17 März 2009, 08:46
Katholische Ostkirchen bereichern den Westen
 
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Durch griechisch-katholische Gläubige die Schönheit und Heiligkeit der Liturgie tiefer erfahrbar zu machen und dem abgeflachten Verständnis des Sakralen in einer säkularisierten Welt entgegen wirken zu können – das hofft Kardinal Schönborn in Gaming.

Gaming (kath.net) Dass ihre östliche Identität und katholische Gemeinschaft einen reichen spirituellen Schatz darstellen würden – die reale Substanz einer einzigartigen religiösen Erfahrung – das bekräftigten die Griechisch Katholischen Teilnehmer bei einem Symposium in Gaming über „Die Mission der katholischen Ostkirchen im Rahmen der Weltkirche und für die moderne Welt“.

Die Griechisch-Katholischen Kirchen lehnen es ab, sich in einer Weise klassifizieren zu lassen, die entweder ihre östliche Identität abschwäche oder ihre Gemeinschaft mit Rom leugne. Die Teilnehmer fühlen sich der schwierigen Aufgabe verpflichtet, in der Mitte einer geteilten, christlichen Welt zu leben, auf Einheit zu hoffen und darauf hinzuarbeiten.

Vom 4. bis zum 6. März 2009 fand in Gaming (Niederösterreich) ein internationales Symposium über den Auftrag der Griechisch-Katholischen Kirchen in Zentral- und Osteuropa statt. Gastgeber war das Internationale Theologische Institut in Kooperation mit dem Institut für Theologie und Geschichte des Christlichen Ostens (Universität Wien) und der Katholischen Universität Lemberg.

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Unter den 150 Teilnehmern befanden sich 17 Bischöfe (15 davon gehören der Griechisch-Katholischen Kirche an), zahlreiche Priester, führende Professoren, Studenten und Laien aus über 20 Ländern. Das Programm basierte im Wesentlichen auf Gebet und Betrachtung in Verbindung mit kritischer Analyse von Geschichte und Gegenwart der Griechisch-Katholischen Kirchen.

Offizielle Konferenzsprachen waren Deutsch, Englisch und Italienisch; aber in der Liturgie, den Vorträgen und Gesprächen wurden an die zehn verschiedene Sprachen gesprochen. Eine besondere Bereicherung erfuhren die Diskussionen durch die Beiträge jener Amtsträger, die für die im Kommunismus verfolgten Christen sprachen. Viele von ihnen hatten standgehalten, um den Auftrag und die Identität der Griechisch-Katholischen Kirche zu wahren.

Die Diskussionsbeiträge und Vorträge versuchten herauszuarbeiten, welchen Beitrag die katholischen Ostkirchen Zentral- und Osteuropas für die gesamte christliche Gemeinschaft und die Welt leisten sollen. Die Vortragenden argumentierten sowohl historisch als auch theologisch (ekklesiologisch) und analysierten kulturelle, ethnische und nationale Einflüsse in Bezug auf vergangene Erfahrungen und im Hinblick auf den zukünftigen Auftrag griechisch-katholischer Gläubiger.

Trotz der totalitären Unterdrückung im 20. Jahrhundert und der jahrhundertelangen Diskriminierung ihrer Kirchen (praestantia ritus latini) bekräftigten die griechisch-katholischen Amtsträger, Priester und Professoren aus Österreich, Weißrussland, Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Russland, der Slowakei und der Ukraine sowie aus den Vereinigten Staaten, dass ihre östliche Identität und katholische Gemeinschaft einen reichen spirituellen Schatz darstellen würden – die reale Substanz einer einzigartigen religiösen Erfahrung.

In einer Welt, in der das kategorische „Entweder-Oder“ nicht mehr ausreiche, um die Vielschichtigkeit menschlicher Erfahrung zu erfassen, seien die konfessionellen Fronten zwischen Orthodoxer- und Katholischer Kirche durch eben dieses kategorische Denken verhärtet worden, so die Konferenz. Die Griechisch-Katholischen Kirchen lehnen es ab, sich in einer Weise klassifizieren zu lassen, die entweder ihre östliche Identität abschwäche oder ihre Gemeinschaft mit Rom leugne. Die Teilnehmer fühlen sich der schwierigen Aufgabe verpflichtet, in der Mitte einer geteilten, christlichen Welt zu leben, auf Einheit zu hoffen und darauf hinzuarbeiten.

Die dringendste Aufgabe für die griechisch-katholischen Gläubigen besteht darin, die patristische, liturgische, kanonische, kulturelle und mystische Tradition des christlichen Ostens mit dem lebendigen Zeugnis der Katholizität und Universalität des Evangeliums Jesu Christi zu verbinden. In dieser Hinsicht kann die Griechisch-Katholische Kirche ihre lateinischen Geschwister wesentlich bereichern.

Römisch-Katholische Konferenzteilnehmer, insbesondere der Initiator dieses Symposiums, Kardinal Christoph Schönborn, brachten die Hoffnung westlicher Christen zum Ausdruck, durch griechisch-katholische und orthodoxe Gläubige die Schönheit und Heiligkeit der Liturgie tiefer erfahren und dem abgeflachten Verständnis des Sakralen in einer zunehmend säkularisierten Welt entgegen wirken zu können.

In vergangenen Jahrzehnten wurden die katholischen Ostkirchen im ökumenischen Dialog oft als „Problem“ angesehen. Die abschätzige Meinung, die Griechisch-Katholische Kirche sei ein Hindernis für die Ökumene, habe, wie die Konferenz bekräftigte, ein Ende gefunden. Die erstaunliche Erstarkung und sichtbare Lebenskraft der Griechisch-Katholischen Kirche und ihrer Gläubigen in Zentral- und Osteuropa lassen sich nur als ein Zeichen des Willens und der Güte Gottes erklären. Weiters wurde darauf hingewiesen, dass - ohne die als „uniert“ stigmatisierten Ostkirchen - Gespräche über eine religiöse Versöhnung zwischen Ost und West keine neuen Antworten bringen würden.

In seiner Grußbotschaft an die Teilnehmer des Symposiums zitierte Kardinal Lubomyr Husar Aussagen von Papst Benedikt XVI., der die Griechisch-Katholischen Kirchen aufrief, der östlichen Tradition treu zu sein, diese in der katholischen Gemeinschaft zu bezeugen und so den orthodoxen Christen ein Beispiel für die Einheit mit der Katholischen Kirche zu geben.

Diese Einheit hat zu einer vielseitigen, gegenseitigen Bereicherung der östlichen und westlichen Traditionen geführt. Demütig und pflichtbewusst anerkennen die griechisch-katholischen Gläubigen, dass ihre Kirchen durch historische Umstände, durch kulturellen und sozialen Druck sowie durch das Fehlen innerer Entschlossenheit zugelassen haben, dass westliche Gewohnheiten und Denkweisen alte Riten und spirituelle Traditionen verdunkeln und verdrängen. Heute wird die Wiederbelebung einer authentischen, ostchristlichen Identität aktiv gefördert und von höchsten kirchlichen Autoritäten unterstützt.

Gleichzeitig machen die neuen Märtyrer des 20. Jahrhunderts die Authentizität griechisch-katholischer Erfahrung und Praxis deutlich sichtbar. Griechisch-katholische Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien haben den größten, moralischen Herausforderungen des 20. Jahrhunderts Stand gehalten - der Unterdrückung der Gott gegebenen Freiheit und Menschenwürde durch totalitäre Systeme. Griechisch-katholische Gläubige gingen keinen Kompromiss mit unterdrückerischen Regimen ein. Den Verfolgungen im Untergrund widerstanden sie mit innerer Autorität und der Fähigkeit, schwerste Bedrängnis zu überwinden.

In einem säkularisierten, post-christlichen Europa, das den Herausforderungen eines globalisierten Konsumdenkens, eines ausgeprägten Materialismus entgegenblickt und mit der Ablehnung des Geschenks menschlichen Lebens und der Personenwürde sowie dem Zerfall der Familie konfrontiert ist, sind es die auf dem unerschütterlichen Glauben an die göttliche Vorsehung basierenden spirituellen Errungenschaften der Märtyrerkirchen, die zu einem christlichen Leben wider den Zeitgeist ermutigen können.

Die griechisch-katholischen Bischöfe berichteten im Rahmen der Konferenz auch über ihre seelsorglichen Tätigkeiten und Prioritäten in Bezug auf ihre jeweiligen Kirchen. Die Beiträge veranschaulichten die jeweiligen Eigenheiten ihrer spezifischen, kirchlichen Erfahrungen und machten zugleich deutlich, dass sich die Griechisch-Katholischen Kirchen Zentral- und Osteuropas einer Reihe gemeinsamer Herausforderungen gegenüber sehen würden, denen sie durch eine gemeinsame Rückbesinnung und durch Zusammenarbeit zu begegnen trachten, um auch in der modernen Welt als wesentliche Ansprechpartner der Universalkirche gelten zu können.

Zu den konkreten Vorschlägen, die von den Teilnehmern unterstützt wurden, zählen:

1.) Papst Benedikt zu bitten, eine der kommenden Päpstlichen Synoden dem Thema der katholischen Ostkirchen zu widmen.
2.) Jährlich ein Symposium dieser Art zu veranstalten.

Die Konferenzteilnehmer drückten Kardinal Dr. Christoph Schönborn und dem ITI ihre besondere Wertschätzung für das theoretische und praktische Engagement in Bezug auf die Familie aus und würdigten die Gastfreundschaft gegenüber griechisch-katholischen Studenten, ihren Familien und verheirateten Priestern. Die Familie und der verheiratete Klerus in der Griechisch-Katholischen Kirche wurden als mögliches Thema für eine zukünftige Konferenz vorgeschlagen.

Die Teilnehmer kamen zu dem Ergebnis, dass die Griechisch-Katholische Kirche sich nicht auf den Lorbeeren ihrer Märtyrer ausruhen dürfe. Im Gegenteil, es sei für die Gläubigen an der Zeit, „die Ärmel hochzukrempeln“, sich mit dem Glauben ihrer Väter und Mütter den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen, das Christentum zu bezeugen und sich für die christliche Einheit einzusetzen.

Foto: © Claudia Henzler







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