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Seligsprechungsprozess für Pater Alfred Delp SJ wird eröffnet

24. Jänner 2026 in Chronik, 10 Lesermeinungen
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Mit Messfeier am 2.2. im Münchner Liebfrauendom wird Kardinal Reinhard Marx das Seligsprechungsverfahren für den Jesuitenpater und Widerstandskämpfer Alfred Delp SJ eröffnen, der am 2. Februar 1945 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde


München (kath.net/pem) Mit einem feierlichen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom wird Kardinal Reinhard Marx am Montag, 2. Februar, um 18 Uhr das Seligsprechungsverfahren für den Jesuitenpater und Widerstandskämpfer Alfred Delp SJ eröffnen, der am 2. Februar 1945 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Im Rahmen des Gottesdienstes, der zum Fest der Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess) und am „Tag des Geweihten Lebens“ stattfindet, wird der Erzbischof von München und Freising nach einer Ansprache durch Vizepostulator Pater Toni Witwer SJ das Seligsprechungsverfahren eröffnen und die Mitglieder des kirchlichen Gerichtshofs, der das Verfahren leiten wird, ernennen. „Für die Nationalsozialisten war Alfred Delps christliche Überzeugung von der Freiheit und Würde aller Menschen eine solche Bedrohung, dass sie ihn gefangengenommen, gedemütigt und schließlich hingerichtet haben“, erklärt Kardinal Marx. „Wir beginnen sein Seligsprechungsverfahren in dem Bewusstsein, dass auch heute die Stimmen wieder lauter werden, die in der Unterdrückung anderer Menschen ein Zeichen von Stärke sehen. Ihnen stellen wir uns entgegen: Nicht Gewalt, Hass und Nationalismus machen eine Gesellschaft stark, sondern Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit.“
 
Pater Alfred Delp SJ (1907-1945) ging als Glaubenszeuge in die Geschichte des Widerstands gegen den Nationalsozialismus ein. Er trat 1926 in den Jesuitenorden ein und wurde Redakteur bei den „Stimmen der Zeit“, einer bis heute erscheinenden Zeitschrift der Jesuiten. Nach dem Verbot der Zeitschrift wurde Pater Delp 1941 Kirchenrektor von St. Georg in München-Bogenhausen. In seinen Predigten und Artikeln stellte er sich gegen die Ideologie der Nationalsozialisten und deren feindliche Haltung gegenüber dem Christentum. 
 
Durch seinen Provinzial vermittelt, nahm Alfred Delp im Frühjahr 1942 Kontakt zum „Kreisauer Kreis“ um Helmuth James Graf von Moltke auf. Diese Gruppe von Intellektuellen und Politikern stellte sich gegen das Regime und beschäftigte sich mit den Fragen einer künftigen Gesellschaftsordnung in Deutschland und einer Neuordnung Europas. Alfred Delp brachte bei den Beratungen kirchliche Impulse und Forderungen für soziale Gerechtigkeit ein. Aufgrund seiner Kontakte zum Kreisauer Kreis und zu Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde Alfred Delp Ende Juli 1944 im Zusammenhang mit dem Attentat auf Adolf Hitler verhaftet und wegen Hoch- und Landesverrats angeklagt. Trotz der Gefahr für sein Leben blieb er im Glauben standhaft. Mitbruder Franz von Tattenbach SJ besuchte ihn im Gefängnis und nahm dem an den Händen gefesselten Delp die Letzten Gelübde als Jesuit ab.  
 
Anfang Januar 1945 wurde Alfred Delp vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. „Mein Verbrechen ist, dass ich an Deutschland glaubte auch über eine mögliche Not- und Nachtstunde hinaus“, schrieb Delp unmittelbar nach seiner Verurteilung und fügte hinzu, dass er dies „als katholischer Christ und als Jesuit“ tue. Am Nachmittag des 2. Februar 1945 wurde Alfred Delp in der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee gehängt, seine Asche auf den Berliner Rieselfeldern zerstreut.
 
Mit der Eröffnung des Seligsprechungsprozesses sind alle Gläubigen aufgerufen, dem kirchlichen Gerichtshof Informationen zukommen zu lassen, die für das Seligsprechungsverfahren nützlich sein könnten, beispielsweise zum Leben und Wirken von Alfred Delp oder zu Gebetserhörungen. Im Rahmen des Seligsprechungsverfahrens werden durch den bischöflichen Beauftragten und den Kirchenanwalt Zeugen befragt, die über die Persönlichkeit, die Biografie und das Wirken von Alfred Delp Auskunft geben können. Bei Delp, der für seine religiös begründeten Überzeugungen von den Nationalsozialisten getötet und so zum Märtyrer wurde, liegt der Schwerpunkt auf seiner Verfolgung, Haft und Ermordung. Bereits im Gang ist eine Erfassung und Auswertung der veröffentlichten wie auch unveröffentlichten Schriften Delps. Die gesammelten Informationen sollen umfassend, ausgewogen und objektiv sein. Diese diözesane Phase des Verfahrens dauert voraussichtlich mehrere Jahre, im Anschluss beginnt die römische Phase unter der Regie des Generalpostulators beim vatikanischen Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse.
 
Fast 40 Jahre liegen die jüngsten Seligsprechungen in der Erzdiözese München und Freising zurück: Der Jesuit Rupert Mayer, der als „Apostel Münchens“ vor allem für sein caritatives Wirken und seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus verehrt wird, wurde 1987 seliggesprochen. 1988 folgte der Redemptoristenpater Kaspar Stanggassinger, der in Gars am Inn als Erzieher tätig war. Maria Theresia von Jesu Gerhardinger, die Gründerin der Kongregation der Armen Schulschwestern mit Sitz in München, wurde 1985 seliggesprochen. Die diözesane Phase der Seligsprechungsverfahren für den Journalisten und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Fritz Gerlich sowie für den Religionsphilosophen Romano Guardini wurde 2017 eröffnet und läuft derzeit.

Archivfoto: Alfred Delp als Redakteur in der „Stimmen der Zeit“, ca. 1941 (c) Copyright: ECE-Provinz SJ



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