06 Dezember 2012, 18:15
Meisner: Text des Diözesanrats im Widerspruch zur katholischen Lehre
 
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Kardinal Meisner kritisiert eigenen Diözesanrat für Dialogprozess-Äußerungen, „die die Lehre der katholischen Kirche verunklaren oder gar ihr widersprechen“. Gemeint Forderung nach Kommunionzulassung wiederverheirateter Geschiedener und Frauenweihe

Köln (kath.net/pek) Der „positive Blick auf die vielen Anregungen des Dialogprozesses, den unser Diözesanrat geführt hat, wird allerdings erheblich verdunkelt durch Äußerungen, die die Lehre der katholischen Kirche verunklaren oder gar ihr widersprechen“. Dies sagte der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner (Foto) über die jetzt veröffentliche Stellungnahme seines Diözesanrats vom 8.9.2012 zum Dialogprozess.


kath.net dokumentiert die Stellungnahme des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner zum jetzt veröffentlichten Beschlusstext des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Köln zum Dialogprozess „Mut zum Handeln“ vom 8.9.2012 in voller Länge:

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Die Ergebnisse des Dialogprozesses des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Köln sind veröffentlicht. Als Erzbischof bin ich dankbar für das ernsthafte Bemühen, das hinter vielen Anregungen und Vorschlägen sichtbar wird. Manche Anregungen sind hilfreich für die Seelsorge, für die Arbeit in den Gremien und Verbänden. Die besondere Betonung der gesellschaftlichen Verantwortung der Laien und ihrer Verbände ist mir aus dem Herzen gesprochen.

Auch wenn die Mitarbeit unserer Laienchristen in der Seelsorge unverzichtbar ist und sicher auch an verschiedenen Stellen noch intensiviert werden kann, ist aber ein Rückzug des Laienengagements in den innerkirchlichen Raum eine grobe Fehlentwicklung. Zu diesem wichtigen Problem finde ich durchaus gute Hinweise in den Anregungen und Forderungen des Diözesanrates. Dass der Diözesanrat ausdrücklich für den Schutz des arbeitsfreien Sonntags eintritt und sich entschieden einsetzt für den Erhalt der katholischen Grundschulen, begrüße ich ausdrücklich. Die Gläubigen in den Seelsorgebereichen können und dürfen da nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden.

Mit großem Interesse nehme ich auch wahr, dass auf die Art und Weise der Arbeit in unseren Gremien, in den Verbänden und in der allgemeinen Seelsorge kritisch geschaut wird. Der „Sitzungskatholizismus“ bedarf wirklich einer kritischen und ehrlichen Reflexion: Was ist förderlich? Was ist hinderlich? Was kann verbessert werden?

Mit seiner klaren Aussage zum Schutz des behinderten und ungeborenen Lebens weist der Diözesanrat deutlich darauf hin, woran wir uns letztlich messen lassen müssen, auch und gerade im Laienengagement.

Dieser positive Blick auf die vielen Anregungen des Dialogprozesses, den unser Diözesanrat geführt hat, wird allerdings erheblich verdunkelt durch Äußerungen, die die Lehre der katholischen Kirche verunklaren oder gar ihr widersprechen. So setzt die eucharistische Kommunion die volle Kirchengemeinschaft voraus und verlangt eine Lebensweise, die dem katholischen Glauben entspricht. Die Aussagen zur Ehe sind hier unscharf und verkennen ihre einzigartige Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen. Das ist sehr bedauerlich.

Dass der Diözesanrat sich zur Zölibatsfrage so äußert, habe ich eigentlich schon so erwartet, weil es eben ganz dem heutigen Mainstream entspricht. Nur trägt diese Meinungsäußerung zur Frage der Priesterberufung überhaupt nichts bei. Der Diözesanrat bleibt hier lediglich mutlos im Mainstream der sattsam bekannten veröffentlichten Meinung stecken. Ich bedauere dies und hätte hier eine vom Mainstream unabhängige Äußerung erwartet.

Zum Priesteramt ist die Lehre der Kirche völlig eindeutig. In seinem Apostolischen Schreiben vom 22. Mai 1994 erklärt Papst Johannes Paul II. verbindlich: „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“. Anregungen und Forderungen, die dieser endgültigen kirchlichen Entscheidung widersprechen, gehen fehl und werden zu keinerlei positivem Ergebnis führen. Ganz im Gegenteil! Sie irritieren und lähmen die Kräfte, die im wirksamen Einsatz der Kirche für die Glaubensverkündigung in dieser Gesellschaft so dringend gebraucht werden.

Köln, den 5. Dezember 2012
+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln

Foto Joachim Kardinal Meisner: (c) kath.net/Petra Lorleberg

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