02 März 2020, 11:45
'Übertragungen durch Weihwasser bisher nicht beschrieben'
 
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kath.net-Interview mit Dr. Markus Franz, Internist und Experte beim Thema "Corona-Virus": Messen abzusagen ist aus medizinischer Sicht nicht notwendig. Priester sollten nur Handkommunion durchführen und selber ganz penibel auf Händehygiene achten

Wien (kath.net/rn)
Markus Franz ist Facharzt für Innere Medizin in Wien, Katholik und ehemaliger politischer Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat und als Experte beim Thema "Coronavirus" seit Tagen in österreichischen Medien unterwegs. kath.net sprach mit ihm über den Virus und auch damit, wie sinnvoll manche Maßnahmen in der katholischen Kirche hier sind.

kath.net: Das Corona-Virus bewegt derzeit die Menschen, Hysterie und Panik breiten sich täglich aus. Sie sind Internist und gelten als österreichischer Experte bei dem Thema Wie ernst ist die Lage wirklich? Für wen ist die Lage wirklich gefährlich?

Dr. Markus Franz Dazu gibt es mehrere Antworten:

Das Virus ist sehr infektiös, das heißt, es verbreitet sich relativ rasch und kann daher viele Menschen befallen. Allerdings ist seine Pathogenität (also seine krankmachende Eigenschaft) eher gering, weil es fast nur für Risikogruppen Auswirkungen hat bzw. für diese gefährlich ist.

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Insgesamt ist die Lage also auch bei einer größeren Ausbreitung aus heutiger Sicht für die Mehrzahl der Bevölkerung nicht dramatisch oder wirklich gefährlich.


Für bestimmte Menschen besteht aber ein eindeutig erhöhtes Risiko:

Das sind grundsätzlich ältere Leute (ab 50) und Personen, die chronische Krankheiten (besonders Lungen- und Herzerkrankungen) haben.

Männer sind prinzipiell häufiger betroffen als Frauen. Kinder haben dagegen fast kein Erkrankungsrisiko. Das ist ein Lichtblick, weil man muss sich um die Kinder und Jugendlichen eigentlich keine Sorgen machen.

Die Schulsperren, über die aktuell immer wieder gesprochen wird (und wo eine in Wien schon stattgefunden hat), dienen dazu, die Verbreitung des Virus einzudämmen, weil Schulen bei allen Infektionskrankheiten und Epidemien als "Hot Spots" gelten. In Schulen wird das Virus von symptomlosen Überträgern an viele Kinder weitergegeben, die wiederum die Viren nach Hause bringen.

Generell gilt:

Von den Infizierten erkranken 80% nur leicht und bekommen lediglich verkühlungsähnliche Symptome wie Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Viele von diesen 80% haben aber überhaupt keine Symptome.

20% der Infizierten erkranken jedoch schwerer und entwickeln hohes Fieber und Lungenentzündungen. 5% der Infizierten können sogar schwerstkrank werden, sodass sie eine stationäre Versorgung und auch Intensiv-Behandlung bzw. manchmal Beatmungshilfe benötigen.

Dieses Risiko betrifft wie erwähnt vor allem Alte und polymorbide Patienten, die an mehrere Krankheiten leiden und einen bereits angegriffenen Gesundheitszustand haben.

Die Sterblichkeit beträgt zwischen bei 0,7% bis 2,5% - aber auch hier gilt, dass die Sterblichkeit bei den jüngeren Menschen praktisch bei Null liegt, ab dem 50. Lebensjahr jedoch deutlich ansteigt.

kath.net: Warum wird dann aber so viel von Abriegelungen und Quarantäne gesprochen?

Dr. Markus Franz Das hat einen einfachen Grund: Man muss davon ausgehen, dass sehr viele Menschen infiziert werden. Wissenschaftler schätzen, dass ca 40-60% aller Menschen irgendwann das Virus erwerben werden. In absoluten Zahlen betrachtet wird es dann natürlich auch mehr Kranke und auch eine insgesamt höhere Sterblichkeit geben.

Andererseits werden die meisten Infizierten nach der Infektion eine Immunität entwickeln und damit für die Zukunft geschützt sein.

kath.net: Wie können sich Menschen effektiv schützen und was ist eher sinnlos?

Dr. Markus Franz Der beste Schutz ist die Hände-Hygiene: Ordentliches Händewaschen mit Seife (mindestens 20-30 Sekunden) und Hände-Desinfektion mit hochprozentigen Desinfektions-Mitteln, wie sie schon seit Jahrzehnten im Handel sind.

Ebenso ist das bei uns übliche Händeschütteln als Gruß derzeit dringend zu unterlassen. Das Meiden großer Menschenansammlungen ist ebenfalls günstig. Weiters sollte man versuchen, im öffentlichen Raum zu anderen Menschen zumindest eine Armlänge Abstand zu halten. Um hustende oder schnupfende Mitmenschen sollte man derzeit einen Bogen machen und wenn man selber hustet oder niest, bitte in die Ellenbeuge! ("Sogenannte Husten- und Nies-Etikette)

Sinnlos ist das Tagen einer Maske. Das ist nur für medizinisches Personal zu empfehlen, weil Ärzte und Pfleger sehr oft und intensiv Kontakt zu Infizierten haben (werden).

Ebenso ist die Maske Leuten anzuraten, die starken Husten haben, damit sie andere nicht anstecken - grundsätzlich ist es für diese Personen aber am besten, zu Hause zu bleiben („Selbst-Quarantäne“).

kath.net: Auch in der katholischen Kirche gibt es lokal schon Maßnahmen, die bei Katholiken zum Teil für Kopfschütteln sorgen. So gibt es in manchen Kirchen kein Weihwasser mehr, der Friedensgruß und die Mundkommunion wurde schon untersagt. In manchen italienischen Diözesen wurden schon Kirchen völlig zugesperrt, Beerdigungen sollen nur mehr im engen Familienkreis stattfinden, sogar Messen wurden abgesagt? Was ist wirklich sinnvoll und wo herrscht hier auch Panik in der Kirche?

Dr. Markus Franz:
Übertragungen durch Wasser bzw. Weihwasser sind bisher in der Wissenschaft nicht beschrieben. Allerdings hat man in der Kirche meist wenig Abstand zu anderen Gläubigen, man sollte daher versuchen, auch dort diese Maßnahme einzuhalten, was bei gut besuchten Messen schwierig ist.

Die daraus zwingend hervorgehende Empfehlung lautet: wenn die Kirche am Sonntag sehr voll erscheint, lieber an einem anderen Tag zur Messe zu gehen.

Der Friedensgruß ist naturgemäß "Händeschütteln", man sollte ihn zur Zeit nicht in der traditionellen Form durchführen, sondern nur die Hand grüßend Richtung Nachbarn heben.

Von der Mundkommunion ist abzuraten, die Priester sollten nur eine Handkommunion durchführen und selber ganz penibel auf Händehygiene achten (zB mittels Desinfektionsflasche vor der Kommunion)

Messen abzusagen ist aus medizinischer Sicht nicht notwendig. Ebenso kann man Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen besuchen - aber immer unter der Prämisse der hier erwähnten und einfach durchzuführenden Vorsichtsmaßnahmen.

kath.net: Danke für das Interview






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