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Sünde ist kaum noch ein Thema der Seelsorge

26. September 2010 in Deutschland, 15 Lesermeinungen
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Akademie für Psychotherapie und Seelsorge tagte in Marburg - Die Begriffe Schuld und Sünde sind weitgehend aus der Seelsorge verschwunden.


Marburg (kath.net/idea)
Die Begriffe Schuld und Sünde sind weitgehend aus der Seelsorge verschwunden. Darauf hat der Rektor des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen, Rolf Sons, am 25. September auf der Jahrestagung der Akademie für Psychotherapie und Seelsorge in Marburg aufmerksam gemacht. Einen Grund dafür sieht er in einem veränderten Verständnis von Schuld und Sünde. Schuld werde in der Seelsorge häufig nur verschlüsselt benannt, etwa in der Formulierung „Die Sache ist dumm gelaufen“. Auch verstehe sich der moderne Mensch nicht mehr als Sünder gegenüber Gott, sondern gegenüber sich selbst. Er sündige gegen seine Gesundheit, seine Lebenserwartung oder gegen sein Aussehen. Wie Sons vor rund 180 Experten sagte, sei christliche Seelsorge vom Evangelium her aber dazu verpflichtet, Schuld und Sünde in ihrem eigentlichen Bedeutungssinn zu thematisieren und die Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes, der Rechtfertigung und der Vergebung weiterzugeben. Wo die Seelsorge dies unterlasse, mache sie sich schuldig.


Religion und Wissenschaft in Konkurrenzverhältnis

Nach Ansicht des Ärztlichen Direktors der Klinik Hohe Mark, Prof. Arnd Barocka (Oberursel), befinden sich Religion und Wissenschaft in einem Konkurrenzverhältnis. Es gebe einen „spirituellen Kampf zwischen Weltanschauungen“. Je nach Weltsicht gelange man dabei zu einer unterschiedlichen Interpretation von Krankheiten. Wenn beispielsweise ein Christ eine Depression entwickle, gäbe es dafür drei verschiedene Betrachtungsweisen: 1. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann in seinem Leben eine Depression erleidet, liegt bei fünf Prozent. Es ist also nicht überraschend, wenn es gelegentlich auch Christen trifft. 2. Religion hat gesunde und ungesunde Elemente. Eine besonders rigide, kontrollierende Herkunftsfamilie oder Kirchengemeinde kann eine Depression bedingen. 3. Man erklärt das Christentum als solches für krankhaft. Dieser Auffassung zufolge entstehen durch die strengen Moralvorstellungen und die Sündenlehre des Christentums unkontrollierbare Schuldgefühle und Ängste.

Religiöse Menschen sind zufriedener

Laut Barocka gibt es in der Forschung inzwischen allerdings eine Gegenbewegung. Danach weisen religiöse Menschen im Allgemeinen eine höhere Lebenszufriedenheit auf. Depression, Suizid, Ängste, Drogen und Alkoholmissbrauch hingegen seien unter Christen geringer ausgeprägt. Es sei daher sinnvoll, wenn die Psychotherapie auch christlichen Prinzipien wie Reue, Sühne, Vergebung und Versöhnung verwende. Die Akademie für Psychotherapie und Seelsorge mit Sitz in Frankenberg/Nordhessen besteht seit zehn Jahren und hat 700 Mitglieder. Sie möchte dazu beitragen, dass sich Experten beider Fachgebiete austauschen, um so Ratsuchenden besser helfen zu können. Vorsitzender ist der Psychotherapeut Martin Grabe. Er ist Chefarzt an der Klinik Hohe Mark (Oberursel bei Frankfurt am Main).


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