Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Piusbruderschaft kritisiert ‚Doppelmoral‘ nach Verweigerung des Zutritts zur Basilika in Assisi
  2. Eine „Erzbischöfin“ stürzt die Anglikanische Kirche ins Chaos
  3. Dann sollen sie doch in die Hölle gehen
  4. Tantum ergo Sacramentum
  5. Kardinal Burke: Sexuelle Unmoral heute erinnert an Sodom und Gomorrha
  6. Kardinal Müller: „Muslime respektieren kein schwaches Christentum, das sich des Kreuzes schämt“
  7. Eine vergiftete Unterstützungserklärung
  8. Während Messfeier mit Erstklässlern: Bengalisches Feuer in katholische Kirche geworfen
  9. 'Gott, hilf mir. Jesus, hilf mir. Seid ihr Jungs bereit? Let’s Roll'
  10. ‚Das Exil von Pater Edmund‘
  11. Nigeria: Bischöfe schlagen nach erneuten Massakern Alarm
  12. Spannungen hinter den Kulissen: Papst lehnt gemeinsamen Auftritt mit Macron in Notre-Dame ab!
  13. 'Ich würde mir gerne Sorgen machen, aber ich mache mir keine'
  14. Niederlande: Ein zweijähriges Kind wurde durch Euthanasie getötet
  15. Die katholischen Bischöfe übernehmen die Schirmherrschaft zum Marsch für das Leben/Slowakei

Erzbischof Heße: „Christen sind Brückenmenschen! Unser Erkennungszeichen ist das Kreuz“

27. September 2024 in Spirituelles, 8 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Predigt bei DBK-Vollversammlung: „Als Christen dürfen wir nie hinter das Kreuz zurückfallen. Im Gegenteil, wir stehen zum Kreuz und wollen als Brückenmenschen da sein. Dabei müssen wir nicht aus eigenen Kräften handeln.“


Fulda (kath.net/DBK) kath.net dokumentiert die Predigt von Erzbischof Dr. Stefan Heße (Hamburg) in der Schlussvesper zur Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 26. September 2024 in Fulda in voller Länge:

Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst,
liebe Schwestern und Brüder!
Brücken haben etwas Faszinierendes, denken Sie nur an die Golden Gate Bridge in San Francisco, die berühmte Brücke von Mostar oder an die Steinerne Brücke in Regensburg.

15 Tage ist es her, dass in Dresden die Carolabrücke mitten in der Nacht zusammenbrach. Immer dann, wenn eine solche Brücke beschädigt wird oder gar zusammenbricht, geht uns das nach. Zerstörte Brücken, abgebrochene Verbindungen zwischen zwei Stadtteilen oder Landstrichen – solche Bilder assoziieren wir intuitiv mit Kriegsbildern, wo die Zerstörung von Brücken als Schutztaktik, dann aber auch als ein gezieltes Schwächen der Infrastruktur geschieht.

Eine eingestürzte Brücke wird so schnell zum Symbol der Fragilität unseres Daseins. Wir merken: Das, was sonst verbindet und zusammenhält, kann jederzeit auseinanderbrechen. Unvorstellbar erschütternd der Gedanke an die Situation jener Menschen, die zur Zeit eines Einsturzes auf der Brücke waren – ganz drastisch etwa in Genua vor einigen Jahren.

Christen sind Brückenmenschen! Unser Erkennungszeichen ist das Kreuz. Das Kreuz ist eine Brücke, ja die Brücke schlechthin. Unsere Vorfahren haben das ausgedrückt in dem alten Passionslied „O du hochheilig Kreuze“, in dem es in einer Strophe über das Kreuz heißt: „Du bist die starke Brücke, darüber alle Frommen wohl durch die Fluten kommen“.


Die beiden Dimensionen des Kreuzes stehen für Verbundenheit und Miteinander. In der vertikalen Dimension sehen wir Christus ausgespannt zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und den Menschen. Am Kreuz wird auf existenzielle Weise deutlich: Er, der Sohn Gottes, lässt sich am Kreuz auf das ganze menschliche Leben, die ganze Armut bis hin zum Tod ein. Er geht an diesen äußersten Punkt und schreckt nicht davor zurück.

Und dann die horizontale Dimension: Jesus breitet am Kreuz die Arme weit aus, nach rechts und nach links, um alle miteinander zu verbinden und zu vereinen. Stellvertretend wird dies deutlich an dem einen Schächer, dem er zusagt: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43). Und nicht zuletzt am römischen Hauptmann, der im sterbenden Christus nicht mehr den unliebsamen Untertanen, sondern einen Gerechten erkennt und Gott preist. Das Kreuz will verbinden, es schafft das große Miteinander unter uns Menschen.

Als Christen dürfen wir nie hinter das Kreuz zurückfallen. Im Gegenteil, wir stehen zum Kreuz und wollen als Brückenmenschen da sein. Dabei müssen wir nicht aus eigenen Kräften handeln. Wenn wir es genau betrachten, brauchen wir diese Brücke nicht zu bauen. Wir dürfen sie nutzen, wir können gleichsam über sie hinübergehen. Das entlastet uns ungemein. Wir sind gefragt, die Brücke mit zu pflegen, zu erhalten und immer wieder selbst zu beschreiten.

Dazu drei kurze Anregungen:

Pflegen wir in unserem persönlichen Glauben das, was wie eine Brücke die Verbindung zwischen Gott und uns Menschen stärkt. Spiritualität, geistliches Leben, oder einfach gesagt, Frömmigkeit besteht nicht darin, etwas zu absolvieren oder zu erfüllen, sondern hat den tiefen Sinn, eine Brücke zu Gott zu beschreiten. Wenn ich bete, in der Heiligen Schrift lese oder einfach still werde und mich Gott aussetze, bin ich längst auf dieser Brücke. Pflegen Sie stetig die Brücke, die Ihre Verbindung zu Gott lebendig hält!

Ein Zweites: Brücken haben es an sich, dass sie unterschiedliche Landschaften, manchmal gar verschiedene Länder verbinden, z. B. die Øresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden oder in unserem Partnerbistum die Tancredo Neves Bridge der brasilianischen Stadt Foz do Iguaçu mit der argentinischen Stadt Puerto Iguazú über den Iguaçu-Fluss. Ich erlebe das als Erzbischof von Hamburg durch den hohen Anteil von Katholiken anderer Muttersprache. Über ein Drittel der Katholiken im Norden haben einen Migrationshintergrund und ihr Anteil steigt. Sie sind keine Gäste, erst recht keine Fremden. Der eine Glaube unserer Weltkirche verbindet uns zu einer Familie. Im Heiligen Geist gehören wir alle zu der einen Kirche in einem großen Miteinander.

Viel zu oft liegt in diesen Tagen der Fokus auf den Negativmeldungen, die leider sehr traurige Schlagzeilen schreiben. Doch wie viele positive Beispiele gibt es von zugewanderten Menschen, die sich mit ihrer ganzen Arbeitskraft und ihren Qualifikationen einbringen? Dort wo Integration gelingt, wird spürbar, dass wir zueinander gehören. Und „katholisch gewendet“ wird deutlich: Der eine Glaube unserer Weltkirche verbindet uns zu einer Familie.

Und ein Letztes: Eine Brücke ist nicht nur für mich, sondern für alle. Paulus spricht einerseits von dem pro me = für mich und dann wieder vom pro nobis = für uns. Deswegen dürfen wir nie individuell oder gar individualistisch bleiben, sondern sind eingeladen, immer universell zu denken. In einer Gesellschaft, die momentan eher in extremen Zuspitzungen lebt, brauchen wir immer wieder Brücken, die uns miteinander verbinden. Als Christen setzen wir uns für Einheit und Versöhnung ein, für Integration und Inklusion.

Übertragen auf das Bauwerk unserer Demokratie, bedarf es auch hier immer wieder der Instandsetzungsarbeiten, damit die Konstruktion auch weiterhin trägt. Wer jedoch dilettantische und grobe Ausbesserungen vorschlägt, wie wir es etwa in der aktuellen Asyldebatte sehen, gefährdet die Stabilität. Es bleibt ein Ringen um gute Lösungen, um der Komplexität der Thematik gerecht zu werden. Jesus Christus hat uns das vorgemacht: Er ist selbst zu dieser Brücke geworden und an den Punkt gegangen, wo die Verbindung am empfindlichsten gestört war: Leid, Sünde und Tod.

Vielleicht kann uns zum Abschluss ein letztes Bild Mut machen: Nicht alle Brücken müssen, damit sie tragen und ihren Zweck erfüllen, gemauert sein. Ich denke etwa an eine Hängebrücke: Sie überspannt oft den Abgrund zwischen zwei Stützpunkten. Dann und wann kann man durchblicken und sieht, welcher Abgrund zu überwinden ist. Hin und wieder schwankt sie und es ist ziemlich ungemütlich, sie zu überschreiten. Es gibt sicher Menschen, die es nicht schaffen, eine solche Brücke zu nutzen. Ich wünsche uns dazu die nötige Kraft und den nötigen Mut; unsere Brücke ist Christus und die steht! Wir brauchen sie nur zu überqueren.
Amen.

Erzbischof Heße während der Schlussvesper © DBK/Marko Orlovic


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu








Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Robert Bellarmin SJ – De gemitu columbae
  3. DJ "Padre Guilherme" begeistert in Mörbisch 5.000 Jugendliche
  4. Dann sollen sie doch in die Hölle gehen
  5. Präsident der Akademie für das Leben meint: Unvollkommenes Euthanasiegesetz unterstützen
  6. Papst-Tipps an neue Bischöfe: Namen Kennen, Zuhören und Hausbesuche
  7. „Selbst wenn ein paar Omas dazu gedrängt werden – ist das nicht ein Preis, den man zahlen kann?“
  8. 'Gott, hilf mir. Jesus, hilf mir. Seid ihr Jungs bereit? Let’s Roll'
  9. Nigeria: Bischöfe schlagen nach erneuten Massakern Alarm
  10. Erzbischof von Westminster: „Wir beten für eine Neuevangelisierung Englands“
  11. Benedikt XVI. zum Fest Kreuzerhöhung: „Ein unlösliches Band zwischen Kreuz und Auferstehung“
  12. Vergebung kennt keine Grenze
  13. Papst gewährt Mexiko "Heiliges Jahr" zum Guadalupe-Jubiläum
  14. Jesus in Hollywood: Eucharistische Prozession in den Straßen der Filmmetropole
  15. Hofer: Mit Franziskus gegen "angepasstes Kulturchristentum"

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz