Trinitätstheologie unter dem Titel „Der Vater, Quelle und Ziel des trinitarischen Lebens“ im Rahmen der diesjährigen 27. Internationalen Theologischen Sommerakademie im oberösterreichischen Aigen im Mühlviertel vom 31. 8. bis 2. 9.

Die Selbstoffenbarung Gottes zu unserem Heil, so Pater Wallner, sei der springende Punkt, denn der Mensch sei ein Sehnsüchtiger, ein Suchender, auf Gott hin geschaffen. Der Unvorstellbare stelle sich vor, der Unfassbare mache sich fassbar, der Unerkennbare mache sich erkennbar. Gott sei nun nicht mehr bloß der ganz andere, sondern auch der Immanente. P. Wallner sprach von einer Wüste und einem Schlachtfeld, das man beim Thema Dreifaltigkeit betrete.

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Er verwies auf die Selbstoffenbarung Gottes im Alten Testament, die die Beziehung des einzigartigen „Fürseins“ für das Volks Israel ausdrücke. Es sei jedoch eine anhebende Selbstoffenbarung, die in der Preisgabe der einzigartigen Nicht-Identität gründe, wodurch Jahwe gerade durch seine Nähe höchste Form von Distanz schaffe.

Der Offenbarung Gottes im Alten Testament sei als Anweg für die wesenhafte Offenbarung in Neuen Testament durch die Inkarnation des Logos unverzichtbar. Mit der Menschwerdung des Sohnes des Vaters durch den Heiligen Geist sei eine neue und unerfindliche Dimension eröffnet. Gott sei nun nicht nur das seinsmäßig Ganz-Andere, das ontologisch Jenseitige und trage nicht nur metaphorisch den Namen „Vater“, sondern durch die Offenbarung als Gekreuzigter und Auferstandener zeige er sein innerstes Wesen. Der eine und einzige Gott ist immanent trinitarisch, sein ewiges Sein ist es, dreifaltig zu sein.

Pater Wallner beklagte drei Defizite des Trinitätsglaubens: Die faktische Unwissenheit, eine theologisches Nachlässigkeit und einen Neoarianismus.

Es werde kaum gewusst und reflektiert, dass Gott dreifaltig sei. Studierende könnten die doxologische Schlusstrophe des „Tamtum ergo“ kaum interpretieren und seien trotz der Liebe zur eucharistischen Anbetung oft ahnungslos über das, was sie kniend besingen. Wallner zitierte Theologen wie Rahner und Guardini, die einen Stillstand in der Trinitätstheologie beklagten und erwähnt den 1988 verstorbenen Urs von Balthasar als den einzigen deutschen Theologen, der maßgeblich, aber durch und durch trinitarisch denke.

Laut Wallner sei die Distanz der katholischen Theologie zur Trinitätstheologie gewachsen. Grund dafür sei auch ein Fehlverständnis im Dialog mit dem in Europa immer präsenter werdenden strikten Monotheismus des Islam. Wäre Christus, so Pater Wallner, nur ein Mensch, dann gäbe es keine die Menschheit universal umfassende Erlösung und keine ewige Communio mit Gott. So sei beispielsweise das Paradies des Islam zwar voll von schönen Frauen, es gäbe aber keine Anwesenheit Gottes, es sei im gewissen Sinn „gott-los“.

Wallner zeigte Verständnis für die Kritik des Ägyptologen Jan Asmann am Monotheismus, dem dieser vorwerfe, eine „intrinsische Gewalttätigkeit“ gegen Andersgläubige und Andersdenkende losgetreten zu haben, wie sich dies ja derzeit im fanatischen Islamismus manifestiere. Im Gegensatz zur Größe Allahs könne bei Christen der Ruf Gott ist groß nie zum Schlachtruf der Gewalt werden, weil der der trinitarische Gott sein Wesen eben in der Kenose, in der Selbsthingabe für die Sünden der Menschen habe. Deshalb sei es nicht nebensächlich, wenn katholische Theologen wie Hans Küng, Walter Simonis und Harminus Kuitert u. a. die Gottheit Christi ablehnten. Hans Küng lehne die Gottwesentlichkeit des Sohnes ab, weil er dadurch den Dialog mit anderen Religionen und das „Projekt Weltkirche“ gefährdet sähe.

Diese Auffassungen, so Prof. Wallner, entsprächen nicht mehr dem christlichen Bekenntnis, sondern seien eine Arte religionspluralistische Ideologie. Dem gegenüber habe Papst Benedikt XVI. mit seiner bibeltheologischen Summe im Buch „Jesus von Nazareth“ der neoarianischen Ausdünnung des Gottesbekenntnisses entgegengewirkt und habe mit der Enzyklika „Deus Caritas est“ zur Besinnung auf das Wesen des dreifaltigen Gottes als „die Liebe“ hingeführt.

Pater Karl Wallner sprach vor dem Hintergrund eines religiösen Wettbewerbs die Notwendigkeit an, die Trinitätsvergessenheit unter Christen und damit den Neoarianismus zu überwinden. Der Widerspruch gegen den christlichen Glauben an den sich trinitarisch als Liebe differenzierenden Gott komme vom Gottesbild des Islams, vom Irrationalismus der Postmoderne und auch noch (nicht mehr so sehr) vom rationalistischen Atheismus der Moderne.

Prof. Wallner sagte, es sei an der Zeit, sich dem geistigen Konkurrenzkampf zu stellen, denn auf dem Markt des religiösen Pluralismus wäre es fatal, das, was unseren Glauben wesentlich ausmache, unter dem Schautisch zu verstecken.

Eine geistige Auseinandersetzung mit dem Islam, der mit seiner Einheit und Eindeutigkeit im Gottesbild (kein Kreuz, keine implizierte Dreifaltigkeit) große Faszination ausübe, sei notwendig.

Der Gott der östlichen Religiosität sei „nur drinnen“ in dieser kosmischen Endlichkeit (kosmisches Nirwana ohne Distanz und Gegenübersein), so Prof Wallner, während der Gott des Islam wiederum „nur draußen“ in der jenseitigen Unnahbarkeit sei.

Der sich als Trinität offenbarende Gott, so Prof. Wallner, „ist Universalität der Liebe, die alles umfasse, wirklich ‚alles’, Ewigkeit und Zeitlichkeit, Unendlichkeit und Endlichkeit: Erstens ist unser Gott im Vater bleibend verborgener Urgrund (…) Doch darüber hinaus bekennt das Christentum zweitens die Anwesenheit eben dieses selben Gottes auch im Endlichen durch die Menschwerdung (…) in der Gestalt des Konkreten (…) des Anschaubaren, Angreifbaren und Hörbaren (…) Gott ist also im Abstrakten, er ist im Konkreten und er ist in uns. Der christliche, trinitarische Gott ist daher viel universaler, weil ihm nichts fremd ist.“

Foto Pater Karl Wallner: (c) Diözese St. Pölten







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