23 März 2018, 11:45
New Age – eine modische Heilslehre, theologisch inspiziert
 
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"Die katholische Kirche hat esoterischen Praktiken ihre Tür nicht nur einen Spalt weit geöffnet, sie finden sich in Klostergemeinschaften, Priesterseminaren, bei der Caritas." Von Paul Josef Kardinal Cordes

Heiligenkreuz-Vatikan (kath.net/pl) Der emeritierte Kurienkardinal Paul Josef Cordes hielt diesen Vortrag am 17. 3. 2018 im Rahmen einer Tagung an der Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz. kath.net dankt S.E. für die freundliche Erlaubnis, den Vortrag in voller Länge zu veröffentlichen.

New Age – eine modische Heilslehre, theologisch inspiziert

Arnold Gehlen beschrieb den Menschen als „Mängelwesen“. Mit dieser Charakterisierung wollte er das „Animal rationale“ vom Tier absetzen. Wohl fand seine Anthropologie keine allseitige Anerkennung. Doch bleibt der Begriff „Mängelwesen“ auch außerhalb von Gehlens Denk-System einer negativen Sozialphilosophie gültig; der Befund hat als ein wichtiger Hinweis auf unser aller Anfälligkeit und Bedürftigkeit Bestand.
Religionen legten von je her Wege vor, der menschlichen Schwäche beizukommen. Kreatürliches Ungenügen schaffte sich den Kosmos heidnischer Götter. Die biblische Offenbarung des Alten und Neuen Bundes ist gleichfalls damit befasst, auf die unterschiedlichsten Formen menschlicher Not einzugehen. Nicht nur das. Die Bewältigung von Ohnmacht und Elend erscheint in der Bibel sogar als ein wesentlicher Anknüpfungspunkt göttlichen Heilsgeschehens. Etwa während des öffentlichen Wirkens Jesu Christi. Die Evangelien sind durchzogen von Jesu Gunstbeweisen an Leidenden und Bedürftigen. Allerorten greift er ein, um Elend zu wenden und Leben zu retten. So finden sich etwa allein im Markus-Evangelium zwölf Heilungswunder: der Besessene in Kafarnaum (Kap 1), die Schwiegermutter des Petrus (dto.), der Aussätzige (dto.) ein Gelähmter (Kap 2) etc. etc. Als Jesus von Johannes dem Täufer befragt wird, macht er selbst seine physischen Wohltaten zum Kennzeichen seiner Person: „Blinde sehen wieder, und Lahme gehen umher; Aussätzige werden rein, Taube hören und Tote stehen auf…“ (Mt 11,5ff.). Er kümmert sich um Speise und Trank: die Verwandlung des Wassers in Wein (Jo 2,1ff.); die wunderbare Brotvermehrung (Jo 6,1ff.). Schließlich greift er ein gegen die Bedrohungen des Menschen durch die Natur: etwa die Stillung des Seesturmes (Mk 6,48ff.).

Yoga und seine vielen Strömungen

Solcher Befund der Offenbarung lässt keinen Zweifel: kein Christ darf den menschliche Hilferuf überhören. Ihn anzunehmen, ist Christi Auftrag. So wurde menschliches Bedürfnis für die Kirche immer schon zur Verpflichtung. Deren Geschichte ist durchzogen von eindrucksvollen Traditionen des Helfens aller Art. Wie viele Heilige gründeten Orden zur Bekämpfung von Leid – bis hin zur Heilige Mutter Teresa in unsern Tagen. Angesichts dieser rühmenswerten Vergangenheit ist hier zunächst vielleicht ein kleiner Zwischenruf gestattet: Mögen auch immer wieder gegenchristliche und gegenkirchliche Stimmen lauthals unsere Glaubensgemeinschaft heruntermachen: Wir sind als Kirche stolz auf unsere Vorreiterrolle im Dienst am Menschen.

Wie nun lässt sich die moderne Welle asiatischer Meditations-Praktiken in den erwähnten kirchlichen Heilswillen integrieren? Ich selbst habe als Student der Theologie mit Interesse etwa schon in den 50er Jahren die Publikation des Jesuiten Hugo M. Enomiya Lassalle „Yoga für Christen“ gelesen; er war in dieser Zeit sehr bekannt als buddhistischer Zen-Meister. Seine Publikation versprach uns Seminaristen Konzentrationskraft, Entspannung und seelische Ruhe. Warum sollte ich sie nicht versuchen? Zumal sie von einem Jesuiten stammte. Im katholischen Standartwerk „Lexikon für Theologie und Kirche“ Bd. 10 (von 1965) spricht der art. „Yoga“ durchaus positiv von der vermittelten Ich-Stärke und den Heilungskräften. Unerwähnt bleibt dort freilich, dass Yoga - dem Buddhismus verbunden - durch Mediation wohl Erleuchtung, doch auch Selbstauslöschung ansagt.

Das war Mitte des vorigen Jahrhunderts. Wie stellt sich heute die Welt dar, die uns die Heilungswege der östlichen Kulturen mitten in Europa anbietet? „Yoga für Christen“ trat zunächst als simple Gymnastik auf; als harmloser Gesundmacher. Es wurde in unsern Breiten fraglos zu den „Türöffnern“ für die asiatischen Heilsangebote. Inzwischen haben sich dann allerlei Meditations- Epigonen etabliert. Und ein großer – auch kirchlicher – Markt hat sich ihnen aufgetan. Vielleicht kann man dies neue, weite Feld mit den Sammelbegriffen „Neognosis“ und „Esoterik“ umreißen.

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Schon ein Blick ins Internet lässt einen Interessenten erkennen, welche Karriere die asiatischen Wellness-Angebote und ihre Meditationsformen im Westen gemacht haben. Neben „Yoga“ hier noch einige weitere:
• Taj Chi, ein im Westen rezipierter Taoismus meditativer Selbstverteidigung;
• Qui-gong als Konzentration des Geistes auf die inneren Körperorgane und auf die sie bewohnenden Götter, im Geist von Daoismus und Konfuzianismus;
• Reiki – eine japanische Heilslehre, die Führung zur Harmonie mit sich selbst und den Kräften des Universums verspricht;
• Osho, benannt nach einem indischen Philosophen, der die Neo-Sannyas-Bewegung begründete;
• Sathya Sai Babà, das ist der Name des Stifters eines weltweit arbeitenden indischen Hiflswerks und
• Ayurveda, eine indische Heilkur.

All diese ungewohnten Namen stehen nun allerdings nicht nur im Internet oder in einschlägigen Lexikon-Artikeln; nicht nur Sammelwerke in Bibliotheken vermerken sie. Es handelt sich um Aktionsgruppen mit effizienter Dynamik. Sie werden in Europa oft von einer starken Führungsschicht geleitet. Und die katholische Kirche hat ihnen ihre Tür nicht nur einen Spalt weit geöffnet. Unter den katholischen Ordenshäusern in der Bundesrepublik, die im Internet Qui-gong-Meditationen anbieten, fand ich auf Anhieb mehr als zehn Klostergemeinschaften. Ganz zu schweigen von den vielen Caritas-Stellen, die solche Gesundheitshilfen anbieten. Gewiss zeigen nicht alle gleich bei ersten Berührungen ihre weltanschaulichen Wurzeln. Doch früher oder später treten sie hervor. (Anm. Ein Symposion gab mir Ende November 2016 Gelegenheit, die Problematik beim Lehrstuhl für Caritas-Wissenschaft der Katholischen Fakultät der Universität Freiburg vorzutragen (Vgl. P. J. Cordes, Deus caritas est. Die Redaktionsgeschichte, in K. Baumann, Hg. Theologie der Caritas, Würzburg 2017, 101 – 112)) Eingefahrene, auch irrige Routen lassen sich jedoch leider nicht mit einem einzigen Zwischenruf korrigieren.).

Reiki

Damit wir uns nicht in Abstraktes verlieren, will ich zunächst referieren, was ich über Reiki in Erfahrung bringen konnte. Hinter dem Namen steht eine der bekanntesten Heilungsmethoden des New Age. Eine verzahnte Hierarchie sichert deren Zielvorgaben. Und sie ist im katholischen Raum fest etabliert: So bot Reiki etwa im Juni 2017 ein Symposion in Wien an unter der Leitung einer Reiki-Therapeutin, die Mitarbeiterin des Caritas-Verbandes ist. Oder der Caritas-Verband der Erzdiözese Paderborn, meinem Heimatbistum lud im vergangenen Jahr ein zu einem „Reiki-Schnupperkurs“ nach Brilon/Westfalen (Anm. Internet-Angaben abgerufen im Oktober 2017).

Bei so viel kirchlicher Umarmung kann nun die Gretchen-Frage nicht ausbleiben: Welche spirituellen Faktoren treten bei der Methode Reiki ans Licht? Zwei Beispiele mögen die weltanschaulich-religiösen Implikationen aufdecken. Das Internet gibt bereitwillig Auskunft.

In Deutschland etwa gilt die Inderin Mutter Meera für die Reiki- Anhänger als „vollständig erleuchteter Buddha“. Sie ist die Bezugsperson für die Einübung von Yoga-Mediation. Einer ihrer Anhänger verteidigt sie darum auf ihrer Home-Page. Der Yoghi mit Namen Nils Horn schreibt (Anm. Zeugnis über eine Begegnung mit ihr vom 28. 3. 2017, abgerufen 24. 10. 2017): „Mutter Meera lebt als Erleuchtete in einem Einheitsbewusstsein, besitzt aus meiner Sicht höhere spirituelle Fähigkeiten und kann ihre Anhänger durch die scheinbar zufälligen Ereignisse des Lebens führen. Ich habe auch erfahren, dass ich in einer Notsituation aus einer höheren Dimension Hilfe bekam. Die Erleuchtung ist eine Ebene über allen Begriffen. Man kann deshalb nach meiner Erfahrung Buddha Amitabha anrufen und bekommt von allen erleuchteten Meistern Hilfe, die energetisch mit Buddha Amitabha verbunden sind.“

Dass solche Heilungsbeziehungen die transzendent-religiöse Energie einbeziehen wollen, liegt auf der Hand; der Prozess beschränkt sich nicht auf physisch-diesseitige Kräfte. Dass sie mit dem christlichen Glauben unvereinbar sind, wird deutlich in der Reiki- Praxis. Eine Teilnehmerin an einem Reiki-Wochenende in Hamburg macht sich Luft.

Sie ist also fraglos keine Fanatikerin auf der Suche nach Häretikern. Als man sie in ihrem Kurs allerdings auf einige religiöse Fixpunkte von Reiki einschwören will, sperrt sie sich. Ihre Worte:

„Man wollte mir klar machen, dass:
• Gott lediglich universelle Energie ist, die von jedem Menschen angezapft werden kann. Nicht Gott entscheidet, wer seine Energie bekommt, sondern z.B. diese Reiki-Meisterin (für 190 EUR). Für mich suspekt: Gottes Energie käuflich?
• es gibt keinen Teufel, es gibt nichts Böses (jeder hat nur seine Aufgabe). Ich sagte diesen Leuten, sie sollen das mal einer Mutter erzählen, deren Kind sexuell missbraucht und getötet wurde. Ich glaube kaum, dass diese Mutter das versteht. Ich bekam darauf keine Antwort mehr.
• Wiedergeburt und Selbsterlösung. Man braucht keinen Jesus.
• neues Zeitalter, Wassermannzeitalter: alles wird besser und Reiki wird auf alle Menschen wirken und die Welt verändern.
• Wünsche ans Universum (jeder Wunsch geht in Erfüllung)
• Nachts geht die Seele spazieren. Wenn sich ein Spiegel in diesem Zimmer befindet, findet die Seele den Körper nicht mehr. Deshalb sollte im Schlafzimmer kein Spiegel sein.
• Ich sollte zuhause meine Kreuze alle abnehmen und durch ein "Omm"-Zeichen ersetzen. Man wollte mir gleich weißmachen, ein Kreuz macht jemanden schwach.“

Die Teilnehmerin fasst ihr Urteil zusammen:
„Ich weiß jetzt, dass ich mich nicht Gott sondern dem Teufel persönlich zugewendet habe. Es war mir eine Lehre“ (Anm. www Reiki „Aussteiger berichten“, abgerufen 29. 1. 2018).

Soweit die beiden Informationen. Gewiss geben sie keine Durchschnittserfahrung mit New Age wieder. Auch mag es sein, dass all die Zentren asiatisch inspirierter Gymnastik und solche östlichen Gesundheitstrainings anfangs heilend wirken. Doch bei manchem macht solches anfängliche „Schnuppern“ Appetit auf mehr. Oft genug wurde beobachtet, dass der Buddhismus eine ihm innewohnende, ihm anhaftende Dynamik hat. Je tiefer man in ihn eindringt, umso stärker fasziniert er. Die Sintflut von Veröffentlichungen des Buchmarkts und in Zeitschriften spricht für sich. Große Namen wie Richard Gere, Tina Turner, Cindy Crawford, Mehmet Scholl sind Zugpferde. Die 2010 geschätzten Zahlen, die für USA 3,8 Mio und für Europa 1,3 Mio Buddha-Anhängern nennen, sind bis heute nochmals um ein Vielfältiges gewachsen.(Kürzlich waren für die USA 20 Mio vermerkt.) All das legt nahe, in den beiden vorgetragenen Erklärungen aus dem Internet die berühmte Spitze des Eisbergs zu sehen. Dann drängt sich die Frage auf: Erkennen Kirchenleute die genannten Meditationsmethoden als „Trojanisches Pferd“ für unsere Offenbarungsreligion? Mit Achselzucken können sie der Welle kaum begegnen. Es ist äußerst dankenswert, dass die Hochschule „Heiligenkreuz“ sich mit dieser Tagung dem Boom stellt.

A – religiös?

Die asiatischer Heilsofferten treffen in der westlichen Hemisphäre auf eine Fülle von Gesundheits-Hungrigen. In all den meditativen Spielarten sehen Kenner den Einfluss des Buddhismus. Yoga und Reiki, Qui-gong und Osho, Sathya Sai Babà und Ayurveda – sind ohne Zen-Buddhismus nicht zu denken.

Inzwischen wird in all den vielen Variationen neben dem Buddhismus eine andere Klammer ausgemacht. Sie finden eine Gemeinsamkeit in einem freilich noch konturloseren Strom, der „New Age“ genannt wird. „New Age“ versteht sich als Bewegung, die „körperbezogene Techniken und die Beschäftigung mit außeralltäglichen, transpersonalen Bewusstseinszuständen“ umfasst, - „darunter solchen, die lange als abnormal und krankhaft gegolten hatten“. Ihre Übungen befreien den Menschen. „Alles, was das Christentum und wissenschaftliches Weltbild bislang abgelehnt hatten, genießt als Zeugnis von Wahrheiten …in der New Age –Theorie und - Praxis höchstes Ansehen“ (Anm. so K. Hoheisel art. New Age, in Theologische Realenzyklopädie, Bd. XXIV, 411 – 416, Berlin 1994). Marilyn Ferguson war eine der Pioniere von „New Age“. Die Autorin stellte seinen Aufbruch als eine neue „Ära der Liebe und des Lichtes“ vor. Der Mensch erlange durch sie ein „neues Bewusstsein“, weil er zu seiner eigenen inneren Kraft finde. Er habe erkannt: Seine Rettung kommt nicht von außen, sondern aus dem eigenen Inneren. Jeder hat selbst in diesem Erkenntnis-Prozess eine allumfassende Eigenverantwortung (Anm. Vgl. H. Graf ((Hg.)), Die New-Age-Bewegung, Heiligenkreuz 2017, 56).

Die angesprochenen unterschiedlichen Heilungs-Offerten geben durchgängig religiöse Neutralität und volle Kompatibilität mit christlichen Inhalten vor. Doch sind sie keineswegs nur rein technische Übungen wie das Fitness -Training in einem der modernen Sportpaläste. Oder wie die berühmten Wasserkuren des deutschen Pfarrers Kneip, der für seine Kuren – obwohl katholischer Priester – keine religiösen Elemente in seine Heilungsmethoden einbezog. Anders „New Age“. Anfangs mag der Heilungssuchende vom Lächeln und den sanften Brührungen der neuen Gesundheitsapostel auf deren religiöse Neutralität schließen. Doch alle haben ihre starken weltanschaulichen Parameter. Früher oder später zeigen die angebotenen Meditationsmethoden ihre geistesgeschichtlichen Wurzeln und transzendenten Implikationen. Dann tritt ihr Janus-Kopf zutage. Und niemand, der sich auf sie einlässt, sollte von seinen Lehrern fordern: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ Das wäre eine Paradoxie.

Interpersonalität

Die erste christliche Herausforderung durch New Age liegt in seiner These von der Selbsterlösung. Von dieser buddhistischen Lehre sind alle seine Zweige durchflutet und geprägt. Der tibetische Buddhismus fand sogar seine Popularisierung im Westen gerade durch New Age. Sein herausragender Vertreter in der westlichen Welt ist der gegenwärtige Dalai Lama. Zu Recht wird darum der Buddhismus auch in einem Vatikanischen Dokument als eine der Quellen von New Age bezeichnet (Anm. Päpstl. Rat für den Interreligiösen Dialog/Päpstl. Rat für die Kultur: Jesus Christus - Bringer des Wassers des Lebens vom 3. 2. 2003, 2,1). Oder zugespitzt gesagt: In der genannten Denk- und Heilsströmung „Buddha und New Age“ liegt ein Grundzug, der uns bei unserer theologischen Inspektion besonders zu beschäftigen hat: der Heils-Solipsismus. Im Zen-Buddhismus wird er greifbar. Wie versteht Zen-Buddhismus die Erlösung?

Das bedrängte Ich befreit sich aus eigener Kraft. Eine detaillierte Studie zum Buddhismus kommt zu dem Ergebnis: „Im Sinn des ursprünglichen Buddhismus setzt Zen-(Mediation) also sein ganzes Vertrauen auf das Selbsterleben des Menschen, die ‚eigene Macht‘“ (Anm. H. Küng, Christentum und Weltreligionen, München 1984, hier: Buddhismus und Christentum IV,2 Seite 591). Sei dein eigener Retter! Ich-Verkapselung und Egozentrik sind nicht nur unvermeidbar; sie sind sogar geboten. Der Weg wird bestimmt durch Isolation, Beziehungslosigkeit, Apathie - wie sie das buddhistische Ideal aufzeigen. Der Fachmann formuliert: „Eben dies ist die Seligkeit des Nirvana, dass es hier keine Empfindung gibt“. Das Individuum erlischt im Ozean der Entgrenzung. Der buddhistische Heilige erreicht sie schon zu Lebzeiten (Anm. H. Bechert, Buddhistische Perspektiven, in ibd. C II, 465 – 431, hier 428ff.).

Dem Okzidentalen fällt Nietzsches solipsistisches „Werde, was du bist“ ein, und er erhebt Widerspruch. Seit dem wichtigen Beitrag, den Martin Bubers (+1965) Philosophie zum Verständnis des Menschen beigetragen hat, überzeugt der gebieterische Individualismus mit seiner Egozentrik nicht mehr als anthropologisches Konzept. Interpersonalität ist angesagt. Buber macht einsichtig, dass der Mensch für sein Selbstsein die Bestätigung durch seine Umwelt braucht („Das Ja des Seindürfens“). Jemand bildet seine Identität, indem er zu dem ihn Umgebenden in Beziehung tritt: zur dinglichen Welt in einer Ich-Es-Beziehung und zum menschlichen Gegenüber in der Ich-Du-Beziehung. Er ist - im wechselseitigen Wirken von Ich und Du aneinander und aufeinander; Buber spricht von der Gleichursprünglichkeit der „Urworte Ich-wirkend-Du und Du-wirkend Ich“ (Anm. M. Buber Das dialogische Prinzip, Heidelberg 1962, 25). Oder – um es mit dem alttestamentlichen Weisen Kohelet - negativ auszudrücken: „Wehe dem, der allein ist“ (4,10). Mit diesem Vers öffnet die Bibel Interpersonalität für den Raum des Glaubens.

Der Relevanz unserer zwischenmenschlichen Abhängigkeit für unser Gottesverhältnis ist der französisch Priester und angesehene Theologe Jean Mouroux (+ 1973) nachgegangen. In einer kleinen Schrift untersucht er den Glaubensakt und gibt dem Gott-Sucher tiefsinnige Orientierung. Er geht zunächst davon aus, dass jemand einer anderen Person inne wird durch geistige Begegnung und geistliche Kommunion. Kenntnis und Liebe sind die Kräfte, die ihn von innen her aufladen; dann vermitteln sie einen vorher unbekannten Elan. Der Einzelne wird berührt und entdeckt ein Du. Ggfs. öffnet sich dann sein Inneres, sein „Herz“.

Gott-verwiesen

Solchem zwischenmenschlichen Verhalten analog vollzieht sich nach Mouroux auch der Glaubensakt. Wie der Mitmensch im Alltag, so kann auch Gott ein Ich ausmachen, indem er es anruft. Durch die Gnade gewinnt solcher Ruf übernatürliche Kraft. Der Mensch antwortet. Er ahnt zwar, dass er sich in etwas Ungewisse stürzt, sich auf ein Risiko einlässt. Doch er wünscht auch und rechnet damit, dass ihn Arme auffangen und halten werden (Anm. J. Mouroux, Ich glaube an Dich. Von der personalen Struktur des Glaubens, Einsiedeln 2. Auflage 1951, bes. 25ff.)

Es liegt auf der Hand, dass sich New Age mit seiner verkrüppelten Anthropologie und Selbstverkapselung fatal auf die menschliche Fähigkeit auswirken muss, sich auf Gott zu beziehen. Das Evangelium ist verlässlicher und belehrt uns dann auch eines Besseren. Jesu Heilstaten vollziehen sich in Begegnung, in menschlicher Kommunikation. Ihre Bedingung ist eine innere Hinwendung zum Heiland. Die Evangelisten nennen sie: Glaube. Gewiss bewältigt der Herr das Elend, stillt den Hungers, rettet aus der Not, erleichtert Leben. Doch ist seine Segnung kein bezahltes Amazon-Paket, das nur eine Sache abzuliefern hätte. Wer verkennt, dass Jesu Gabe immer an den Geber binden soll, der hat Jesu Erlösung gründlich missverstanden; er bleibt ein armer Solipsist.

Leider kommt der Theologe Hans Küng in seinen 200 Seiten zum Buddhismus auf die monomane Falle des Yoga nicht mit einer Zeile zu sprechen. Schlimmer noch: Der Aufriss, der Jesu Leben, Sendung und Weisung darlegt (Anm. etwa aaO. 457 und 460), enthält keinerlei Vermerk einer Gottes-Beziehung Jesu zum Vater im Himmel oder von Jesu Lehre über den Vater; das ist bei einem katholischen Universitäts-Lehrer wirklich bitter. Auch Küngs Vergleich der Frömmigkeitspraxis von Christen und Buddhisten kann nicht überzeugen. Korrekt weist der Autor zunächst dem Christen das Gebet zu; dass mit solchem Beten mystische Erfahrung verbunden sein kann, entfällt dann allerdings. Mystik ist Küng hingegen das charakteristische Merkmal des Zen-Buddhismus. Und schließlich verkündet er mit Emphase: Buddhistische Mystik stehe „unter dem großen Programmwort der Freiheit… Ist es nach alledem eine Überraschung, wenn auch Christen, die sich von kirchlicher Dogmatik, starren Regeln und geistiger Dressur bis ins Gebetsleben hinein reglementiert vorkommen, solch inhaltsfreies Denken, solche objektlose Meditation, solche beglückend erfahrene Leere als wahre Befreiung empfinden“ (Anm. H. Küng, aaO. 411- 614, hier 591 und 597)?

Vielleicht hier eine kleine persönliche Zwischenbemerkung. Es war vor Jahren im Internationalen Jugendzentrum „San Lorenzo“ in Rom. Junge Verantwortliche der neuen Geistlichen Bewegungen machten dort als freiwillige Helfer den Empfangsdienst für jugendliche Pilger aus aller Welt. Wir trafen uns wieder einmal zum Austausch und zur Ermunterung. Unvermittelt kam das Thema Yoga und Buddhismus auf. Offenbar hatte die Freundin eines Helfers zwei Jahre in Rom in einem buddhistischen Zentrum verbracht. Plötzlich sagte er zu ihr: „Erinnerst Du Dich noch an die Zeit, als Du das Kloster endlich wieder verlassen hattest? An Dein Fühlen und an Dein Verhalten? Du lachtest nicht mehr, hattest keinerlei Interesse an irgendetwas Schönem, an gutem Essen, an politischen Fragen – an mir; Du warst völlig apathisch. Gut, dass jetzt alles anders ist!“ Dann lachten beide glücklich.

Auch wenn der Buddhismus verneint, selbst eine Religion zu sein, so zersetzen doch seine Praxis und Lehre die Religionen. Seine Verpflichtung des Menschen zu monadischer Einsamkeit weist alle Transzendenz ab. Religion wird individualisiert und subjektiviert; sie wird bemessen an ihrem privaten Nutzen. Das Göttliche oder gar ein personaler Gott sind gegen die Sakralisierung des menschlichen Ichs ausgetauscht. Dies kann angeblich kraft verborgener Energien zur Einheit mit Natur und Kosmos gelangen. Eine neue Stufe der Fülle würde erreicht: ihm eröffneten sich Reinkarnation, Transformation und Evolution. Fern aller christlichen Interessen kommentiert der Religionssoziologe Hilbert Knoblauch: „Die ‚Neognosis‘ ist in gewissen Weise der deutlichste Ausdruck einer Sakralisierung des Ich, das nun – kraft verborgener Energien – die Einheit mit Natur und Kosmos erbringen kann. Die verschiedenen Elemente der Neognosis…verstärken die Subjektivierung der Religion, d. h. eine Verinnerlichung; die Individualisierung, d. h. die Entfernung vom öffentlichen Ritual, und die Vermarktung, die Religion nach ihrem privaten Nutzen bemisst“ (Anm. H. Knoblauch, Die Verflüchtigung der Religion in das Religiöse, in Th. Luckmann, Die unsichtbare Religion, Frankfurt 1991, 7 – 41, hier 31).

Sünde und Heil

Bereits 1989 veröffentlichte die Glaubenskongregation ein sehr hilfreiches „Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über einige Aspekte der christlichen Mediation“ (15. 10. 1989). Es setzt sich mit den Praktiken der asiatische Meditation kenntnisreich und fair auseinander. Die früher genannten katholischen Klöster, die Caritas und die Bildungshäuser haben es wohl nie zur Kenntnis genommen.

Der vatikanische Text verweist erwartungsgemäß auch auf die Risiken und Irrtümer, die durch die Verbreitung östlicher physischer und psychischer Übungen in den Raum des Christentums hineinwirken. Sie werden „Fehlformen“ genannt, weil sie „von den Worten und Werken Jesu…möglichst weitgehend alles aus(zu)schließen“ trachten, „was irdisch, sinnenhaft und vom Begriff her begrenzt ist“. Sie forderten dazu auf, „von der Menschheit Chrisi zugunsten eines vagen Eintauchens in den Abgrund des Göttlichen abzusehen“ (Nr. 11).

Dies Zitat spricht klar den christentums-feindlichen Charakter solcher Methoden aus. So macht es auf seine zutiefst zerstörerische Wirkung aufmerksam: auf die Abkoppelung unserer Sehnsucht nach Gesundheit von der Hinwendung zu Gott. Denn für christliches Erlösungsverständnis sind ja physische Heilung und Gott-Verbundenheit nicht voneinander zu trennen.

Wohl charakterisiert die Apostelgeschichte Jesus Christus und seine Sendung auf Erden an einer Stelle mit dem bezeichnenden Satz: Er „zog umher, tat Gutes und heilte alle…“ (10,38). Aber seine Güte zielte auf Doppeltes. Sie war ein humanitärer Akt, der lastendes Leiden wegnahm. Doch durch sein Helfen sollten sich die Beschenkten ihm und dem Vater im Himmel ausliefern. So ist denn der Glaube die Bedingung für Jesu Heilstat.

Das lehrt sogar ein Gegenbeispiel: In Nazareth, seiner Heimatstadt, wundert sich Jesus über den Unglauben der Bewohner; und dieser Unglaube ist der Grund dafür, dass er „dort keine Wunder wirken konnte“ (Mk 6,5f.). Positive Belege für den tieferen Sinn der Wunder gibt es zuhauf. Etwa die Episode des Gelähmten, den vier Männer vom Dach her vor Jesus herablassen. Diesen spricht der Herr zuerst von seinen Sünden los. Bevor er ihn dann heilt, provoziert er die anwesenden Schriftgelehrten mit der erhellenden Frage: „Ist es leichter zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, - oder zu sagen: Steh auf, nimm deine Tragbare und geh umher?“ (Mk 2,1-12). Diese Abschnitt erweist: Heilung des Leibes und Vergebung der Sünden sind nicht zwei getrennte Vorgänge, der eine innerlich und geistig, der andere äußerlich und physisch. Oder noch genauer: Sündenvergebung ist die umfassende Heilsgabe, von der die Heilung des Leibes nur einen Teil darstellt. Und Jesus ist nicht ein Taumaturg, ein Wundertäter, der magisch ein Glücksritual umsetzt und von dem auch sonst in der heidnischen Antike berichtet wird. Darum schließt die genannte Perikope mit dem Satz, dass die Menschen ob des Gesehenen „Gott priesen“: sie haben erkannt, dass es der Allmächtige ist, der durch seinen Boten in die Geschichte eingreifen will. Derselbe Verweis auf Gott als den Erretter begegnet uns im Munde Jesu nach der Heilung der zehn Aussätzigen (Lk 17,11ff.). Sie liegt in der vorwurfsvollen Frage des Herrn gegenüber dem einen von ihnen, der zurückkehrt: „Wo sind die anderen Neun?“ Die Pointe will nicht Dankbarkeit anmahnen. Sie lautet: „Ist niemand sonst umgekehrt, um Gott die Ehre zu geben…?“

Der Sohn Gottes wollte nicht nur das Leid der Menschen, sondern vor allem dessen Ursache beheben. Der anfangs zitierte Vers aus der Apostelgeschichte über Jesu Wohltaten an den Menschen hat darum eine bezeichnende Fortsetzung: Er „tat Gutes und heilte alle, die in der Gewalt des Teufels waren“. Christliche Sicht der menschlichen Beschwernisse bleibt nicht an der Oberfläche des Phänomens. Sie hat einen durchdringenden Blick, so dass sie Sünde und Gottesferne als Wurzel von Krankheit und Not erkennt.

Am beklagenswertesten in darum der Schaden, den die Esoterik in ihren verschiedenen Formen auf dem Feld unseres Glaubens anrichtet. Wohl waren Gnosis und Heterodoxie in der Kirchengschichte schon immer erkennbar. Doch gegenwärtig fallen sie auf besonders bereiten Boden. Sie nähren und fördern wie ein Katalysator den Prozess, den Joseph Ratzinger schon als Kardinal „die heutige Gottvergessenheit“ genannt hat. Wache Glieder der Kirche und ihre Hirten sollten ihre destruktive Wirkung erkennen. Karl Rahner, ohne Frage der Weltoffenheit modernen Christseins zugetan, erfasste unter dem Stichwort „Gnosis“ die theologischen Konnotationen auch von New Age. Die Bewegung verstehe sich als eine Erkenntnis, die nicht einer personalen, gnadenhaften Selbsterschließung Gottes sondern dem zu entdeckenden Wesen des Menschen selbst entstammt. Sie resultiere aus solipsistischem „Selbstbewusstsein“, sie sei nicht gehorsames Hörten des Wortes des anderen Gottes, nicht Glaube. Solche Erkenntnis sei dann angeblich schon durch sich allein erlösend; in ihr wäre alles Heil gegeben. (LThK art. „Gnosis“, Bd. 4 ((1960)), 1019ff.) Und der größte Zen-Apostel des vergangenen Jahrhunderts, der Japaner Teitaro Suzuki, erklärt ohne Umschweife: „Zen ist keine Religion. Denn Zen kennt keinen Gott, der angebetet werden muss“ (Anm. Zitiert in der sehr kenntnisreichen und detaillierten Schrift H. van Straelen, Selbstfindung oder Hingabe, Beiträge aus „Theologisches. Katholische Monatsschrift“, Siegburg 1997, 43).

Die Not als Stimulus

Eine Krise muss nicht immer in der Katastrophe enden. Die Bedrängnis der Glaubensgemeinschaft durch New Age ist nicht notwendig das „Trojanische Pferd“, das das Christentum bezwingt. Bezeichnend ist, dass der Glaube dem Wort „Heimsuchung“ einen doppelten Sinn gibt. Beides: Prüfung und Ermutigung – wie in der Heimsuchung der Gottesmutter Maria bei ihrer Cousine Elisabeth. Könnte so die asiatische Meditationswelle eine „Heimsuchung“ sein und eine positive Funktion für das Christentum bekommen?

Ein Blick über den Tellerrand Kirche mag lehrreich sein. Auch große weltliche Konzerne kennen Phasen eingeschränkter Effizienz. Sie sind dann gezwungen, ihre Arbeitsweise zu prüfen, um sie zu verbessern. Am Anfang steht die bedrückende Wahrnehmung des Niedergangs. Sie muss zum Überdenken der Ziele und Mittel führen, die das Arbeiten bestimmen; die vorrangigen Schwerpunkte der Entscheidungen bei der Betriebsleitung und den Mitarbeitern sind zu befragen. Wenn Führungskräfte eine Null-Fehler-Überzeugung sanktionieren, geht es weiter bergab. Nur eine andere „Unternehmenskultur“ kann Abhilfe schaffen. Erst solche Einsicht bietet die Chance einer umfassenden Re-Vitalisierung des Unternehmens. Ohne Krisensituationen gelingt es demnach offenbar nicht, das gängige „Vor-sich-hin-Arbeiten“ abzulösen.

Ich habe diese in Problem-Fällen anzugehenden Schritte in einer wissenschaftlichen Studie für Wirtschaftsunternehmen gefunden. Die Untersuchung verweist etwa auf den Fall der deutschen Fluglinie „Lufthansa“. Diese Airline hätte sich Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts unternehmerisch in einer verzweifelten Lage befunden. Nur durch fundamentales Umdenken in der Chefetage sei ein Neuanfang gelungen (Anm. F. Weber / J. Berendt, Robuste Unternehmen. Krisenfest in Zeiten des Umbruchs, Wiesbaden 2017,3).

Zur Wahrnehmung gegenwärtiger kirchlicher „Fehler-Kultur“ braucht es keine große Hellsichtigkeit: Genügt denn etwa irdisches Denken und Handeln, das unter Christen und in der Kirche unabwendbar dominiert? Unsre Sorge gilt dem Menschen. Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung zählen nicht mehr als „zweites Gebot“, das dem „ersten“, der Liebe Gottes, wohl gleich, aber eben doch das „zweite“ ist. „Mach’s wie Gott, werde Mensch“, ruft man uns wohlmeinend zu. Anthropozentrik verdrängt Theozentrik. Und New Age mit seiner totalen Gott-Vergessenheit steht bereit, weil es letztlich so viel Philanthropie nur auf die Spitze treibt.

Darum ist Gott anzubeten; „allzeit gegenwärtig zu haben im Gemüt und im Streben und in der Liebe“, wie es der große Meister Eckehart sagte (Anm. Predigten und Traktate ((Hg. J. Quint) München 1955, 59). Und Gott ist zu verkünden, wie er sich geoffenbart hat. Sein biblisches Selbstbildnis ist anzustaunen.

Wer sich das Neue Testament „zu Herzen“ nimmt und auf Gott hin befragt, kann nicht kalt bleiben. Er spürt etwas von der Liebe, die Gott in sich ist. Das erste Wort im Munde des irdischen Jesu finden wir beim Evangelisten Lukas. Der zwölfjährige spricht es im Tempel. Es ist ein Wort über den Vater: „Wußtet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist“ (2,49). Und Jesu letztes Wort vor seinem Tod befaßt sich wieder mit dem Vater: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ (23,46).

Karl Rahner hat von der geoffenbarten Dreifaltigkeit auf das innertrinitarische Leben geschlossen. Er hat die These aufgestellt „Die ‚ökonomische‘ Trinität ist die ‚immanente‘ Trinität“ (Anm. K. Rahner, Der dreifaltige Gott als transzendenter Urgrund der Heilsgesichte, in J. Feiner/M. Löhrer ((Hg.)) Mysterium Salutis Bd. 2, Einsiedeln 1967, 317 – 398, hier 328). Wohl ist seine Spekulation nicht unwidersprochen geblieben. Dennoch hat Gott es zugelassen, ja in seiner Offenbarung offenbar gewollt, dass wir durch sein Heilshandeln in Christus einen Blick in das innergöttliche Leben tun. Die erste Person, der Vater, gibt das Leben weiter, spricht sich aus, bildet sich durch die Kraft des Heiligen Geistes im Sohn ab. Gottes Leben in drei Personen ist reservelose Zuwendung, totale Bejahung, Erfüllung durch das liebende Du. Gott ist Liebe nicht erst dadurch, dass er seine Geschöpfe liebt. Schon vor aller Schöpfung ist Gott in sich, in Bezug auf sich selbst, Liebe. Und die göttlichen Personen leben ständig genau das Glück, seine Geschöpfe ersehnen; das wir gelegentlich erfahren, wenn uns ein liebendes Du bejaht. - Der frühere Kardinal von Mainz, Hermann Volk, konnte große theologische Wahrheiten auf einprägsame Sätze verknappen. Er sagte über das Befinden des dreieinigen Gottes: „Gott geht es gut, Gott geht es sehr gut, Gott geht es unendlich gut, Gott geht es unstörbar gut, Gott ist ganz und nur selig.“ (Anm. „Gott lebt und gibt Leben“ in H. Volk, Gesammelte Schriften III, Mainz 1978,133 – 184, 146) .

Wer den dreifaltigen Gott in der Pastoral übergeht, versündigt sich doppelt: Auf Seiten Gottes streicht er die Wahrheit, dass sich sein liebendes, erlösendes Du uns zuwendet. Und uns Menschen betrügt er um Gottes Zusage, dass wir an der Fülle von Gottes eigenem glücklichen Lebens teilhaben sollen. Wer wollte sie mit dem Nirwana tauschen?

Hochschule Heiligenkreuz - Paul Josef Kardinal Cordes (vorne Mitte) bei der Tagung ´Erlösung oder Selbsterlösung´




Foto (c) Hochschule Heiligenkreuz

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