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Das Herz der Geschichte schlägt in Christus

12. Juni 2026 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Leo XIV.: Abschluss der Apostolischen Reise nach Spanien. Die Berufung zur Begegnung, die Weisheit der Armen und das Herz Christi als Quelle des Lebens. Liebe, Gemeinschaft und die Offenheit für Gott und den Nächsten. Von Armin Schwibach


Teneriffa (kath.net/as) Mit einer Heiligen Messe im Hafen von Santa Cruz de Tenerife beendete Papst Leo XIV. seine Apostolische Reise nach Spanien. Im Mittelpunkt seiner Predigt stand das Herz Jesu, das er als Herz der Geschichte und als Ort deutete, an dem die Sehnsucht Gottes und die Sehnsucht des Menschen einander begegnen.

Zu Beginn dankte der Papst für die Zeugnisse des Glaubens und der Liebe, denen er während seiner Reise begegnet war. Die Kanarischen Inseln seien nicht nur wegen ihrer landschaftlichen Schönheit und ihrer Gastfreundschaft bekannt. Leo XIV. betrachtete den Archipel als einen Ort, an dem der Auferstandene seinem Volk vorausgehe und sich erkennen lasse. Das Meer und der Himmel vor der versammelten Gemeinde erinnerten an die Unendlichkeit. Noch größer sei jedoch jene Verbindung, die das Herz Gottes mit den Herzen der Menschen eingehe. Die Freuden und Hoffnungen, die Trauer und die Ängste der Menschen fänden, so erinnerte er mit einem Verweis auf das Zweite Vatikanische Konzil, im Herzen der Kirche ihren Widerhall.

Von diesem Gedanken aus wandte sich Leo XIV. dem Menschen als einem Wesen der Beziehung zu. Niemand sei eine Insel. Gerade die geographische Lage der Kanarischen Inseln und die pastoralen Herausforderungen der Ortskirche zeigten, dass der Mensch zur Begegnung geboren sei. Kein Hindernis, keine Entfernung, keine Gefahr und keine Bedrohung könnten diese grundlegende Berufung aufheben. Ob jemand sein ganzes Leben an einem Ort verbringe oder sich entscheide beziehungsweise gezwungen werde, aufzubrechen - niemand bleibe einfach stehen. Im Herzen des Menschen wirke ein Ruf, der ihn zum Aufbruch und zur Begegnung dränge. Der Papst bezeichnete dies als das Geheimnis des Herzens. Das Herz Jesu offenbare zugleich die Richtung, die dieser Bewegung Sinn gebe. Leo XIV. erinnerte an die Worte des Johannesbriefes: „Gott hat seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt, damit wir durch ihn leben“. Daraus folge, dass Leben dort entstehe, wo Leben verschenkt werde. Wer sich dagegen nur um sich selbst drehe, gerate in einen Kreislauf ohne Frucht. Der Papst griff einen Gedanken aus seiner Enzyklika Magnifica humanitas auf und betonte, der Mensch könne sich selbst nur durch die aufrichtige Hingabe seiner selbst finden. Seine tiefste Berufung bestehe darin, in jene Dynamik der Liebe einzutreten, die er von Gott empfange und an andere weitergebe.


Von dort führte Leo XIV. zur gegenwärtigen Kultur. Er erinnerte an Worte von Papst Franziskus aus der Enzyklika Laudato si’, wonach viele Menschen eine innere Unausgeglichenheit verspürten, die sie zu einem Leben in ständiger Eile antreibe. Der Mensch versuche unaufhörlich beschäftigt zu sein, überfahre dabei jedoch alles um sich herum. Diese Beobachtung verband der Papst mit der touristischen Wirklichkeit Teneriffas. Er stellte Fragen, die sich sowohl an die Besucher der Insel als auch an ihre Bewohner richteten: Wonach suche das menschliche Herz? Wie lasse sich sein Durst wirklich stillen? Und wie wichtig sei es für Christen, das Leben nicht auf Geschäft, Gewinn und Nutzen zu reduzieren? Leo XIV. erinnerte daran, dass der Mensch den Augenblick gerade dann tiefer erfahre, wenn er nicht ständig nach Neuem greife. Wer aufhöre, überall etwas aufzupicken, lerne den Wert der Menschen und der Dinge zu erkennen. Solche Menschen könnten sich an den einfachen Wirklichkeiten freuen, ihre unerfüllten Bedürfnisse verringern und sich von der Last eines rastlosen Strebens befreien. Vor diesem Hintergrund ermutigte der Papst die Gläubigen, ihre Berufung zur Gastfreundschaft zu leben.

Anschließend richtete er den Blick auf das Evangelium des Tages. Dieses führe in ein Paradox hinein: in den Reichtum der Armen. Gerade darin werde das Leben Jesu sichtbar. Im Evangelium preise Christus den Vater, weil er sich den Kleinen offenbart habe. Leo XIV. erklärte, dass damit die Geringsten gemeint seien, jene Menschen, die andere oft für unfähig hielten zu denken oder zu sprechen. Gott habe ihnen etwas geschenkt, das den Erfolgreichen und Bewunderten verborgen bleibe. Der Papst erinnerte daran, dass er diesem Vorrang der Armen in seinem Apostolischen Schreiben Dilexi te besondere Aufmerksamkeit gewidmet habe. Die Armen nähmen in der Offenbarung Gottes und in der Sendung der Kirche einen Platz ein, der nicht ersetzt werden könne. Von hier aus sprach Leo XIV. über die Situation der Kanarischen Inseln als Knotenpunkt großer Migrationsbewegungen. Auf diesen Inseln werde das Geheimnis des Evangeliums in besonderer Weise sichtbar. Viele Männer, Frauen und Kinder erreichten die Küsten nach einer Reise, die von Gefahren und Gewalt geprägt gewesen sei. Angesichts jener, die aus der Verzweiflung anderer Gewinn zögen, rief der Papst dazu auf, Christus nachzuahmen, der spreche: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken“.

Dabei beschränkte Leo XIV. die christliche Haltung nicht auf Hilfeleistung. Die größte Gnade bestehe darin, sich von den Armen selbst evangelisieren zu lassen. Christen sollten in ihrem Leben die Weisheit Gottes erkennen, die in den Erfahrungen dieser Menschen eingeschrieben sei. Der Papst erinnerte daran, dass viele Arme unter Bedingungen aufgewachsen seien, die von Unsicherheit geprägt waren. Sie hätten gelernt, unter widrigen Umständen zu überleben, auf Gott zu vertrauen und einander in den dunkelsten Stunden beizustehen. Dadurch hätten sie Erkenntnisse gewonnen, die sie im Geheimnis ihres Herzens bewahrten. Wer solche Erfahrungen selbst nicht gemacht habe, könne aus dieser Quelle der Weisheit lernen. Leo XIV. erinnerte daran, dass das eigene Klagen erst dann seinen rechten Platz finde, wenn es mit den Leiden und Entbehrungen der Armen verbunden werde. Gerade daraus erwachse die Aufforderung, das eigene Leben einfacher zu gestalten. Der Herr wolle, so führte der Papst mit einem Hinweis auf die Offenbarung des Johannes aus, das Leben seiner Jünger einfach und freudvoll werden lassen.

Zum Abschluss dankte Leo XIV. den Gläubigen für ihren Dienst und ihr Zeugnis. Sie machten die Insel zu einem Ort, an dem Menschen im freundschaftlichen und gastfreundlichen Gesicht von Gemeinschaften das Herz Christi entdecken könnten. Das Bekenntnis des Johannesbriefes - „Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen“ - solle ihr Leben prägen und sie zum Gebet und zum Handeln bewegen. Der Papst rief die Gläubigen auf, den Heranwachsenden und den jungen Menschen, den Reichen und den Armen, den Einheimischen und den Gästen Aufmerksamkeit zu schenken. Jeder Mensch müsse mit einem Blick betrachtet werden, der tiefer reiche als der äußere Schein und die Unruhe des Herzens wahrnehme. Oft sei dieses Herz bereits, vielleicht ohne es selbst zu wissen, auf das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit ausgerichtet.

Seinen Schlusspunkt setzte Leo XIV. mit den Worten des Apostels Johannes: „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm“. Darin liege das Herz des Evangeliums und das Herz Christi. Wer in dieses Geheimnis eintauche, lebe nicht mehr für sich allein. Deshalb richtete der Papst an die Kirche auf den Kanarischen Inseln seinen Wunsch und sein Gebet: „Öffnet allen dieses Meer der Liebe!“.

 


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