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Buße, Hoffnung, ewiges Leben: Lourdes ruft zur Umkehr

vor 52 Minuten in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Leo XIV.: Heilige Messe in Lourdes. Das Heiligtum als Ort, an dem das menschliche Leben in seiner ganzen Verwundbarkeit auf die Hoffnung des ewigen Lebens verweist. Im Horizont der Erlösung und der Auferstehung Christi. Von Armin Schwibach


Lourdes (kath.net/as) Als Papst Leo XIV. den Menschenteppich von Pilgern auf der Wiese vor dem Heiligtum Unserer Lieben Frau von Lourdes zur heiligen Messe versammelt sah, blickte er, wie er zu Beginn seiner Predigt erklärte, „auf das universale Antlitz der Kirche“. Menschen hätten Kontinente durchquert, Strapazen überwunden und ihre Freuden und Lasten bis zu der heiligen Grotte getragen. Darin erschien ihm die Kirche als eine Gemeinschaft, die sich um ihre Mutter versammelte: „Was für eine Freude, zusammen zu sein – ein einziges Herz, eine einzige Familie!“. Besonders begrüßte Leo XIV. die Pilger, die aus allen Provinzen und Diözesen Frankreichs angereist waren. Sie hätten den Boden einer gesegneten Stätte betreten, der viele Gnaden zuteilgeworden seien. Die Wallfahrt möge, so seine Bitte, „die Flamme des Glaubens in euren Häusern und in euren Pfarreien neu entfachen“. Die Pilger sollten den Trost von Lourdes „euren Nachbarn, euren Lieben und dem gesamten französischen Volk“ bringen.

Den Zugang zum Geheimnis von Lourdes eröffnete Leo XIV. über die liturgischen Lesungen des Sonntags. Sie berührten einen zentralen Aspekt jener Botschaft, die die Jungfrau Maria der heiligen Bernadette anvertraut habe: die „zugleich liebevolle wie eindringliche Aufforderung zur Umkehr“. Im Evangelium habe Jesus mit einem Blick der Wahrheit und tiefer Traurigkeit auf die verschlossenen Herzen geschaut: „Doch habt ihr nicht bereut“ (Mt 21,32). Diese Wunde im Herzen Christi erkläre sich daraus, dass Gott nicht wolle, „dass seine Kinder verloren gehen“. Der Prophet Ezechiel erinnere daran, dass derjenige, der sich von seiner Gerechtigkeit abwende und Unrecht tue, wegen seines Unrechts sterben müsse. Wenn er jedoch seine Vergehen erkenne und umkehre, werde er am Leben bleiben. Leo XIV. zitierte die Schrift mit den Worten: „Wenn er sich bekehrt, wenn er ‚seine Vergehen, die er verübt hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben. Er wird nicht sterben’“ (Ez 18,26.28). Deshalb kehrten die Aufrufe zur Buße in der Heiligen Schrift immer wieder und zögen sich durch die Verkündigung des Evangeliums durch die Jahrhunderte. Sie seien heilsam, weil sie die Dringlichkeit und Notwendigkeit der Umkehr verdeutlichten. Es gelte, „Heute – nicht morgen –“ umzukehren; heute sei die Zeit der Gnade und der Tag der Rettung (vgl. 2 Kor 6,2). Gott wolle, dass der Mensch lebe, seine Augen öffne und sich ihm wieder zuwende. Bekehrung bedeute, „die Wege des Irrtums zu verlassen, um den Weg des Lebens einzuschlagen“, und dadurch das Herz für „die einzige Freude“ zu öffnen, „die nicht vergeht“.


Jesus selbst habe den Ruf zur Umkehr ohne Abschwächung verkündet. Leo XIV. verwies auf das Lukasevangelium, wo es heiße: „Wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle umkommen“ (vgl. 13,5). Zugleich erweitere Christus den Horizont des irdischen Lebens um jenen des ewigen Lebens. Das Glück auf Erden sei vergänglich und relativ und bleibe für manche Menschen unerreichbar. Das wahre Glück dagegen sei allen in der Hoffnung verheißen. Es müsse deshalb das Hauptziel der Suche, der Bemühungen und der Entscheidungen sein. Von hier aus führte der Papst unmittelbar nach Lourdes. Die Jungfrau Maria habe Bernadette gerade an diesem Ort ein Versprechen gegeben: „Ich verspreche dir nicht, dich in dieser Welt glücklich zu machen, wohl aber in der anderen“. Dieses Versprechen, so machte Leo XIV. deutlich, besitze für Frankreich eine Bedeutung, die über die Geschichte der Erscheinungen hinausreiche. In einem historischen Moment, in dem eine Gesellschaft nach Fortschritt und materiellem Wohlstand strebe, dabei aber versucht sei, den Horizont der Ewigkeit zu vergessen, komme Maria, „um uns an die Größe und Tragweite unserer Berufung zum Leben – zum ewigen Leben – zu erinnern“.

Damit stellte Leo XIV. die Frage nach dem menschlichen Leben in den Zusammenhang von Krankheit, Leid und Alter. Gegenüber Strömungen, die den Wert des menschlichen Lebens angesichts dieser Erfahrungen neu definieren wollten, erschien ihm die Grotte von Massabielle als „ein Heiligtum der christlichen Hoffnung“. Hier werde kein Gebrechen zurückgewiesen. „Eure Krücken, eure Rollstühle, eure verborgenen Tränen sind keine Hindernisse: Sie sind der Ort schlechthin, an dem ihr voll und ganz respektiert, angenommen und von der unendlichen Liebe Gottes verwandelt werdet“. Lourdes sei deshalb der Ort eines Bekenntnisses zum Glauben an „die Schönheit und Heiligkeit des Lebens“. Das Leben werde hier als kostbares Geschenk Gottes empfangen, das dazu bestimmt sei, „in der Liebe des Vaters für alle Ewigkeit zu blühen“.

An das Versprechen Mariens schloss Leo XIV. die christologische Begründung der Hoffnung auf das ewige Leben an: „Das verspreche ich dir!“. Das ewige Leben sei „ein festes und sicheres Versprechen, das der Herr uns gibt“. Christus habe es durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung bereits erwirkt; durch die Gnade der Taufe verwirkliche er es jeden Tag im Menschen. Es sei in dessen Reichweite, doch liege es an ihm, es frei anzunehmen und zu ergreifen und ihm kein Hindernis entgegenzusetzen. Als einziges Hindernis für die Gnade und das ewige Leben bezeichnete Leo XIV. die Sünde, die Selbstbezogenheit und jene Ablehnung Gottes, die den Menschen „in unserer eigenen Finsternis gefangen hält“. Damit rückte die persönliche Verantwortung in den Mittelpunkt. Gott habe den Menschen frei gewollt, „denn Freiheit ist eine Voraussetzung der Liebe; man kann nicht aus Zwang lieben“. Diese Freiheit müsse in einem „Ja“ zu Christus eingesetzt werden, mit Hilfe seiner Gnade und auf den Spuren Mariens. Dieses „Ja“ müsse bis zum letzten Atemzug erneuert werden, „jetzt und in der Stunde unseres Todes …“, wie das Ave Maria sage.

Damit kehrte Leo XIV. zu den Worten zurück, die Maria genau an diesem Ort gesprochen hatte: „Buße! Buße! Buße!“. Sie habe das Wort dreimal wiederholt und Bernadette zugleich zu bestimmten Gesten aufgefordert. Daraus ergäben sich Fragen, die auch die Pilger beträfen: „Sind wir möglicherweise etwas langsam im Begreifen? Halten wir uns allzu leicht für sündlos? Üben wir nicht genug Buße?“. Die Aufforderung Mariens richte sich nicht nur an den einzelnen Menschen, der selbst der Umkehr bedürfe, sondern auch „für die Sünder“, für eine Welt, die auf dem falschen Weg sei. Angesichts der Konflikte, die immer weitere Kreise zögen und so viele unschuldige Leben zerstörten, müsse sich das menschliche Herz von diesem Ruf treffen lassen. Das Böse, das die Zeit heimsuche, stamme aus dem Herzen des Menschen. Gott sei dafür nicht verantwortlich. Leo XIV. verwies erneut auf Ezechiel: „Nicht mein Verhalten ist ungerecht“, sage Gott zu den Kindern Israels, „sondern das eure“ (vgl. Ez 18,25). Deshalb müssten sich die Herzen der Menschen ändern, „angefangen bei unserem eigenen“. Buße verstand Leo XIV. dabei als ein Werk der Liebe in Solidarität mit dem Menschengeschlecht. Sie entspringe der Liebe zu Gott, dessen durch die Sünden verwundetes Herz der Mensch heilen wolle, und der Liebe zu allen Brüdern und Schwestern, die dem Ruf zur Umkehr nicht folgten und durch ihre Verfehlungen dem Tod entgegengingen.

Diese Forderung bezog Leo XIV. ausdrücklich auch auf die Kirche. Auch sie befinde sich auf einem irdischen Pilgerweg und müsse den Mut haben, „diese Umkehr als Erste zu vollziehen“. Um von „den tiefen Wunden, der Untreue und den schmerzhaften Irrwegen, die in ihr begangen wurden“, zu genesen, müsse sie sich in Demut dem reinigenden Blick des Herrn stellen. Das Eingeständnis der eigenen Fehler sei für das geistliche Wachstum unverzichtbar. Leo XIV. führte dazu ein Wort des heiligen Augustinus an: „Bedaure stets, was du bist, wenn du erreichen willst, was du nicht bist“ (Sermo 169, 15.18). Die Aufforderung zur Umkehr verband Leo XIV. anschließend mit dem Gebet und dem Leiden. Die Worte Mariens zur Buße erfüllten mit Hoffnung, weil sie einen Weg wiesen, „wie wir den Lauf der Dinge ändern können“. Dieser Weg bestehe darin, sich „mit dem Leiden Christi zu vereinen“.

Den Kranken von Lourdes komme dabei eine besondere Aufgabe zu. Sie hätten die Möglichkeit, ihre Leiden und Schmerzen „in diesem Geist der Aufopferung zu leben“, um auf jenen Weg der Erlösung zu gelangen, den die Welt brauche. Deshalb wandte sich Leo XIV. unmittelbar an sie: „In diesem Sinne seid ihr wahrhaftig im Herzen der Kirche und eure Rolle ist unersetzlich“.

Am Ende seiner Predigt richtete Leo XIV. den Blick auf die Rückkehr der Pilger. Sie würden „von Lourdes nicht so zurückkehren, wie ihr hier angekommen seid“. Sie würden „als Missionare der Hoffnung aufbrechen“. Darin bestehe das Wunder dieses Ortes: „dass die Freude der Hoffnung gerade inmitten von Prüfung und Leid geweckt wird“. Die Jungfrau Maria heile den Blick und verwandle die Herzen, indem sie ihnen Frieden schenke. Die Pilger sollten in ihren Ländern, Diözesen und Familien „aktive Zeugen dieser göttlichen Kraft und Zärtlichkeit“ sein, die ihnen ermögliche, den Weg fortzusetzen und das Ziel zu erreichen. Getragen vom Gebet der Kranken und von der Liebe Marias sollten sie sich vertrauensvoll auf die Zukunft machen.

Den Abschluss bildete der Aufruf: „Fürchtet euch nicht vor den Stürmen der Welt!“. Die heilige Mutter Gottes wache über den Weg, hülle die Kirche „in ihren Mantel der Zärtlichkeit“ und leite „als strahlender Morgenstern“ die Schritte der Gläubigen, damit sie „in Freude zum Leben ihres Sohnes Jesus geboren“ würden.

 


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