16 Juni 2016, 18:00
Vom scheinbaren Glück der Esoterik zum wahren Glück des Glaubens
 
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„Endlich konnte ich diese riesige Last, die ich in all den Jahren mit mir schleppte, die immer erdrückender wurde, auf IHN werfen. Ja, ich habe es erfahren: Durch seine Wunden bin ich geheilt.“ Gastbeitrag von Diakon Markus Michael Riccabona

St. Pölten (kath.net) Ich bin in eine Familie hineingeboren worden, in der bereits seit meiner Urgroßmutter an esoterische Lehren geglaubt wurde. Wiedergeburt, „aufgestiegene Meister“, Channelling und Co. waren für mich von Kindesbeinen an selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich wurde ich jedoch auch getauft, ging zur Erstkommunion und erhielt die Firmung. Denn in das synkretistische Weltbild der Esoterik ist vieles integrierbar. Jesus ja, aber er ist nur einer von vielen „Meistern“, die in eine höhere Dimension, in einen höheren Bewusstseinszustand aufgestiegen sind. Er wird jedoch nicht als der eingeborene Sohn Gottes, nicht als persönlicher Heiland, Retter und Erlöser gesehen.

Nach der Pubertät begann ich selbst esoterische Literatur zu lesen, später auch Okkultes, beschäftigte mich mit spiritistischem Pendeln, Sanskrit-Mantras und Runenmagie. In der Mitte meiner Zwanziger traf ich dann eine „spirituelle Lehrerin“, in deren Gruppe ich die so genannte „Metaphysik“, die sich als „esoterisches Christentum“ ausgab, kennen und anwenden lernte. Kern dieser Lehre ist die so genannte Meisterschaft über die Materie, das heißt, dass man sich durch Bewusstseinserhöhung von allen Zwängen und Einschränkungen der materiellen Welt befreit, und sich schließlich in eine höhere Dimension des Daseins erhebt, bis man schließlich selbst zu einem „aufgestiegenen Meister“ wird.

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Die von der Esoterik propagierte Selbstvergöttlichung des Menschen wirft ihn aber letztlich auf ihn selbst zurück. Die oberflächliche „Liebes-Aura“ der Esoterik entpuppt sich als tief gehende Täuschung eines kalten, beziehungsunfähigen und daher lieblosen „Gottes“. Die gepriesene Möglichkeit der Selbsterlösung durch Erkenntnis wird zur furchtbaren Verdammung, ohne Gnade und göttliches Erbarmen alles aus eigener Kraft vollbringen zu müssen. Bis zur letzten Konsequenz. Das führt oft zu quälenden seelischen Bedrängnissen bis zu ernsten psychischen Erkrankungen.

Auch ich selbst erlebte einen zunehmenden Erfolgsdruck, zumal sich trotz intensiver Praxis die vorgegebene Beherrschung der Materie nicht einstellen wollte. Die Treffen in der Gruppe wurden immer mehr zu einer Belastung, da ich ja schließlich entsprechen musste. Je nachdem, welchen Fortschritt man in den Augen der Gruppenleiterin erreicht hatte, bekam man besondere Gunsterweise – die den Druck letztlich nur noch weiter verstärkten. Als meine zukünftige Ehefrau in mein Leben trat, wurde es noch enger: Eine Konkurrenz wurde von der Gruppenleiterin nicht geduldet. Meine Partnerin wurde zum Feind erklärt, der einen schlechten Einfluss auf mich ausübe und mich energetisch „hinunterziehe“.

Der Wendepunkt kam bei einer so genannten Visionssuche, einer geführten Auszeit in der Wildnis – alleine, ohne Schutz (Zelt) und ohne Nahrung vier Tage und vier Nächte in der Gebirgswüste des Hoch-Sinai. In einer durch einen brennenden Dornbusch (!) geschwärzten Steinformation fand ich einen vertrockneten Granatapfel – durchbohrt von einem Dorn. Spontan assoziierte ich damit das durchbohrte Herz Jesu Christi. Ich war erschüttert. Als ich in der Feedbackrunde den anderen Teilnehmern und den Leitern meinen Fund präsentierte, meinten diese, dass Granatapfel und Dorn eindeutig Symbole für die Genitalien von Mann und Frau seien. Ich konnte diesen Unsinn nicht fassen. Doch damit begann meine Umkehr.

Nach einer Nacht mit Sandsturm und einer weiteren mit Schneesturm sah ich in der letzten Nacht der Auszeit, der so genannten Visionsnacht, vom Hoch-Sinai auf mein gesamtes bisheriges „Esoterik-Leben“ – und da war nur noch ein großes Fragezeichen: „Was mache ich da überhaupt?“ Mit einem Mal waren alle scheinbaren Sicherheiten, das ganze Weltbild, auf dem mein bisheriges Leben beruht hatte, in Frage gestellt. Doch es war noch ein weiter Weg.

Ein Jahr später wurde ich auf einer Mexiko-Reise von der Vorsehung zu einer Erweckungs-Veranstaltung einer evangelikalen Gruppe geführt. Dort durfte ich – durch reine Gnade – Jesus Christus als den Sohn Gottes, als meinen Heiland und Retter, der mich durch sein Leiden und seinen Tod am Kreuz erlöst hat, erkennen. Ich schaute auf den, den ich durch meine Sünden durchbohrt hatte. Ich schaute auf den lebendigen Granatapfel, das für mich geöffnete Herz Jesu. Trotz dieses Bekehrungserlebnisses war für mich sofort klar, dass die Evangelikalen nicht die Endstation meiner Reise waren. Bei all dem mitreißenden Enthusiasmus war doch zu wenig Tiefe spürbar.

Zurück in Wien, zog mich eine große innere Sehnsucht nach der Eucharistie zu den Sonntagsmessen in die Pfarrkirche Altottakring. Dort wurde an einem Sonntag in der vorösterlichen Bußzeit ein ständiger Diakon in sein Amt eingeführt. Als er am Ambo stand und sich vorstellte, hörte ich eine Stimme in meinem Inneren zu mir sagen: „Das ist deine Aufgabe!“ (Heute weiß ich: Gott schenkt nicht die Gnade der Bekehrung ohne eine Berufung, und keine Berufung ohne konkrete Sendung. Er will, dass wir Menschen – in all unserer Erbärmlichkeit – an seinem Erlösungswerk mitarbeiten.) Damals hatte ich keine Ahnung vom Ständigen Diakonat – Jahre später wurde ich von Kardinal Christoph Schönborn im Dom zu St. Stephan geweiht. Dazwischen lagen aber vor allem: Umkehr, Beichten, intensive geistliche Begleitung und zahlreiche Befreiungsgebete.

Die erste Beichte seit meiner Firmung war dabei der sicher wichtigste Schritt und ein Schlüsselerlebnis. In Altottakring wurde bekannt gegeben, dass ein gewisser Pater Bernhard vom Stift Heiligenkreuz in der Karwoche Beichte hören würde. Ich wusste sofort: Da muss ich hin! Von einem P. Bernhard Vošicky hatte hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört, aber Heiligenkreuz war mir schon früher als „sehr katholisch“ bekannt gewesen. Ich dachte mir: Also wenn schon katholisch, dann aber gleich richtig …

Bei der Beichte war wirklich Jesus vor mir. Der HERR. Aus P. Bernhard strahlte eine so überwältigende Liebe, dass ich nur noch weinen und schluchzen konnte. Er nahm meine Hand, und ich war von diesem Strom der Liebe Gottes dermaßen überwältigt, dass ich wusste: Jetzt bin ich zu Hause angekommen. Ich bin da. Endlich, endlich konnte ich diese riesige Last, die ich in all den Jahren mit mir schleppte, die immer größer und erdrückender, ja aussichtslos wurde, auf IHN werfen. Im Bewusstsein, dass ER sie für mich bereits getragen hat. Hinauf auf das Kreuz. Ja, ich habe es erfahren und bezeuge es: Durch seine Wunden bin ich geheilt.

Markus Michael Riccabona (Foto) ist ständiger Diakon, verheiratet und Leiter des Referats für Kommunikation der Diözese St. Pölten.

Dieser Beitrag erschien zuerst in "Feuer und Licht", Nr. 243 Mai 2016.


Priesterweihe in Heiligenkreuz: Die Weihekandidaten (Konrad Ludwig, Moses Hamm, Malachias Hirning) und Diakon Riccabona beim feierlichen Einzug




Foto oben (c) Elisabeth Fürst









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