
Ukrainischer Bischof: "Es gibt so unglaublich viel Leid"vor 48 Minuten in Aktuelles, keine Lesermeinung Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Mukatschewos Bischof Luchok im fünften Jahr von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine: "Man versteht und schätzt, dass jeder Tag wichtig ist - denn es kann sein, dass es kein Morgen mehr gibt".
Budapest/Kiew (kath.net/ KAP)
Was die tägliche Realität des Krieges für die Menschen in der Ukraine bedeutet, lässt sich nach Worten von Bischof Mykola Petro Luchok Außenstehenden kaum vermitteln. "Es gibt so viel Leid, so unglaublich viel Leid", sagte der Bischof der im Westen der Ukraine gelegenen römisch-katholischen Diözese Mukatschewo bei einem Besuch in Budapest in dieser Woche. Für die Bevölkerung in Transkarpatien sei der Krieg quasi keine Nachricht mehr. Wer in einem Kriegsland lebe, erfahre die Präsenz des Krieges von morgens bis abends: durch Familienangehörige, die getötet werden, durch Einberufungsbefehle, Bombenangriffe und Raketeneinschläge.
Bei einer Fahrt nach Kiew könne er nie wissen, ob er von einer solchen Reise zurückkehre, schilderte der 52-jährige Dominikaner. Wenn jeder Tag der letzte sein könne, werde plötzlich aber auch für jeden deutlich, was wirklich wichtig sei. Jede Beziehung bekomme besonderen Wert. Man frage sich nicht mehr, was irgendwann einmal geschehen werde, sondern was heute zu tun sei. 
Jeden Tag neu "leben, dienen, helfen"
Für ihn selbst bedeute das, täglich im Jetzt zu leben und sich nicht von der Angst bestimmen zu lassen, sagte Luchok, der die Kraft dafür aus seinem christlichen Glauben schöpft. "Man versteht und schätzt, dass jeder Tag wichtig ist - denn es kann sein, dass es kein Morgen mehr gibt. Man beschließt, diesen Tag zu leben, zu dienen, zu helfen."
Egal ob in Zeiten des Friedens oder des Krieges: Gott schenke jedem Menschen in jedem Augenblick und an jedem Ort hundert Prozent seiner Nähe und Gnade, so der Bischof. Angst könne das Herz für diese Gnade verschließen. Vertrauen dagegen ermögliche es, auch mitten im Krieg Gottes Gegenwart zu erfahren.
Die Ukrainer kämen daher nicht nur aus Pflicht oder Gewohnheit in die Kirchen. Gemeinschaft, die Sakramente, das gemeinsame Gebet und die Erfahrung der Gegenwart Gottes seien für sie neu zu einer wichtigen Kraftquelle geworden, sagte der Bischof von Mukatschewo.
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