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Türkei: Bartholomaios I. sieht Hoffnung für Ökumenisches Patriarchat

12. Oktober 2010 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Patriarch Bartholomaios I. hofft auf Wiedereröffnung des Priesterseminars von Chalki noch 2011 - 15 Diaspora-Metropoliten des Ökumenischen Patriarchats, darunter Metropolit Staikos von Austria, erhielten türkische Staatsbürgerschaft.


Istanbul (kath.net/KAP)
Bartholomaios I., griechisch-orthodoxer Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, sieht Anzeichen für eine Verbesserung der Situation des Ökumenischen Patriarchats in der Türkei. Wie er im Gespräch mit "Kathpress" am Montagnachmittag im Phanar in Istanbul sagte, sei er sehr zuversichtlich, dass das Priesterseminar in Chalki 2011 wiedereröffnet werden kann. Bartholomaios verwies auf jüngste Äußerungen des türkischen Vizepremiereministers Bülent Arinc, der in einem TV-Interview erklärt hatte, dass Chalki wieder eröffnet werden müsse, denn Christen in der Türkei hätten das Recht, ihre eigenen Klerus und Theologen auszubilden.

Chalki war 1971 von den türkischen Behörden im Zuge eines Verbots privater Hochschulen geschlossen worden. Während private Universitäten inzwischen aber längst wieder erlaubt und verbreitet sind, galt dies bisher nicht für Chalki. Die Wiedereröffnung des Seminars gehört auch zu den zentralen Forderungen der EU an die Türkei im Rahmen der Gespräche um einen Beitritt.

Nach 40 Jahren sei es nun dringend an der Zeit, den eigenen Priesternachwuchs wieder ausbilden zu können, betonte Patriarch Bartholomaios I. Er sei nun sehr viel optimistischer als früher, dass sich die türkische Regierung nun endlich den Weg zur Wiedereröffnung frei machen werde.


Als weiteres sehr positives Signal von Seiten der türkischen Regierung wertete der Patriarch die Tatsache, dass die türkische Regierung am Sonntag 15 Metropoliten des Ökumenischen Patriarchats, die im Ausland wirken, die türkische Staatsbürgerschaft verliehen hat; darunter auch dem Metropoliten von Austria, Michael Staikos.

Nach türkischen Vorschriften darf das Patriarchenamt nur von einem türkischen Staatsbürger bekleidet werden. Zuletzt kamen deshalb nur mehr 15 Geistliche für das Amt in Frage, von denen schon elf über 70 Jahre alt sind.

Bekenntnis zum ökumenischen Dialog

Zur jüngsten Vollversammlung der katholisch-orthodoxen Dialogkommission, die im September in Wien getagt und ohne substanziellen Fortschritt zu Ende gegangen war, wollte sich der Patriarch nicht direkt äußern. Noch sei er nicht über die Einzelheiten des Dialogs unterrichtet worden. Er bekräftigte aber den Willen der Orthodoxie, den Weg der Ökumene weiterzugehen, um letztlich wieder die volle Einheit der Kirchen zu erreichen.

Er untermauerte diese Feststellung auch mit dem Hinweis darauf, dass sich die Orthodoxie in einer eigenen Synode im Phanar ausdrücklich dazu entschlossen hatte, den Dialog wieder aufzunehmen, nachdem er nach der Vollversammlung von Baltimore 2000 auf Eis gelegt worden war.

Aber nicht nur mit der katholischen Kirche, auch mit den reformierten und orientalischen Kirchen bemühe man sich um den Dialog, so Bartholomaios I.; Gleiches gelte auch für die Beziehungen zum Islam und zum Judentum. Gerade auch um diesen Dialog führen zu können, brauche es eine fundierte Ausbildung und deshalb die Wiedereröffnung von Chalki, bekräftigte der Patriarch.

Positive Signale und ungelöste Probleme

Als positives Signal werteten Beobachter zuletzt auch die Bewilligung der türkischen Behörden, dass die orthodoxe Kirche künftig einmal im Jahr - am 15. August - in der Klosterkirche Sümela südlich der Schwarzmeerstadt Trabzon einen Gottesdienst feiern darf. Bei der ersten Messe nach 88 Jahren im vergangenen August waren rund 1.500 Christen nach Sümela gekommen. Patriarch Bartholomaios I. war dem Gottesdienst vorgestanden. Die Kirche war seit dem Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei von 1922 verwaist und als staatliches Kulturdenkmal geführt worden.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte im Anschluss an den Gottesdienst Kritik nationalistischer Kreise zurückgewiesen. Die Türkei habe nichts zu verlieren, wenn tausend oder zweitausend Christen kämen und ihren Gottesdienst feierten, wurde Erdogan von türkischen Medien zitiert.

Ein großes Problem stellt aber weiterhin die ungelöste Frage der rechtlichen Anerkennung des Ökumenischen Patriarchats in Istanbul dar. So erkennen die türkischen Behörden weder den Titel des Ökumenischen Patriarchen noch die Aufgaben des Patriarchats für die gesamte Orthodoxie an. Sie sehen offiziell in Bartholomaios I. lediglich den obersten Seelsorger der wenigen tausend in der Türkei verbliebenen griechisch-orthodoxen Christen.

Während die ohnehin schon geringe Zahl der griechisch-orthodoxen Gläubigen in der Türkei stetig im Sinken begriffen ist, sind dem Patriarchat direkt rund 3,5 Millionen Gläubige in Teilen von Griechenland sowie in der Diaspora in Nord- und Südamerika, Mittel- und Westeuropa sowie in Australien unterstellt.

Copyright 2010 Katholische Presseagentur, Österreich. Alle Rechte vorbehalten.

(C) Foto: Massimo Finizio


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