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„Eindrücklich waren für mich Menschen, die ihren Glauben glaubwürdig gelebt haben – oft ganz still“

11. Juni 2026 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Msgr. Georg Austen/Bonifatiuswerk feiert sein 40. Priesterweihejubiläum: „Das Herzstück meines Dienstes sind die Begegnungen mit Gott und den Menschen.“ Interview von Theresa Meier/Bonifatiuswerk


Paderborn (kath.net/Bonifatiuswerk/pl) Monsignore Georg Austen feiert sein 40. Priesterweihejubiläum. Im Gespräch blickt der Bonifatiuswerk-Generalsekretär auf Menschen, die ihn geprägt haben, bewegende Erfahrungen, die Kraft des Glaubens und die Hoffnung, die ihn bis heute trägt. Die Fragen stellte Theresa Meier. 

Bonifatiuswerk: Erinnern Sie sich noch an den Moment Ihrer Priesterweihe? Was ging Ihnen damals durch den Kopf? 

Monsignore Georg Austen: Ich erinnere mich besonders an den Moment, in dem wir in der Weiheliturgie ausgestreckt auf dem Boden vor dem Altar lagen. Die ganze Anspannung ließ langsam nach. Es war für mich auch ein ganz besonderes Gefühl: Ich lasse mich mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinem Leben und meinen Fragen auf den Weg der Christusnachfolge ein und kann mich Gott überlassen, auch wenn dies recht fromm klingt.

Bonifatiuswerk: 40 Jahre Priester: Was ist für Sie der Kern Ihres priesterlichen Dienstes geworden?

Msgr. Austen: Das Herzstück meines Dienstes sind die Begegnungen mit Gott und den Menschen. Ob im Gottesdienst, der Sakramentenspendung, in der Jugendarbeit, als Gefängnisseelsorger, beim Weltjugendtag oder heute im Bonifatiuswerk – entscheidend war für mich immer die Erfahrung, dass Glaube Menschen Halt, Orientierung und neue Perspektiven schenken kann. Ich habe meinen Dienst nie nur als Schreibtischaufgabe verstanden. Seelsorge beginnt dort, wo Menschen in Beziehung kommen und mit ihren Fragen, Sorgen und Hoffnungen ernst genommen werden – dort, wo der christliche Glaube existenzielle Bedeutung hat. 


Bonifatiuswerk: Gab es Menschen, die Ihren Weg besonders geprägt haben?

Msgr. Austen: Mein Elternhaus hat mich entscheidend geprägt. Besonders von meinem Großvater und meiner Mutter habe ich gelernt, dass ein tiefes Gottvertrauen und gelebter Glaube ganz selbstverständlich zum Alltag gehören. Beeindruckt hat mich dabei ihre Fähigkeit, trotz persönlicher Verluste, schwerer Schicksalsschläge und der Erfahrungen des Krieges das Leben zu bejahen. Wichtige Impulse erhielt ich später am Mauritius-Gymnasium in Büren bei den Jesuiten. Geprägt haben mich außerdem das dörfliche Leben in meinem Heimatort Brenken, die Erfahrungen im Jugendverband und dessen gesellschaftliches und politisches Engagement. Und überhaupt junge Menschen, die Freude hatten, in Kirche und Welt mitzumischen sowie Verantwortung zu übernehmen. Besonders eindrücklich waren für mich aber immer wieder in den Gemeinden, wo ich als Seelsorger wirken durfte, Menschen, die ihren Glauben glaubwürdig gelebt haben – oft ganz still und ohne große Worte. Gerade diese authentischen Zeugnisse haben mich neugierig gemacht und meinen eigenen Weg nachhaltig beeinflusst.

Bonifatiuswerk: Was haben die Menschen Sie in diesen vier Jahrzehnten über den Glauben gelehrt?

Msgr. Austen: Sehr oft haben mich Menschen in schwierigen Lebenssituationen beeindruckt: Gefangene, Menschen in Armut, in Krankheit und am Sterbebett oder Menschen, die Krieg und Flucht erlebt haben. Oft habe ich bei ihnen erfahren und von ihnen auch in meinen Fragen und Zweifeln lernen dürfen, was christliche Hoffnung, Vertrauen, Zuversicht und Durchhaltevermögen bedeuten. Erfahrungen in Afrika oder Argentinien bis hin zum Vatikan haben mir ein vielfältiges Bild von Weltkirche gezeigt, das von unterschiedlichen Kulturen und Lebendigkeit geprägt ist. Ich hatte auch immer das Glück, nie allein unterwegs gewesen zu sein, sondern immer mit anderen im Team zu arbeiten, die Freude daran hatten, Kirche zu gestalten. Der Glaube ist für mich deshalb nie nur Theorie geblieben, sondern etwas, das sich im konkreten Leben bewähren muss.

Bonifatiuswerk: Sie haben Kirche in sehr unterschiedlichen Rollen erlebt. Welche Erfahrungen haben Sie besonders geprägt?

Msgr. Austen: Vor allem die Zusammenarbeit mit vielen engagierten Menschen. Ich habe erlebt, wie viel möglich wird, wenn Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Arbeit mit jungen Menschen, internationale Partnerschaften, der Weltjugendtag 2005 oder die Unterstützung unzähliger Projekte im Bonifatiuswerk haben mir gezeigt: Kirche ist dann lebendig, wenn sie sich den Menschen zuwendet, Verantwortung übernimmt und auch Neues wagt. Es gab und gibt auch Zeiten der Erschütterung, beispielsweise beim sexuellen Missbrauch, auch in der Kirche, wo das Evangelium verdunkelt wird oder es zu Machtmissbrauch gekommen ist. Das ist und bleibt ein Stachel im Fleisch. Trotzdem erlebe ich, dass mit allen Problemen und Defiziten unsere Kirche den Menschen solidarisch zur Seite steht. Hier fehlt es uns heute oft an gesundem Selbstbewusstsein. Wir brauchen mehr Hoffnungs- als Bedenkenträger.

Bonifatiuswerk: Was gibt Ihnen angesichts aller Herausforderungen Hoffnung für die Zukunft der Kirche?

Msgr. Austen: Hoffnung macht mir, wo wir uns als Kirche den notwendigen Veränderungen mit Gottvertrauen stellen und zeitgerecht das Evangelium in Wort und Tat verkünden sowie im Gebet tiefer verbunden sind. Hoffnung geben mir Menschen, die ihren Glauben überzeugend leben und andere damit anstecken – gerade junge Menschen. Ich erlebe das im Bonifatiuswerk bei unserem Freiwilligendienst „Praktikum im Norden“, in den Diaspora-Gemeinden Nordeuropas, des Baltikums und in vielen kreativen Projekten, die bewährte Formen lebendig halten und neue Wege der Glaubensvermittlung suchen. Von den Kirchen in der Diaspora können wir gerade mit Blick auf ihre Internationalität lernen, was es bedeutet, eine Weltkirche zu sein. Es gilt, mit den unterschiedlichen Weltanschauungen und Lebensweisen auch mit Andersdenkenden und -glaubenden in den Dialog zu treten. Die Menschen in der nordeuropäischen und baltischen Diaspora überlegen, wie sie zum Frieden beitragen und Menschen, die nach einer geistlichen Heimat suchen, ein Zuhause geben können.

Für die Zukunft wünsche ich mir eine Kirche, die ihre Wurzeln kennt, die glaubwürdig, nahbar ist, notwendige Reformen mutig angeht, den Menschen mit Zuversicht begegnet, ihnen zuhört und sie auf ihrem Lebensweg begleitet.

Foto aus der Festmesse: Msgr. Austen (c) Bonifatiuswerk/Hartmut Salzmann


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